Stürme in Wassergläsern

by Gunnar on 26. November 2009 · 51 comments

Ach, es sind lustige Tage derzeit für Leute, die Spielemagazine und Blogs lesen. Der einschlägig bekannte Herr Boris S. aus M. steht im Mittelpunkt eines kleinen Wirbelstürmchens aus Meinung und Gegenmeinung. Ich fasse die Geschehnisse mal rasch zusammen, okay? Also:

Erst schießt meinungsfreudige Herr Luibl, Chefredakteur eines bedeutenden Spielemagazins, eine Polemik in die Welt, in der es um “Embargos” geht, wobei Embargo hier für die Auflagen von Copyright-Inhabern steht, was den Veröffentlichungstermin von Informationen angeht. Boris Schneider-Johne, seines Zeichens Produktmanager für die Xbox 360 (und verdienter Ex-Chefredakteur lang vom Winde verwehter Spielemagazine), fühlt sich angesprochen, erklärt in einem Blog-Beitrag, warum er nicht Luibls Meinung teilt und impliziert am Rande etwas grobschlächtig mangelnde Professionalität (“Wieso seit Ihr schlau und die PR-Leute doof? Welche von diesen beiden Gruppen arbeitet professioneller und hat seinen Job wirklich in einer Ausbildung gelernt?“). Was wiederum den Herrn Luibl vergrätzt, weswegen er in den Kommentaren unfein sein Gemächt schwenkt (“Im Gegensatz zur dir, der damals wie heute im Stile eines jungen Klempners textet, besitze ich [... ] einen Magister Artium germanistischer Prägung plus journalistische Ausbildung”).

Sensationell.

Wollte mich gerade popcornkauend im Sessel niederlassen, um den fortschreitenden Glaubenskrieg zu verfolgen, da legt Boris, offenbar befeuert durch die Debatte, nach und veröffentlicht eine längliche Anklage gegen Spieletests an sich, insbesondere aber die Praxis der Wertungsvergabe in Prozenten. Ich zitiere: “I am not a number! sollte jedes Videospiel schreien. Dummerweise hat man sich aber ein Publikum rangezüchtet, das nur auf diesen Wert schaut. Das Internet kann sich um die Leute, die die Zahlen sehen wollen, viel besser, aktueller und unprofessioneller kümmern. Denn die Journalisten, die nicht nur Elektronen verschicken, sondern echtes Papier bedrucken wollen, sollten doch an sich selbst den Anspruch haben, was besseres abzuliefern als die ganzen Webseiten.” Dazu hat der Herr Luibl auch was zu sagen und tut das in den Kommentaren, zusätzlich springt die Frau Fröhlich, Chefredakteurin eines anderen Spielemagazins, in die Bresche und entgegnet Boris in einer gefällig verfassten Kolumne, Spiele seien anders als Filme und bräuchten Wertungen wegen der vergleichbaren “Features”: “Das Feature unterscheidet Spiele von Theaterstücken, TV-Serien, Kinokomödien und Romanen. Es umgibt uns, es durchdringt uns. Es hält die Galaxis zusammen. Und es ermöglicht Einordnung und Bewertung. Wertungen haben seit jeher die fantastische Eigenschaft, dass man die Hosen runterlassen und sich festlegen muss – besser als x, schlechter als y. Und zwar um so-und-so-viel. Das gilt für Bundesligaspielernoten in der Bild am Sonntag genauso wie eine prozentgenaue Spielspaß-Wertung. Zu einer Dragon-Age-Bewertung im sensiblen Bereich zwischen 75 und 95 Punkten gehört Spielzeit, Erfahrung und Mut – erheblich mehr Mut jedenfalls als für die Aussage “MIR macht das Spiel Spaß”. Oder: “Für MICH ist das nix”. Populärwissenschaftlich formuliert: keine Wertung, keine Eier.”

Woah.

Mir brennen die Kommentare auf der Zungenspitze, da ich weder Boris noch Petras Meinung teile, verzichte aber auf eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Auseinandersetzung mit den Texten der Kollegen. Ich möchte allerdings trotzdem eine (grundsätzlich private, von den Meinungen meines geschätzten Arbeitgebers unabhängige) Zeugenaussage zur Sache machen:

Diese Debatte um Sinn und Unsinn von Wertungen geht meines Erachtens in voller Fahrt am Kern der Sache vorbei — bis auf eine kleine, vokale, forenerfahrene Minderheit von Hardcore- und Ex-Hardcore-Gamern ist, das zeigen Gespräche mit echten Spielekäufern und Magazinlesern, niemand so wirklich daran interessiert, ob Heft X oder Webseite Y nun eine 89 oder eine 8.7 vergeben hat, auch wenn man die 100er Skala* an sich grundsätzlich schätzt. Die Wertung ist letztendlich bloß eine Art Wasserstandsmarke, um sich abzusichern, dass das betreffende Werk generell zum Kreis potenziell kaufenswürdiger Dinge gehört. Und ein bisschen auch eine Konsistenzprüfung für das vergebende Medium — wer abseits gängiger Kriterien und unnachvollziehbar wertet, mag irgendwann von der Abteilung “relevant” in die Schublade “kurios” wandern. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die “EDGE” hat’s auch überlebt, dass sie Baphomets Fluch 3 10 von 10 Punkten gegeben hat. Jedenfalls zeigt die Erfahrung, dass Wertungen oder meinetwegen Metawertungen im Wesentlichen von Redakteuren und Pressevertretern und Trollen ernst genommen werden, wobei “ernst nehmen” hier im Sinne von “Anlass für eine potenzielle Flamewar-Kriegserklärung” verwendet wird. Viele Leute kaufen, das ist der Fluch eines gereiften Marktes, eh nur noch die Top 5 der Charts, da bekommt man eigentlich nie ein so richtig schlechtes Stück Software. Die Frage, die man in Wirklichkeit von einem Spieletest beantwortet haben möchte, ist: Ist dieses Spiel was für mich? Dazu muss man, da hat Petra nicht unrecht, schon die Features aufarbeiten und einordnen. Dazu muss man aber auch, da hat Boris nicht unrecht (“Erzählt, was das Spiel mit Euch angestellt hat. Welche Emotionen es auslöst, wie euer Bauch und euer Kopf reagierten. Beschreibt die Technik, in Relation zur Handlung, aber nicht als lange Frameratenoptimierungswüste.”) versuchen, die Seele des Spiels zu erfassen und die eigene emotionale Erfahrung als Richtwert mitzuliefern.

Letzteres gelingt den einschlägigen Medien nicht immer, denke ich. Ist auch eine Frage von Skill. Aber hey, meine Meinung ist auch nur ein weiterer Flötenton im dissonanten Konzert der “Insider” — schließlich bin ich wie Boris ebenfalls nur ein Ex-Spielemagazinchefredakteur. Mich würden diesbezüglich die Ansichten der geschätzten Mitlesenden interessieren: I declare this bazaar open.

* Nachtrag: Anders als gerne behauptet wird, ist die böse 100er-Skala keine Erfindung der deutschen Spieleredakteure, sondern wird auch in anderen Bereichen eingesetzt, die nicht leicht zu objektivieren sind: Filme wären zu nennen. Oder, und das ist das schönere Beispiel, die breit akzeptierte TWA-Wertung von Wein, wo die Tester übrigens auch den mathematischen Durchschnitt nicht ausschöpfen, sondern sich auf den interessanten Bereich von 80+ konzentrieren.

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einkay November 26, 2009 um 12:58

Was ich an diesen Diskussionen (und nicht nur den erwähnten) in den letzten Monaten so spannend finde: Trotz wachsendem Markt steckt der Spiele-Bereich und der daran hängende Journalismus in der Klemme. Man erreicht mit Artikeln und Kampagnen immer weniger Menschen und wie du schon geschrieben hast: Am Ende kaufen die Leute was aus den Top5 nach eigenem Geschmack und machen damit wenig falsch. Auflagen Bröckeln, Anzeigengelder verpuffen. Und das liegt daran, dass das Medium tatsächlich in der Mitte der Geselllschaft angekommen ist. Spiele-Tipps bekommt man mittlerweile auch bei Spiegel, Stern, Focus – spielen ist kein Core-Hobby mehr, also brauch es auch immer weniger Core-Magazine. Spiele-Tipps zu Canabalt, MW2 und Co. erreichen einen über zig Kanäle und irgendwie hat sich diese System des Spieletestens und auch diese eingefahrende Zusammenspiel zwischen Magazinen, Webseiten und Publishern überholt. Die neuen Generationen gehen ganz anders an Spiele heran und spielen auch anderes – da wird nicht mehr in Plattformen und Core- und Casual-Games unterschieden – die spielen was Spaß macht, ihnen gerade im Browser oder auf dem Smartphone vor die Fliente läuft und vielleicht auch mal einen Core-Titel, weil ihnen ein Feature gefällt oder man sich vom Hype anstecken lassen hat. Und diesem neuem Spielgefühl der neuen Generationen werden aktuell weder die Magazine, noch die Webseiten und auch viele Hersteller nicht gerecht.

