Das ganze verdammte Mediending

by Gunnar on 24. März 2010 · 79 comments

Man muss auch einfach mal “Nein” sagen können.

Ich hatte dieses Problem schon immer, schon ziemlich lange jedenfalls. Ich war schon als Schüler und Student Fan vom SPIEGEL, verschlang jeden Artikel und fühlte mich gut informiert. Ich glaubte, was da stand. Nur selten wurde dieser Glaube erschüttert: Immer, wenn das Magazin über Computerspiele berichtete. Dann las ich ungläubig den aus halb Gewusstem, wahllos Zitiertem und falsch Verstandenem zusammengequirlten Quatsch. Und dachte mir, naja, das ist eben nicht ihr Thema.

Es blieb der winzige Zweifel: Was, wenn die ihre Analysen der deutschen Politik, ihre Wirtschaftsgeschichten, ihre Kulturessays so recherchieren wie die Stücke über PC-Spiele?

Besser nicht dran denken.

Zeitsprung. Wir haben das Jahr 2010, die Verlage ächzen unter der Werbekrise, ihre Lobbyisten stehen kurz davor, vom Staat den Abwurf von CARE-Paketen über Hamburg und München zu fordern und der viel zitierte Qualitätsjournalismus ist, vor allem im Web, nur noch ein Lippenbekenntnis (jaja, Ausnahmen bestätigen die Regel). Einstmals seriöse Medien übernehmen die Methodik des Boulevard; die Chefredakteurin der “Bunte” lässt es sich nicht nehmen, einen Politiker von Detektiven beschatten zu lassen; die TV-Karriere von Andreas Türck ist im Arsch; der Chefredakteur des ZDF hat gegen Roland Koch verloren; Verlagswebseiten liefern sich ein Wettrüsten im PI-Tuning; Journalisten geben Spinnern spaltenweise Raum, wenn’s nur gegen Google geht; TV-Redaktionen erleiden Hirnaussetzer beim Thema Killerspiele; die widerwärtige Berichterstattung über Amokläufe schürt die Gefahr von Nachahmungstaten. Undsoweiter.

Und zum aktuellen Fall von Vorverurteilung sagt mir ein ansonsten geschätzer Kollege wortwörtlich:

So eine Story auszulassen, kann sich kein Redakteur mehr heute erlauben. Kaum Arbeit und Recherche Aufwand und trotzdem hohes Leserinteresse – Pressecodex und Qualitätsjournalismus oder gar die Interessen vom Kachelmann interessieren da nicht die Bohne…was Quote bringt, wird gemacht…bei dem aktuellen wirtschaftlichen Druck der Verlage, wird das die nächsten Jahr noch härter…

Ich kann dazu nur sagen, mir hätte nichts gefehlt, wenn ich von diesem Fall zu diesem Zeitpunkt noch nichts erfahren hätte. Sondern erst, wenn die Faktenlage stabil ist. Ebenso wie bei der Dame von den No Angels seinerzeit, wo immerhin die SZ den Anstand hatte, den Namen nicht sofort rauszuposaunen.

Die Qualitätsmedien machen sich mit dem peinlichen Durchhecheln von Nicht-Nachrichten, die zudem jeder hat, auch nicht interessanter. Ich bin vielleicht eine Ausnahme, aber mir verleidet das ganze Geschrei das Zeitunglesen, das SpOn-Lesen, das Lesen von Nachrichtenseiten allgemein. Je häufiger die atemlos eine Sau durchs Dorf treiben, die nächste Woche wieder komplett vergessen ist, desto weniger bin ich bereit, denen mein Geld oder meine Aufmerksamkeit zu widmen. Das ganze Mediending hat schließlich auch was mit Identifikation und Vertrauen zu tun.

Ich habe daher mein Leseverhalten in letzter Zeit dramatisch geändert: Die Nachrichtenseiten können mir komplett gestohlen bleiben — ich beschränke mich auf weitestgehend auf Blogs und (beruflich) Gaming-Sites. Und wenn doch der Chris auf SpOn oder der Thomas bei der WELT mal wieder was Hübsches geschrieben haben, dann werden’s mir Twitter oder Facebook schon zutragen.

