A politician’s success is measured by his ability to get elected. If he’s good at that, he doesn’t have to be good at anything else. (David Gerrold)
Augen zu, Musik spielt, Augen auf — wir haben eine neue Familienministerin und eine neue Arbeitsministerin. Verloren bei der Reise nach Jerusalem hat der Herr Jung, treuer Vasall und Diener seines Herrn Roland Koch, aber nicht für seinen scharfen Intellekt bekannt. Tja. So kommt das.
Was sich der Herr Jung wohl hauptsächlich zuschulden hat kommen lassen, ist das, was schon einigen Verteidigungsministern das Genick gebrochen hat — die mangelnde Beherrschung eines komplexen (*) und eigensinnigen Apparats mit 3320 Angestellten (Soldaten, Beamten, Zivilisten).
Wobei sich mir eine alte Frage neu aufdrängt — wie funktioniert das eigentlich, die Führung eines Ministeriums? Jeder, der auch nur Personalverantwortung für drei Mitarbeiter hat, weiß, dass “Führen”, wenn man es denn ernst meint, eine ziemlich knifflige Aufgabe ist. Natürlich abstrahiert das nach oben hin und wenn man 5000 Leute “führt”, dann führt man eigentlich wieder nur die fünf der nächstunteren Hierarchieebene. Schon klar. Dennoch: Wer in der Wirtschaft eine große Abteilung oder gar ein Unternehmen leiten will, der muss sich in aller Regel zuvor an kleineren Einheiten bewiesen haben. Und macht im Laufe der Zeit normalerweise reihenweise Seminare, Change Management und Strategisches Management und Innovationsmanagement und Selbstmanagement et cetera pp, in denen er/sie seine Vorstellungen von Führung theoretisch unterfüttert, während er sie in der Praxis am lebenden Subjekt ausprobiert. Dr. Kristina Köhler hingegen, Diplom-Soziologin und seit eben Chefin des Familienministeriums, ist im Job nicht über “Wissenschaftliche Hilfskraft” hinausgekommen. Und die Erfahrungen etwa als Kreisvorsitzende einer Rasselbande wie der Jungen Union Wiesbaden werden sich auf die Führung einer großen Behörde allenfalls begrenzt anwenden lassen. Was macht die junge Dame also? Und was macht der Apparat mit ihr? Liegt die Macht bei den Staatssekretären — und die Ministerin unterschreibt nur? Gibt’s einen standardisierten Einführungskurs “Ministerienmanagement für Anfänger”? Verlangt man etwa wirklich, dass der/die neue Minister(in) die Prozesse durchschaut? Oder ist das irgendwie eh alles egal, weil man die paar Jahre schon irgendwie übersteht?
Darüber würde ich gerne mal einen Artikel lesen, von einem der Großjournalisten bei SZ, SPIEGEL oder ZEIT. Mit so eingestreuten Gesprächsfetzen aus Interviews mit altgedienten Ministerialen.

Vielleicht weiß es jemand RT @HerrKaliban: Wo lernt man Minister? —> http://ow.ly/Hi5J
Für die wahre Leitung hat man doch seine Staatssekretäre. Der Minister ist im ungünstigsten Fall einfach ein Aushängeschild.
oder aber im günstigsten fall. parade-beispiel: Ulla Schmidt.
Ich versteh nich ganz, warum alle auf der herumhacken. Klar ist sie jung, aber andersrum würde wohl wieder die Diskussion losgehen, dass die ganzen Minister ja verkalkten würden, weil zu wenig Frischfleisch vorhanden ist.
Ich bin dafür, ihr wenigstens eine Chance zu geben. Sie bringt vlt. endlich mal frischen Wind in die konservativen Gedankengänge der Politik.
beim Rösler lass ich dein argument gelten, der war aber auch landesminister. die Köhler hat bisher noch nicht mehr vorzuweisen, als ein namensvetterndes staatsoberhaupt.
Das kann man so nicht sagen.