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Jürgen F. November 26, 2009 um 13:19

Naja, wer teilt schon eine Meinung allumfassend?
Ich fand Boris’ Blogposts im Gegensatz zu Luibls polemischen “Manifest” interessant und lesenswert. Und dass Boris etwas grobschlächtig provoziert, finde ich in dem Fall schon angemessen. Ist doch amüsant. Luibls Reaktion darauf untermauert nur das Bild, was ich vorher schon von ihm hatte. Ich gebe übrigens immer mit dem “MA” meiner Frau an.

Was Testwertungen und die Wichtigkeit von Zahlen betrifft:
Der Text eines “Test” in seiner Ganzheit ist doch im Grunde schon selbst die Wertung, bzw. sollte er es sein. Für mich ist dieses Klammern an abstrakte Zahlen ein indirektes Eingeständnis, dass die Schreiber der Aussagekraft und dem Informationsgehalt ihres eigenes “Erfahrungsberichtes” nicht trauen.
Wenn, wie oft argumentiert wird, die Endverbraucher lieber Zahlen anstatt Worte und starker Meinung sehen wollen, statt zu lesen ohnehin gleich auf die Seite mit der Zahl blättern/scrollen, dann braucht man dafür im Grunde auch keine Spiele-”Journalisten”.

Wie Frau Fröhlich sagt, und das fand ich auch gut: ich glaube auch, dass wir Endverbraucherchen lieber wissen wollen, welche Features drinne sind und ob es was für uns ist.
Deshalb mein Rat: am Besten bei Amazon gucken. Der Algorhitmus empfiehlt mir gewissenhaft, was zu mir passt. Muss ich meine Denkkapazität weder mit Zahlen, noch mit Text belasten und kann ganz entspannt das machen, worum es letztendlich gehen sollte: kaufen.

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DK November 28, 2009 um 02:06

Du widersprichst dir doch gleich mehrfach in deinem Post, ohne das du es vielleicht bemerkst. Boris’ Post gut finden aber den Luibl verteufeln, nunja, beiden haben vieles angesprochen das durchaus mal raus musste und beide haben hier und da Recht, würde ich mal, ganz neutral sagen. Du meinst der Text der “Tester” ist schon die Wertung!? APPLAUS! Aber Frau Fröhlich hat Recht?! Wie jetzt?! Und nun doch bei Amazon schauen?! Och nö.

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Gunnar November 28, 2009 um 09:43

Weder Boris noch Petra haben, meiner bescheidenen Meinung nach “recht”. Und das sagen ich ja auch. Zu den Aussagen von Jörg sage ich im Post eigentlich gar nichts, außer dass ich es anprangere, wenn Leute mit ihrem Magister wedeln.

Jürgen F. November 28, 2009 um 13:11

@ DK,

Ja, ich bin der Meinung, dass eine Zahl eben NICHT mehr sagt, als tausend Worte.
Eher weniger. Wenn ich nur an “Numerologie” glaube, dann kann ich mir genauso blind alles vom Amazonroboter empfehlen lassen. War ja auch nicht ganz ernst gemeint. Aber letztendlich geht es doch wirklich nur ums Kaufen, egal ob Spiel oder Konsole. Und es geht auch ums Verkaufen. Zum Beispiel ein Printmagazin, eine Webseite oder sich selbst.

Was sollte denn der Stein des Anstoßes, der von Luibl kam? Dem Chefredakteur von 4Players, von dem wir nun wissen, dass er Inhaber eines Magisters ist, und der nach eigenen Aussagen besser dichtet, als ein Klempner? Er tut ja gerade so, als wäre die ganze Welt abhängig von seinen Tests.
Viele Käufer sind auch selbst schuld, wenn sie nicht abwarten wollen, bis der Hype sich gelegt hat und die ersten “objektiveren” Meinungen (z.B. auch auf Amazon) zu hören sind. Als müsste man sich ein Spiel sofort bei Release kaufen, weil es am nächsten Tag für immer vergriffen ist.
Ja, wenn man mit dieser Logik dran geht, dann macht so eine “Beschwerde-Kolumne” auch Sinn.

Ich fand Boris’ Reaktion darauf, wie gesagt, angemessen. So konnte auch er mal wieder zeigen, dass er mittendrin ist, anstatt nur dabei – was ja auch nicht von der Hand zu weisen ist. Und die Frau Fröhlich konnte dann wieder demonstrieren, dass sie die Karriere des Herr Schneider, der nun Schneider-Johne heißt, neben Star Wars Zitaten gut kennt, ihn sehr schätzt und trotzdem auch ein bißchen eine eigene, nachvollziehbare Meinung zu der ganzen Sache hat.
Obwohl sie selbst eigentlich gar nicht die Eier besitzt, von denen sie da schreibt. Denk’ ich mal…

Sicher haben alle Beteiligten “irgendwie” recht oder zumindest das Recht, ihre Meinung Kund zu tun, aber letzten Endes ist die ganze Diskussion doch wirklich egal. Die Erde dreht sich weiter. Und die Spiele im Laufwerk, die tun es auch.

Ben November 26, 2009 um 13:22

Ich glaube Bewertungen, auch in numerischer Form, sind notwendig. Wenn ich ein Auto kaufen möchte oder ein Musikalbum, dann bin ich dankbar für eine grobe Einschätzung zwischen “Schrott” und “toll”, denn von diesen Produkten habe ich, im Gegensatz zu Spielen oder Filmen, keine Ahnung und keine Zeit mich damit internsiv zu befassen. Wer sich aber nur auf die Zahl verlässt und auf selbstausgedachte Bewertungsschemata, ist selber Schuld. Das sind nicht unbedingt neue Erkenntnisse und wie man an etlichen Beispielen sieht haben Wertungen wenig Auswirkungen, wenn ein Produkt den Geschmack der Menschen trifft. Transformers, Assassin’s Creed (1), Twillight, Dan Brown… Insofern sind solche Wertungsdiskussionen im Detail reichlich albern.

Wenn man dann aber Kommentare wie die von Frau Fröhlich liest fragt man sich ernsthaft, was für eine Beziehung die Leute zum Medium Spiel haben. Schon mal eine Filmrezension gelesen in der nur Beleuchtung, Schnitt und Sounddesign besprochen werden? “Drei Schnitte in der Mitte des Filmes sind nicht perfekt im Shot/Reverse-Shot gehalten, 3 Sterne Abzug.” Wieso macht man das bei Spielen als etwas völlig normales?

Liegt die Schuld bei den Leuten, denen das genügt oder beim Medium das sich scheinbar weigert, mehr zu wollen als 16-jährige zu begeistern? “Spass” ist wohl das Mantra und zwar sportlicher Spass, kein intellektuelles Vergnügen. Spass der sich, zumindest größtenteils, auf seine technische Machart reduzieren lässt und damit erst einen emotionslosen Waschmaschinentest mit Kurven und Diagrammen und Prozentangaben ermöglicht.
Ist ja in Ordnung wenn es ein FIFA gibt, oder ein Doom, aber wenn es nur FIFAs und Dooms gibt, dann verschieben sich auch die Maßstäbe und Bewertungskriterien.

Noch etwas grundsätzliches zu den Kandidaten: Seit dieser Luftnummer mit dem “Kritischen Herbst” habe ich die eine Seite für mich als unlesbar kategorisiert, ähnliches gilt für die “früher war alles besser und ich war und bin wichtig”-Meinungen auf dieser ganz bestimmt nicht und gar nicht offiziellen anderen Seite. Beide wollen Aufmerksamkeit, die sie eigentlich nicht so recht verdienen.

So, damit hätte ich für heute meine Pflicht erfüllt, mich im Internet über belanglose Dinge aufzuregen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. ;-)

Oh, man kann Kommentare ja nachträglich löschen. Toll!

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Styg November 26, 2009 um 13:46

Meine persönliche Meinung? Das 100er Raster ist okay und wahrscheinlich eine Notwendigkeit. Zusammen mit den vergebenen Punkten in den meist vorhandenen Kategorien (siehe Gamestar), den in der Regel aufgeführten Plus- und Minuspunkten sowie den Meinungen von 1-2 Schreiberlingen bekommt man meistens ein gewisses Bild eines Titels.

