Es folgt ein Beitrag von zweifelhafter Moral und falsch verstandenem pädagogischem Anspruch, der obendrein eine Aufforderung zu bösen Taten enthält. Schlimm.
Manchmal ärgere ich mich über die Untaten anderer Leute. Und dann muss ich an Henry Rollins denken, der mal vorgeschlagen hat, man möge den bösen Herrn Milosevic (den 2006 in seiner Zelle in Den Haag verstorbenen jugoslawischen Kriegsverbrecher) nicht einfach nur einsperren, sondern in der Haft gleich noch dazu zwingen, den ganzen Tag lang die Namen seiner Opfer in eine Steinwand zu ritzen. Oder Clinton für seine außerehelichen Eskapaden mit zehn Stockhieben zu bestrafen, öffentlich, im Garten des Weißen Hauses, was im Gegensatz zu dem absurden Tribunal des Kenneth Starr* sogar für positiven Chashflow gesorgt hätte (schon wegen der Übertragungsrechte), anstatt den Staat Millionen zu kosten.
Ich, der ich unter dem dünnen großstädtisch-linksliberalen Anstrich immer noch der konservative Bauernjunge aus dem Dorf bin, kann mit derlei simpler Schwarzweiß-Moral viel anfangen — und plädiere schon länger dafür, im Alltag einfach selbst böse zu sein. Nicht aus Selbstzweck und keinesfalls zu netten Menschen, nein, nur als Reaktion auf das Verhalten von Arschlöchern. Feuer mit Feuer bekämpfen, sozusagen. Rein pädagogisch. Als kleinen Ausdruck dieser Haltung überziehe ich Firmen, die mir dumm kommen, mit nervenaufreibenden Korrespondenzkriegen, schalte in den ersten Gang, um Drängler hinter mir zu ärgern und verwickele Leute, die mir in Menschenmengen auf dem Weg von da hinten nach hier vorne auf die Füße treten, in Diskussionen über die moralische Bewertung ihres Handelns. Zuweilen.
Meist stelle ich mir aber meine Reaktion nur vor.
Da muss jetzt anders werden. Wir guten Menschen müssen zu den bösen viel böser sein. Aber wir brauchen dazu Ideen, Konzepte für den täglichen Widerstand. Und wer wäre besser geeignet, sich sowas auszudenken, als ihr, liebe Kaliban-Leser, die ihr schon seit Jahren dieses vage unfreundliche Blog verfolgt, ohne mich ständig einen grantelnden alten Mann zu schimpfen.
Also los, wer hat Ideen für kleine, situationsbezogene Strafen im Alltag, mit denen man Leuten zeigen kann, dass sie sich wie Arschlöcher aufführen?
Ich dachte an sowas in der Art:
Situation: Depp drängelt sich nach Konzertbeginn durch die gepackte Menge, tritt meiner Frau auf den Fuß, bleibt so eng vor mir stehen, dass ich seine Föhnfrisur im Gesicht habe.
Böse Tat: Phiole mit rosa Farbe (auswaschbar) aus der Tasche ziehen, dem Depp heimlich auf die Jacke spritzen. Oder, als Variante, gespielt ungeschickt das eigene Bier dem Rempler überschütten: “Ey, was soll das! Mein Bier! Das bezahlst Du!”
Situation: Mit dem Postversand beauftragter teilstaatlicher Konzern wirft mir unaufgefordert kiloweise Werbung in den Briefkasten.
Böse Tat: Depot für die Broschüren ausfindig machen, mit billigem Spindschloss verschließen. Ist möglicherweise sogar im Interesse des Postboten.
Situation: Arschloch parkt rücksichtlos in einer Einfahrt bzw. zu eng an meinem Auto bzw. halb auf einem anderen Parkplatz.
Böse Tat: Aufkleber mit der Aufschrift “Ich parke wie ein Vollpfosten” auf die Beifahrertür kleben. Kann ruhig schwer zu entfernen sein.
