Die Knoblauchgeschichte

16. November 2009

in Die Bosheit der Welt

Die Knoblauchgeschichte

In Los Angeles gibt’s ein Restaurant namens The Stinking Rose, bei dem jedes Gericht mit Knoblauch zubereitet wird. An dem fuhren wir früher immer vorbei, wenn wir während der E3-Messen auf dem Weg vom Hotel zur Saddle Ranch waren, dem Ort, wo wir traditionell mit einem unfassbaren Burger-und-Bier-Gelage die US-Reise beendeten. Die Stinking Rose haben wir nie besucht, aber ich hatte mir immer mal vorgenommen, dort einzukehren.

In Berlin gibt’s ein knoblauchaffines Restaurant, das heißt ganz profan Knofel, was lange nicht so cool klingt wie “The Stinking Rose”, aber als mich Freunde dorthin einluden, ging ich gerne mit. Das Essen dort, Knoblauchbraten, Knoblauchkartoffeln, Knoblauchgemüse, Knoblauchschnaps, Knoblaucheis, war brauchbar, wenn auch nicht spektakulär. Wir langten ordentlich zu. Dann ging’s nach Hause auf ein paar Bier, am folgenden Morgen besuchten wir ein Frühstückslokal. Dort wurden wir ausgesprochen unfreundlich bedient, was uns sehr verwunderte — wir waren eine Vierergruppe mit ausreichend Appetit und überdurchschnittlicher Trinkgeldbereitschaft, dennoch ignorierte man uns über weite Strecken des Vormittags. WIr schoben es auf die übliche Berliner Schofeligkeit.

Ein paar Stunde später ging mein Flug zurück nach München, der verging ohne Zwischenfälle, obwohl ich das latente Gefühl nicht loswurde, dass man mich anstarrte. Doch ich begriff den Ernst der Lage erst, als ich zuhause ankam, meine Frau spontan drei Meter zurückwich und mich entsetzt fragt, was ich denn gegessen hätte — da erst begriff ich die fatalen Folgen des Knoblauchabusus und sah, plötzlich, den ganzen Tag vor meinem inneren Auge ablaufen: die erstaunlich zurückhaltenden Kellner beim Frühstück, der unsympathische Taxifahrer, der blöde Typ im Flugzeug neben mir, alles normale Menschen, die nur aufgrund meiner toxischen Ausdünstungen ihre Nonchalance verloren hatten.

Uh.

Ich brauchte dann noch ein paar Stunden intensiven Schrubbens, Gurgelns und Putzens, ehe meine Frau entschied, dass ich — wenn ich den Rest des Tages Kaugummi kaute und heute nacht ins Wohnzimmer zöge — in der gemeinsamen Wohnung bleiben dürfe. Als Dankeschön habe ich ihr dann ihre langersehnten Wandleuchten gekauft.

Schlimm. Habe seither der Knoblauchknolle komplett abgeschworen — wenn demnächst die Vampire die Macht übernehmen, könnt ihr nicht auf mich zählen, sorry.

{ 2 trackbacks }

Nils M
17. November 2009 um 10:04
Twitty Anders
22. November 2009 um 11:40

{ 19 comments… read them below or add one }

1 Stefan 17. November 2009 um 08:28

Nur ins Knofel mit Freundin oder wenn Sie das Wochenende nicht daheim ist und man schon am Freitag dort war. Auf dem Terminplan des nächsten halben Tages sollte man nix stehen haben. Witzig, dass das Ding sogar schon in München bekannt ist.
Achja … Milchtrinken und der ganze Kram … verschenkte Liebesmüh.

Bloggst Du schon im Schlaf, senile Bettflucht oder trieb Dich das Goldkind(TM) aus dem Bett?

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2 Gunnar 17. November 2009 um 12:54

Bin im zeitverschobenen Ausland.

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3 mkraxx 17. November 2009 um 08:30

Und dabei ist Knofi soooooo gesund!

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4 Yukiru 17. November 2009 um 09:18

Die Geschichte erinnert mich ein bischen an Ephraim Kishon. Also vor allem der Satz hier:
“Ich brauchte dann noch ein paar Stunden intensiven Schrubbens, Gurgelns und Putzens, ehe meine Frau entschied, dass ich — wenn ich den Rest des Tages Kaugummi kaute und heute nach(t) ins Wohnzimmer zöge — in der gemeinsamen Wohnung bleiben dürfe.”
Genial :D

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5 Marjan 17. November 2009 um 10:57

das komischste und zutreffendste an diesem eintrag ist in meinen augen übrigens die “übliche berliner schofeligkeit”.

und tatsächlich kannst du gurgeln, schrubben und putzen wie du willst, der geruch kommt zwar aus deinem mund, seinen ursprung hat er jedoch im magen. ganz abgesehen von den ausdünstungen deiner haut.
wärst du mal sonntag abends in dem lokal gewesen, deine freundlichen kollegen bei gamestar hätten bestimmt passende worte gefunden.

