Killerspielspielchen

by Gunnar on 25. September 2009 · 14 comments

Vielleicht habe ich nicht alles genau beobachtet, aber mir kam es so vor, als ob die Medien, so voyeuristisch ihre “Berichterstattung” bei der gräßlichen Bluttat von Ansbach auch war, sich immerhin im Vergleich zu den vorangegangenen Amokläufen einigermaßen zurückgehalten haben. Auch Vergleiche zu “Killerspielen” wurden kaum gezogen.

Die relative Zurückhaltung der Medien bei der Schuldzuweisung “Killerspiele mache Amokläufer” liegt natürlich auch daran, dass es diesmal aber auch so gar keine Hinweise darauf gab, dass der Täter Videospieler gewesen sein könnte. Andererseits — das Fehlen von Hinweisen hat die Kollegen in den Nachrichtenredaktionen der Boulevardpresse noch nie von vielsagenden Spekulationen abgehalten.

Obwohl, bis zum Boulevard muss man gar nicht gehen, schau’n wir doch mal in die SZ von heute:

Die Kripo rätselt über eine bundesweite Anschlagserie an Autobahnen. In einem Jahr wurden 160 Lastwagen von Schüssen getroffen. Spielen die Täter ein in die Realität übertragenes Ballerspiel? […] Für ein anderes Motiv gibt es keine Hinweise. Die Fabrikate der beschossenen Autos sind so unterschiedlich wie ihre Bestimmungsorte. (Quelle)

Äh ja. Sicher. Wenn’s kein Motiv gibt, muss es wohl so ein irrer “Killerspieler” sein.

Naja, immer noch besser als Ex-Ministerpräsident Beckstein, der vor ein paar Tagen mal wieder ohne Not und Sachverstand folgendes behauptet hat:

Das Spiel Counter-Strike wurde von der US-Army entwickelt, um die Gewaltschwelle bei den Soldaten herabzusetzen. Derartige Spiele gehören nicht nur zensiert, sondern verboten! (Quelle)

Irgendwann kriege ich mal raus, wer dem armen ahnungslosen Politrentner diesen Bären aufgebunden hat. Ich vermute schon lange, dass irgendwo, vielleicht in Bonn, eine gehässige Consultingagentur voller frustrierter älterer Herren sitzt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, möglichst vielen Politikern möglichst viele bekloppte Standpunkte einzublasen. Um zu demonstrieren, dass die Berliner Republik nicht funktioniert, vielleicht. Oder um sich am Establishment zu rächen. Oder sonstwas. Ach.

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