Dass es so enden musste…

by Gunnar on 5. Januar 2010 · 23 comments

Eine kurze Ereiferung, in welcher der Autor in eindringlicher Weise beschreibt, wie traumatisch es für ihn war, seinen Account bei Xbox Live zu kündigen.

xbox_live_originalDie Xbox 360 und ich, wir stehen grundsätzlich auf gutem Fuß. Ich verwende sie dieser Tage als primäre Spieleplattform und gucke sogar DVDs mit ihr, seit mein DVD-Player in den Siebten Kreis der Maschinenhölle hinabgestiegen ist, diese spezielle Hölle für Geräte, die kurz nach der Garantiezeit kaputtgehen. Und das großartige Xbox Live nutze ich gefühlt seit Anbeginn aller Zeit. Mit Abo und automatischer Abbuchung. Nun aber, in der Besinnlichkeit des Jahreswechsels, fiel mir in der Rückschau ein, dass ich 2009 eigentlich gar nicht mehr auf Xbox Live Multiplayer betrieben habe. Und auch sonst keine der Funktionen in Anspruch genommen habe, welche die kostenlose “Silber”-Variante von der elitären “Gold”-Version unterscheiden.

Naja, dachte ich mir, da kann ich ja einfach mal 60 Euro sparen und den kostenpflichtigen Account kündigen oder herabstufen oder sowas. Die entsprechende Funktion suchte ich, der schlichten Logik des Konsumenten folgend, innerhalb von Xbox Live, in den Einstellungen für meine Mitgliedschaft. Dort z.B., wo man auch das Gegenteil tun kann, nämlich das Abo verlängern. Wie dumm von mir. Das wäre ja zu einfach. Natürlich kann man einen so folgenschweren Schritt ausschließlich vermittels eines Anrufs bei der Hotline durchführen. Da meine Erfahrungen mit Hotlines im Allgemeinen nicht so sind, dass ich mich dieser Tortur freiwillig aussetzen möchte (und andere Leute speziell mit der Microsoft-Hotline so ihre Erlebnisse hatten), suchte ich nach einer alternativen Möglichkeit.

Microsoft selber gibt auf xbox.com den Link www.xbox.com/live/accounts an, hinter dem sich angeblich Informationen verbergen sollen. Der führt aber erstmal zur Login-Schranke. (Anmerkung: Ich wechsele an dieser Stelle meiner Erzählung aus dramaturgischen Gründen aus dem Präteritum ins Präsens.) Grmpf. Wo sind meine Daten nochmal, die habe ich seit Jahren nicht benutzt? Ah, hier, eingegeben, weiter. Nun bin ich auf meiner “Kontozusammenfassung”. kontozusammenfassungNichts Spektakuläres hier zu sehen. Ich nutze mal besser die Site-Suche. Keine brauchbaren Informationen. Gar keine. Wie kann das sein*? Ich gehe zurück zum Konto und mit der bewährten Sherlock Holmes-Methode (“Wenn man alles Unmögliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, und sei es auch noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein”) schaffe ich es, herauszufinden, dass sich das Gesuchte unter dem Tarnnamen “Mitgliedschaftsstufe” verbergen muss. Aha. Doch auch hier kann ich eigentlich nur wählen, ob ich meine Gold-Mitgliedschaft monatlich, jährlich oder quartalsweise zahlen möchte. Nichts zu sehen von Kündigung, Downgrade oder… halt!… wenn man genau hinschaut, sieht man, dass in der Zeile “Automatische Verlängerung: EIN” das Wort “EIN” verlinkt ist. Das muss es sein.

