Bitte so werden, 2010

by Gunnar on 31. Dezember 2009 · 17 comments

Hm. Mein Jahresendtext von 2008 klingt immer noch erstaunlich aktuell. Ich passe ihn also sanft an und veröffentliche ihn einfach nochmal. Kann ja nichts dafür, dass die Welt mir meine Wünsche nicht erfüllt. Abgesehen davon wünsche ich allen Mitlesenden ein sensationelles Jahr 2010, mit Geld, Schokolade, Sex, milden Drogen, gelungenen Videospielen und allem, was so dazu gehört. Man sieht sich, denke ich.

Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 2010 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Bankern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 2009 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten mit den Eckpfeilern Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und Sekretärinnentitten für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.

Ach.

Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir also stattdessen, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur und der Bosheit dieser Welt klarzukommen.

Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie wording, wellness, content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.

Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Mario Barth und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und Guido Westerwelle und von der Layen und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel. Aber es sollen auch noch die Zufrühknaller verschwinden, die Am-Ende-der-Rolltreppe-Stehenbleiber, die unnötig-die-Spur-wechsler, die Nichtblinker, die In-der-Stadt-mit-dem Golf-auf-85-Beschleuniger, überhaupt alle Leute, die ein Auto bewegen, ohne den festen Willen zum Miteinander aufzuweisen. Die Unfreundlichen, die Intoleranten, die Egoistischen.

Arrrrgh. Themawechsel.

Ich wünsche mir, dass 2009 2010 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.

Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.

Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas Besseres aber grundsätzlich ähnliches wie Dragon Age vielleicht? Meinetwegen auch so ein Ich-führ-dich-am-Nasenring-durch-die-Welt-Dingens wie Batman Arkham Asylum, wenn’s denn hübsch gemacht und halbwegs unschmerzhaft erzählt ist. Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere brauchbare mobile Spiele wie das sensationelle Scribblenauts oder The Creeps oder Canabalt. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig (sehe ich da nicht Mass Effect 2 am Horizont?), MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.

Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.

Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten. Ich wäre soweit.

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