Situation: Mitglieder einer konservativen Partei veranstalten Kampagne gegen _________ (Asylrecht, die Türkei, doppelte Staatsbürgerschaft).
Böse Tat: Zum Stand in der Innenstadt gehen, den Damen und Herren lautstark, aber mit ehrlicher Empfindung in der Stimme, gratulieren (“Super! Endlich sagt’s mal einer! Die NPD ist ja schon viel zu lasch geworden! Als nächstes sind die Polen dran!”) und verfassungsfeindlichen Publikationen nachempfundene Flugblätter verteilen, auf denen die exakt im wortlaut gleichen Forderungen erhoben werden.
Hm. Obwohl. Gilt das Letzte schon als “böse”? Aber hey, ihr wisst sicher noch Besseres.
Anregungen bitte in die Kommentare.
P.S. Das mit dem Bösesein habe ich auch schon mal vor der Kamera geübt. Gelingt mir schon ganz gut, finde ich. Vielleicht sollte ich gleich eine Partei gründen. Oder eine Jugendbewegung Altherrenfront.

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Und ja, ich weiß, dass die Kommentarfunktion gerade muckt und Servererrors auswirft. Der Kommentar wird aber trotzdem gespeichert.
Sorry für die Unbequemlichkeit, ich muss mich bei Gelegenheit mal um den Fehler kümmern.
Sieht nicht besonders böse aus.
Zu viele Lachfältchen um die Augen.
(-;
Schließe die Augen! Eine echte Bösewicht lache- als das Kind hätte ich jetzt Angst(und ich HABE Angst O.O)
Ich verpacke Werbung von diesen nervigen Lotterien in die Rückumschläge ihrer Mitbewerber und schicke denen den ganzen Spam gegenseitig zu.
Das geht auch mit den GEZ Rückumschlägen.
Bei Anruf mit “unbekannter Rufnummer” (meist Callcenter) melde ich mich immer mit einem fiktiven Namen und erzähle eine verworrene Story, um dem Anrufen Zeit zu rauben und deren Datenbank mit Falschinfos zu spicken.
Auch immer schön: Das Gegenscript http://www.xs4all.nl/~egbg/duits.html
Situation1(das Konzert):
Bei so Spacken gibt es ja einen ganzen Blumenstrauß Möglichkeiten:
- die “Mitsinglautstärke” -> alle Regler nach rechts
- nach und vor jedem Lied, manchmal auch zwischendrinn -> Pfeifen was das Zeug hält – möglichst nah am Ohr des Vordermann – Variationen mit Grölen und Schreien steigern die Abwechslung..
- Beim Tanzen die Fäuste in den Rücken, die Schuhe in die Waden und das Bier aufs Fell
wenn ich es drauf angelegt habe, ist noch keiner länger als 2 nummern bei einem Konzert vor mir gestanden …
ich geh mal in mich – wenn mir nach eine wunderschöne Situation in den Sinn kommt teile ich die Eingebung.
Situation: Arschloch parkt rücksichtslos in einer Einfahrt bzw. zu eng an meinem Auto bzw. halb auf einem anderen Parkplatz.
Böse Tat: Man besorgt sich von einem Autoteilehandel die an der Kasse ausliegenden “Verbrechen gegen die Menschlichkeit” ™–Tuningteile, wie Luftschlitze–Aufkleber, Silber-3D-Buchstaben, Tribals oder biegbare Chrom-Linien und verziert damit das Auto des Parkverbrechers. Wenn es subtil genug ist, merkt der Parkverbrecher es nicht mal.
Apropos Subtil. Subtil Böse sein ist ein ganz eigenes, sehr aufwendiges aber sehr spaßiges Hobby. Der Trick ist, den Menschen das Leben zur Hölle zu machen, ohne es aussehen zu lassen, als hätte überhaupt jemand Einfluss genommen.