Ich als Informatiker betrachte die Wertungszahl als eine Art Hashwert über ein Spiel: Eine kondensierte, extrem reduzierte Aussage mit wenig enthaltener Information. Irreversibel, aber anhand eines Regelwerks zugeordnet. Dabei kann es Kollisionen geben, d.h. FifaX kassiert 84% und DoomX auch. Gleiche Zahlen für unterschiedliche Spiele. Sich darüber aufzuregen ist fraglich, denn zur Vergleichbarkeit beliebiger Produkte untereinander sind diese Zahlen nicht geschaffen.
Eine Wertungszahl trifft keine absolute Aussage, kann aber sehr wohl Einstiegspunkt und Indikator für die weitere Beschäftigung sein. Sehe ich ähnlich wie Gunnar.

Das ist im Übrigen mit anderen Medien völlig identisch. “Ja wie ist die CD denn?”, frage ich, und höre “Killer-Scheibe, Pflichtkauf”. Was nichts anderes wie eine adhoc abgegebene 90+x%-Wertung darstellt. Auf die Frage “Und, 2012?” erhalte ich “Och, Story-Taxi für die fetten Explosionen, die sind dafür geil, gutes Popcorn-Kino”. Solide 75%-Wertung, reicht für einen Donnerstagabend völlig aus.

Spielezeitschriften erledigen nichts anderes, als diese adhoc-Meinungen und Aussagen von “Laien” nach einem klar umrissenen, im Optimalfall durchdachten und reproduzierbaren Regelwerk abzubilden. That’s it, und als nichts anderes sollte man derartige Zahlen dann auch betrachten: Als Meinung einer einzigen Quelle.

Was mir in dem Zusammenhang am Print als auch Online bitter aufstößt, ist der Mangel an “Erfahrungsberichten”. Ja wie isses denn nu, hab’ ja verstanden dass die Grafik toll und der Sound “schön wuchtig” ist. Hat’s Spaß gemacht, wenn ja – warum? War der Schluß okay, war die Handlung ausnahmsweise mal nicht skeletierter Dummfug? Welcher Art ist die Handlung? Ich z.B. kann diese typischen “Unschuldig angeklagt bis zur Auflösung am Ende” überhaupt nicht ab, und sei’s noch so gut gemacht. Hier trifft die Kritik von Boris (ich duze ihn jetzt einfach mal, obwohl unbekannt) meines Erachtens absolut zu: Denn heute kann/darf wirklich jeder der OpenOffice installieren kann, “Testberichte” veröffentlichen. Fluch und Segen gleichzeitig, einerseits frischer Wind, andererseits bringen so manche Brise gar fürcherlich stümperhaftes Geschreibsel mit sich und man bekommt mal wieder eine der üblichen Und-dann-und-dann-und-dann-Nacherzählungen zu Gesicht. Die Dichte an gut schreibenden Redakteuren nimmt – subjektiv- ab. Das ist wirklich ärgerlich, denn irgendjemand sollte den Zeitschriftenbossen mal verklicken dass die Zocker nach Vollendung des 20. Lebensjahres nicht einfach aufhören, ihrem Hobby nachzugehen… und sogar Geld für Abos hätten. Die sie auch abschließen würden, wenn’s den Substanzielles zu lesen gäbe.

Von mir aus kann sich der Spieler-Nachwuchs online bis zum Erbrechen in werbefinanziertem Foren-Gestänker ergehen, ich hätte gerne mehr gut geschriebene und recherchierte Berichte in Heftform. Gerne mit Wertung drunter.

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Fabu November 26, 2009 um 13:49

Dieser Artikel bekommt von mir 79%.

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Styg November 26, 2009 um 13:53

@Fabu: Ach kommt, das ist MINDESTENS eine 81, ja? Kursiv- und Fettschrift, Absätze, Links im Fließtext. Das ist doch keine 79, da simmer uns einig? Fans des Wortes “Flötenton” legen nochmal 2% druff.

Kurzer Nachtrag, Zitat: “Zu einer Dragon-Age-Bewertung im sensiblen Bereich zwischen 75 und 95 Punkten gehört Spielzeit, Erfahrung und Mut – erheblich mehr Mut jedenfalls als für die Aussage “MIR macht das Spiel Spaß”. Ne, eigentlich gehört zu einer Bewertung zwischen 75 und 95% einfach nur’n System, dass ein Ergebnis ausspuckt. Mit Mut hat das nix zu tun. Außer man verschreckt mit einer zu niedrigen Zahl potentielle Anzeigenkundschaft, deswegen wohl “sensibler Bereich”. Das allerdings ist ja wieder ein völlig anderer Aspekt der Thematik.

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Jürgen F. November 26, 2009 um 13:58

@Herr Kaliban, Nachtrag:

Mit der Überschrift “Stürme in Wassergläsern” beschreibst Du aber die Wichtigkeit und Tragweite dieser Diskussion schon gut. Sie ist vor allem nützlich, um die heute zu bewältigende Arbeit eloquent zu umgehen. So effektiv wäre das in den guten alten Zeiten der guten alten Leserbriefe in guten qualitätsjournalistischen Printmagazinen nicht möglich gewesen.

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Dominik November 26, 2009 um 14:04

… was mir jetzt in diesem Moment gerade erst klar wird: Ich habe seit langer, langer Zeit in der GameStar die Punktewertung von Spielen überhaupt nicht angeschaut. Ich lese (von den für mich interessanten Spielen) die Texte, lese (von nahezu allen Spielen) die Meinungsboxen der Redakteure… Manchmal schaue ich mir auch noch die +/- Auflistungen für die verschiedenen “Wertungskategorien” an. Aber wie viele Punkte ein Spiel hat… Selbst bei den Spielen, die ich mir gekauft habe – keine Ahnung…

In so fern finde ich es schade, dass die PC PowerPlay beim Versuch den alten Namen Powerplay vor ein paar Jahren wieder aufleben zu lassen gescheitert ist… Die hatten sich primär auf die Meinungsboxen konzentriert.

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Player1 November 26, 2009 um 14:15

Da fühle ich mich doch auch mal wieder zu einem Kommentar berufen.

Vielleicht vorab noch die Bemerkung, dass der für mich spannendste Teil der Debatte die, zwar schon lange offensichtliche, aber hier von Herrn Schneider-Johne mal öffentlich zugegebene und für vollkommen korrekt erklärte, Einflussnahme der Hersteller auf Wertungen durch allerlei Exklusiv-Zuckerli u.ä. war. Was mich, neben der Tatsache, dass ich mich auch nicht mehr wirklich zielgruppengerecht angesprochen fühle (wohl zu alt), schon lange vom weiteren Magazin-Kauf abhält.

Abseits dessen ist es aber schon länger meine Meinung, dass sich Spielekritik eher an Filmkritik annähern sollte. Das Feature-Argument kann ich nur sehr begrenzt bis gar nicht nachvollziehen. So etwas gibt es auch bei Filmen. Bildschärfe, Color-Grading, Schnitt, Kamera-Arbeit, Soundqualität etc. pp. Auch alles ‘Features’, die ein Filmkritiker in irgendeine Skala pressen könnte, um daraus dann eine ‘objektive’ Wertung zu destillieren. Tut aber keiner, würde auch niemand lesen.

In Filmkritiken fließen derartige Dinge am Rande durchaus mit ein, aber eben wirklich nur am Rande. Viel spannender ist aber was einen Reviewer beim Anschauen bei den Eiern gepackt hat, was ihn gerührt hat, oder was ihm auf den Geist ging. Und da gehen, das ist das Schöne an Filmkritiken, die Meinungen oft sehr, sehr weit auseinander. Schon alleine deswegen, weil sich erst gar keiner um eine objektive Perspektive bemüht, sondern jeder mit seiner ganz und gar subjektiven Brille auf den Film schaut, mit gänzlich anderen Schwerpunktsetzungen bei dem, was ihm wichtig für eine Bewertung erscheint.

Das Gegenteil davon versucht der Spieletest. Grafik hat soundso viel Prozent Einfluss auf den Spielspaß, Sound soundso viel, Intelligenz des Inhalts gemäß den Wertungskästen scheinbar so gut wie keinen, moralische Wertigkeit schon gar nicht, und so weiter…

Mein aktuelles Lieblingsbeispiel Modern Warfare 2: In der Presse die erwartbaren Einheitsmeinungen mit vorgeblich ‘objektivem’ Spielspaß nahe der Orgasmusschwelle. Mein persönlicher Spielspaß: 0%. Nicht nur (aber auch) wegen der moralischen Fragwürdigkeit, sondern auch wegen allgemeiner Hohlheit des Spielprinzips und anderer Vergehen wider die menschliche Intelligenz. Ist aber natürlich nur meine Meinung. Was ja aber eigentlich gar nicht sein kann, liegt doch der ‘objektiv’ ermittelte Spielspaß jenseits von Gut und Böse…

Ein Spieletester wird jetzt (auch nur teilweise zu recht) einwenden, Dinge wie Handlung, Moral etc. könne er gar nicht objektiv bewerten, und trifft damit ungewollt dorch irgendwie den Nagel auf den Kopf. Soll er nämlich gar nicht. Lieber soll er aufschreiben, was ihn bei den Eiern gepackt hat, was ihn angerührt… usw. (siehe oben, Beschreibung Filmkritik).

