Habe in meinen Notizen neulich folgende kleine Ereiferung gefunden. Muss ich mal irgendwann nach irgendeinem Empfang spontan niedergeschrieben und dann vergessen haben. Ist aber immer noch wahr. Also.
Ich bin ja nicht oft auf Veranstaltungen, auf denen Politiker, große oder kleine, eine Rede halten, aber doch ein paar Mal im Jahr. Und mal abgesehen davon, dass die Reden von solchen Leuten meist ausgesprochen bausteinig und vorhersehbar und generell zu lang sind, stört es mich massiv, dass die Herren (Damen sieht man ja kaum) sich immer gegenseitig begrüßen, sonst aber niemanden (außer dem Gastgeber vielleicht). Alle Politikerreden beginnen so: “Lieber Gastgeber X, sehr geehrter Herr Minister Y., lieber Herr Landtagsabgeordneter Z et cetera”. Da kann sonstwer im Saal sein, ein Prominenter, Firmenchefs, Kulturschaffende, ICH, alles wurscht. Begrüßenswert sind nur Funktionsträger der parlamentarischen Demokratie.
Vielleicht bin ich über-empfindlich, aber ich finde das unhöflich und irgendwie egozentrisch.
Aber naja. Ist nur ein Detail. Es gäbe schlimmere Dinge über Politiker zu sagen. Oder zu singen.

Dazu mal ein, im wahrsten Sinne des Wortes, “zeitloser” Klassiker:
Was mich aufregt, ist der obligatorische Beifall auf Parteiversammlungen. Ich hab das noch in der CCCP miterlebt und hatte wohl eine unrealistische Vorstellung von funktionierender Demokratie. Btw, welch ist ein gutes deutsches Wort für “rant”? =)
Rant kann man als dummes Gelaber oder hohles Geschwafel übersetzen, denke ich.
Wenn man bei dem Loriot-Sketch nur halb hinhört, dann wirkt es tatsächlich wie eine typische Politikerrede.
“Mini-Rant” – is ja schlimm. Da muss man kein Sprachschützer sein um auf Blogs zu schaudern, selbst wenn es sich auf Kaliban zugegebenermaßen noch in Grenzen hält. ;)
Was das Thema angeht: Ich finde es zwar auch immer ätzend, wie vorhersehbar Politikerreden sind, andererseits kann ich mir auch kaum vorstellen, wie man anders machen will. Am Anfang kann man vielleicht noch Rebell spielen, früher oder später wird man’s aber vermutlich ähnlich machen. Allerdings würde ich sicher auch mal andere Leute im Saal begrüßen.
Jaja, habe den Rant durch ein deutsches Wort ersetzt. Habe ja Recht.
Was die Reden angeht: sehe ich gar nicht so. Irgendwann ist man so sicher in seinen Themen, dass man frei reden kann. Es ist schlicht eine Frage der Höflichkeit, auf Floskeln zu verzichten und aufs Publikum einzugehen. Auch, wenn man drei Reden am Tag hält.
Ach, ich will ja hier wegen der paar Wörter nicht in die Redaktion reinpfuschen. Oft wird die Ablehnung gegenüber Anglizismen durch schlimmere Blogs als Kaliban gestärkt, bloß “entladen” hat sich es zufällig gerade hier. ;)
Ja, mit den Floskeln hast du natürlich recht. Ich meinte bloß, dass Politiker sich vielleicht aus Gewohnheit bestimmte Phrasen angewöhnen bzw. irgendwann in einen bestimmten Trott verfallen, allerdings stimmt das ja wieder mit deiner Kritik überein, also hab ich gar nix zu meckern. Ich muss aber auch zugeben, dass ich vermutlich zu selten solche Reden inklusive Begrüßung und Allem sehe. Vielleicht sollte ich mal ab und zu den Bundestag-Stream, ähh, -Datenstrom, verfolgen um mir einen Eindruck aus der echten Redenwelt zu schaffen.
persönlich hinterfrage ich ja autorität und ich lehne sie ab, wenn sie einseitig ausgeübt wird. was also passiert, wenn man den ehrengast in einer rede nicht namentlich erwähnt? persönlich würde ich mir als solcher ein ei drauf backen, doch da macht korrumpiert, mögen andere solche gäste vielleicht verschnupft reagieren. und konsequenzen ziehen.
da kann ich nur lachen.
Das begrüßen ist durchaus auch ein Code bei solchen Reden, es bringt unter anderem die Hierarchie der verschiedenen Funktionäre und Abgeordneten zum Ausdruck, außerdem ist es auch ein beliebtes Mittel um jemanden dezent vor den Kopf zu stoßen, in dem man ihn trotz Funktion oder Mandat eben nicht begrüßt.
Schon ausreichend peinlich, das.