Wenn ich mich nur mal kurz umschaue, dann seh ich schon ein paar Sachen, bei denen sie Punkten kann. Man siehe nur mal Wikipedia die Punkte “Partei” und “Abgeordnete”:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kristina_K%C3%B6hler#Partei
Zugegeben, es ist nicht umwerfend viel, aber ich lasse nicht gelten, dass sie nie etwas geletistet hätte außer der genannten “Hilfskraft”. Sie wird zur Zeit im Netz dargestellt als wär sie ein total unerfahrener Jungspund, der sowieso nix auf die Reihe bringen wird.
Ach, ich mein’s ja nicht böse. Habe noch überhaupt keine Meinung zu der jungen Dame und finde es grundsätzlich erstmal gut, eine junge Frau statt eines ältlichen Herrn im Amt zu haben. Mir ging’s mehr um’s Generelle bei dem Posting.
Wobei ich allerdings nicht finde, dass man mit ein paar Parteiämtern auf Bezirksebene schon “punkten” kann.
Über Frau Köhler mag ich auch noch nicht schimpfen. Haben sie halt mal ein, nun ja, junges Häschen aus dem Hut gezaubert. Warten wir mal ab, was sie kann und ärgern uns dann alle zusammen im nächsten Jahr über sie. Könnte man ja quasi in die Vorsätze mit aufnehmen. So vorsichtshalber. Im Zweifelsfall hält man die ja ohnehin nicht ein.
Mal die Serie “Yes, Minister” geschaut?
die Führung eines Ministeriums und die Führung eines Unternehmens sind doch 2 paar Schuhe. Wie shd schon sagte sind Minister unterm Strich doch eh nur Aushängeschilder, die im für sie besten Fall nicht mal eine eigene Meinung haben und deren Aufgabe nur darin besteht, die Ansichten einer Partei zu einem bestimmten Themengebiet der Bevölkerung darzulegen.
Und wenn mal was schief läuft, sind sie diejenigen die Schuld haben, auch wenn sie eigentlich gar nichts dafür können, wie bei Herrn Jung.
Das ganze passt doch perfekt in unsere eindimensionale Medienwelt. Man hat immer einen Idoten auf den man einkloppen kann
nun ja, Her Jung kann “schon etwas dafür”, denn er hat sich ja ziemlich schnell und weit aus dem fenster gelehnt, dass die bombardierung des convoys völlig korrekt war. wenn ich mich recht erinnere hat er sogar in den ersten interviews zivile opfer ausgeschlossen. so viel “ungeschick” darf und muss bestraft werden.
und unwissenheit schützt vor strafe nicht. wenn ich staatssekretäre habe, dann muss ich trotzdem “kontrollieren” was die mir vorlegen, denn defacto bin ich deren chef. aus diesem grund ist s auch richtig, dass wenn köpfe rollen, da auch gerne der kopf des chefs rollen darf/muss. das hat nichts mit eindimensionalität zu tun.
übrigens hackt auch niemand auf frau dr. köhler rum, aber man darf/muss kritisch hinterfragen, wie es um ihre kompetenz-komptenz steht.
Das geht mir auch schon seit Tagen durch den Kopf: http://is.gd/58IVb ("Wo lernt man Minister?" von @HerrKaliban)
Darf ich übrigens mal als Addendum dazu sagen, daß ich es sehr schön finde, daß in Deutschland noch Staatsbeamte bei Mißverhalten zurücktreten? Wenn man sich die Politik der USA anschaut, dann passiert so etwas vielleicht einmal in 2 Jahrzehnten…
[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Gunnar Lott und Jan Schäfer, Cassandra Bouffier erwähnt. Cassandra Bouffier sagte: Vielleicht weiß es jemand RT @HerrKaliban: Wo lernt man Minister? —> http://ow.ly/Hi5J [...]
Um als Minister pro-aktiv erfolgreich zu sein muß man als Staatssekretäre einem hörige Kontrollfreaks installieren. Ansonsten legt man sein Schicksal in die Hände der schon existierenden Ministerialbürokratie. Für Letzteres gibt es aber auch genügend Beispiele, wo die Leute ohne Skandale die Legislaturperiode überstanden haben. Jungs Problem war wahrscheinlich, daß er sich innerhalb von 4 Jahren nicht die Mühe gemacht hat, den von ihm zu führenden Puff überhaupt zu verstehen.
