So schnell geht das

by Gunnar on 2. April 2010 · 6 comments

Zu meinen Feiertagsritualen gehört es, zum nahen Bäcker zu marschieren, um Semmeln für das opulente Frühstück zu besorgen, mit dem die Liebe meines Lebenstm und ich gewöhnlich freie Tage einläuten.

Bei unserem Bäcker, geführt von einer türkischen Familie, herrscht eine familiäre Atmosphäre, vor und hinter der Theke. Dort trifft man auch immer Väter mit ihren Kindern (Mütter haben, so ist diese Gesellschaft beschaffen, offenbar unter der Woche genug mit den Bälgern zu tun und bleiben lieber liegen). Die Kleinen werden hochgehoben, stammeln die Bestellung heraus, nehmen geschenkte Kekse entgegen und tragen dann voller Stolz die Backwaren nach Hause, geführt an den Händen der noch stolzeren Väter.

So habe ich mir das Vatersein auch immer vorgestellt. Als das Goldkindtm noch ganz klein war, habe ich sie immer im Kinderwagen mitgenommen, später auf dem Arm getragen. Und ich freute mich schon auf die Zeit nach dem Laufenlernen, wenn wir dann endlich Hand in Hand die Straße entlanggehen würden, wohlwollend beobachtet von den Nachbarn und Passanten, ein anrührendes Bild urbaner Familienidylle. Ach.

Und, tatsächlich, so kam es: Vorfreude (“Papa! Bäcka! Brezn!”) Anziehen, Losgehen, Hand nehmen, Brötchen kaufen, zurückgehen, Beute abliefern — ein perfekter Start in den Tag.

Schade eigentlich, dass das schon wieder vorbei ist, seit das kapriziöse Kind nicht mehr an der Hand gehen will, sondern lieber mit dem Bobbycar nebenher fährt. Was mich auf eine Art Verkehrspolizistenrolle reduziert.

Die Leute haben schon recht: Kaum hat man sich in die Elternrolle gefunden, ist der Nachwuchs schon wieder so weit, dass er nur noch an Wochenden zum Wäschewaschen nach Hause kommt.

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