Fragen Sie Herrn Kaliban

by Gunnar on 16. Dezember 2009 · 69 comments

Ich erwähnte neulich schon mal Formspring, eine Seite, wo jeder Hinzkunz einen Account anlegen und sich Fragen stellen lassen kann. Ist möglicherweise nur was für Leute, die gerne Fragebögen ausfüllen oder gerne Fragebögen lesen. Ganz aber ganz unterhaltsam sein, wenn man’s halbwegs ernst nimmt (wie Sascha) oder aufteufelkommraus witzig ist (wie Fabu).

Ich bin natürlich gegen Verlockungen neuer Webseiten nahezu immun (habe ja auch von 1876 bis 2009 nicht getwittert), würde das Prinzip aber gerne mal testhalber ins Blog aufnehmen: Wer mag, stellt eine Frage (in den Kommentaren), ich übernehme die Frage in dieses Posting und beantworte sie liebevoll. Wenn nur 2.5 Fragen gestellt werden, ist mir die Sache peinlich und ich muss verschämt diesen Eintrag löschen. Wenn mehr als 529 Fragen gestellt werden, entwickele ich ein Überlastungssyndrom, in dessen Folge mein rechtes Ohr explodiert. Beides könnt ihr nicht wollen.

Also: I declare this bazaar open.

——- Fragen an Herrn Kaliban ——–

timtim: Das hier veranstaltest du nur, weil dir kein richtiger Blogpost einfällt, oder?
Herr Kaliban: Ja.

tobias c.:Hast du mal drüber nachgedacht, Hannover 96-Fan zu werden? :)
Herr Kaliban: Da denkt man nicht drüber nach. Ist wie mit Problemen: Über Probleme spricht man nicht, die hat man.

tobias c.: Sollte ich meine Fragen nicht lieber bei abgeordnetenwatch stellen?
Herr Kaliban: Vielleicht. Es kommt auf die Anwort an, die du haben willst. Willst du dich beschimpfen lassen, empfehle ich Herrn W.

Cassy: Könntest du dir ein Leben ohne PC vorstellen und wenn ja, was würdest du statt dessen machen?
Herr Kaliban: Den PC im heutigen Sinne (Internet, Mail, Games, Musik, Social Media etc.) gibt es ja erst seit Mitte der 90er, ungefähr. Die ersten 20, 25 Jahren meines Lebens ging’s auch irgendwie. Habe halt Textchen auf der Schreibmaschine geschrieben. Wäre nicht so schlimm, denke ich. Hmm… Nein, alles Unsinn. Wäre doch schlimm. Kann mir ein Leben ohne die Omnipräsenz des Internet und seiner Ausläufer nicht mehr wirklich vorstellen.

Straider: Wenn du eine x-beliebige Person aus der jetztigen Regierung entfernen könntest (lies: feuern könntest), wer wäre es? :)
Herr Kaliban: Ach, die Arbeit würde ich Frau Merkel nicht abnehmen. Die Damen und Herren auf der Regierungsbank haben einander verdient, denke ich. Die sollen jetzt schön ihre vier Jahre Unheil anrichten, damit jeder sieht, dass die SPD doch nicht so schlimm war, wie man dachte.

Jason: Was hältst du vom bedingungslosen Grundeinkommen?
Herr Kaliban: Habe da keine durchdachte Meinung. Grundsätzlich stehe ich dem Gedanken der Bündelung staatlicher Transferleistungen (ob nun als Bürgergeld, negative Einkommenssteuer oder Grundeinkommen) als Mittel zur Reduktion von Bürokratie und dem ganzen kafkaesken und menschenfeindlichen Verteilwahnsinn positiv gegenüber.

ro:Wieviel Stunden verbringst Du pro Tag online, beruflich/privat?
Herr Kaliban: Beruflich: dauer-online (davon vielleicht zwei, drei Stunden aktiv im Internet). Privat: mindestens eine, höchstens drei.