Einige subtil Böse Ideen:
– Im Winter morgens vor allen anderen aufstehen und Wasser in Die Türschlösser spritzen.
– Post, die aus dem Briefkasten heraussteht zusammenfalten
– Einige Mülltonnen am Müllabfuhrtag falsch herum drehen
– Alkoholfreies Bier im Supermarkt in einen normalen Kasten räumen
– Reduziert-Aufkleber auf Dinge kleben, die nicht reduziert sind
– E-Mail Adressen anderer in Spamverteilern eintragen
– “Diese Bushaltestelle wird vom X bis Y nicht angefahren. Bitte benutzen Sie die (nächste Haltestelle)” Hinweise anbringen
uvm…
Ich wurde von einem PKW aus in der 30er Zone geblitzt. Es war mal wieder eine vollkommen unnötige Position, keine Schule o.ä. – die standen da einfach nur, um das Stadtsäckel zu füllen.
Ich fahre also zwei Querstraßen weiter, schreibe auf ein Block in fetten Schwarzen Lettern “Ich liebe BLITZER!!!” und stelle mich an die Kreuzung vor den Blitzer. Die vorbeifahrenden Autofahrer bedankten sich, geblitzt wurde jetzt nämlich niemand mehr.
Eine Viertelstunde später halten die beiden Freizeitpolizisten in ihrer rollenden Abzockzentrale neben mir an.
Die Scheibe geht runter, der Eine: “Was glauben Sie tun Sie da?”
Ich: “Hey, ich mag was Sie da machen.”
Er: “Ihnen ist aber klar, dass sie hier nicht stehen dürfen?”
Ich: “Naja rechtlich gesehen schon. Ich äußere eben meine Meinung. Im Gegensatz zu den Schwerverbrechern, die Sie hier fotografieren, begehe ich damit doch keine Ordnungswidrigkeit, oder?”
Ein eiskalter Blick, die Scheibe ging hoch und schon mussten sich die Beiden einen anderen Ort für ihre Fotosession suchen.
Ah, das ist hübsch.
:D
Das is richtig gut!
Tja, da fällt mir ganz was Altes dazu ein: http://www.youtube.com/watch?v=JBS9BMjPkc0
Schonmal beim vorbei gehen Leute angeschrien? Ist ganz lustig…
:D Das mach ich ständig, ich liebe es!
In die Haare niesen, wenn er schon so dicht vor einem steht…
Und für die Parktypen gibt’s das hier: I park like an idiot!
Die Idee mit den Aufklebern find ich ja Klasse. Aber darf ich das “plagiatieren” oder sollte ich besser (c) by kaliban.de drunterdrucken lassen? Nach Gewissheit werde ich bestimmt mal ein paar Fotos der Sünder zuschicken.
Verrückte Mass Effect 2-Spieler, die wahllos Passanten mit überdimensionierten Sci-Fi-Wummen erschießen, werden zur Strafe ins IKEA-Kinderparadies gesetzt und müssen dort solange bunte Plastikkugeln hin- und herdrehen bis sie 100.ooo Einheiten Element Zero gefunden haben.
Aus aktuellem Anlass noch der Vorschlag, dass jeder fdp-wähler für jeden seinerseits vom Staat in Empfang genommenen Sunventions-Euro (Kindergeld, Kilometerpauschale, geschäftliche Subventionen etc.) eine Stunde lang mit den schönsten Hasstiraden seines Obergurus beschallt wird.
Disclaimer (für den Fall das irgendein Konrad sich zu einem Kommentar berufen fühlt): Ich bin weder Sozialfall noch Neidhammel, habe in den letzten Jahren einen Steuersatz jenseits von Gut und Böse und falle vermutlich ganz gut ins fdp-Beuteschema. Trotzdem würde ich mich eher nackt auf dem Münchner Marienplatz verbrennen, als Dr. G und seine Schergen zu wählen.
