Gefahren im Straßenverkehr

by Gunnar on 29. Oktober 2009 · 7 comments

Ich fahre am frühen Morgen eine dreispurige Straße entlang. In München. Wenn man das Gezuckel im Berufsverkehr überhaupt “fahren” nennen möchte. Komme an eine Ampel, verzichte auf’s Durchrasen bei Dunkelgelb und komme zum Stehen. Greife zum iPhone, um mit dem Feedreader die morgendliche Dosis SEO-Blogs zu lesen. Dumme Angewohnheit, jaja, aber ich bin offenbar nicht alleine damit — rechts, im kleinen Seat, feilt sich eine mittelalte Dame intensiv die Nägel. Links, im nagelneuen 911, stochert sich ein Mann in den Sechzigern, mit Wellen im grauen Haar und Halstuch, in den Zähnen herum und liest dabei die Aufschrift auf einer Medikamentenpackung, die von da, wo ich sitze, verdächtig nach einem Prostatamittel aussieht. Ist der Firma Porsche eigentlich klar, dass ihre Kernklientel keineswegs die dynamischen 40jährigen Querdenker aus dem Management sind, von denen sie immer faseln, sondern durchweg geföhnte ältere Herren?

Dann hupt jemand. Wir schrecken auf, unterbrechen das Lesen, des Feilen, das Stochern und fahren los. Ich denke noch kurz über die relative Undistinguiertheit des Zahnreinigens beim Autofahren nach, wobei mir dieses uralte PC-Spiel einfällt, das einem bei der endlosen Installation mit zehn Disketten zwischendurch immer so kleine Lebenshilfetipps eingespielt hat, unter anderem “Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, mal drüber nachzudenken, wie Sie diese ekelhafte Angewohnheit loswerden, diese Sache, die Sie immer im Auto machen, wenn Sie allein sind. Ja, wir haben Sie gesehen.“, da kommt schon die nächste Ampel und diesmal rutsche ich am Porschefahrer vorbei und komme neben einem Geschäftsmann im Mercedes Kombi zu stehen. Und, argh!, der pult auch in den Zähnen, professionell, mit so einem Zahnreinigungszahnstocher samt Puschel dran. Die machen das alle. Offenbar ist in den Autos der oberen Klassen das Zahnpflegeset als Zubehör erhältlich.

Vielleicht ist es nur Zufall, vielleicht bin ich aber auch der Einzige, der seine Zähne zuhause putzt und hin und wieder blicken Leute mit einem Schaudern zu mir ins Auto und fragen sich, warum ich da mit einem Handy oder dem Radio ‘rumfummele, anstatt mir die Zähne zu säubern.

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