Mai 2010

Blöd, dass Mord verboten ist

by Gunnar on 31. Mai 2010 · 20 comments

Wer als Erstes an die Wand gestellt wird, wenn die Revolution doch noch kommen sollte.

Wir haben Freitagmorgen, knapp 9:00, verhaltener Sonnenschein, ich bin mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit. Die Lyonel-Feininger-Straße ist ein bisschen unübersichtlich, da nehme ich statt der Fahrbahn immer den Bürgersteig, der ist drei Meter breit, übersichtlich und mangels angrenzender Wohnhäuser auch immer frei. Ich nähere mich einer Ausfahrt, bremse ein bisschen ab, da dreht ein geföhnter Herr in einem silbernen BMW Z4 Cabrio von der Gegenseite der Straße mit quietschenden Reifen in die Ausfahrt ein, kurbelt hektisch am Lenker und zieht voll auf den Bürgersteig. Nicht den Bürgersteig touchierend oder sowas, nein, er biegt einfach auf den Fußgängerweg ein, als sei der eine Fahrbahn. Dort kommt er zum Stehen, — zwei, drei Meter vor mir. Ich reiße an den Bremsen, gerate ins Schlittern, bekomme das Rad knapp links an dem Wagen vorbei. Der Schwung und der Schreck tragen mich weiter, erst nach zehn Metern drehe ich mich um, um dem Fahrer des Z4 irgendwas hinterher zu schreien. Und sehe, wie der Typ (übrigens sonnengebräunt und gepflegt dreitagebärtig) seelenruhig aus dem Auto heraus einen Brief in den Briefkasten wirft. Da geht mir der Sinn seines Manövers erst auf: Der hat den Stunt nur veranstaltet, um an den Postkasten zu kommen, ohne auszusteigen.

Danach wendet er und fährt dahin zurück, wo er hergekommen ist — vermutlich ist das einfach seine tägliche Fahrt zum Briefkasten.

Ich stehe konsterniert und schaue nur. Wie scheiße kann man sein?

Ah, dass man im echten Leben nicht ständig in den Rucksack greifen und seine BFG* hervorziehen kann, ist manchmal frustrierend, wirklich.

Sonntagslinks!!11!111einself

by Gunnar on 30. Mai 2010 · 13 comments

Dies ist die heutige Ausgabe der wöchentlichen Linkliste vom Herrn Kaliban. Sachdienliche Link-Hinweise werden jederzeit an geeigneter Stelle entgegen genommen. Diese Woche geht der Dank des Vaterlandes an Marjan und Krautmeister.

VIDEO: Wie es eben ausgehen muss, wenn Nerds in ein Feuergefecht geraten. ###

VIDEO: Der Murmelspieler oder: Wenn Männer ihre Hobbys zu sehr lieben… ###

VIDEO: Ein Videospiel, das man durch Schreie steuern kann. Uh. ###

VIDEO: A cycle of life ist ein hübsches Animationsvideo über, nun, die Kreisläufe des Lebens. ###

VIDEO: Sensationeller Kurzfilm über den Start der Discovery, zusammengesetzt aus Myriaden Einzelbildern. ###

VIDEO: Warum Twilight so populär geworden ist. ###

VIDEO: Fantastisches Zeitraffervideo über den Ausbruch des Eyjafjallajökull. ###

VIDEO: Eine Ode an das NES von Nintendo — in gloriosem Legetrick (Stop-Motion, wenn man’s neudeutsch sagen will). ###

VIDEO: Gink ist das neue Ding im Web 2.0. Bisschen bemüht, der Witz, aber gut ausgeführt. ###

VIDEO: Mehr als 500 Amiga-Spiele im Schnelldurchlauf — ist nur eine Slideshow mit Musik, aber dennoch nett. Gibt’s auch als C-64-Variante. ###