Man muss auch mal “Nein” sagen können.

{ 27 comments… read them below or add one }

Herr Olsen März 25, 2010 um 00:10

Vollste Zustimmung. Bei der Lokalpresse ist es mittlerweile schon so schlimm, dass es schon wieder lustig ist. -> http://www.dieolsenban.de/blog/2010/01/18/restaurand-mit-abschussvorrichtung/

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Drizzt März 25, 2010 um 00:26

Bzgl. der aktuellen Sau, die da durchs Dorf getrieben wird, möchte ich mal auf die fachlichen Ausführungen des Herrn Vetter hinweisen. Gerade der erste Link ist doch schon hochinteressant.

Grüße,
Drizzt

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Kay März 25, 2010 um 00:31

Hi Gunnar,
gerade wollte ich mich hin packen, da zwingst du mich nochmal den Rechner anzumachen :)

Nur um das klar zu stellen: Was ich (siehe Zitat) gesagt habe, ist NICHT mein Verständnis davon, wie man heute Medien machen sollte. Es ist eine Analyse der aktuellen, absolut unbefriedigenden Situation in der Medien-Industrie. Und als “gelernter” Medienmacher ist das Ganze noch frustrierender. Mein Highlights aus den letzten 6 Monaten Bewerbungsgesprächen: “Zeit für Recherche ist nicht mehr da, Artikel müssen aus dem Bestandswissen der Redakteure geschrieben werden” und gerade habe ich mein letztes Printabo, die Süddeutsche, gekündigt, da die Zeitung immer mehr wie ein Abfallprodukt der Webseite wirkt, die wiederum immer schneller und mit immer weniger Recherche-Aufwand zusammengeschossen wirkt. Ich für mein Teil habe mich nach über 10 Jahren entschlossen, den Medienbereich hauptberuflich zu verlassen und werde in Zukunft in der Industrie arbeiten – einfach weil ich absolut keinen Spaß mehr daran habe. Und als „normaler“ Konsument geht es mir ganz ähnlich wie dir: Immer mehr Medien, leider auch die, die sich selbst als seriös betiteln, werden immer unerträglicher. Ich bin gespannt, wie weit diese Spirale in den nächsten Jahren noch nach unten gehen wird.

Grüße Kay

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Maschinist März 25, 2010 um 00:37

Genau so ist es mir beim Thema Zensursula gegangen. Zu lesen gab es nur unsäglich Falsches und – noch schlimmer – oft nichts. Hätte nicht zuletzt die VDS Journalisten alarmieren müssen? Die war doch berufsunterbindend wenn man investigativ arbeiten wollte.
Mein Leseverhalten und mein Vertrauen in manche “Qualitätsmedien” haben sich genau so geändert wie bei Dir. Ich werde nichts holzbasiertes mehr kaufen. Gut für die Umwelt, gut für den Geldbeutel.

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Marc März 25, 2010 um 00:43

Mir geht es ganz genauso. Allerdings lese ich mittlerweile auch wieder Print: Der Freitag hat mein Vertrauen erlangt. Was bei mir das Thema Spiele angeht: Gee.

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Millus März 25, 2010 um 01:48

Ich sag immer, hört lieber Radio, am besten Deutschlandfunk. Dort sind meiner Meinung die besten Journalisten und die Berichterstattung ist aufklärend und richtig gut recheriert.
Aber man muss auch bedenken, das die wenigsten Bürger wirklich informiert werden wollen, sie wollen eher unterhalten werden. Und in der Unterhaltung liegt das Geld. Und Unterhaltung wird mit Spekulationen und Gerüchten gemacht, man dramatisiert, übertreibt, spekuliert in Richtung Skandale und wenn die sexy Hauptfigur fehlt, dann wird sie einfach gemacht…

Bei den meisten Blogs und bestimmten Websites muss man aber auch oft nur den Kopf schütteln. :) Ich lese in letzter Zeit wirklich nur Quellen, wo Informationen wie Fakten aufgelistet werden, die man auch nachprüfen und nachvollziehen kann.

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NK März 25, 2010 um 02:04

Exakt so ist es.
Problem des Qualitätsjournalismus ist nicht mangelnde Nachfrage, sondern mangelndes Angebot.

