Musiktipp zum Mittwoch: Die finnischen Poets of the Fall mit Carnival Of Rust. Bisschen zu dick aufgetragen, das alles, Musik und Video und Lyrics und Bandname. Aber hübsch. Spricht irgendwas in mir an, irgendwas altes, irgendwas aus meiner Jugend, vielleicht den Teil von mir, der mal sowas gut gefunden hat, jetzt aber verkümmert ist, begraben unter all den Schichten von Hip-Hop, Electronica, Hardcore, Indie-Pop, Grunge, Crossover, Industrial, Post-Punk, Pagan Metal und was immer sonst noch in den Jahren danach durch meine Ohren gefegt ist.
Jaja, ist nicht gerade brandneu, aber was soll ich machen, hab’s eben erst entdeckt.
Ein kurzer Beitrag, in welchem der Verfasser eines seiner Lebenstraumata aufarbeitet: den immer noch ausbleibenden siebenstelligen Lottogewinn.
Unsere Wohnung ist an einer Bundesstraße gelegen und hat einen Blick auf einen verrotteten Siebzigerjahrebau mit grünen Fensterrahmen. Einerseits. Andererseits liegen die Tempel der Reichen in Altbogenhausen nur einen Schwarzgeldkofferwurf entfernt. Ich muss also nur ein paar Straßen weitergehen, um mich — je nach Stimmung — entweder als Bewohner einer vornehmen Gegend zu fühlen oder von den in Regimentsstärke die Parkplätze bevölkernden Porsches ans eigene Normalverdienertum erinnert zu werden.
Naja.
Wenn ich besonders mutig bin, wage ich mich in den Supermarkt der Reichen, Schönen und schön Reichen: die Feinkostapotheke Käfer. Dort trifft man die kariert pullunderige Jeunesse Dorée Münchens, die Champagner für den Abend einkauft, in der Sonne von St. Tropez verbrannte hagere Endfünfzigerinnen in Begleitung des Körbe schleppenden Hauspersonals, in der Langeweile der 20-Zimmer-Villa füllig gewordene Ehefrauen auswärts übernachtender CEOs, die Hände voller 8-Euro-Schokoladentafeln, strickjackige ältere Herrn mit Luxushunden, geliftete Geschäftsführerinnen, perfekt unrasierte Agenturbosse und ihre italienischen Liebhaber und so weiter.
Und, manchmal, trifft man dort Leute, die sich offenkundig verirrt haben, wie den bedauernswerten Familienvater, der sich eine kleine runde Himbeertarte einpacken lässt, dann das Preisschild sieht und erschrocken nachfragt: “Hier steht 29 Euro! Auf dem Schild in der Auslage hieß es doch 5 Euro?!” Worauf der perfekt geschulte Verkäufer anmutig den Kopf schräg legt und “5 Euro ist der Preis für ein Stück” entgegnet. Der Familienvater wird bleich, winkt nach seinen Kindern und verlässt geschlagen den Schauplatz.
Heute Morgen hat der Internetsuchdienst Google seinen Dienst in Deutschland eingestellt und leitet Suchanfragen über die deutsche Google-Adresse ins benachbarte Holland weiter. Grund dafür war ein langjähriger Streit mit den deutschen Behörden über die Filterung bestimmter Suchergebnisse, die gegen deutsche Gesetze verstoßen. Neben Inhalten, die nach Meinung der Machthaber in Berlin gegen den Jugendschutz verstoßen, trifft die deutsche Internetzensur – “Digital Berlin Wall” – vor allem politische Inhalte. So werden die Thesen rechtsextremer Dissidenten und sogenannter Holocaustleugner in Deutschland per Gesetz verfolgt. Bislang kooperierte der Suchmaschinengigant Google mit den deutschen Behörden und enthielt deutschen Internetnutzern Suchergebnisse vor, die auf entsprechende Seiten verweisen. In den benachbarten Niederlanden existieren derlei politische Zensurmaßnahmen nicht. Es bleibt abzuwarten, wie die deutschen Behörden auf Googles Kampfansage reagieren. [...]
[Text komplett geklaut beim Spiegelfechter, weiterlesen kann man dort. Lohnt sich.]
Ich hatte dieses Problem schon immer, schon ziemlich lange jedenfalls. Ich war schon als Schüler und Student Fan vom SPIEGEL, verschlang jeden Artikel und fühlte mich gut informiert. Ich glaubte, was da stand. Nur selten wurde dieser Glaube erschüttert: Immer, wenn das Magazin über Computerspiele berichtete. Dann las ich ungläubig den aus halb Gewusstem, wahllos Zitiertem und falsch Verstandenem zusammengequirlten Quatsch. Und dachte mir, naja, das ist eben nicht ihr Thema.
