Neulich war ich in einem Raum voller Menschen, wo vorne einer stand, so einer mit einem Mikro in der Hand und wirren Haaren, und folgendes Gedicht vortrug:
Wenn ich auch den Verstand verlier’
Es hält zu mir mein AkzepTIER
Ich drehe durch und lass mich gehen
Das AkzepTIER kann es verstehen
Welche Gelüste mir auch kamen
Es sprach zwei Worte: Ja und Amen
Wenn ich an meiner Gier krepier’
Hält noch zu mir mein AkzepTIER
Und das ist ja wohl brüllend komisch. Finde ich. Von direkt Ringelnatz’schem Charme. Wäre beinahe erstickt vor Lachen. Leute, die ebenfalls Sinn für sowas haben, klicken im folgenden Video auf Play, da liest der Autor noch weitere Tiergedichte vor. Leute, die für sowas keinen Sinn haben, mögen ihre humorlosen Browser an dieser Stelle bitte wenden und in Richtung der nächsten Nachrichtenjunkiemaschine richten. Oder so.
Der schräg schauende Typ nennt sich Lasse Samström und ist einer der bekannteren deutschen Poetryslammer. War sogar 2002 mal Deutscher Meister. Kenner der “Szene” werden den Verweis hier deswegen auch für alten Tobak halten und haben vermutlich schon zum Start dieses Beitrags gähnend ihre Browser auf die nächste Nachrichtenjunkiemaschine gerichtet, zusammen mit den Leuten, die keinen Sinn für sowas haben, aber hey! dies ist ja nun mal keine Poetryslamfachberichterstattungsseite sondern eines der letzten Ich-Blogs im Internet. Ich-Blogs, seinerzeit mal die vorherrschende Gattung, sterben ja aus oder versinken in der Bedeutungslosigkeit, seit das monothematische Bloggen vor ein paar Jahren so um sich gegriffen hat. Ach, schade ist es um die Ich-Blogs. Außerdem kennt in der ungewaschenen Masse des Mainstreams, die sich täglich an diesem Blog vorbeiwälzt, kein Mensch irgendwelche Poetry Slammer, nicht mal wenn sie Weltmeister oder Mister Universum sind, daher wird mir der Verweis ja wohl mal erlaubt sein.
Aber was fasele ich hier eigentlich? Gedichtkonsum macht mich immer ganz wirr.
Sollte lieber wieder mehr Killerspiele zocken. Oder mein Prozac regelmäßiger nehmen.

Poetryslam ?
Ich empfehle Lars Ruppel: “Bread Pitt” oder “Kinder”
lesenswert ist, was relevant ist. relevanz kann auch persönlicher natur sein; gut unterhalten zu werden hat für mich große relevanz. viele ich-blogger dagegen langweilen und versinken deshalb zurecht in der bedeutungslosigkeit. kaliban.de dagegen unterhält (relevanz!) durch manchmal absurden oder skurrilen, in jedem falle aber hintersinnigen humor (RELEVANZ!) eines klugen kopfes mit entscheidungskompetenz unserer zeit (RE! LE! VANZ!). außerdem wird eine klare meinung formuliert und die konfrontation nicht gescheut (muß ich es nochmal schreiben?).
ich sage: weiter so! obwohl mich das gedicht nun wirklich nicht anspricht.
Ich mag Wehwalt Koslovsky.
Da sind zwei kleiner Fehler in deinem Gedicht:
“Was für Gelüste mir auch kamen,
Es spricht zwei Worte: Ja und Amen.”
Ich fühlte mich gleich inspiriert:
Zur Feier gibt es Bier,
denn ich erhielt ein habiliTIER.
Ich erwarb es an einer Hochschule,
denn ein habiliTIER ist nur was für coole.
Es ist nun mein treuer Wegbegleiter,
und macht auch unwissende heiter.
Für Geld oder Körperverkauf,
da zahlt sich ein habiliTIER aus!
Ich wusste nicht, dass es solche Künstler gibt, vielen Dank und mach weiter so!
Ganz nett. Haut mich umgekehrt aber auch nicht wirklich vom Hocker.
Sprachlich deutlich schöner finde ich Philipp Scharrenberg (Das Dichterduell* – z.B.), humoristisch ist Marc-Uwe Klings “Pulp Fiction” für mich nach wie vor ungeschlagen und den wahren Wahnsinn findet man in Andy Strauß’ “Denkmäler beleidigen”-Serie.
* Für Ungeduldige: Die YT-Version geht erst ab etwa 2 Minuten wirklich los.
/EDIT: Ja, Koslovsky ist auch genial!
[...] nachgedacht habe. Es ist eher als „Ich-Blog“ zu bezeichnen. Ein Begriff, den ich bei Herr Kaliban aufgegriffen habe. Hier geht es in erster Linie um mich, um das, was ich erlebe beziehungsweise [...]