INFOGRAFIK: Ein kurzer, einfacher Lehrgang in Wettervorhersage. ###

INFOGRAFIK: Fünf (Scifi-)Filmzitate, dargestellt als Grafiken. Nett. ###

INFOGRAFIK: Eine kurze Geschichte des Hackens (von Computern). ###

GRAFIK: Wenn Spartaner Schach spielen, sieht das so aus. ###

TEXT: Echt passiert: Bankräuber überschätzen die nötige Sprengstoffmenge und jagen die komplette Bank in die Luft. ###

TEXT: Schöner ZEIT-Artikel über die Nähe zwischen Berliner Journalisten und Politikern. ###

TEXT: Dinge, die man als Manager (nicht?) braucht: Zeitmanagement-Tools. ###

TEXT: Ein langer Artikel von einer Personalerin aus der Spielebranche über das Thema “Erfolgreich bewerben“. Enthält einige Selbstverständlichkeiten, aber auch viele gute Tipps. ###

SITE: Auf Papervision3D (das ist ein Flash-Framework) gibt’s eine beeindruckende 3D-Unterwasserumgebung. Lädt ewig, ist aber eine hübsche Demo dessen, was heutzutage alles ohne Plugins im Browser möglich ist. ###

SITE: Hier kann man sich mit offiziellen Zitaten der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA beleidigen lassen. ###

SITE: Wer auf Filmvorspänne steht, kann sich mal die Seite der Firma Prologue angucken, die machen sowas hauptberuflich. ###

DING: Der Peashooter aus Plants vs Zombies als Puppe. Hübsch. ###

Und wir schließen wie immer mit einem VIDEO, diesmal sogar einem auf deutsch:

Elterngeheimnisse!

by Gunnar on 28. Mai 2010 · 11 comments

Frohe Kunde in eigener Sache — Herrn Kalibans erstes Buch erscheint in absehbarer Zeit.

Elterngeheimnisse, meine kleine Sammlung unterhaltsamer und hoffentlich auch nützlicher Elterntricks, ist jetzt offiziell vom Heyne Verlag für den Februar 2011 angekündigt worden. Das Buch basiert größtenteils auf Texten der gleichnamigen Webseite und der zugehörigen Facebook-Seite, enthält aber auch “Geheimnisse”, die dort nicht veröffentlicht sind.

Fertig ist es allerdings noch nicht — und jeder kann mitmachen: Wer noch ein “Geheimnis” kennt, das mit ins Buch muss, möge es bitte hier eintragen. Es muss nicht voll ausformuliert sein, eine Rohfassung reicht schon, ich schreib’ das dann schön. Als Dank gibt’s eine Namensnennung im Buch, das fertige Werk mit Widmung und meine ewige Hochachtung.

Ich würde mich über ein paar Einsendungen freuen — je mehr, desto besser ist das Buch am Ende. Es werden hier doch noch ein paar Eltern mitlesen. Oder Leute, die Eltern kennen. Freundliche Links in euren Blogs und, äh, Erwähnungen in überregionalen Medien würden auch helfen.

Man kann das Buch erstaunlicherweise sogar schon vorbestellen.

Auszug aus dem aktuellen Heyne-Gesamtprogramm

Oh, ich darf das Spiel behalten?!

by Gunnar on 28. Mai 2010 · 9 comments

Folgende Mail erreichte mich kürzlich. Ich dokumentiere das mal hier vollständig, weil’s ein bisschen lustig ist, habe aber die Namen durch [XXXXX] ersetzt.

Hi Gunnar,

ich war mir nicht ganz sicher, wo ich meine E-Mail hinschicken sollte, aber habe mich letztendlich für diese Adresse entschieden!
Ich habe gesehen, dass du manchmal Spiele austestest und deine Meinungen als Review in Blog-Einträgen veröffentlichst. Ich wollte deswegen fragen, ob wir vielleicht bei dir einen Review sponsern könnten?

Wir würden dir eines der neuesten Spiele auf dem Market bestellen und senden, welches du natürlich aussuchen und behalten kannst. Vielleicht ein Spiel, das für dich und deine Leser interessant wäre, was käme momentan eventuell in Frage?