Marjan:Wirst du auf der Straße erkannt und, wenn ja, wie reagierst du darauf? Hast du schon mal einen Plausch geführt mit einem, der hier regelmäßiger Blogleser ist?
Herr Kaliban: Das mit dem Erkennen passiert so zehn Mal im Jahr. Ist meist ganz nett. Früher hat’s mich allerdings ziemlich irritiert und ich war wohl eher ein bisschen schroff oder kurz angebunden. Heute freut’s mich in der Regel. Jeder zehnte von den Erkennern ist dann gleichzeitig Blogleser, was mir umso mehr schmeichelt und mein Selbstbewusstsein für ein paar Stunden in ungerechtfertigte Höhen schraubt.

Ingo:Wenn du 1. die Zeit zurückdrehen könntest, würdest du noch einmal Spieletester werden? Falls ja: würdest du 2. noch einmal aufhören Spieletester zu sein? Und gibt es 3. irgendwo eine Petition, dich zu überreden, wieder Spieletester zu werden?
Herr Kaliban: 1.: Ja. Das war ein sensationeller Berufseinstieg. Wundervolle Zeit. 2.: Ja. Irgendwann ist’s auch mal gut. 3.: Nein. Hatte eigentlich vor, auf kaliban.de zuweilen hochsubjektive Tests von ausgewählten Spielen zu veröffentlichen, aber es fehlt mir die Zeit.

MCP: Was ist das Geheimnis von Monkey Island?
Herr Kaliban: Wer weiß das schon? Eine nette Theorie gibt’s hier.

PietSmiet: Wird das »Pay for Content«-Konzept deiner Meinung nach im journalistischen Bereich Erfolg haben? Wenn ja, ist solch ein Konzept überhaupt auf einen rezensionsbezogenen Bereich wie Videospiele übertragbar?
Herr Kaliban: Paid Content ist nur dort möglich, wo die Information an sich besonders wertvoll ist. Oder die Aufbereitung einzigartig ist. Beispiel: Wenn ich, sagen wir, eine Firma gründen möchte und irgendwer gibt mir ausführliche, klar formulierte, sauber strukturierte und relevante Handreichungen, die mir helfen, Fehler zu vermeiden, dann ist das Geld wert. Auch dann, wenn die eigentlichen Informationen auch frei zugänglich gewesen wären. Bei klassischen Rezensionen oder überhaupt bei normalem Journalismus sehe ich da kein Potenzial. Es sei denn, der Schreibende erreicht Guru-Status: Vielleicht würden Leute für die Einschätzungen von Pete Cashmore zu Social Media-Themen Geld bezahlen; vielleicht für die Meinungen von Stephan Niggemeier, vielleicht für die Reportagen von Alexander Osang, vielleicht für die Gehässigkeiten von Hendryk M. Broder. Und vielleicht auch für die Spieletests von Kieron Gillen oder Michael Graf. Vielleicht. Vermutlich aber nicht. Oder nicht genug.

PropheT: Werden Sie, Herr Kaliban, manchmal von Altersgenossen gefragt, wie es kommt, dass Sie sich immer noch mit Computerspielen beschäftigen, wo das doch eigentlich was für Kinder und Jugendliche sei?
Herr Kaliban: Nein. Nie. Gibt ja mittlerweile genügend Leute, die das Hobby nicht sofort mit Erreichen der 30 aufgegeben haben. Wir leben ja im Zeitalter der Infantilisierung der Erwachsenenwelt — 40jährige Männer spielen mit der PSP und sammeln Comics; 40jährige Frauen tragen Hello-Kitty-T-Shirts und verbringen ihre Freizeit mit Facebook-Quizzes. Anything goes.

ro: Anschlussfrage an die des PropheTen: Wie viele Deiner ehemaligen Schulkolleginnen und -kollegen spielen heute noch PC- und Videospiele?
Herr Kaliban: Meine seinerzeitigen Mitschüler habe ich aus den Augen verloren. Meine alten Freunde spielen schon noch, nur weniger.