Wie habe ich grad noch bei nem Kumpel gelesen: ich wünsche Herrn W. und seiner FDP bei der NRW-Landtagswahl von Herzen 4,9%
Dieses Gefühl, welches der Herr Kaliban hier versucht hat zu umschreiben, erinnerte mich schwer an hatenight.com.
Einer Bewegung den Intolerenten intolerant gegenbüber zu sein.
Um dies in Gänze zu verstehen bitte diesen Auftritt angucken. Natürlich alle sieben Teile.
http://www.youtube.com/results?search_query=Serdar+Somuncu+-+live+Kino+Babylon&search_type=&aq=f
Für jeden der so empfindet, kann hier sein Weltbild endlich kanalisieren.
Euer Drive-by-Poster
Alte Frauen, die sich in die U-Bahn drängeln, bevor man selbst und alle anderen überhaupt eine Chance haben, auszusteigen, am Arm nehmen und sie, hilfsbereit wie man ist, zur nächsten Straßenecke geleiten. Protestrufe mit “ja, Oma, wir sind gleich beim Arzt” übertönen.
Ich verteile seit Jahren Kondome bei Veranstaltungen der größten Verbrecherorganisation aller Zeiten. Klingt jetzt zwar profan (bin mir jetzt nicht sicher, ob das Wortspiel klappt), aber so haben sich wirklich tolle Gespräche ergeben. Spätestens dann bin ich nämlich Feuer und Flamme.
-Grundsätzlich sende ich die frankierten Antwortbriefumschläge aus der Werbung zurück. Leer. Damit die wenigstens das Porto zahlen müssen, wenn die mich schon nerven.
-Arroganten Arschlöchern zustimmen wenn selbige meinen, eine tolle Idee zu haben, und diese ermunternt anfeuern, den ersonennen Schrott in die Tat umzusetzen (“…das lass ich mir nicht gefallen, dann kündige ich und mach lieber …” “Stimmt, das ist auch echt gemein, was man Ihnen da antut. Sollten Sie umbedingt so durchziehen.”
Der Traum wäre natürlich das hier einmal selber hinzubekommen:
http://www.break.com/usercontent/2008/9/ABSOLUTELY-HILARIOUS-Prank-Call-569057.html
Heute ein Pärchen beim Freischaufeln des Autos beobachtet. Bzw. nur sie, er stand nur dumm daneben. Was tut man in so einer Situation. Der Frau helfen. Was antwortet man auf die Frage “Was machen Sie denn da?” des offensichtlich bösen Mannes? “Einer muss ja den Gentleman spielen”
Gesichtsausdruck: Unbezahlbar.
Ach, das erinnert mich doch an http://www.youtube.com/watch?v=nsOm73sSmj0&feature=related
Ansonsten hab ich jetzt Angst :(
Der Mensch ist, rein psychologisch betrachtet, immer ein Spiegel seines direkten sozialen Umfeldes. Somit wäre das “böße”-sein gerechtfertigt. Obwohl ich das oben erwähnte als absolut nachvollziehbar anerkenne, meine ich behaupten zu dürfen, dass uns allein unser fortgeschrittener Intellekt gebietet, dem “Bößen” mit allen der uns zur Verfügung stehenden Mitteln entgegenzutrteten. Kurz gesagt: Irgendeiner muss den Anfang machen!
Dennoch gelüstet es mich hin und wieder einmal, manch einem Vollidioten im Alltag in seine Schranken zu weisen. Doch welche Folgen hätte es, wenn Ignoranz mit noch größerer Ignoranz oder sogar mit herablassender boßhaftigkeit beantwortet werden würde?
Meines Erachtens nach ist der Mensch immer gezwungen, zu dem zu werden, was die im vorliegenden Umstände erlauben. Somit sollte jedem halbwegs aufmerksamen Leser nicht entgangen sein, dass Boßhaftigkeit durch Boßhaftigkeit als solche genährt wird!
Deshalb rufe ich dazu auf, solchen Mensch gekonnt mit geistreicher Souveränität zu begnen!
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