Hm. Mein Jahresendtext von 2008 klingt immer noch erstaunlich aktuell. Ich passe ihn also sanft an und veröffentliche ihn einfach nochmal. Kann ja nichts dafür, dass die Welt mir meine Wünsche nicht erfüllt. Abgesehen davon wünsche ich allen Mitlesenden ein sensationelles Jahr 2010, mit Geld, Schokolade, Sex, milden Drogen, gelungenen Videospielen und allem, was so dazu gehört. Man sieht sich, denke ich.
Ich wünsche mir zuvörderst, dass 2009 2010 in großen Mengen Hirn vom Himmel fällt, unseren Wirtschaftsführern und Bankern und Politikern und Medienmanagern in die hohlen Schädel. Diese Krise von 2008 2009 hat ja eines mal wieder erwiesen — auf ziemlich vielen verantwortlichen Positionen, an Schlüsselstellen mit ausreichend Potenzial Unheil anzurichten, sitzen mittelmäßige Flachpfeifen, welche die verschärfte Form von repräsentativem Eierschaukeln, die sie Tag für Tag betreiben, schon für einen richtigen Job halten. Die ihre virtuellen Welten mit den Eckpfeilern Golf, Gadgets, Vielfliegermeilen, Telefonkonferenzen, Bonuszahlungen und Sekretärinnentitten für die richtige Welt halten. Die ihre kleinen Entscheidungen treffen wie Straßenbahnschaffner Tickets abknipsen, mit den bewährten Methoden von gestern und vorgestern und vorvorgestern. Nur dass die Entscheidungen eben zuweilen enorme Auswirkungen haben. Aber das ist ja nicht zu ahnen, wenn man keine Fantasie hat.
Ach.
Ich wünsche mir, dass Gott mir mehr Gelassenheit schenkt oder besser doch nicht — was soll ich mit Gelassenheit? Gelassenheit ist was für Menschen ohne Herz. Ich wünsche mir also stattdessen, dass Gott mir den soliden Herzmuskel, den stabilen Magen und das drahtseilige Nervenkostüm schenkt, das ich brauche, um mit meiner sensibel-cholerischen Persönlichkeitsstruktur und der Bosheit dieser Welt klarzukommen.
Und ich wünsche mir, dass einige Wörter verschwinden, darunter auch einige, die ich selber zuweilen sage, was natürlich kein gutes Licht auf meinen Willen zum Guten, Schönen und Wahren wirft, also Wörter wie wording, wellness, content, bullish (sagt jetzt eh keiner mehr), Sowieso to go, Reputations-Management und noch viele mehr, die mir gerade nicht einfallen wollen, aber wenn man sie sieht, wird man sie erkennen, da bin ich ganz sicher.
Und wo wir gerade beim Verschwinden sind, ich wäre aus rein ästhetischen Gründen froh, wenn blaue Hemden mit weißen Krägen verschwinden würden und Pop-Under/Pop-Up-Werbespamfenster und diese absurde Reklame auf den Toiletten von Autobahnraststätten und Casting-Shows und das deutsche Fernsehen ganz allgemein und Mario Barth und Bugs in PC-Spielen und Leute, die sich in Zügen die Fußnägel schneiden und Guido Westerwelle und von der Layen und, ogott, jetzt gerate ich beim Wünschen in eine Art Strudel. Aber es sollen auch noch die Zufrühknaller verschwinden, die Am-Ende-der-Rolltreppe-Stehenbleiber, die unnötig-die-Spur-wechsler, die Nichtblinker, die In-der-Stadt-mit-dem Golf-auf-85-Beschleuniger, überhaupt alle Leute, die ein Auto bewegen, ohne den festen Willen zum Miteinander aufzuweisen. Die Unfreundlichen, die Intoleranten, die Egoistischen.
Arrrrgh. Themawechsel.
Ich wünsche mir, dass 2009 2010 die SPD ein bisschen, wenigstens ein kleines bisschen, Würde zurückgewinnt. Es müssen ja keine Wahlen sein, nur ein wenig Würde.
