“Montagsmusik” heißt die Mini-Rubrik dieses Blogs, in der ich regelmäßig entspannende oder weniger entspannende Musik zum Wochenstart empfehle. Die gibt’s heute mal am Freitag, weil’s mir so besser in die Planung passt. Ist übrigens schon wegens des großartigen Videos anschauenswert, selbst wenn man die Musik nicht mag.
Ich fahre am frühen Morgen eine dreispurige Straße entlang. In München. Wenn man das Gezuckel im Berufsverkehr überhaupt “fahren” nennen möchte. Komme an eine Ampel, verzichte auf’s Durchrasen bei Dunkelgelb und komme zum Stehen. Greife zum iPhone, um mit dem Feedreader die morgendliche Dosis SEO-Blogs zu lesen. Dumme Angewohnheit, jaja, aber ich bin offenbar nicht alleine damit — rechts, im kleinen Seat, feilt sich eine mittelalte Dame intensiv die Nägel. Links, im nagelneuen 911, stochert sich ein Mann in den Sechzigern, mit Wellen im grauen Haar und Halstuch, in den Zähnen herum und liest dabei die Aufschrift auf einer Medikamentenpackung, die von da, wo ich sitze, verdächtig nach einem Prostatamittel aussieht. Ist der Firma Porsche eigentlich klar, dass ihre Kernklientel keineswegs die dynamischen 40jährigen Querdenker aus dem Management sind, von denen sie immer faseln, sondern durchweg geföhnte ältere Herren?
Dann hupt jemand. Wir schrecken auf, unterbrechen das Lesen, des Feilen, das Stochern und fahren los. Ich denke noch kurz über die relative Undistinguiertheit des Zahnreinigens beim Autofahren nach, wobei mir dieses uralte PC-Spiel einfällt, das einem bei der endlosen Installation mit zehn Disketten zwischendurch immer so kleine Lebenshilfetipps eingespielt hat, unter anderem “Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, mal drüber nachzudenken, wie Sie diese ekelhafte Angewohnheit loswerden, diese Sache, die Sie immer im Auto machen, wenn Sie allein sind. Ja, wir haben Sie gesehen.“, da kommt schon die nächste Ampel und diesmal rutsche ich am Porschefahrer vorbei und komme neben einem Geschäftsmann im Mercedes Kombi zu stehen. Und, argh!, der pult auch in den Zähnen, professionell, mit so einem Zahnreinigungszahnstocher samt Puschel dran. Die machen das alle. Offenbar ist in den Autos der oberen Klassen das Zahnpflegeset als Zubehör erhältlich.
Vielleicht ist es nur Zufall, vielleicht bin ich aber auch der Einzige, der seine Zähne zuhause putzt und hin und wieder blicken Leute mit einem Schaudern zu mir ins Auto und fragen sich, warum ich da mit einem Handy oder dem Radio ‘rumfummele, anstatt mir die Zähne zu säubern.
Neulich, bei einer Bahnfahrt, saß ich unweit von einer adretten, intellektuell aussehende Dame in den späten Fünfzigern, die mit ihrem 14jährigen Enkel unterwegs war. Deren Gespräch musste ich mithören, weil ich — zu konservativ erzogen — nicht die Lässigkeit anderer Leute habe, die sich auf Zugreisen erfolgreich ins Koma trinken und so der Welt samt den Mitreisenden entkommen.
Die Dame las Zeitung, der Junge versuchte, ein Spiel, ich glaube, es war einer der Advance Wars-Titel, auf dem Nintendo DS zu spielen. Versuchte, sage ich, weil die Dame nicht in der Lage war, ihre Zeitung einfach normal von vorne nach hinten zu lesen, sondern atemlos von Artikel zu Artikel sprang, immer ein paar Zeilen querlas, abbrach, weitersprang und dabei das Ganze fortwährend kommentierte. Das ergab einen ununterbrochenen Strom von Halbsätzen und Halbgedanken, der mich nach knapp zehn Minuten in eine Art Trance versetzte:
Ja, nun, zehn Tage im Urwald, das würdest du nicht schaffen. [Einwurf des Enkels: Doch, das würde ich schaffen] Summa, summa cum laude, das hat der. Gut, was? Oh, Rohstoffgewinnung in der Antarktis. Hm. Ach, die SPD macht das schon, jaja. Nun, der sieht nett aus, der Ulrich Nussbaum. Ja. Nu. Weißte, wie er noch netter aussehen würde? Wenn man ihm einen Bart malte. Hm. Was fährt der einen Bentley, der ist doch Sozialdemokrat. Du, Schnuckel, ich geh jetzt noch aufs Klo, dann sind wir am Ende unser gemeinsamen Reise. Ach doch nicht, wir sind ja erst in Würzburg.