Meinetwegen kann dann, wenn es unbedingt sein muss, auch eine Zahl drunterstehen, aber, bitte, bitte ohne so zu tun, als sei die irgendwie objektiv. Jeder beurteilt ein(en) Spiel/Film/Buch nach ganz eigenen Kriterien und ich jedenfalls fände es viel spannender, wenn sich mehr von dieser geistigen Vielfalt auch in Spielebesprechungen wiederfände.

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PropheT November 26, 2009 um 15:08

“eine Art Wasserstandsmarke, um sich abzusichern, dass das betreffende Werk nun zum Kreis potenziell kaufbarer Dinge gehört” trifft es recht gut: wenn man sich ein Spiel kaufen will, über das man sich bereits im Vorfeld informiert hat, dann liest man Spieltests ja vor allem, um herauszufinden, ob es da einen Haken an dem Produkt gibt – etwa massive Bug-Probleme, eine verkorkste Online-Registrierung oder unerwartet hohe Hardware-Anforderungen.
Generell habe ich mir angewöhnt, nicht mehr die Zahlen am Ende eines Reviews zu lesen, sondern zumindest die Absätze, die den Artikel als Fazit abschließen.
Jedes Spiel hat Vorteile und Nachteile, ergo ist es eher der Job des Reviews, die Pros und Kontras nachvollziehbar aufzustellen – der Leser entscheidet dann, welche Gewichtung diese jeweils für ihn persönlich haben.

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Jürgen F. November 26, 2009 um 15:20

@Player1:

Ein Film ist ein nicht-interaktives, gradliniges Medium. Du kannst ihn nicht steuern und beeinflussen wie ein Spiel. Könnte man es, wäre es vielleicht eher ein Spiel als ein Film.
Wenn man ein Spiel spielen möchte, will man wissen, ob es gut funktioniert, sprich: ob die “Features” die es mir zur Kontrolle und zum Erleben der Spielwelt bietet, gut gelungen sind. Daher schätze ich als Käufer diese Informationen höher ein.
Man kauft mit einem Spiel ein Produkt zu Unterhaltung, also etwas, das einen nicht berieselt, sondern etwas, das man steuert. Ein Spiel muss deshalb wie ein Dienstleister erstmal gewisse Dinge gut erledigen, damit der Spieler sich auch darauf einlässt und bis zum Ende durchhält. Damit das Erleben des Gesamtwerkes auch Spaß macht.
Aber ich will dann lieber eine Beschreibung dessen, was das Spiel in den Augen des Testers gut oder schlecht macht. Die mit Worten auch mal ins Detail geht. Das sagt mir mehr als eine abstrakte Sterne- oder Zahlen Bewertung.
Denn: was nützt mir so ein “fester” Wert, wenn der Tester ganz anders gewichtet, als ich? Lieber eine gut begründete Meinung, die ich nachvollziehen kann, und die mir die Freiheit lässt, selbst zu entscheiden, ob ich das nun gut oder schlecht finde.

Lieber so, als ein subjektiv erlebbares Produkt in ein Zahlen-Korsett zu zwängen, das einen wissenschaftlichen Messwert suggeriert, den man aber faktisch gar nicht ermitteln kann. Ich habe auch schon Spiele mit durchweg hohen Berwertungen gekauft, die mich persönlich nicht berührt und motiviert haben. (Für mich ist beispielsweise die Steurung in GTA4 schlecht gelöst. Ein Spiel, dass in jedem Test als das Spiel der Spiele angepriesen wurde. Es ist ja auch genial, was Atmosphäre, Technik, Ton, usw. betrifft. Ich lasse mich davon auch gerne mal beeindrucken, aber ich schalte oft, gefrustet durch die schlechte Steuerung, wieder entnervt aus.)

Darüberhinaus kann der Journalist ja trotzdem auch die geistige Ebene des Produkts beurteilen und auch kritisch hinterfragen. Ich finde ein “ernsthafter Spielejournalist”, der eine interessante Arbeit abliefern will, sollte das auch tun. Eben weil ein Spiel ja nicht “nur” Dienstleister ist, wie ich oben schrieb, sondern weil es auch Inhalte vermittelt und inszeniert. Und in dem Punkt gebe ich Dir auch Recht, wenn Du sagst, dass Spielekritik sich mehr an einer Filmkritik orientieren soll. Fände ich bei Kriegsspielen wie MW2, was Du anführst, sogar wichtig.
Bei MW2 fand ich es sehr angenehm, wenn auch die Spielepresse solche Inhalte, wie im Falle der Flughafenszene selbstkritisch hinterfragt und dies nicht der “anderen”, der öffentlichen Presse überlässt. (z. B. http://www.gamestar.de/kolumnen/2310352/modern_warfare_2_killt_die_spielekultur_.html) Hier wird zwar immer zwischen Kolumne und Test getrennt. Aber ich denke nur so kann mit der Zeit die Spielekultur ernster genommen werden.

Letztendlich gibt es für die Bewertung oder besser gesagt, dem Besprechen eines Spiels aber kein Patentrezept, denn jedes Spiel ist anders. Aber gerade deshalb kann man auch keine allgemeingültig wirkende Zahlenskala anwenden.

So, jetzt muss ich aber wirklich arbeiten. Eigentlich.

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m.fehn November 26, 2009 um 16:35

Am lustigsten ist Frau Fröhlich mit ihren Eiern. Ich stelle mir die ganze Zeit vor, wie sie irgendeinem belanglosen Spielchen 67% gibt, und dann lauter »peeeehw« und »wooooha« von den Kollegen auf den Fluren erntet. Die nicken dann alle mit heruntergezogenen Mundwinkeln und so, und Fr. Fr. stolziert mit Hand im Schritt und zusammengekniffenen Augen in der Gegend rum.

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Eldest November 26, 2009 um 17:53

Ich persönlich würde, was zu Boris’ Meinung passt, die GEE als mein Lieblingsmagazin bezeichnen. Denn sie ist anders, vielleicht auch besser als andere Magazine. Um der Kaufentscheidung Willen, kann ich aber nicht auf die GameStar verzichten. Die Texte der GEE mögen (meist) super sein, aber als Kaufberatung würde ich das nicht ansehen, was da ab und zu geschrieben wird. Es ist schlicht zu knapp.
In der GS werden die Spiele detailliert aufgeschlüsselt und bewertet. Ich kann mir anhand des Textes und der Wertung ein Bild davon machen, wie das Spiel ist. Die Wertung ist am Ende eh nur eine Bestätigung des Gelesenen. Mir ist egal, ob das Spiel jetzt 82 bekommt, oder 90. Es darf nur nicht zu sehr nach unten ausschlagen.

Deshalb würde ich auf die Wertung nicht verzichten wollen. Auch nicht in dem aktuellen Umfang, wie die GS ihn hat. Ich habe eben gerne meine Einzelwertungen.

Was bringt mir die Meinung eines einzelnen Testers, wenn ich sie nicht teile? Ich möchte mir nicht einen Redakteur bzw. ein Magazin suchen, das meinen Geschmack teilt. Das gibt es eh nicht.

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zippo November 26, 2009 um 18:29

Hällöchen,

mir persönlich sind Zahlen und Skalen eigentlich wurscht. Ob Schmierzettel-Ranking des Freundes, Tests in gängigen Spielemagazinen, oder aber Videoreviews á la gametrailers.com bzw. gameone.de, letztendlich zählt für mich nur, was ich von dem Spiel sehe und wie es sich im Vergleich zu anderen Titeln schlägt. Es ist für mich schlicht lesens-/schauenswert, wenn mir Menschen die ebenfalls an Spielen interessiert sind ihre persönliche Meinung bezüglich eines Titels deutlich machen.

Wobei ich anmerken muss, dass mir inzwischen Videopreviews/-reviews (etc.) wesentlich lieber sind als gedruckte Informationen. Ohne Wertungskasten, dafür mit mehr Herzblut.

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Jürgen F. November 26, 2009 um 19:23

Bei näherem Überlegen und Durchlesen tut mir dieses Ausschweifen in Punkt 11 hier fast schon wieder Leid, schweift zu sehr vom Thema ab. Denn im Grund ist es ja so, wie Du schreibst: wurscht!

Die einen “brauchen” eben Zahlen fürs Ranking, die anderen lesen lieber. Ich mag Videoreviews, wo ich das Ganze in Bewegung sehe auch am liebsten. Schön, dass in der Praxis für alle was geboten wird.
Außerdem gibt es ja heute glücklicherweise auch noch mehr Demos als früher oder die Möglichkeit Spiele mal in der Videothek auszuleihen, BEVOR man sie kauft.
Im Guten wie im Schlechten: kein Test ersetzt die eigene Spieleerfahrung und deshalb sollte man die Tests selbst generell nicht über”bewerten”.

