Zu meinen Feiertagsritualen gehört es, zum nahen Bäcker zu marschieren, um Semmeln für das opulente Frühstück zu besorgen, mit dem die Liebe meines Lebenstm und ich gewöhnlich freie Tage einläuten.
Bei unserem Bäcker, geführt von einer türkischen Familie, herrscht eine familiäre Atmosphäre, vor und hinter der Theke. Dort trifft man auch immer Väter mit ihren Kindern (Mütter haben, so ist diese Gesellschaft beschaffen, offenbar unter der Woche genug mit den Bälgern zu tun und bleiben lieber liegen). Die Kleinen werden hochgehoben, stammeln die Bestellung heraus, nehmen geschenkte Kekse entgegen und tragen dann voller Stolz die Backwaren nach Hause, geführt an den Händen der noch stolzeren Väter.
So habe ich mir das Vatersein auch immer vorgestellt. Als das Goldkindtm noch ganz klein war, habe ich sie immer im Kinderwagen mitgenommen, später auf dem Arm getragen. Und ich freute mich schon auf die Zeit nach dem Laufenlernen, wenn wir dann endlich Hand in Hand die Straße entlanggehen würden, wohlwollend beobachtet von den Nachbarn und Passanten, ein anrührendes Bild urbaner Familienidylle. Ach.
Und, tatsächlich, so kam es: Vorfreude (“Papa! Bäcka! Brezn!”) Anziehen, Losgehen, Hand nehmen, Brötchen kaufen, zurückgehen, Beute abliefern — ein perfekter Start in den Tag.
Schade eigentlich, dass das schon wieder vorbei ist, seit das kapriziöse Kind nicht mehr an der Hand gehen will, sondern lieber mit dem Bobbycar nebenher fährt. Was mich auf eine Art Verkehrspolizistenrolle reduziert.
Die Leute haben schon recht: Kaum hat man sich in die Elternrolle gefunden, ist der Nachwuchs schon wieder so weit, dass er nur noch an Wochenden zum Wäschewaschen nach Hause kommt.

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Sei doch froh, dass sie überhaupt fährt. Mein Töchterchen befiehlt nach maximal 10 Metern Weg “AHABB!” – was soviel heißt wie: trag mich, Großer!
Und nach 10 Minuten Diskussion und Tränen trage ich sie dann. Die Tüte mit den Brötchen unter den Arm geklemmt und den Bobbycar am Handgelenk eingerastet, wo sich das vermaledeite Lenkrad schmerzhaft ins Fleisch schneidet.
Das ist die andere Seite. Auf dem Hinweg ignoriert sie mich, auf dem Rückweg trage ich das Bobbycar.
Da gibt es nur eine Lösung: Ein weiteres Goldkind. Obwohl das von der latzierung nur noch das Silberkind wäre…
daß das kind “Brezn” brüllt, ist der beweis, daß bayerisch eben doch babysprache ist.
Warte ab, bis das Goldkind alleine Brötchen holen kann ..und du mit der Liebe deines Lebens liegenbleiben kannst ))
Irgendwann kommen die nur noch mit, um einem einen Berliner/Teilchen/sonstwas Taschengeld-schonend aus den Rippen zu leiern. Und ohne Bestechungs-Puddingbrezel o.ä. läuft dann auch nichts mehr in Richtung “Geh’ mal bitte Brötchen holen”.