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6 Merf 17. November 2009 um 11:08

Ach… Knobi ist das Parfüm des guten Geschmacks!
Knoblauchschnaps allerdings habe ich auch schon getrunken. Seit dem weiß ich: Es muss nicht in ALLEM Knoblauch sein…

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7 mib1982 19. November 2009 um 11:18

Das Parfüm des guten Geschmacks. Großartig.

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8 PhanThomas 17. November 2009 um 11:10

Ach ja, das dünstet man ja so schön über die Haut aus. Urgs. Erinnere mich daran, dass meine Eltern eine Zeit lang auf diese Knoblauchpillen schworen. Die ganze Bude stank, und ich machte einen großen Bogen um die elterliche Autorität. Glücklicherweise erkannten sie irgendwann ihren Irrglaube: Die ekligen Knoblauchpillen verhalfen nämlich ganz gewiss nicht zu einem Herz aus Titan (oder was sie damit auch immer bezwecken wollten), sondern sorgten einfach nur für penetranten Wohnungsmief. Brrrr!

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9 siR 17. November 2009 um 12:45

Stimmt, Knoblauchschnaps ist ja ein Fest der Ausdünstungen!

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10 Traveller 17. November 2009 um 14:22

Irgendwie ist Knoblauch auch nicht gleich Knoblauch. Normalen, frisch verarbeiteten Knofi vertrage ich eigentlich ganz gut und dünste auch nicht so arg vor mich hin. Das von dir beschriebene Erlebnis hatte ich aber mal nach dem Genuss von Knoblauch-Scampi in einer kleinen Strandkneipe in Costa Rica. Das war schon beim Essen der Hammer – ich glaube der Knoblauch war zusammen mit den Krabben drei Jahre lang in Altöl eingelegt.

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11 Marrit 17. November 2009 um 15:32

In Amsterdam gibt’s auch so ein Restaurant: the Garlic Queen. Die geben dich beim bezahlen ein ganz grosse button (pin): ‘ Sorry, I’ve been at the Garlic Queen’ . That would have saved your day!

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12 Le Rainer 17. November 2009 um 17:55

;-)

Großartige Idee.

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13 Yuri 17. November 2009 um 15:34

Wie man freiwillig Knoblauch essen kann, ist mir sowieso ein Raetsel.

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14 Paule 17. November 2009 um 15:42

Zitronensaft neutralisiert jeglichen Geruch im Mund.
-lernt man als Teenager, wen man betrunken nach Hause kommt^^

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15 Ellenn 17. November 2009 um 17:09

Vielen Dank für diese Geschichte ! Ich hatte meinen Spass.

Ich würde gerne ab und an mal etwas mit Knoblauch essen, vertrage ihn aber leider überhaupt nicht. Schon kleine Mengen verursachen Bauchschmerzen und wirken wie ein starkes Abführmittel. Daher behelfe ich mich bei der Zubereitung deftiger Speisen mit extra viel Zwiebeln. Das hat den Vorteil dass man hinterher nur aus einer Körperöffnung stinkt, und diese sich besser regulieren lässt.

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16 HilkMAN 18. November 2009 um 00:33

In China habe ich mal versehentlich im Restaurant einen Teller Knoblauch bestellt. Etwa 50 Zehen. Gebraten. Lecker. :-) Seither schockt mich nichts weiter – ich bin irgendwie auch dagegen immun, das bei anderen Leuten zu riechen.

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17 Norm 18. November 2009 um 02:18

Klingt ja fast wie Obelix und der Topf Zaubertrank ;D

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18 Jürgen F. 19. November 2009 um 23:07

Knoblauch reinigt. Sowohl den Körper (was Pickel, Bauchschmerzen und die abführende Wirkung erklärt) als auch den Bekanntenkreis. So bist Du am Schluss nur noch mit den Leuten zusammen, die Dich WIRKLICH sehr gerne haben.
Der abgestoßene Menschenspam kann dann auf Facebook ein Gerinnsel bilden.

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19 Claus x 22. November 2009 um 02:16

“Der abgestoßene Menschenspam kann dann auf Facebook ein Gerinnsel bilden.”

Klasse!

Und dem Gunnar Dank für die famose Unterhaltung!

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