Surreal. So ging das ununterbrochen. Für wenigstens eine Stunde. Ich wage nicht, mir auszumalen, wie das auf die Seele eines 14jährigen gewirkt haben muss.
Kai Diekmann, Chefredakteur von BILD, ist — der Eindruck drängt sich jedenfalls auf — einer dieser Medienfuzzis, deren Selbstverliebtheit so allumfassend ist, dass sie sich vom Friseur rasieren lassen müssen, weil sie, täten sie das zuhause, nicht mehr vom Spiegel wegkämen. Klassisches Chefredakteursyndrom, aber in ungewöhnlicher Ausprägung.
Deswegen bloggt er jetzt auch noch, jedenfalls für wenigstens 100 Tage: unter kaidiekmann.de. Möglicherweise um der Welt zu beweisen, dass er auch das mindestens genauso gut kann wie seine Feinde vom Bildblog.
Theoretisch.
Praktisch ist die Webseite, man merkt’s schon am relativ aufwändigen Design, allerdings eher ein Projekt der BILD digital GmbH als ein persönliches Blog — Diekmann gibt zwar die Linie vor, schreibt aber natürlich nicht selber, dafür hat er ja Redakteure. Was nun aber der Sinn eines aus der Ich-Perspektive verfassten Blogs ist, wenn man dann doch nicht selber ran will, das erschließt sich dem gesunden Menschenverstand nicht. Vielleicht ist Diekmann tatsächlich so unfassbar eitel wie er tut, vielleicht will er sich mit dem Blog (das vor “Selbstironie” nur so trieft) über seine bloggenden Gegner lustig machen, vielleicht ist das alles nur eine Bespaßungaktion für die Insider von den Mediendiensten (*). Wer weiß das schon.
Es ist — und das zu hören würde ihn vielleicht freuen, wenn er das hier läse, was er aber sicher nicht tut — aber nachgerade unerträglich, wenn einer wie Diekmann, unter dessen Regie Menschenleben zerstört werden, lässig und ironisch seinen Kritikern Raum gibt (unter der Rubrik Mein Fanclub), als ginge es bei deren Beschwerden es sich nur um eine Art Meinungsverschiedenheit.
Die wöchentliche Linkliste des freundlichen Herrn Kaliban, der sich an dieser Stelle auch gleich noch für die zunehmende Zahl von eingesandten Tipps bedanken möchte. Helden dieser Woche sind: Lou, Hilko und Marjan. Und nochjemand, den ich aber, ahem, vergessen habe.
Ich bin ein kleines bisschen irritiert– was soll die ganze Hysterie in Twitter, Medien und Blogs um den Launch von diesem Windows 7?
Ich bin nun kein IT-Experte und habe auch die Beta von Windows 7 nicht ausprobiert, aber hey, so wie ich das verstehe, tut Windows 7 letztendlich doch nur das, was eigentlich Vista schon 2007 hätte tun sollen, aber einfach nicht getan hat. Sich jetzt zu freuen, dass man den Problemen einer teuren Software durch den Kauf einer neuen Fassung derselben teuren Software beikommen kann, ist ein bisschen sad.
Natürlich ist es schön, dass das missratene Vista (seinerzeit übrigens auch schon als bestes OS seit Erfindung des heißen Wasser beworben) jetzt abgelöst wird, aber nach so einem Desaster würde ich erwarten, dass MS den Kunden die nächste Variante als kostenloses Upgrade per singendem Boten ins Haus liefert, mit Goldschleifchen drum. Immerhin haben Privatnutzer und Firmen erst kürzlich ordentlich Geld für Vista ausgegeben — ein Betriebssystem ist ja nichts, was man in jedem ungeraden Jahr neu kaufen will. Das jetzt auch noch so halb-lustig zu karikieren, indem man insistiert, dass jetzt aber wirklich alles einfacher würde, das, liebe Redmonder, ist nachgerade frech.