Ich zittere ein wenig vor Aufregung, als ich klicke. Es folgt ein kleiner Text der Machart “Wir opfern morgen Satan vier Kätzchen, weil Sie uns mit dieser Kündigung dazu gezwungen haben” und ein paar Reihen Bildchen mit Xbox Live-Werbung. Ist es getan? Ich klicke sicherheitshalber ein bisschen herum. Hm. Wenn ich zurück in die “Zusammenfassung” gehe, wird mir immer noch “Automatische Verlängerung: EIN” angezeigt. Ich wiederhole den Vorgang. Und nochmal. Nichts. Das “EIN” ist immun. Ich laufe ein wenig im Kreis, schreie ein bisschen vom Balkon in den Innenhof, nehme zwei Herztabletten. Dann probiere ich es nochmal. Diesmal fällt mir auf, dass sich unter der Werbung, rechts, am Ende der Seite, ein kleiner, blasser, durch nichts hervorgehobener Button an den Rand duckt. “Weiter” steht darauf. Ah, ich war noch nicht fertig mit dem Ausschalten der Verlängerung. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Es kommt eine Seite, die mir weitere Vorzüge von Xbox Live darbietet. In bunten Bildern. Ich klicke auf “Weiter”. Auf Seite 4 schließlich entlässt mich der gnadenlose Microsoft-Vertrieb aus seinen Klauen und bestätigt, dass meine “Gold”-Mitgliedschaft enden wird, nicht jetzt, aber in wenigen Monaten, wenn mein im Voraus gezahltes Geld aufgebraucht ist.

Kann ich auch sofort aufhören, den Service zu nutzen und mein Geld zurückbekommen? Wie, sagen wir, bei einem Zeitschriftenabo?

Das HTML schweigt.

Im Nachgang schickt mir Microsoft dann noch eine surreale Mail, in einer Sprache, die so ähnlich wie Deutsch klingt:

Sehr geehrte(r) Herr Kaliban, Ihr Abonnement für Xbox Live 12-monatige Gold-Mitgliedschaft läuft am Donnerstag, 8. April 2010 ab. Um eine mögliche Unterbrechung Ihres Abonnementdiensts zu vermeiden, erneuern Sie bitte Ihr Abonnement bis zum Donnerstag, 8. April 2010. Um eure Xbox LIVE-Mitgliedschaft zu verlängern, stattet ihr der Webseite www.xbox.com/extendmembership einen Besuch ab und folgt den Anweisungen. [...]
Falls Sie Ihr Abonnement bereits verlängert haben, möchten wir uns hierfür bei Ihnen bedanken.
Vielen Dank, dass Sie sich für Microsoft Online Services entschieden haben.
Xbox LIVE-Team

Huh? Habe ich mich nicht eben mit voller Absicht GEGEN die Verlängerung dieses Services entschieden? Und was denn nun, “Du” oder “Sie”? Der verwirrte Verfasser vermutet offenbar, ich hätte meine Mitgliedschaft wohl versehentlich gekündigt. Logisch eigentlich, Microsoft kann ja, bei all den Steinen, die sie einem in den Weg legen, nicht annehmen, es sei mir gelungen, absichtlich zu kündigen. *Seufz*

Liebe Damen und Herren aus Redmond und Unterschleißheim, so wird nichts mit der Weltherrschaft. Wer will, dass der Kunde ihn achtet und auf Meinungsäußerungen qua länglicher, von negativen Schwingungen durchzogener Blogeinträge verzichtet, der muss auf seine Systemchen ein klitzekleines bisschen Liebetm draufstreuen. Anders geht das nicht mehr, heutzutage, in der facebookisierten Weitertratschgesellschaft.

* Ist ja klar, Microsoft verwendet in der eigenen Sprache das Wort “Kündigung” nicht, sondern spricht immer nur von der “Nichtverlängerung der Mitgliedschaft”. Da kann die Suche ja nichts finden.

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niklas Januar 5, 2010 um 10:06

der vertrieb ist die wurzel allen übels. soviel steht fest.
bestimmt wissen die braven menschen aus marketing und produktentwicklung, die diesen grandiosen dienst gegen alle wahrscheinlichkeiten (und die vermeintlich unbesiegbare ps) aufgebaut haben, gar nichts von ihren bösen, mißgestalteten brüdern, die in käfigen weggesperrt vom allmächtigen aber hirnlosen gott mammon in nicht enden wollender verbitterung gemolken werden…

vielleicht hat microsoft aber auch einfach immer noch einen knall.

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Ischdef Januar 5, 2010 um 10:40

Da macht sich eine Prepaid Karte wohl doch nicht so schlecht…

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Justus Januar 5, 2010 um 11:26

Du hast doch sicher einen kurzen Draht zu Boris Schneider-Johne, warum hast du den nicht genutzt?