Wobei ich Boris’ umgekehrten Ansatz sehr progressiv finde: viel mehr unzufriedene Spielehersteller sollten mal schlechte Bewertungen über Spielemagazine schreiben. Ist mal was anderes, als die üblichen langweiligen Pressemeldungen, wenn es ordentlich “menschelt”.

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Pomme November 26, 2009 um 19:41

Wertungen, ach, was brauche ich schon eine Wertung? Aber wie sehr würde ich mich über gute, anspruchsvolle Spiele-Tests freuen. Tests? Nein, Spiele-Rezension will ich lesen! Intelligente, mühevoll geschriebene Kritiken zu PC- und Videospielen.

Seine Meinung kann jeder publizieren – aber Journalisten, die dafür Geld bekommen, die sollten noch viel mehr können. Nicht nur die Features eines Spiels runternudeln und nicht halbkritischen Journalismus vortäuschen (“Aber was gibt es sonst noch für Überraschungen. Produzent Müller druckst herum: ‘Es wird sicherlich noch einen ganz besonderen Level geben!’ Wir wollen es genau wissen, haken nach: ‘Mit feindlichen TNT-Springmäusen?’ Müllers Antwort ist ein vielsagendes Grinsen…”).

Die echten Spiele-Journalisten haben die Kontakte oder sollten sie zumindest haben. Und, im Print-Bereich, haben sie auch die Zeit. Sie müssen nicht so schnell wie möglich einen Test mit der 83-Wertung hinrotzen. Sie können sich die Zeit nehmen, zu hinterfragen und auch mal nachzufragen, wenn es sich anbietet. Wenn etwas in einem Spiel komplett missglückt muss das geschrieben werden – aber es könnte auch erklärt werden.

Es wird gerade zuletzt so oft vom “Kulturgut Spiel” gesprochen und geschrieben – dann werdet dem doch auch gerecht! Schön, wenn das tatsächlich so umgesetzt wird, das kommt ja vor. Mir persönlich ist das aber noch zu selten.

Antworten

Beco November 26, 2009 um 20:01

Bomben & Lampen – das einzig wahre Wertungssystem…

Antworten

MFauli November 26, 2009 um 20:28

All das Hin und Her bei der lieben Diskussion um die Wertung erscheint in letzter Konsequenz reichlich dreist. Gibt es diese Diskussion doch nicht erst seit diesem, letztem oder vorletztem Jahr, sondern bereits seit Jahrzehnten.

Foren-Fans kennen sicherlich den humorigen “Sonic Cycle”, der einer jeden Sonic-Neuerscheiung vorangeht und auch folgt. Nun, dasselbe ist es mit der Diskussion um Wertungen. Da gab es kürzlich den Aufschrei, jetzt ist die Phase der Empörung angebrochen, binnen derer sich die selbstgefeierte Hochkompetenz darüber auslässt, wie sinnlos und fremdschämend die Diskussion an sich sei…und in vermutlich zwei Wochen schert man sich einen feuchten Kehricht darum und der Spieletestalltag geht wie gewohnt weiter.
Dieser “Wertungs Cycle” wiederholt sich dann beim nächstbesten Anlass. Und wieder. Und wieder. Und wieder…

Das erinnert an die “echten” Medien. Die eine Woche ist Robert Enke Dauerthema, die Woche darauf kein Wort mehr, es geht ja schließlich jetzt um Trainer Van Gaal. Schweinegrippe? Daran kann man sich beinahe nicht mehr erinnern. Wenn schon die “echten” Medien keine Nachhaltigkeit besitzen, kann man es der werten Videospielmagazinlandschaft kaum zum Vorwurf machen.

Halt, kann man doch. Das Übel “Wertung” ist ein Bekämpfbares…aber nicht im Alleingang. Nicht fürs Wertung-Vergeben braucht es “Eier” (da ist ein “weil es mir Spaß gemacht hat zig-mal wertvoller als ein trivialer Zahlenwert), sondern für das Nicht-Vergeben. Wie das anzustellen wäre? Da müssten sich die versammelten Herren Chefredakteure an einen Tisch setzen und ein nationales Abkommen beschließen. “Keine Wertungen in unseren professionellen Magazinen”. Aber das scheitert vermutlich an allererster Instanz, welche Instanz das auch sein mag.

Wie obiger Blog-Verfasser aber anmerkte möchte auch ich betonen: Die Spieler interessieren Wertungen schon lange nicht mehr. Wertungen sind in der heutigen Zeit reines Fanboy-Futter. “Haha, mein Spiel hat mehr Prozentpunkte als deines!”. Dazu muss man sich nur in entsprechend zügelloseren Foren umsehen. Übrigens, das Argument “ohne Wertungen verkauft sich das Magazin” nicht ist wohl das Traurigste überhaupt. Wenn dem so ist, sollte man ohnehin aufgeben.

Aber egal, ob Wertungen, Embargos oder was auch immer: Spielemagazine haben ihren Schneid vor langer, langer Zeit verloren. Abhängigkeit von Publishern, Wertungen, die dem ehrlichen Fan nichts mehr dienen und eine Verlegung des Problems. Das soll nämlich auch einmal erwähnt sein: Nein, es braucht keine ach-so-tollen Specials/Features, oder was auch immer verblendete Lobhudler des britischen EDGE-Magazins allzeits verlauten lassen. Gute, ehrliche Tests braucht es. Die gab es nämlich seit Jahren nicht mehr.

Wenn in deutschen Videospielmagazinen im Test zu einem gehypten Blockbuster wieder ehrlich kritisiert werden darf, lösen sich vielleicht so einige aktuelle Probleme. Wie etwa schwindende Auflagenzahlen. Aber solange jedwede Kritik an einem Hype-Spiel mit abgedroschenen Phrasen wie “das ist Meckern auf hohem Niveau” höchstselbst ausgehebelt werden, wird es Diskussionen wie die jetzt geführte immer wieder geben. Und ehrlich gesagt, so wird es auch bleiben. Zumindest, wenn die letzten 10-15 Jahre als “proof” herhalten dürfen…

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hoschi November 26, 2009 um 20:45

Meine Güte was für eine engstirnige und künstliche Diskussion. Als ob es plötzlich verwerflich wäre Spiele nach Punkten zu bewerten. Im Endeffekt interessiert es doch eh nur obs im oberen/unteren 80er oder sogar im 90er Bereich liegt. So als grobe Richtung ob das Spiel der breiten Masse gefällt. Ob man nun selber Spass daran hat ließt man im Test selber oder man weiss es eh schon. Kein Mensch legt Wert auf die genauen Punkte und kein Mensch vergleicht 2 verschiedene Spiele anhand der Punkte. Also von mir aus können die Spielemagazine die exakte Wertung dann gerne genau auflisten und begründen. Daran sieht man dass der Tester sich für diesen objektiven Teil sehr viel Gedanken gemacht hat. Auf die Goldwaage legt das doch eh keiner und es ist für mich ein netter Zusatzkontent. Also wo ist das Problem dabei ???
Wenn Leute wie der Herr SJ dann anfangen mit solchen plakativen Aussagen wie “ist nicht mehr Zeitgemäß”, “Spielemag Industrie am Ende” usw zu kommen dann ist das nur eines: Wichtigtuerei.
Übringens werden Filme, anders als hier oft behauptet, genauso mit Prozentzahlen bewertet.

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BenTonic November 26, 2009 um 21:22

Also ich bin GameStar-Leser seit 1998 -an der Stelle komme ich mir immer so … unjung … vor-. Bis 2005 habe keine Ausgabe verpasst. Ich wusste die Art der Bewertung bei GameStar immer zu schätzen. Aber auch die Beständigkeit, mit der an den Grundprinzipien dieses Systems festgehalten wurde (was ja die erfolgte, positive Weiterentwicklung nicht ausschließt). Hin und wieder wagte ich damals einen Exkurs zu anderen Magazinen (PCAction, PCGames, PCPlayer, PCJoker, CBS, Bravo Screenfun [um hiervon auch einige zu nennen]). Was mir da aber fehlte, war die Möglichkeit, die Bewertung auch nachzuvollziehen. Oft spiegelte sich die Wertung nicht in den Artikeln wieder oder man wurde mit irgend welchen Symbolen oder Prozentsätzen abgefertigt ohne zu wissen, was hier nach welchem Gewicht gewertet wurde. Genau dieser Aspekt hat sich bei GameStar nach und nach immer weiter entwickelt und ist gläserner geworden. Ich denke, dass eine seriöse Bewertung in % nach festgelegten Wertungskriterien auch nichts mit Zielgruppen zu tun hat. Die Leser wollen ja nicht für dumm verkauft werden und wissen, egal welcher Zielgruppe sie angehören, eine nachvollziehbare Bewertung zu schätzen. Höhere Zielgruppenrelevanz möchte ich da eher den Artikeln selbst zusprechen. Der Stil der PCAction-Redakteure unterschied sich damals (und bestimmt auch heute noch) um Längen von dem der GameStar-Redakteure. Die Qualität der redaktionellen Beiträge möchte ich hier mal außen vor lassen.