Ich persönlich lese Tagesschau.de – sicher auch nicht immer perfekt, aber verhältnismäßig neutral und macht vor allem nicht jede dämliche Boulevard-Story mit.

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Claus x März 25, 2010 um 02:17

Wer zu dieser Erkenntnis erst die Berichterstattung zu Computerspielen benötigt hat, der hat geflissentlich weggekuckt, wenn Spiegel (sei es Augstein persönlich, seien es sonstwie motivierte Redakteure) über das Christentum geschrieben haben / hatten.
Kann man andererseits wohl aber auch nur erkennen, wenn man selber betroffen ist.

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christopher März 25, 2010 um 03:22

zu diesem Thema fällt mir immer wieder der Film “State of Play” mit Russel Crowe ein. Er beleuchtet die Thematik sehr gut, den Wechsel von investigativem, seriös recherchierten Artikeln hin zu einer reißerischen Art die hauptsächlich Schlagzeilen produziert aber keine Inhalte mehr.

Ich kann NK eigentlich nur zustimmen, es ist nicht die Nachfrage, sondern die fehlenden Angebote.

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Simon März 25, 2010 um 09:31

@Christopher Naja, da kann man geteilter Meinung sein. “State of Play” empfand ich als einerseits als Lobeshymne auf den investigativen Journalismus (der natürlich nur im Print stattfindet), andererseits wurden Blogs als ausschliesslich voreilige und oberflächliche Sache dargestellt, die vom “richtigen” Journalismus lernen darf. Das entspricht nicht unbedingt Gunnars Fazit :)

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sonnendieb März 25, 2010 um 09:38

Ich find tagesschau.de auch noch mit am erträglichsten. Vor allem, weil die Redaktuere auch öfters mal einen Blogeintrag schreiben und begründen, warum sie dies und jenes gemacht und was anderes gelassen haben und auch einfach mal das erzählnen, was hinter den Kulissen passiert und was Experten wirklich denken.

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Konrad März 25, 2010 um 10:03

Ich möchte nur mal am Rande festhalten, dass SPIEGEL und SpOn auch für die meisten der zusammengeschusterten Anti-Westerwelle Stories verantwortlich sind.

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Sebastian März 25, 2010 um 11:57

@Gunnar
“Es blieb der winzige Zweifel: Was, wenn die ihre Analysen der deutschen Politik, ihre Wirtschaftsgeschichten, ihre Kulturessays so recherchieren wie die Stücke über PC-Spiele?”

genau das habe ich mich auch oft gefragt :-/. Wenn ich die Artikel über Themen las zu denen ich nicht sehr viel Hintergrundwissen hatte fühlte ich mich gut informiert, glaubte etwas fundiert recherchiertes gelesen zu haben. Sobald aber Themen angesprochen wurden für die ich mich sehr stark interessierte ging es mit der Qualität der Artikel in meinen Augen stark nach unten.
Obs Spiegel, Stern oder die Süddeutsche war.. Das schale Gefühl war immer dasselbe.

Das Problem der Printmedien ist für mich auch einfach das es keine Diskussion gibt um das Thema zu vertiefen. Ich lese einen Artikel im Spiegel und kann nicht einfach so mit dem Verfasser diskutieren oder einzelne Punkte hinterfragen.

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Max Mustermann März 25, 2010 um 13:20

“die Karriere von Andreas Türck ist im Arsch” Soweit zum Thema gute Recherche. Wenn überhaupt ist nur die TV-Karriere von Herr Türck vorbei, als Unternehmer spielt er mittlerweile in der ersten Online-Liga und verdient mehr Geld, als alle selbst ernannten Medienkritiker. Freuen wir uns auf die Geschäftsmodelle derer, die nicht müde werden, den gegenwärtigen Journalismus zu kritisieren. Man wird ja sehen, wer am Ende überlebt, der zahnlose Blogger oder das alteingesessene Medienhaus. ;-)

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Gunnar März 25, 2010 um 16:22

Korrekter Punkt. Ich meinte die öffentliche Karriere — nur um die geht es hier natürlich. Allerdings: “erste Online-Liga” ist man imho nicht, wenn man bei der Pilot ein bisschen Web-TV macht.