MannyC: Spricht KT Guttenberg tatsächlich die Unwahrheit?
Herr Kaliban: Das ist, glaube ich, nicht die entscheidende Frage. Das Interessante an der Sache ist die Handlungsweise von Oberst Klein, der eigenmächtig und mit Verstößen gegen das Protokoll einen Luftschlag gegen eine Gruppe Taliban befohlen hat, die auf zwei entführten Tanklastern herumsaßen. Warum macht denn der sowas? Die logische Antwort: weil er ein Soldat ist. Und dem Gegner einen entscheidenden Schlag versetzen wollte. Notfalls auf Kosten von Zivilisten. Wäre der Krieg in Afghanistan auch offiziell ein Krieg, hätte man das wesentlich weniger harsch bewertet. Aber weil der Westen ja unbedingt so tun muss, als seien die Truppen im Wesentlichen zum Brunnen bohren und Verkehr regulieren da, bekommt das eine ganz andere Gewichtung.

Mone: Wieviel Bedeutung räumen Sie dem Genre Adventure in der Spielebranche ein?
Herr Kaliban: Bei aller Liebe, Adventures sind kommerziell und inhaltlich ein Genre ohne Ausstrahlung auf andere Spiele. Bedeutungslos also. Das heißt nicht, dass nicht Spieleentwickler in der Adventure-Nische gedeihen können oder sollen und auch nicht, dass diese Spiele keinen Spaß machen.

Knurrunkulus: Lieber dein Leben lang eine unsterbliche Fliege, die ununterbrochen um dein rechtes Ohr kreist oder als Alternative dein Leben lang eine mit der rechten Hand fest verwachsene und nicht entfernbare Gießkanne?
Herr Kaliban: Huh? Ab jetzt? Dann lieber Fliege. Ab Geburt? Dann hätte ich vielleicht eine, äh, andere Laufbahn eingeschlagen.

Merf: Vanille oder Schoko?
Herr Kaliban: 72.4 % Vanille, 26.5 % Schoko, 1.1 % merkwürdige Reststoffe.

Ischdef:Welche Relevanz ordnest du deinem eigenem Blog zu, für dich selbst und für die Welt da draußen?
Herr Kaliban: Ich könnte auch ohne. Die Welt aber würde möglicherweise ein traurigerer Ort sein. Oder umgekehrt.

Pascal Parvex: Würdest du mal beim Spieleveteranenpodcast mitmachen?
Herr Kaliban: Nee, da passe ich nicht hin.

Clemens: Wo siehst du den europäischen e-Sport in 10 Jahren?
Herr Kaliban: E-Sport ist nicht eben mein Spezialgebiet. Ich denke, das klassische Hardcore-Segment mit diese gewalttätigen Hardcore-Spielen (CS, Starcraft und so) wird eher schrumpfen. Der Stein der Weisen wäre ein Spiel, das nachvollziehbar genug ist, um auch Laien beim Zuschauen Spaß zu machen und doch tief genug, um für Profisport geeignet zu sein.

Zippo: Welche drei Musikalben nimmst du mit auf eine einsame Insel?
Herr Kaliban: Tom Waits: Bone Machine. Hot Water Music: Caution. Element of Crime: Psycho.

Lord Quinex: Was ist das beste und das schlechteste PC-Spiel, das du jemals gespielt hast?
Herr Kaliban: Das schlechteste weiß ich nicht mehr. Das beste war Planescape: Torment. Oder System Shock 2. Vielleicht auch Fallout 2. Ach, schwierig.

Ingo: Welche Web-Nachrichtenseite öffnest du morgens als erstes?
Herr Kaliban: Im Zweifel SpOn. Aber ich versuche weniger allgemeines Zeug zu lesen und meine Zeit mehr auf berufsrelevante Sachen wie SEO-Blogs, Mashable oder Games-Seiten zu bündeln. Wenn Michael Jackson stirbt, wird’s mir schon irgendwer bei bei Twitter oder Facebook verraten.

Orcbandit: Was sind deine TOP 3 Spiele-Momente?
Herr Kaliban: “Don’t trust the skull”. “The polito form is dead”. “For we shall break through -whatever the cost”.

Orcbandit: Lieblingsstadt in Europa (außer München)? Lieblingsstadt (außer München)?
Herr Kaliban: Barcelona. Hamburg.

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