Es blieb der winzige Zweifel: Was, wenn die ihre Analysen der deutschen Politik, ihre Wirtschaftsgeschichten, ihre Kulturessays so recherchieren wie die Stücke über PC-Spiele?
Und zum aktuellen Fall von Vorverurteilung sagt mir ein ansonsten geschätzer Kollege wortwörtlich:
So eine Story auszulassen, kann sich kein Redakteur mehr heute erlauben. Kaum Arbeit und Recherche Aufwand und trotzdem hohes Leserinteresse – Pressecodex und Qualitätsjournalismus oder gar die Interessen vom Kachelmann interessieren da nicht die Bohne…was Quote bringt, wird gemacht…bei dem aktuellen wirtschaftlichen Druck der Verlage, wird das die nächsten Jahr noch härter…
Ich kann dazu nur sagen, mir hätte nichts gefehlt, wenn ich von diesem Fall zu diesem Zeitpunkt noch nichts erfahren hätte. Sondern erst, wenn die Faktenlage stabil ist. Ebenso wie bei der Dame von den No Angels seinerzeit, wo immerhin die SZ den Anstand hatte, den Namen nicht sofort rauszuposaunen.
Die Qualitätsmedien machen sich mit dem peinlichen Durchhecheln von Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat, auch nicht interessanter. Ich bin vielleicht eine Ausnahme, aber mir verleidet das ganze Geschrei das Zeitunglesen, das SpOn-Lesen, das Lesen von Nachrichtenseiten allgemein. Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen. Das ganze Mediending hat schließlich auch was mit Identifikation und Vertrauen zu tun.
Ich habe daher mein Leseverhalten in letzter Zeit dramatisch geändert: Die Nachrichtenseiten können mir komplett gestohlen bleiben — ich beschränke mich auf weitestgehend auf Blogs und (beruflich) Gaming-Sites. Und wenn doch der Chris auf SpOn oder der Thomas bei der WELT mal wieder was Hübsches geschrieben haben, dann werden’s mir Twitter oder Facebook schon zutragen.
Aus der Abteilung “Dinge, die so absurd sind, dass sie niemals in Vergessenheit geraten dürfen” zeigen wir Ihnen heute die Eurocats mit Surfen Multimedia:
Unsterblich durch Textzeilen wie:
Komm heute nacht ins Internet
ich warte schon auf dich
Mensch sei ein User
Geh online
Im E-Mail triffst du mich
Vorhin, auf dem Mittleren Ring, fahre ich auf der Geradeaus-Spur gutgelaunt auf die grüne Ampel zu, da zieht aus der Schlange der für’s Linksabbiegen anstehenden Wagen ein Golf raus, direkt vor mich auf meine Spur. Ich bremse. Er kriecht mit 4 Km/h auf die Ampel zu, die wird gelb und dunkelgelb, da gibt er Vollgas, prescht drüber und biegt mit quietschenden Reifen und ausgesprochen gegen die StVO links ab. Rammt fast den letzten der Linksabbieger, hupt frech und ist verschwunden. Ich stehe bei Rot und schaue staunend hinterher.
Was für Stunts Leute abziehen, nur um ein paar Sekunden Ampelstehzeit zu sparen. Irre. Kann Gott die bitte sofort bestrafen, etwa durch Herbeimaterialisieren einer Polizeistreife? Aber Gott ist einem leider in derlei Situationen keine Hilfe, wie schon Calvin wusste:
Muss eben doch endlich die Frontraketenwerfer einbauen, von denen ich schon so lange träume.
Wie jeden Sonntag an dieser Stelle: die um Pornoseiten bereinigte Ausbeute von Herrn Kalibans Surfwoche. Mit Zuarbeit von David, Hilkman und Pascal. Viel Spaß.
Dies hier ist ein so genanntes Weblog ("Blog"). Es wird seit Anfang 2002 von einer Einzelperson betrieben, die wir hier mal Herrn Kaliban nennen wollen.
Herr Kaliban erwacht morgens mit einem erigierten Mittelfinger und fängt dann erstmal an, sich über die Unzulänglichkeit der Welt zu ärgern. Wenn man das alles nicht ändern kann, muss man sich halt wenigstens beschweren.
Der eine oder andere Text in diesem Blog ist möglicherweise von dieser Grundhaltung beeinflusst.
Geld für Kaliban!
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Ach, schön wär' das.
Man könnte auch den bezahlten Party Poker-Link beachten. Oder auch nicht.
Herr K. macht, mit seinem Ex-Kollegen Chris Schmidt, einen Retrogames-Podcast, der Stay Forever heißt. Ein Klick auf's Bildchen bringt euch hin:
Copyright und so
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Für den hier veröffentlichten "Content" müssen keine Bäume sterben, allerdings werden täglich Myriaden von Elektronen zwangsumgesiedelt.