Es folgt eine Art Rezension eines aktuellen Kinofilms — eine Beitragsart, bei welcher der Verfasser weder mit Erfahrung noch Expertise aufwarten kann. Daher möge man ihm den mäandernden Stil verzeihen. Dafür ist der Text Spoiler-frei.
Ich sach’ mal, grundsätzlich stehe ich dem deutschen Film eher wohlwollend gegenüber — Deutsch ist nun mal meine Muttersprache, und auch ein mittelmäßiger deutscher Schauspieler klingt echter als ein amerikanischer Großmime. Der zuweilen in deutschen Filmen (“Sieben Zwerge”, “Schuh des Manitu” etc.) manifestierte Holzhammerhumor hingegen, nun, das ist eine andere Geschichte. Habe daher immer einen Bogen um Streifen gemacht, die den Eindruck erweckten, sie würden in Sachen Witz den Bogen zurück zu “Otto: der Film” schlagen wollen. Einen leisen Verdacht, der neue Jerry Cotton könnte in diese Kategorie fallen, hegte ich nach Ansicht des Trailers (siehe unten), in dem Christian Ulmen einen klamaukigen Auftritt hat. Außerdem dachte ich, dass sich Jerry Cotton, der Held der unzähliger stereotyper Heftromane (von denen ich vor so 25 Jahren ein paar Dutzend gelesen habe), nicht besonders für eine Parodie eignet, weil’s der Figur an Eigenheiten fehlt. Ich meine: FBI-Agent, harter Bursche, fährt einen roten Jaguar, schießt gut, hat einen Kollegen, fertig. Gibt doch nicht viel her, oder?
Ich wäre also vermutlich nicht freiwillig in den Film gegangen. Aber dann hat man mir netterweise Karten für die Premiere geschenkt. Und da ich seit Spiderman 2 nicht mehr wichtig genug war, um auf eine Erstaufführung eingeladen zu werden, dachte ich: Nix wie hin. Auf Premieren gibt’s bekanntlich immer Frei-Popcorn.
Zeitsprung: Okay, ich sitze. Der Film beginnt mit einem grafisch sensationell gemachten Vorspann. Es folgt eine eher überspannte James-Bond-Szene, in der sich Tramitz durch eine Horde Ganoven prügelt. Dann eine hübsche Anspielung auf Heftromane. Dann ein paar mild anstrengende Wortwitze. Und Ulmens Vollkontaktklamauk. Ich dachte mir, ah, das ist zwar möglicherweise ein Film für doofe Leute, aber immerhin besetzt und geschnitten für die cleveren Freunde der doofen Leute, damit doofe und clevere Leute zusammen ins Kino gehen können.
Und dann? Dann nimmt die Handlung Fahrt auf, und der Film zeigt deutlicher, wo er hin will: Weg von der Parodie und Hommage an B-Movies und Heftromane, hin zur für sich stehenden Action-Komödie. Wirft einem eine schräge Bösewichter-Figur nach der anderen entgegen, die alle auf bekannten Stereotypen aufsetzen, aber dennoch einen ganz eigenen Charme mitbringen. Lässt den Ulmen gnadenlos so lange die typische Ulmen-Nummer abziehen, bis man sich gewöhnt hat. Und plötzlich steht Tramitz als Cotton, der unterkühlt den stoischen, unerschütterlichen Helden gibt, im Zentrum eines bunten Wirbels aus quasi Austin Power’scher Absurdität und wirkt in seiner ganzen Überzogenheit fast normal. Da fällt dann alles irgendwie an seinen Platz, man kommt in den Rhythmus — und der Film funktioniert. Erstaunlicherweise halten nicht einmal die Traumsequenzen (sonst gerne ein sicherer Stimmungsstopper) die Handlung auf, die mit Wucht einem Showdown zustrebt, der fairerweise auch echt showdownig in Szene gesetzt ist — ich fühlte mich kurz wohlig an einen Videospiel-Bosskampf erinnert. Wow.
Puh. Langer Rede kurzer Sinn: stilsicherer Film, der knapp die Balance zwischen Klamauk und Spannung hält. Toll gefilmt, sauberes Handwerk, schöner Soundtrack. Kann man sich sehr gut angucken, auch, wenn man sich vielleicht nicht für altbackene Heftromane interessiert.
Ich jedenfalls war großartig unterhalten. Und meine Frau auch, obwohl die sonst eher der Typ für polnische Melodramen mit französischen Untertiteln ist.
P.S: Einen Vorgeschmack gibt’s auch, aber der Film ist in my humble opinion besser als der Trailer verspricht:

Huch. Hatte den Film gar nicht so recht auf dem Schirm. Was Herr Kaliban schreibt, klingt aber, als könnte er mir gefallen. Ich gehe mal rein, denke ich.
Verdammte Axt, muss ich mir den ja doch anschauen.
War ja nach der Vorschau durchaus der Ansicht, das Machwerk als verabscheuungswürdig abtun zu können.
Hmm, ich krieg den Tramitz nicht aus dieser Bully-Humorschiene raus. Folglich fällt der Film für mich flach, auch wenn Christian Ulmen eigentlich ein angenehmer Darsteller sein kann. Nee, da muss ich das Kaliban’sche Lob leider links liegen lassen. Ich glaub, polnische Melodramen mit französischen Untertiteln wären mir da doch lieber.
Ach, Vorurteile.
Alleine meiner Groschenroman Vergangenheit zuliebe: DEN FILM MUSS ICH SEHEN *sabber* So, genug gehypet :>
Gibt es eigentlich noch deutsche Filme ohne Christian Ulmen? Ich bin davon überzeugt, dass irgendwo auch Til Schweiger versteckt war. Der ist ja mittlerweile omnipräsenter als Gevatter Westerwelle.
Das sind halt so Popularitätszyklen. Ulmen ist doch gar nicht sooo omnipräsent, der mir eigentlich sympathische Moritz Bleibtreu geht mir da schon sehr viel mehr auf den Sack.
Zum Glück sind die Zeiten vorbei, als Katja Riemann in jeder zweiten deutschen Produktion eine Hauptrolle hatte.
Filme sind doch immer besser, als der Trailer verspricht, oder? Ich gucke mir Trailer nicht freiwillig an, weil die quasi jeden Film verunstalten. Gegenbeispiele liegen im Promillebereich.
Ich lasse mich überrachen und bilde mir meine eigene Kritik über diesem Film.