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Gunnar Januar 5, 2010 um 20:27

Ich hatte ja kein gesondertes Problem, ich war nur mit der Systematik unzufrieden. Außerdem hat der Boris sicher Besseres zu tun, als mir ausgerechnet beim Kündigen zu helfen.

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Mibran Januar 5, 2010 um 11:51

Gute Idee, die Gold-Mitgliedschaft zu kündigen. Gerade am Jahreswechsel fällt einem auf, wieviel unnötigen Nonsens man monatlich finanziert, aber niemals entsprechend nutzt. Bin Deinem Beispiel gefolgt und habe der Goldmitgliedschaft entsagt.

Mein Beileid zu den Erfahrungen, dem kann ich nur zustimmen: Wenn es um neue Geschäftsabschlüsse geht, rennt einem die Industrie die Türen ein und kein Werbeinstrument ist aufdringlich genug. Geht es aber um die Beendigung von Geschäftsbeziehungen, ist plötzlich niemand zuständig, der zuständige Sachbearbeiter gerade in Urlaub oder die jährliche Kündigungsfrist gerade eben überschritten. In Bezug auf eine etwaige spätere Kundenrückgewinnung eigentlich extrem kontraproduktiv…

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Konrad Januar 5, 2010 um 12:08

Das ist auch insofern witzig, als dass es mir mit Gamestar.de grade ähnlich geht, ich würde den Account gerne löschen, finde die Funktion aber nicht und warte noch auf Antwort vom Support.

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Gunnar Januar 5, 2010 um 21:35

Weil wir ein Verlag sind, funktioniert das eher wie ein Zeitschriftenabo. Eine formlose Mail sollte aber reichen.

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Konrad Januar 6, 2010 um 07:12

Thx

arne Januar 5, 2010 um 12:21

Das ist ja nicht nur bei MS so – viele Unternehmen lassen Anmeldungen online zu, um sich abzumelden muss man aber mindestens telefonieren, häufiger noch per Brief kündigen. Klappt leider viel zu oft angesichts der Bequemlichkeit der Kunden .-/

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D@mien Januar 5, 2010 um 13:06

Na da kommt ja noch was auf mich zu…Habe ehrlich gesagt XBL nur genutzt, um viel L4D zu zocken. Street Fighter IV war ja, wenn man es professioneller betreiben möchte, nicht spielbar.

Jetzt haben wir hier wenigstens eine Anleitung. Vielen Dank :)

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Alex Januar 5, 2010 um 13:56

Da bleib ich lieber beim PSN für die PS3, da gibts sowas alles nicht, da das PSN ja grundsätzich kostenlos ist und wenn ich Spiele kaufe dann ohne Abo :)

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BenTonic Januar 5, 2010 um 19:23

Also ich finde das, dem Schreiben nach, schon noch benutzerfreundlich und nerven-schonend. Was daran liegen könnte, dass ich ein viermonatiges Geplänkel mit Vodafone hinter mir habe. Die arbeiten aber bestimmt auch mit Microsoft.

Es wird einfach immer schlimmer mit diesem “Kundenservice”.

*grusel*

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Gunnar Januar 5, 2010 um 21:41

Habe mit Arcor und der Telekom auch weit, weit, weit Schlimmeres erlebt. Aber da war es stets ein Versagen des Systems, hier ist es das System. Ich weiß schon, ich bin kleinlich, aber wer mir vier Screens mit “Bleib doch hier”-Werbung zeigt, ehe er meine Kündigung akzeptiert, kann mir gestohlen bleiben, echt.

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HeadcraP Januar 5, 2010 um 22:41

Herrlicher Text :D

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Ben Januar 6, 2010 um 01:21

Das ist schon die Luxusvariante der Kündigung!

Bis vor einem halben Jahr ging das ausschliesslich telefonisch.

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König Kups Januar 10, 2010 um 22:01

Spricht mir absolut aus dem Herzen, der Artikel. Nur einen Tag später genau dieselbe Erfahrung gemacht und nahezu identische Gedanken dabei gehabt. Ist aber immerhin schon mal eine Gnade, dass man die Verlängerung mittlerweile übers Internet abstellen kann, anstelle irgendwelche Supportnummern anzurufen.

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