Das einzige, das wir gern im Gegenzug hätten, vielleicht irgendwo am Ende des Reviews, sind paar Links zu unserer Seite. Etwas wie z.B.: „Testmuster von [XXXXX]“ Sonst nichts J

Hoffentlich hört sich das wie eine interessante Idee an und bei Fragen kannst du mich jederzeit per E-Mail erreichen.

Viele Grüße,
[XXXXX]

——————–
Mit freundlichen Grüßen,
[XXXXX]
Site Editor
[XXXXX]

Seufz. Schlechtes Deutsch, anbiederndes Duzen, albernes Ansinnen. Ach, und ziemlich schlechte Recherche.

Die Linkkäufer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Kissen sind unheimlich

by Gunnar on 27. Mai 2010 · 1 comment

Pillows are Creeps, (c) Nathan W. Pyle

Diese und weitere tolle Zeichnungen gibt’s bei Herrn Pyle. Kann man grundsätzlich auch erwerben, zum Teil auch auf T-Shirts. Schön. [via]

Ah, er macht übrigens auch hübsche Klamotten für LOST-Fans.

Afghanistan ist das neue Nigeria

by Gunnar on 27. Mai 2010 · 6 comments

My name is Captain Matthew Stamford of the US Marine corps stationed in Kabul, Afghanistan,
I found some money stashed in a couple of barrels while on patrol ($900,000.00) I need someone to help me move it to a safer place, please have it in mind that there is no danger involved. You may contact me on usmarine118@i12.com so that I can provide you with more details.

Offenbar hat die Nigeria-Connection ihr Geschäftsfeld verlagert. Afghanistan also. Obwohl, im Irak ist möglicherweise noch viel mehr Geld zu holen:

Hallo,
Mein Name ist Marc Andrew, ich arbeite mit dem Roten Kreuz und derzeit schreibe Ihnen aus Basra Süden des Irak.
Ich schreibe, um Ihnen vorschlagen, diese wichtige Geschäftsvorgang. Anfang des Monats Mai, als wir taten manche Rettungsaktion, ich und mein Kollege Jonas in einem Heim verlassen die Summe von 6,5 Millionen USA Dollar entdeckt. Das Geld wurde in einer Metall-Box gespeichert.
Derzeit wegen meinem Job, wir haben nicht Recht auf Besitz dieser Betrag des Geldes; wir Ihre Zusammenarbeit zu suchen, wenn Sie helfen können sicher das Geld in Ihrem Land, so dass wir das Geld für Investitionen Zweck zu verwenden.
Wir haben unser Rotes Kreuz diplomatischen Flug von hier, das können wir mit einem der Diplomat veranlasst, dass die Box mit den Mitteln für Sie ohne Probleme zu liefern.
Wir zählen auf Ihr Vertrauen und wir raten Ihnen, eine ständige Kommunikation über E-Mail erhalten. Nennen Sie mich nicht am Telefon zu vermeiden, jede Spur, wie wir sind immer auf dem Feld.
Für Sie freundlicher Unterstützung Sie 35% des Betrags erhalten, während 65% zwischen mir und meinem Kollegen Jonas geteilt werden.
Bitte zurück zu mir dringend, damit ich Ihnen mehr Informationen geben.
Mit freundlichen Grüßen,
Marc Andrew

Wochentagsvegetarier

by Gunnar on 25. Mai 2010 · 26 comments

Herr Kaliban isst kein Fleisch. Außer, wenn er will. Es gibt Leute, die schimpfen ihn inkonsequent.

Ich achte auf ausgewogene Ernährung, trinke zwischendurch aber doch immer mal wieder drei Bier auf einer Party oder pfeife mir im Meeting zehn Kekse rein. Ich mache ein bisschen Sport, lasse aber fast jeden zweiten Fitnessstudio-Termin faulheitsbedingt aus und nehme bei einem Hauch von Regenwolke statt des Fahrrads das Auto zur Arbeit. Ich rauche nicht, will aber nicht ausschließen, auf der nächsten Silvesterfeier einen Zigarillo zu paffen. Ich esse kein Fleisch, mag aber bei Fisch nicht neinsagen und würde beim Abendessen mit Freunden einen selbstgeschmorten Rinderbraten durchaus nicht ablehnen. Ich schaue kein Fernsehen und weiß nicht mal, wie die Stimme von Lena Meyer-Landrut klingt, kann aber doch mal einen hirnlosen Abend vor “Schlag den Raab” verbringen.