Mich wundert das sowieso nicht mehr. Minister sind doch nur Aushängeschilder. Denn sonst müsste mir jemand erklären:
- Warum Guido Westerwelle, Freund der Unternehmen, wenig mit Wirtschaft zu tun hat
- Warum eine Kinderlose Familienministerin wird
- Warum ein Schwarzkassenmagnet für Finanzen zuständig ist
auch kinderlose können familienminister werden. nur, weil man selber keine familie hat, bedeutet das nicht inkompetenz auf diesem fachgebiet. als damals die von der Leyen ministerin wurde und sich alle freuten, daß eine frau mit drölf kindern die geeignetste person sein muß, konnte ich nur mit dem kopf schütteln. bei ressorts wie gesundheit, justiz und wirtschaft zahlt sich eigene erfahrung im system bestimmt gut aus, bei vielen anderen jedoch reicht es, sich einzuarbeiten. ich würde mir übrigens mal wünschen, daß ein mann familienminister wird und eine frau finanzministerin oder verteidigungsministerin. dafür ist der wähler aber noch nicht bereit.
Ein schöner Post der genau die Gedanken wiedergibt, die mir nach der Bekanntgabe der Ministerien Neuordnung ebenfalls durch den Kopf gingen.
Man liest ja auch nur das, was die eigene Meinung/Vorstellung unterfüttert. ;)
Für das Amt des Minister müsste es endlich auch mal eine Casting-Show geben. Alle Komponenten, die so ein Format erfolgreich machen, wie Zickenkrieg, Ellenbogengerangel und die “ich kann das sehr gut”-Selbstüberschätzung, sind mit Sicherheit auch in dieser Berufsgruppe dominante Charaktereigenschaften, die dann wenigstens im Fernsehen für gute Unterhaltung sorgen.
Vielleicht kann man so sogar die Wahlbeteiligung erhöhen, wenn das Volk im großen Finale per Anruf mitentscheiden darf.
@Herr Kaliban
Die Führung eines Kreisverbandes ist schlimmer als das Hüten von 20 ADHS Kindern, wer das eine Amtszeit durchgehalten hat ist für alles qualifiziert, glaub mir…
Die Frau ist mir eher unsympathisch – nicht nur weil sie CDU-Mitglied ist siehe http://polit-bash.org/?166 . Ich bin aber schon gespannt wie sie sich schlagen wird.
Die Frage wie Ministerposten verteilt werden stellte sich Extra3 auch schon einmal siehe http://www3.ndr.de/sendungen/extra_3/media/extra1364.html
Jung, weiblich, davon darf man sich nicht blenden lassen. Siehe das Polit-Bash-Zitat oder den folgenden Artikel: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14540
Irgendwie auch typisch für die politische Diskussion: “Uh, jung, blond, na das ist doch schon mal super.” — Inhalte? Später… vielleicht.
Auf die Frau Köhler sollte man ein sehr wachsames Auge haben.
…aber nicht für seinen scharfen Intellekt bekannt.
Kann mir irgendjemand auch nur einen einzigen deutschen, hochrangigen Politiker der letzten Jahre nennen, der für seinen “scharfen Intellekt” bekannt war?
Gregor Gysi?
Zu Frau Köhler sei auf Herrn Küppersbuschs Kommentar (http://tinyurl.com/yzxe7pr) verwiesen, der auch mal Namen wie Claudia Nolte in Erinnerung ruft, deren Schicksal daran erinnern sollte, daß nicht jede hoffnungsvoll gestartete junge Familienministerin auch tatsächlich dafür vorgesehen war, mal durchzustarten.
Zur grundsätzlichen Frage:
Die Macht hat immer die Administration.
Und gerade die Verteidigungsminister haben das stets zu spüren bekommen. Das Modell funktioniert aber überall sonst auch, woanders sind die Damen und Herren nur subtiler als auf der Hardthöhe. ;)
Deshalb geht es im Übrigen auch tatsäschlich um alles, nur nicht um fachliche Qualifikation. Die ist nämlich weder notwendig noch gewünscht. Herr Gerrold hat da vollkommen Recht. Hier hat sich etwas verselbständigt.