Wir leben in schweren Zeiten der Medienkrise, die Verzweiflung der Verlage ist mit Händen zu greifen. Da werden die Töne schriller und die Ideen absurder.
Okay, dass Verlage grundsätzlich alles, was sie ausblasen, für “Qualitätsjournalismus” halten, daran hat man sich ja gewöhnt. Und dass sie mehrheitlich offenbar der grundsätzlichen Meinung sind, Menschen würden vermutlich dann für ihre speziellen Paraphrasierungen von dpa-Meldungen zahlen, wenn sie nicht komfortabel auf Papier ins Haus geliefert, sondern nur ins weiße Rauschen des Netzes geschossen werden, ist folgerichtig — eine Illusion folgt eben der nächsten.
Aber dass Springer (laut Spiegel.de) den Zugang per iPhone zu Welt.de und BILD.de sperren will, um iPhone-Besitzer zum Kauf von Abo-Apps zu zwingen, das ist das Bizarrste, was ich in dieser Sache seither gehört habe. Absurd. Mal abgesehen davon, dass die entsprechende Weiche leicht umgehbar wäre — was hätten die Springers denn zu bieten, was sich nicht anderswo auf kostenfreieren oder weniger garstigen Quellen auch finden ließe?
Der Springer-Verlag will deshalb auch Ende des Jahres Apps für “Bild” und “Welt” einführen, die voraussichtlich über ein Abo-Modell nutzbar sein sollen. Kunden sollen mit zusätzlichen Inhalten wie Interviews geködert werden; mit Einführung wird der Zugang zu den Web-Seiten von “Bild” und “Welt” über das iPhone gesperrt – möchte man weiterhin die Seiten nutzen, ginge das nur noch über das kostenpflichtige Programm. (Quelle: SpOn)


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Interviews in BILD als Köder. Gelächter!
Mal abgesehen davon, dass der typische iPhone-Nutzer – so wie man ihn sich stereotypisch vorstellen würde – wohl kaum Bild-Leser ist. Denke, Springer startet da lediglich einen Versuchsballon, vielleicht um Kosten-Nutzen einer kostenpflichtigen Inhalte-Verbreitung im möglichst kleinen Rahmen abzuchecken.
Super, so brauch ich wenigstens nicht aufpassen daß ich versehentlich auf einen Link zu Bild und Konsorten klicke…
@Springer: Die gleiche Funktion hätte ich auch gerne am Desktop/Laptop – also bitte auch ein Firefox-Addon zum “Springerlesen” rausbringen!
@Flanders: Als ob dieses Stereotyp des hippen jungen Designers der mit iPhone und Starbucks-Becher durch Prenzlauer Berg läuft noch ansatzweise etwas Wahres hätte. Seit Apple das iPhone auch für Businessanwender geöffnet hat will sich doch jeder GF des Prestige wegens so ein Ding holen. Vor einem Jahr in der Bahn zufällig mitbekommen, Dialog zwischen 2 Mitt-50ern: “Schau mal… iPhone.” – “Oha. Was kann das denn?” (Moment der aufziehenden Verzweiflung) – “Hier, das Foto von meiner Enkelin.”
Wie würde man so schön sagen: das iPhone ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Und die liest nunmal Bild.
Ich finde die Vorstellung, dass Menschen GELD (!) bezahlen, um die BILD zu lesen, immer noch mehr als befremdlich.
Solange ich kaliban.de auf dem IPhone lesen kann, ist mir der Rest egal :-)
Hey, der erste sinnvolle Fall von Selbstzensur!
Mal ernsthaft, wer sollte den dafür Geld bezahlen?
Vernünftige Leute (die keine Bild lesen) interessiert das einen feuchten Dreck.
Und Leute, die auf Bild.de gehen wollen, werden das einfach von zuhause aus tun. Da kostet es ja schließlich immer noch nichts.
Das einzige was die hier wohl beweisen werden ist, wie man Klicks auf die Seite reduziert.
Wenn ich bezahlen will, um am Telefon irgendeinen Mist zu erfahren, kann ich auch bei ner T-Punkt Hotline anrufen…
Die sollten das mal andersrum versuchen. Es gibt sicher ‘ne Menge Leute, die Geld dafuer bezahlen wuerden die BILD nicht zu lesen.. :-P
warum wollen die ihre seiten nur für das iphone sperren ? ist denen noch nicht aufgefallen dass das iphone nur einen kleinen bruchteil der smartphones ausmacht ???
Es mag sein, dass das iPhone nur einen kleinen Anteil ausmacht, jedoch lässt sich durch die Infrasturktur mit dem Appstore der kostenpflichtige Zugang sehr einfach testen.
“Infrasturktur mit dem Appstore” ??? Was alle immer nur mit diesem Appstore haben. Es gibt unzählig viele Appstores für andere Handysysteme. Da könnte man solch ein Ding doch genauso kaufen und runterladen. Aber wahrscheinlich kennen die Leute von Bild wohl nur das Iphone als mobiles Gerät für den Internetzugriff.
Och, sollen sie’s doch durchziehen. Peinlich wird’s erst dann, wenn sie zugeben müssen, dass das neue Geschäftsmodell nicht so recht funktionieren will und sie zurückrudern müssen.
Das sich die Springerpresse selbst vom iPhone schmeißt ist doch mal eine richtige Aufwertung des Handys