Die Wertungen waren/sind für mich Anhaltspunkte dafür wie ich ein Spiel gegen ein anderes aufwiege um mich dann eventuell für eines der beiden zu entscheiden. Als Kaufentscheidung allein, hat die Wertung für mich jedoch keine Relevanz. Ihr kommt jedoch eine zusätzliche Gewichtung hinzu, wenn sie von Redakteuren abgegeben wurde, auf deren Erfahrung man vertraut. Der Spieleredakteur tritt quasi als Opinion-Leader auf, mit der Botschaft “Mir kannst du vertrauen, ich kenne mich aus! (aus diesen und jenen Gründen). Die positiven Erfahrungen des Spielers stützen dieses “Bild”. Nur sehr selten kam es bei mir vor, dass ich eine Kaufentscheidung für ein Spiel direkt nach dem Lesen eines Artikels getroffen habe und selbst hier spielen noch andere Faktoren ein (besaß ich den Vorgänger des Spiels, welche Erfahrungen hatte ich mit den Entwicklern, ist das Spielprinzip ähnlich eines Titels den ich schon besitze, … ).

Ergo befinde ich eine nachvollziehbare Spielebewertung (z.B. anhand der 100′er Skala) die sich bewährt hat, gerade heute -im facettenreichen Dschungel der PC- & Videospiele- als wertvoll um die einzelnen Titel gegeneinander abzuwägen und einzuordnen.

Ein “rahmenloses” umsichwerfen mit Wertungen, wie es im Netz langsam über Hand nimmt, ist meiner Ansicht nach noch viel weniger relevant für potentielle Spielekäufer. So etwas funktioniert allen Falls bei Preisvergleichen und dazu ist das Internet dann wieder sehr hilfreich. Ich sehe es zu dem als fragwürdig an, die Wertungen verschiedener Magazine/Websites miteinander zu vergleichen. Da ja die Kriterien ganz unterschiedlicher Art sein können. Viel mehr sollte man die Bewertungssysteme (wenn man den hier bei einigen überhaupt von System reden kann) vergleichen und entscheiden, welches meine Interessen am ehesten vertritt.

Gerade im Internet geht GameOne einen sehr interessanten weg. Die verzichten auf ein Wertungssystem. Sie stellen Spiele vor und nutzen dabei viel sinnvoller als manch Magazin die Möglichkeiten die das Netz bietet und versuchen über diese “Werkzeuge” das Gefühl, das sich den Testern beim Spielen eingestellt hat, zu vermitteln. Im Grunde ein Audiovisueller Artikel mit hohem Unterhaltungswert, der einen viel emotionaleren “Blick” auf das Spiel wirft und dabei sinnvoller Weise darauf verzichtet dies dann systemisch zu verwerten.

GamersGlobal nutzt die Vorteile des Internets, in dem man die Spieler-Community zusammen führt und eigene Artikel verfassen lässt. Der Spieler wird zum “Redakteur” (und manch einer kann das scheinbar besser als die gelernten Magisterwedler).

Gute Wertungssysteme sollten etablierte Spielemagazine auszeichnen (online und offline). Aber im Netz reicht dies allein nicht aus. Auch eine einfache Portierung des Magazins ins Netz reicht dem nicht zu genüge. Meiner Ansicht nach würden brillante Wertungssysteme noch weiteren Schliff bekommen, wenn sie durch sinnvolle Nutzung der Möglichkeiten des Web gestützt werden. Damit meine ich nicht Foren, Chats und ähnlichen Kram aus den 90′ern.

“Puh!”

Gruuuuuß

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Jan November 26, 2009 um 21:46

Würde z.B. die Gamepro auf Wertungen verzichten, wäre sie wohl nicht mehr rentabel. Die GEE ist alleiniger Marktführer im Bereich der “Keine-Wertung-Hefte” und verkauft sich ~10.000 mal im Monat.

Gegen Wertungen an sich hab ich nix, nur dieses Zusammenrechnen von Gamestar und Gamepro find ich ein wenig albern. Selbst renommierte Magazine wie die EDGE und gamesTM können nicht auf Wertungen verzichten. Niemand würde Bücher in einer 100er Skala bewerten, aber bei Videospielen haben sich die Prozentwertungen einfach eingebürgert und die meisten wollen sie nicht mehr missen.

Und offensichtlich haben Prozentwertungen einen hohen Unterhaltungswert, wie die permanenten Wertungsdiskussionen immer wieder beweisen. Ein Spielemedium, welches auf Wertungen verzichtet, beraubt sich nicht nur dieses Unterhaltungswertes, sondern auch der Werbung, die es erhält, wenn die Wertung in den Spielercommunities verbreitet wird.

Anders als vieleicht ein Testbericht kann ein Metacritic-Wert nicht die Frage beantworten, ob mir ein Spiel gefällt, er kann aber einen guten Eindruck darüber geben, wie die Qualität eines Spiels allgemein eingeschätzt wird. Wäre ich Publisher oder Entwickler, erschiene mir der Wert als neutrale Beurteilung der Leistung der Spieldesigner. Als Spieler nutze ich die Seite, um einen Überblick über die Wertungen verschiedener Medien zu bekommen, und um eine Einzelwertung in Perspektive zu setzen.

Spieletests sind auch noch lange nicht tot. Im Vergleich zu Musik-, Film-, und Buchbesprechungen haben Test zu Computerspielen eine relativ große Bedeutung, schon weil sie zeitlich und finanziell größere Investitionen sind, die man nicht uninformiert vornehmen möchte.

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Beck(s) November 26, 2009 um 23:58

Ist kein unspannendes Thema, persönlich glaube ich aber, dass Schneider-Johne mit dem Blogpost nur von seinen am Tag zuvor getätigten Aussagen zum Thema gekaufte Wertungen (er hat als PR-Profi natürlich ein paar hübsche Euphemismem dafür) ablenken wollte, die ihm wohl eher versehentlich entschlüpft sind.

Ist ihm auf jeden Fall gelungen.

Finde es trotzdem spannend, wie viele unterschiedliche Auffassungen es so gibt. Vielleicht entwickelt sich daraus bei dem einen oder anderen Magazin-/Webseitenmacher ja tatsächlich die Idee mal etwas Anderes zu versuchen als den üblichen Einheitsbrei. Im übrigen kann ich nur empfehlen, eher mal auf die Rezensionen in fachfremden Zeitschriften/Magazinen zu schauen (jedenfalls solange es nicht gerade das Burger King Magazin ist). Da kommt man meist deutlich schneller auf den Punkt, und – wichtiger – die hängen nicht gar so direkt am Tropf der Spieleproduzenten.

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Stefan November 27, 2009 um 00:00

So hilft mir Gamestar bei der Kaufentscheidung
Mein Genre – check
Redakteur schreibt entweder “Schrott”, “solide” oder “super” – check
Nachlesen der beschriebenen Nuancen in Hinblick auf meine Bedürfnisse – check
Wertung sollte schon über 80%; drunter nur in wichtigen Einzelfällen – check

Ich finds nicht so ausschlaggebend. Also, streitet doch nicht.

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PhanThomas November 27, 2009 um 02:05

Das beste an der ganzen Diskussion ist ja: Würden die Streithammel aus den einzelnen Lagern plötzlich verstummen, dann würde sich die Welt einfach weiter drehen, als wäre nichts gewesen. Frech wie sie ist. Und das ist meine Meinung zu dem Gedöns.
Wenn mir ein Spiel gefällt, verfolge ich, was draus wird, schaue am Ende schon mal auf die Wertungszahlen und kaufe es dann eben oder lasse es sein. Ich wäre ja niemals auch nur ansatzweise auf den Gedanken gekommen, die Wertungsthematik zu diskutieren, als ginge es darum, bisher unumstößliche Dogmen nun eben doch umstoßen zu wollen. Aber die Streiterei gehört wohl dazu. Zum Menschsein und so.

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niklas November 27, 2009 um 02:22

also ich finde ja auch, dass der pferdeschwanz tragende luibl sich seit jahren aufführt wie ein komplexbeladenes provinz profilierungs dingens. ABER, das ist doch mal nen klarer standpunkt, den er da vertritt.

copyrights und deren eigentumsverhältnisse haben mit journalismus nichts zu tun, ich weiß gar nicht wovon du da sprichst.

die presse darf über alles und jeden berichten. eine schande, dass sich der großteil der “journalisten” über die jahre im spielebereich offensichtlich komplett “embedden” hat lassen.