Was das Überleben angeht: Ich arbeite ja bei einem “alteingesessenen Medienhaus” und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir überleben. Zumindest wir. Das hält mich nicht davon ab, die Entwicklungen im Journalismus zu kritisieren. Das ist auch nicht nur eine Frage von erfolgreichen oder nicht erfolgreichen Geschäftsmodellen, finde ich.

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Make it - don't break it März 25, 2010 um 13:37

“Ich glaubte, was da stand.” Oder anders: Glauben heißt, Nicht-Wissen. Warum geben sich die BILD-Leser, um nur ein Extrembeispiel zu nennen, mit der Qualität der Artikel der BILD-Zeitung zufrieden? “Es blieb der winzige Zweifel” Was bedeutet es denn, wenn man aufgrund der eigenen Affinität zu einem bestimmten Thema dies bemerkt?

Wissen und Bildung kann man auch als individuelle Aufgabe verstehen. Schreibt es Euch auf die Fahnen, nicht nur (qualitativ hochwertig) zu berichten sondern auch Wissen (und Medienkompetenz) zu vermitteln, das über das konkrete Thema hinausgeht. Machen statt jammern. Und dass der Bedarf daran groß ist, sieht man meiner Meinung nach ganz gut am Erfolg von Bildblog. Wir hatten hier die Anti-Atomkraft-Bewegung, die Frauenbewegung, die Schwulen- und Lesben-Bewegung, die Datenschutzbewegung, [bitte selbst weiterführen]… Wir müssen also nicht mit unseren Anliegen auf die Regierung (ha!) oder die Qualitätsmedien oder die BILD-Leser warten. Noch haben wir die Freiheit, uns aktiv für das einzusetzen, was WIR für richtig halten. Blog on! We shall overcome! *lol*

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Smion März 25, 2010 um 18:52

@Marc Nah die GEE is’ mir zu sehr Lifestyle

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Player1 März 25, 2010 um 19:06

Was nichts kostet, taugt auch nichts.

Großmutters eingestaubte Sprichwortkiste ist manchmal eben doch zu etwas zu gebrauchen. Nachdem ich mittlerweile bis auf den gelegentlichen ‘Spektrum der Wissenschaft’-Kauf (wer liest nicht gerne monatlich neue absurd-esoterische und niemals beweisbare Theorien über die Entstehung des Universums?) seit geraumer Zeit nur noch Gratisinformationen aus dem Internet konsumiere, ist das mal wieder so ein klassischer Fall, der mich dann doch langsam dazu bringt, mal wieder Geld für eine gedruckte Zeitung hinzublättern.

Besonders bei der SZ, aber damit erzähle ich wohl kaum was Neues, ist der Unterschied zwischen Blatt und Online-Ableger wirklich extrem. Die Online Ausgabe ist fast nicht zu ertragen. Kaum auszuhalten, wie es die Damen und Herren innerhalb weniger Jahre geschafft haben, das Image und den einstmals großen Namen in Grund und Boden zu schreiben.

Die Sache mit der No Angels-Sängerin erscheint mir da eher als Versehen.

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Philipp März 25, 2010 um 19:14

Un zack steht der Gunnar aufm bildblog ;)

ich habe vor einige Zeit aufgehört regelmäsig auf SpOn zu schauen als sie ein Handy Video zeigten das gedreht wurde als gerade der Brand in einer russischen (?) Disko ausgebrochen ist. Das Video zeigte also unverpixelt die letzten lebenssekunden vieler Menschen. Geschmaklos !

Und ich habe es sehr gut mit alternativen ausgehalten

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Player1 März 25, 2010 um 20:56

Kleine Randbemerkung noch zum Thema News über Blogs (für Szene-Menschen vermutlich auch keine neue Erkenntnis):

Die allermeisten Blogs mit dem Anspruch mehr als öffentliche Tagebücher oder ver zu sein, und erst die üblichen Verdächtigen, erzeugen ja selbst in aller Regel keine einzige Nachricht, sondern beziehen sich fast ausschließlich auf Nachrichten von all den ‘normalen’ News-Portalen. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, wechselseitig übereinander herzuschreiben. Kurz gesagt: Kein SpOn, keine Blogs.