Ich bin kein Freund von Powerpoint, nicht mal von Keynote. Manchmal kann ich aber nicht darauf verzichten — und wenn ich’s schon benutzen muss, kann ich auch gleich schwere Geschütze auffahren. Und die Präsentationen mit allerlei Tricks aufhübschen.
Für Vorträge oder das diese nervige Vortanzen mit angeschlossener Präsentation mache ich mir immer zuerst eine Art Rohkonzept, dann fülle ich das mit Leben. Dazu verwende ich eine Reihe von Tools und Webservices: Wenn ich, sagen wir, eine Aussage über die Doppelnutzung Internet und Radio treffen wollen würde, dann baute ich vielleicht eine Grafik von Statista ein. Oder suche ein Chart bei eMarketer.com. Will ich Organisationsstrukturen transparent machen, bastele ich mir ein hübsches Organigramm. Brauche ich einen Trafficvergleich von fremden Webseiten, sammele ich die Daten aus dem Ad Planner zusammen. Screens von Webseiten mache ich mit Little Snapper. Manchmal gibt’s am Präsentationsort kein Internet, dann zeige ich Webseiten nicht live, sondern kurze Funktionsdemos, die ich mit sowas wie Screentoaster oder Camstudio aufnehme.
Vorher gucke ich natürlich auf Slideshare, ob irgendwer anders schon was zu dem Thema gemacht hat, an dem ich mich vielleicht orientieren kann. Ahem.
Naja, der langen Rede ziemlich kurzer Sinn: Ich bin gerade dabei, für ein kleines Projektchen, all die kostenlosen und auch kostenpflichtigen Tools mal strukturiert aufzulisten, die Leuten wie mir bei der täglichen Arbeit helfen. Und da dachte ich, wenn ich mir schon die Mühe mache, kann ich’s auch gleich richtig machen und mal vorsichtig Sie, meine werten Leser, fragen, ob Sie empfehlenswerte Tools und Webseiten kennen, die in eine solche Liste gehören würden. Nicht nur für das Aufbessern von Präsentationen, sondern alles: brauchbare Projektmanagementsoftware, Ratgeberseiten, Werkzeuge zum Infoaustausch und zur Kollaboration, frei zugängliche Infoquellen, nützliche iPhone-Apps, all sowas. Vorzugsweise kostenlose Sachen, idealerweise.
Das wäre sehr nett, vielen Dank schon mal.
Ach, und wo wir gerade bei Projektchen sind: Dieses andere Projekt ist nicht gestorben. Wird in Kürze auch von der langen Bank geholt, auf die ich es geschoben habe. Großes Pfadfinderehrenwort.
Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat — die grundsätzlich großartige Frau Silverman hat einen Plan entwickelt, mit dem der Hunger in der Welt besiegt werden kann. Kann klappen.
Dies hier ist ein so genanntes Weblog ("Blog"). Es wird seit Anfang 2002 von einer Einzelperson betrieben, die wir hier mal Herrn Kaliban nennen wollen.
Achtung: Das Blog ist voller höchst subjektiver Texte, welche unlektoriert und ohne Freigabe durch eine höhere Instanz ins Netz gelangt sind. Sie können sich ja selber ein Bild machen: Hier sind ein paar Anspieltipps.
Wer z.B. Herrn Kaliban für seine harte Blogarbeit mit ein paar Eurocents entschädigen möchte, könnte Mitglied bei Flattr werden und dann mal auf den folgenden Button klicken:
Ach, schön wär' das.
Man könnte auch den bezahlten Party Poker-Link beachten. Oder auch nicht.
Herr K. macht, mit seinem Ex-Kollegen Chris Schmidt, einen Retrogames-Podcast, der Stay Forever heißt. Ein Klick auf's Bildchen bringt euch hin:
Copyright und so
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Für den hier veröffentlichten "Content" müssen keine Bäume sterben, allerdings werden täglich Myriaden von Elektronen zwangsumgesiedelt.