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Gunnar November 27, 2009 um 10:14

Wenn der SPIEGEL vorab Auszüge aus dem neuen Buch von Martin Walser druckt, dann hat die Chefredaktion sehr wahrscheinlich eine Vereinbarung unterzeichnet, die die Ausgabennummer dieser Enthüllung spezifiziert und dem SPIEGEL untersagt, das Ende zu verraten. Komischerweise spricht niemand vom “embedded journalism”, wenn der SPIEGEL sich dran hält, anstatt eine halbe Stunde nach erfolgter Lektüre die Meinung des Redakteurs per Twitter in die Welt zu blasen.

Ähnliche Prozederes gibt es überall, wo über Produkte berichtet wird, die noch nicht auf dem Markt sind — das kann man, will man nicht gerade in eine Fabrik einbrechen, nämlich nur mit Einwilligung des Herstellers. Das hat natürlich grundsätzlich den Sinn, kommerzielle Interessen des Herstellers zu schützen, hilft aber auch der Presse — wenn, sagen wir, die Jungs von der Cineastenfraktion alle ihre Interviews mit Brad Pitt wegen seines neuen Films bekommen und derjenige, der frühmorgens dran ist, stellt sein Gespräch stante pede als Podcast online, ist der, der seinen Slot zufällig erst um 16:30 hat, ein bisschen gearscht. Wenn aber ein Embargo für alle den nächsten Montag als einheitlichen Termin festlegt, werden die Tücken des Verfahrens ein bisschen ausgebügelt. Das wirft andere Probleme auf, klar, aber grundsätzlich ist niemand gezwungen, sich darauf einzulassen — wer auf Maulkörbe nicht steht, kann auf’s Interview verzichten und sich auf andere Aspekte der Berichterstattung konzentrieren, was manchmal zu bevorzugen ist.

Dieses Prozedere an Gefälligkeiten (“Garantiewertung”) zu knüpfen, wie das Ubi vermutlich versucht hat, ist natürlich Schwachsinn. Entweder man verschickt ein Rezensionsmuster oder nicht. Punkt. Auf sowas lassen sich aber Redaktionen eigentlich eh nie ein, weiß gar nicht, warum das immer mal wieder versucht wird — alle großen Magazine haben im Laufe der Jahre derlei amateurhafte Versuche, Druck auszuüben, schon publik gemacht.

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Player1 November 27, 2009 um 12:23

Wobei es allerdings schon noch einen nicht ganz unwichtigen Unterschied zwischen einer Spielezeitschrift (bzw. jeder monothematischen Fachzeitschrift) und einem breiter aufgestellten Magazin gibt: Letzteres ist trotz derartiger Vereinbarungen weit weniger abhängig vom Wohlwollen Einzelner, über die es (be-)richtet.

Ist keine Kritik, liegt in der Natur der Sache.

Wenn allerdings die aus dem Tonfall von Herrn Schneider-Johne zu dem Thema erkennbare Selbstverständlichkeit, mit der Hersteller die Presse dirigieren (wollen), in der Branche üblich sein sollte (was ich nicht beurteilen kann), würde ich mich als Magazinmacher schon fragen, ob da nicht etwas ein paar Schritte zu weit in Richtung der PR-Leute gelaufen ist.

Falko November 27, 2009 um 10:27

Ich bin bei dem Ganzen zum größten Teil auf der Seite von Boris. Und trotzdem schaue ich in der “Edge” immer erst auf die Zahl am Ende des Tests. Ob ein Spiel was für mich ist oder nicht, mache ich aber – wie hier in den Kommentaren schon erwähnt – erstmal vom Genre abhängig, dann vom allgemeinen Eindruck in den Reviews. Würde ich aber nur nach Tests gehen, hätte ich beispielsweise ICO nie gekauft, das für mich eines der besten Spiele der letzten 10 Jahre ist – hier bin ich rein nach Bauchgefühl gegangen, und das hat mir auch schon manche zurecht schlecht bewertete Kröte beschert.

Nun kann man die Edge für ihre Reviews uneingeschränkt loben, aber gerade da bleibt die subjektive Meinung des Testersvöllig auf der Strecke, da dort keine Redakteursnamen aufgeführt werden und die Redaktion anonym bleibt.

Das pseudowissenschaftliche Berwertungssystem der ComputerBild Spiele verachte ich seit Tag 1.

(Broken Sword 3 hatte in der Edge übrigens nicht 10, sondern 9 Punkte, wenn ich das richtig sehe (metacritic).)

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Gunnar November 27, 2009 um 10:40

Metacritic gegen meine Erinnerung — wem glaubst du mehr?

Ach, und ich stimme zu — bei ICO haben mich die Tests nicht dazu gebracht es zu kaufen, ausschlaggebend waren bei mir letztendlich peer pressure und das hübsche Cover.

Antworten

Nils Goette November 27, 2009 um 12:02

Hi Gunnar,
im grossen und ganzen muss ich sagen, dass ich Boris Meinung zustimme. Wobei ich jetzt zugeben muss auch nicht ganz nachvollziehen zu koennen, wo du ihm stark wiedersprichst.

Allgemein sehe auch ich, dass Tester versuchen sollten, moeglichst auch mit Herz zu schreiben und nicht nur die Features aufzuzaehlen. Die GEE macht das, wie andere Antworten ja schon erwaehnt haben, sehr gut. Allerdings besitzt die in meinen Augen gelegentlich zu wenig fachliche Kompetenz, weswegen ich sie auch seit Jahren nicht mehr angefasst habe.

Die GameStar ist fuer mich von der Gesamt-Qualitaet der geschrieben Texte her fast optimal. Die Mischung aus sachlicher Erlaeuterung der Spielmechanik und subjektivem Spass-Empfinden bei gleichzeitigem Lesespass ist beispielhaft. Von mir aus koennte es noch ein wenig subjektiver sein, aber da will ich nicht meckern.

Das Werungssystem habe ich (unter dem Nick REDDF1VE) im GameStar-Forum schon oft genug kritisiert. Wie ich etwas ueberrascht feststelle, wird hier in den Antworten das sachliche Spass-Zusammenrechnen ebenfalls kritisiert. Ich will nicht erneut eine ellenlange Argumentation niedertexten, bevorzuge aber auch das hier erwaehnte subjektive Famitsu-System der PC-Powerplay (und wohl mittlerweile auch GamePro, wie ich rausgelesen habe) deutlich.

Aber, hier muss ich dir recht geben: Immer weniger interessieren mich die Zahlen ueberhaupt. Das liegt aber vielleicht auch, Boris hatte es glaube ich erwaehnt, daran, dass in Zeiten von metacritic und gamerankings die Wertung einer Zeitschrift, und sei es die, die ich favourisierte, nur noch eine von vielen ist. Auch da kann ich einer vorherigen Antwort beiflichtigen, dass ich die Texte bzw Video-Reviews einer Zeitschrift/Website benutze, um allgemein etwas ueber das Spiel zu erfahren und auch rauszulesen versuche, ob das Spiel mich persoenlich anspricht, waehrend ich dann die gamerankings-Wertung heranziehe um zu gucken, ob das Spiel rein qualitativ was taugt und ob die Einschaetzung beispielsweiser meiner GameStar sich mit dem allgemeinen Presse-Echo halbwegs deckt.

Was ich in diesem Zusammenhang noch erwaehnen moechte ist uebrigens, dass ich die Wertungs-Konferenzen auf den DVDs der GameStar immer sehr interessant finde. Hier kommt unter anderem naehmlich die subjektive Einschaetzung der einzelnen Redakteure besonders gut rueber. Allgemein darf es gerne mehr in eben diese ubjektive Richtung gehen, wie ich finde.

Weglassen kann man die Wertungen imo heute als auflagenstarke Zeitschtift eh nicht mehr, aber wozu auch? Wer sich fuer die Zahl unter dem Test nicht interessiert, soll sie nicht lesen und sich auf den Text konzentrieren. Als allgemeine Wasserstandsmarke, wie du sie beschreibst, taugt sie allemal.

Ich habe fertig!

Antworten

MichaelK. November 29, 2009 um 14:24

Von mir aus könnte man die Gamestar nur noch auf DVD rausbringen mit Videos für Previews, Interviews, Hardwarespecials und für jedes Spiel eine Wertungskonferenz. Das ist IMO das “Spielemagazin” der Zukunft. :-)

Antworten

Christoph72 November 27, 2009 um 12:22

Ich stelle fest, daß ich mich immer mehr dort informiere, wo ich das Gefühl habe, mir wird über ein Spiel “die Wahrheit gesagt”, und das sind mehr als früher “private” Äußerungen von Profis (Du würdest vielleicht ironisch sagen “Ex-Profis”), denen ich vertraue; zu den “neuen Quellen” gehören Podcasts wie “Gamers With Jobs” oder die privaten Blogs von Redakteuren, auch Internetseiten wie gamespot, gamersglobal etc.