Das kann in der aktuellen Form also auch kaum der Weisheit letzter Schluss sein.

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Gunnar März 25, 2010 um 21:30

Nee. Ich meine weniger persönliche Blogs wie kaliban.de (das ja im ursprünglichen Sinne ein Web-Log ist), sondern sowas wie Mashable, ReadWriteWeb, die ganzen SEO-Blogs. Fachblogs für meinen Beruf. Ich suche keinen Blog-Ersatz für die Nachrichten-Sites, ich verzichte einfach auf den allergrößten Teil der dort ventilierten Meldungen.

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Player1 März 25, 2010 um 22:40

Und das klappt? Herzlichen Gluckwunsch. Habe ich auch schon einige Male versucht, klappt immer ganz gut, wenn gerade extrem viel zu tun ist. Aber schon in kurzen Ruhephasen lande ich als alter Nachrichten-Junkie bei nächstbester Gelegenheit doch immer wieder bei den einschlägigen zwielichtigen News-Dealern. Hoffnungsloser Fall.

Zumal das in extremer Ausführung, nur noch lesen, was einen selbst betrifft, sozusagen der Rückzug ins Private, ja irgendwie auch keine Lösung ist. Da fehlt dann nur noch das Häkeldeckchen neben der Tastatur und das 21st Century Biedermeier ist perfekt. ;-)

Sebastian März 25, 2010 um 22:53

Aus dem Blickwinkel “Ich hätte mir gewünscht, dass mein Qualitätsmedium diese ‘Nachricht’ nicht bringt, bevor die Fakten konkreter sind” kann ich Deinem Beitrag zustimmen.

Das Problem ist aber leider, dass ich schon länger diese “Qualitätsmedien” nicht mehr konsumiere. Ich habe nach Killerspiel-Diskussionen und Artikeln über Anime und Manga auf SpOn und dem Angekündigten Wechsel von Redakteuren von Bild.de zu SpOn das Lesen der Seite eingestellt.

Gerade deshalb aber finde ich wird umgekehrt ein Schuh draus. Wären diese Seiten nicht so Klick-geil und so unglaublich scheiße gemacht, dann könnte man ohne Probleme einen Artikel über Herrn K. bringen, genau so wie Du die SZ genannt hast im Falle der No-Angels.

Ich finde das Thema sollte nicht sein, ob man berichten darf oder sollte, sondern WIE man berichtet.

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über den Tellerrand hinaus März 26, 2010 um 10:05

Spon war es, die mich zu Ehrensenf brachten und von dort landete ich eines schönen Tages bei Kaliban. Allein durch diese logische Abfolge gebührt spon ewiger Ruhm.

Aber seit ich – ebenfalls als linktipp von ES – mit den Nachdenkseiten.de mal wieder aufs neue lernen dufte, dass die Welt hinter meinem Tellerrand doch noch weiter geht, musste ich leider entdecken, dass dort etliche meiner fav-sites der ‘seriösen Medien’ häufig zitiert werden – so auch spon.

Naja, hilft also nur, mehrere Medien zu gleichen Thema zu konsultieren und Hirn anzustrengen um eine eigene Meinung zu bilden.

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Jan April 19, 2010 um 00:50
Frau Sorgenvoll April 29, 2010 um 15:04