Im Sinne vieler Kollegen wünsche ich mir, dass die Printauflagen deutscher Magazine und Tageszeitungen ein wenig langsamer zusammenbrechen als in den vergangenen Jahren, natürlich mit Ausnahme von Produkten, die eh kein Mensch braucht, wie Focus, PC Games oder Junge Freiheit. Ahem. Vor allem sollen meine Lieblingsmagazine (neben GameStar und GamePro sind das 11Freunde, Brand Eins, GEE und Effilee) das kommende und auch noch viele weitere Jahre gut überstehen.
Ein paar gute Spiele würden mir das Jahr auch erhellen, etwas Besseres aber grundsätzlich ähnliches wie Dragon Age vielleicht? Meinetwegen auch so ein Ich-führ-dich-am-Nasenring-durch-die-Welt-Dingens wie Batman Arkham Asylum, wenn’s denn hübsch gemacht und halbwegs unschmerzhaft erzählt ist. Oder ist das zu viel verlangt? Dann wenigstens weitere brauchbare mobile Spiele wie das sensationelle Scribblenauts oder The Creeps oder Canabalt. Eine gute Grundversorgung an Solo-Rollenspielen wäre mir weiterhin wichtig (sehe ich da nicht Mass Effect 2 am Horizont?), MMORPGs können mir weiterhin gestohlen bleiben.
Und Gesundheit für meine Familie und gerne auch für mich. Und Weltfrieden. Und Sonnenschein. Und sauberes Wasser, vernünftige Mitmenschen und mehr Gutes, als die schlechten Menschen ertragen können.
Und vielleicht steigt ja dann doch endlich Jesus aus seinem Sternenschiff herab, um die Gerechten zu retten. Ich wäre soweit.

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Irgendwie traurig, wenn man erkennt, dass mit Ausnahme der Jahreszahl keiner deiner (in gewisser Hinsicht ja unser aller) Wünsche neu ist. Viel Glück dann mal für 2010!
Ist das mit guten Wünschen nicht immer so?
Aber wer weiß, vielleicht wird nächstes Jahr ja doch einer wahr. Wenn auch nur ein kleiner^^
In diesem Sinne: Guten Rutsch und ebensolches neues Jahr!
Uh, die PC Games, den Focus und die Junge Freiheit in eine Reihe zu rücken, ich weiß nicht wen davon du jetzt am meisten beleidigt hast…
Aber warum denn Guido? Englisch hat er doch mittlerweile gelernt. Wenn dann bitte Brüderle, der ist sich nicht mal für Rollstuhlwitze über Schäuble zu schade.
Ach Gunnar, bei so einem Post weiß ich wieder, warum dein Blog auf Platz 3 meiner Bookmarks ist (1 und 2 sind gewissermaßen unantastbar). Da besteht einfach eine gewisse Seelenverwandtschaft. Dir und deiner Family das Beste für 2010.
Auch von mir ein Gutes Neues!
Traurig ist doch eher, dass diese Wünsche von recht vielen Menschen geäußert werden und es doch immer die gleichen bleiben. (Evtl. als Selbstrüffel und zugleich guter Vorsatz fürs neue Jahr zu sehen)
Euch Geschmackvollen eine erfolgreiches Jahr 2010
den allermeisten wünschen schließe ich mich an.
und die “sensibel-cholerische persönlichkeitsstruktur” entleihe ich mir für künftige selbstbeschreibungen. herzlichen dank.
Alles Gute für 2010. Bin, so ganz nebenbei, auch wieder ausm Urlaub zurück.
Dem Jesus-Teil schließe ich mich an.
Ich wünsche mir, dass, nachdem es Hirn geregnet hat, keiner mehr an allmächtige und allgegenwärtige Fantasiewesen glaubt.
Jawoll – die Wunschliste unterschreibe ich schon beim Überfliegen. Ich hab’ mir ja egozentrischerweise die persönliche, ultimative Gelassenheit für 201o auf den Fahrplan geschrieben. Falls das nicht innerhalb realisierbarer Parameter ist, wünsche ich mir, dass die Bewohner dieser Erde mehr Fates Warning hören. Ernsthaft.