Ich stimme Dir und Boris zu: ob ein Spiel 90 oder 70 bekommt, ist ein guter Richtwert, entscheidet aber nicht über den Kauf, sondern erhöht oder senkt vielleicht etwas die Kaufbereitschaft. Ich weiß aber letztlich nur aufgrund von Vergleichen zu mir bekannten früheren Spielen und mir bekannten Redakteurs-Meinungen zu früheren Spielen, ob ein Spiel “was für mich ist”.

Und ich finde es schade, daß offizielle Magazintests meiner Ansicht nach doch mehr und mehr nur 90% der Wahrheit sagen. Das eine oder andere Spiel wird supergut bewertet, aber keiner der Tester würde es je privat spielen. Im privaten Blog oder podcast hört man dan die “emotionalen” Elemente des Spiels, die einen letztlich darüber entscheiden lassen, ob man es mögen wird oder nicht.

Antworten

D@mien November 27, 2009 um 12:28

Irgendwie hatte ich schon den leisen Verdacht, dass das derart ausarten würde, als ich den Kommentar vom “geschätzten” Herr Luibl auf seiner Seite gelesen habe. 4P hat sich ja schon mehrfach gerne von der Masse abgehoben, indem sie , in meinen Augen absichtlich, niedriger bewertet haben.

Möchte jetzt auch nicht mehr groß auf das Thema eingehen, das Wichtigste wurde ja schon genannt. Interessant wird zu sehen sein, ob das alles ein langfristiges Nachspiel haben wird. Ein solch offenes Gehate unter hochrangigen Redakteuren sieht man ja selten.

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Plankton Reverse November 27, 2009 um 17:02

Es geht um Kohle. Da lehnt sich jeder in den Interessenbereich des andern; Ein Zwist der ausweglos erscheint. Plötzlich geht es um Wertungssysteme und das Thema schweift total ab. Möchte doch bitte jeder seinen Heiligenschein behalten. Eine Lösung ist so trivial, aber aussichtslos, weil Gehirnwäsche-Konsumenten den Publishern das Produkt aus den Händen reissen.

Antworten

Chefkoch November 27, 2009 um 21:12

Hachje, wieder so einer der alten Garde, der glaubt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Wenigstens setzt du dich nicht hin und kritisierst mit einem mit Rechtschreibfehlern gespickten Text, wie BSJ – wie peinlich! Natürlich hat Jörg das Recht, diesen Umstand herauszustellen, schließlich stellt sich BSJ auf einen Sockel, auf den er natürlich nicht gehört und verunglimpft gleich alle Redakteure, die sich mit Spieletests beschäftigen, als unfähigen Haufen “autodikatische Spieleredakteure” und unterstellt ihnen einfach mal, unfähig zu sein. Im Gegensatz zu seiner Excellence, BJS natürlich. Schon allein dadurch macht er sich unglaubwürdig. Was willst du uns mit deinem Text eigentlich sagen? Dass auch du besser bist, als alle aktuellen “Schreiberlinge”, denn du hast ja vermutlich den “Skill”, von dem du sprichst, oder? Also auch nur ein bisschen auf der momentanen Welle mitschwimmen …

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Gunnar November 27, 2009 um 23:29

Huh? Wo ist aus meinem Text irgendwas zu lesen, was deine Deutung stützt?

Antworten

Claus x November 28, 2009 um 20:08

Das, was der gute Gunnar als Stürme im Wasserglas bezeichnet, wird bei mir unter notwendige Diskussion geführt. Notwendig, um einmal zu überlegen, was man anders oder gar besser machen sollte bzw. könnte.
Insbesondere in Zeiten, die vom Niedergang der Fachpresse (Auflagen, Umsatz, was auch immer) geprägt sind, kann eine Diskussion über die Grundsätze und Ziele eben dieser Fachpresse doch nur gesund sein.
Weiter wie bisher, ist doch noch immer gut gegangen, kann doch auch keine Lösung sein.
Und wenn es denn am Ende des Tages doch nur ein Sturm im Wasserglas bleibt, na, so ist es doch immerhin einer, der beim Trinken des Gesöffs noch ein wohliges Perlen auf der Zunge beschert, nachdem da soviel aufgewirbelt, geschüttelt und gerührt wurde. Ist letztlich auch was feines, so in sich.

Antworten

Gunnar November 29, 2009 um 14:36

Finde ich gar nicht. Vielleicht hat die Fachpresse Reformbedarf, aber eine Diskussion über WERTUNGEN bringt sie dabei ganz, ganz sicher nicht weiter.

Antworten

Claus x November 29, 2009 um 23:22

Das starre Bewertungsschema, dass aus der gedruckten Presse stammt, muss doch online überhaupt nicht mehr notwendig sein. Warum kann ich beispielsweise nicht meine Rechner(leistungs)daten eingeben / hinterlegen, meine Spielhistorie (samt Bewertung, wie mir der gespielte Titel gefallen hat), meine Auf- wie Abschläge selber definieren? Dann hätte ich meine individuelle Bewertung, die ich aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und Hintergründe immer anpassen könnte.
Da ist doch noch unglaublich viel mehr möglich, als heute vorhanden ist.
Wie kann es nicht gut sein, sowas in einem kreativen Prozess mal durchzudenken?
Natürlich habe ich vom Erstellen, Produzieren und Schreiben eines Magazins / eines Artikels nahezu keine Ahnung, daher: wenn du mal Zeit und Lust hast, würde mich zumindestens die Begründung für diese deine Sicherheit (“…ganz, ganz sicher nicht…”) interessieren, man ist ja auch als Laie an der Sache interessiert und dazu gerne bereit, dann und wann auch mal etwas hinzu zu lernen.

Gunnar November 30, 2009 um 10:01

Klar. Kannste machen, zum Beispiel hier: http://www.gamestar.de/spiele/wertungskasten/rollenspiele/43300/dragon_age_origins.html

Im GS-Wertungskasten kannste deine Teilnoten selber gewichten und detaillierte Vergleiche mit anderen Spielen anstellen.

Aber wer macht sich die Mühe?

Claus x November 30, 2009 um 22:03

Ok, geht tatsächlich. Irgendwie. Nicht wirklich schön, aber immerhin. Potzdaus.
Die Mühe macht sich vermutlich solange niemand, bis ein persönliches Profil zum Benutzen der Seite erforderlich wird und man dann zwischen Redaktionswertung und der errechneten persönlichen Wertung einfach umschalten kann. Denke ich.
Jedenfalls bin ich jetzt erstmal positiv überrascht.
Hätte ich bei Gamestar nicht mehr wirklich erwartet.

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blackAngel Dezember 1, 2009 um 02:58

Naja wenn man auf die Wertung schaut und daraus alle Schlüsse zieht, den Rest gar nicht betrachtet, dann kann man’s auch ganz lassen. Vor allem da manche Wertungen echt nix aussagen. Kann mich errinnern früher hin und wieder Zeitungen wie Bravo Screenfun gekauft zu haben. Die Wertungen waren von 1-5, und da noch irgendwie zufällig verteilt. Da bin ich mit der GameStar doch noch zufrieden… gute Unterteilungen und eine Wertung “Spielspaß” die ja nur ungefähr die ganzen Punkte zusammenfasst. Oft les ich mir den Fazit durch, fasst doch das meiste gut zusammen.

PCAction hab ich nie gekauft, manchmal bei Kollegen gelesen. So wie ich das verstanden habe, wurde da nur die Körbchengröße von Lara Croft bewertet.
PCGames war schon besser, aber bei Design und Lesbarkeit war GameStar einfach besser.

Die Userwertung auf der GameStar Homepage hingegen find ich total überflüssig: da wird nur 0 und 100 gewertet. Und sowieso macht sich niemand die Mühe einen ausführlichen Test zu schreiben.

So gut die Wertung bei GameStar auch ist, manchmal kann ich’s einfach nicht nachvollziehen:
Gothic 3: 86% – ein Spiel das so unspielbar ist, sollte nicht über die 60%-Marke kommen. Mein Spielspaß kam vielleicht auf 20% wenns hochkommt.
Crysis: 94% – wirklich? NEIN… kann nicht sein.. außer ein paar schönen 1GB texturen hatte das Spiel nichts. Die Story war auch nicht besser als mittelmäßig, vor allem das “Ende”.
Werden deutsche Entwickler bevorzugt?^^

Modern Warfare 2: guter Test, kann Wertung nachvollziehen, aber es wurde NUR von der Flughafenszene berichtet, die ich noch gar nicht gesehn habe, weil mich der MP so gefesselt hat.

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