Wie oben schon erwähnt wurde, werden hier subjektive Meinungen geäußert. Gut.
Viele Kritikpunkte habe ich selbst schon einige Male in Gesprächen geäußert. Die nervige Jagd nach Themen ist irgendwann eröffnet worden und steigert sich ektatisch weiter. Unerträglich.
Peter Fox singt in seinem Song” Lok auf zwei Beinen”: ” Und bist du nicht fit, dann wirst du gefressen”. Und wer wird schon gerne halbgekaut,runter geschluckt und dann vergessen in der Branche?
Keiner kann bisher intelligente oder wenigstens ansatzweise gut durchdachte Alternativvorschläge zum jetzigen Problembestand bieten. Manche Pläne klingen ambitioniert. Bloggen wird als Teilbereich der künftigen Arbeit von manchen Machern in betracht gezogen. Online wird groß geschrieben. Kontakt zum Leserist plötzliche Very important, direkte Kommunikation soll alles verbessern.
Ich bin selbst dabei den Weg des Journalismus zu betreten und beobachte mit Sorge und Zweifel die aktuelle Situation.
Die Zukunft der Branche ist ungewiss, genau wie der Fakt ob es weitere Erdähnliche Planeten mit Humanoiden Lebensformen im All gibt oder nicht. Wir müssen es wohl heraus finden. Meckern geht immer und ist ,richtig angebracht,auch gut. Nur so geht Entwicklung vonstatten.
Das kapitalste Problem der Branche ist doch: das Kapital, nicht? Knallharte Marktwirtschaft mit Bildung, Wissen und Informationen zu betreiben musste in die Hose gehen. Wer aber finanziert bald die Onlinejournalisten? Die Spartenjournalisten? Die Qualitätsblogger? Die viele Zeit die dem Journalisten heute fehlt muss, wenn er sie wieder aufwenden soll, auch finanziert werden. Die Branche hat keine Möglichkeit in die brotlose Kunst abzurutschen. Niemandem ist soviel Idealismus abringbar wenn es an die tägliche Exsistenz geht.
Qualität kann nur mit einer gewissen Menge an Sorgfalt und Zeit entstehen. Wer will denn das noch bezahlen? Da haben wir einen gravierenden Zwispalt zwischen Lesern und Redaktionen. Mal hypothetisch: wenn ein Sondermagazin 15 oder 20 Euro kosten soll, was glaubt ihr, wieviele Leute werden, wenn es sich um eine Tageszeitung handeln würde, vier oder fünf Euro ausgeben?? Es ist einfach nicht drin gute Nachrichten auf dem Lohnniveau chinesischer Sweatshop- Arbeiter zu produzieren. Sicher muss ich nicht erwähnen wie lange und aufwendig manche Reportagen recherchiert werden müssen.
Einige Stimmen fordern eine Entschleunigung, im Zeitalter des rasand wachsenden Internets. Ich gehöre dazu. Journalisten mussen umdenken lernen. Aber manchnmal habe ich das Gefühl, das der ein oder andere denkt, Journalisten geben sich absichtlich keine Mühe mehr. Wie sollen moderne Zeitsklaven denn die Arbeit verweigern, von der sie immer noch leben? Bringen Sparten wie Gaming bald genügend Kohle auf um 10 Top Journalisten auf dem Gebiet Games & More zu unterhalten,wenn die Qualität stimmt? Wäre die Community bereit zu zahlen, wo doch einige nicht mal in der Lage sind, ihre Spiele, die sie zocken, zu bezahlen und lieber aus dem Netz klauen? Bisher sind wir im Netz an kostenlose Informationen gewöhnt. Verwöhnt möchtte man sagen
Auf beiden Seiten!!! muss ein grundlegendes Umdenken stattfinden, auf beiden Seiten braucht es die Bereitschaft sich zu verändern. Auf der einen Seite stehen die Nutzer mit ihrem berechtigten Anspruch auf Wahrheit und Niveau. Jeder der das nicht sucht, liest die Bild. Auf der anderen Seite stehen die Macher, die endlich wieder zu ihren Wurzeln finden müssen.
Die französische Revolution fand auch nicht an einem Tag statt, sondern dauerte Jahrzehnte. Mal schauen wie lange die Medienrevolution braucht und was schlussendlich dabei heraus kommt.

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Jochen Februar 2, 2011 um 14:26

Ich bin hier, weil ich nach “seriöse tageszeitung mit topjournalisten” gegoogelt habe :D

Die Eröffnung des Artikels mit dem Thema Spiegel hab ich genau so durchlebt.
Der Wöchentliche Spiegel war früher ein Highlight. Das war der Tag, an dem ich mir O-Saft und Brötchen gekauft hab, das Frühstück auf 4 Stunden ausdehnte und die ersten Vorlesungen zugunsten der Weltnachrichten sausen ließ.

Heute weiß ich nicht mehr, was ich noch lesen soll. Das immer etwas hysterisch und oberflächlich wirkende, immer kommentarhafte Nachplappern in den Nachrichtenmagazinen ist so abstoßend.

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