Scheiße, ich bin definitiv im falschen Jahrzehnt geboren. Achso, Nachtrag: Weniger CDU oder FPD wählen wäre auch’n guter Ansatz, da bin ich mal ganz salopp populistisch. Für die Gamer: Ist ganz ähnlich wie bei ATI/Nvidia – der Kunde profitiert aus Gründen fehlender Überlegenheit einer Kraft und so. Äh. Jap. Also die Pleasant Shades of Grey ist _das_ Überwerk. Track XII, sage ich nur. Dagegen verliert doch die ganze durch Geschwindigkeit entstehende Komplexität neumodischer Bands … gibt kaum keinen bessere Songs, um mit dem persönlichen Automobil bei konstanter v/max vier Uhr morgens bei offenen Fenstern über die A96 vom Ammersee Richtung Memmingen zu knallen (*pff*, ehrlich… denkt doch was ihr wollt). Es ist der Mix aus Energie und Gelassenheit, der’s so brachial macht. Direkt danach kommt “The eleventh hour”, der beste jemals geschrieben Prog-Song. Generalisierung my ass, kapiert?
Ansonsten würd’ ich mir wünschen, dass ihr bissel leiser schreibt, so bis 4.1. vielleicht. Neujahr war doch wieder ebbes länger als gedacht. Außerdem kommt’s doch statistisch signifikant eh wieder wie jedes Jahr: Also – macht’ne Familie auf, es lohnt sich (approximierte Datenbasis), optional: kümmert euch besser um sie, kümmert euch weniger um das Hochgeistige, euren egoistischen Intellekt. Die Bosheit der Welt kann auch ‘ne Weile ohne euch bzw. ohne mich. So bis Februar ungefähr. Dann haue ich wieder mit auf die Kacke.
Das mit Jesus… muss nicht jeder verstanden haben, wie man Atomraketen baut, oder wie Religionen funktionieren . Würde schon reichen, verstanden zu haben, warum man sie nicht ständig abschießen bzw. missbrauchen sollte.
Ich find die FPD auch unwählbar ;)
@Styg: Fates Warning? Nie gehört. Hast mich aber neugierig gemacht. Habe daraufhin gerade mal bei youtube den erstbesten Treffer angeklickt und angehört. “Point of View”. Ein ungeschminkter, ‘geradeherauser’, simpler, kraftvoller aber nicht zu kraftvoller Rocksong. Wenig proggig zwar, gefällt mir aber. Mal schau’n, was es von der Kapelle sonst noch so zu entdecken gibt.
Apropos Politik: Keine unserer aktuellen demokratischen Parteien halte ich für prinzipiell besser als eine der anderen, lediglich die Linke ist prinzipiell schlechter. “Unwählbarkeit” ist somit relativ und ein temporäres Phänomen. Die FDP mag momentan unwählbar scheinen und die Koalition ist wirklich holprig gestartet, aber das sind Momentaufnahmen und sollten als solche das Wahlverhalten nicht langfristig beeinflussen. CDU/FDP are off for a bad start. But that can improve. Cut them some slack.
@Gunnar: Ich bin schon so raus aus dem Computerspielen, dass ich beim Lesen Deines Jahresrückblicks in der Tat zum ersten mal von einem Spiel namens “Dragon Age” gehört habe. Habe mich dann sofort schlau gemacht. Boah sieht das coool aus. Habe auch KOTOR und Baldur’s Gate GELIEBT! (Tetris, Baldur’s Gate II und das Ur-Jagged Alliance auf Englisch sind meine absoluten Lieblingsspiele aller Zeiten.) Und die Testmagazine – online wie offline – scheinen sich ja gegenseitig in Lobpreisungen nur so übertrumpfen zu wollen – die Gamestar übrigens ganz vorne mit dabei. Was genau stört Dich an dem Titel? Und sollte ich Mass Effect mal gespielt haben?
Die Bewohner dieser Erde sollten mehr Arena hören. Und Bach. Ernsthaft.
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