Ich finde mich dabei grundsätzlich ganz gut: lebe bewusster als sie meisten Leute, ohne ständig als Streber aufzufallen. Ein bisschen frustiert mich allerdings, dass mein Verhalten ständig mit Hohn und Spott überkübelt wird: Raucher, Flimmerkistenfreunde und Schokoladensüchtige nennen mich schwach, weil ich nicht komplett entsage; Sesselsitzer finden mein halbherziges Sporttreiben affig und prophezeien feixend ein baldiges Ende meines Elans; kurzatmige Fleischsemmelfetischisten verstehen nicht, warum ich nicht nur noch Tofu und Bambussprossen zu mir nehme — wenn schon, denn schon, sagen sie.

Aber warum eigentlich? Ist es nicht typisch für diese Zeit, kleine Widersprüche (Bio essen und kalifornischen Rotwein trinken, etwa) easy auszuhalten? Wäre es nicht ganz hilfreich, wenn mehr Leute wenigstens teilzeit auf Fleisch verzichten würden? Warum verlangen eigentlich gerade die Gar-nicht-Entsager, dass alle anderen vollständig konsequent sind? Ist es der gelbnasige Neid auf die, die wenigstens ein bisschen was erreichen und sich nicht komplett gehen lassen? Oder ist es, ahem, vielleicht so, dass gerade die Flexitarier und die Partyraucher und die Quasi-Sportler besonders unerträgliche Zeitgenossen sind? Weil sie, um ein gewagtes Bild zu verwenden, unentwegt Diavorträge veranstalten, obwohl sie auf dem Weg Zu Einem Besseren Lebentm eigentlich doch nur bis zu ersten Raststätte gekommen sind?

Hm.

Äh.

Gut möglich.

Ich muss da mal mein eigenes Kommunikationsverhalten überprüfen. Vielleicht. Vielleicht sind aber auch einfach nur alle anderen Leute doof.

P.S. Zum Thema “Teilzeitvegetarier” gibt’s einen ganz netten Vortrag von Graham Hill:

Stop! In the Name of Sonntagslinks!

by Gunnar on 23. Mai 2010 · 7 comments

Herrn Kalibans wöchentliche Linkliste. Immer an Sonntagen. Immer merkwürdig zusammengestellt.

VIDEO: Das komische Nagetier aus den Ice Age-Filmen in einem Solo-Abenteuer. ###

VIDEO: Das Verderben von Früchten, im Zeitraffer. ###

VIDEO: Microsofts Studio D in Redmond hat ein sensationelles Star Trek-Kunstwerk in der Empfangshalle. Auf den Fotos sieht man’s noch besser. ####

VIDEOS: Der Youtube-Channel von Improv Everywhere enthält einige sehr hübsche Stücke, etwa die “Gemüseladen-Oper” und die “Ghostbusters in der Stadtbibliothek”. ###

VIDEOS: Ein paar Zeilen Text waren die einzige Vorgabe für diese hübschen, von Philips gesponserten, Kurzfilme. ###

VIDEOS: Die Library of Congress hat sensationelle historische Videos aus ihren Archiven auf Youtube eingestellt. ###

VIDEO: Der Bau eines Verkehrsflugzeugs. Im Zeitraffer. Beeindruckend. ###

AUDIO: Das Hörbuch zu Cory Doctorows schönem, wenn auch leicht absurden Roman “Down and Out in the Magic Kingdom” gibt’s bei Podiobooks als kostenlosen Download. ###

BILD: Weiß jemand noch, was die D&D-Einstufung “Rechtschaffen böse” bedeutet? Klick. ###

BILDER: Wie man sich 1898 das Jahr 2000 so vorgestellt haben mag. ###

BILDERGESCHICHTE: Bill Gates gegen Steve Jobs. ###

BILDER: Fotos, auf denen man aussieht, wie sein T-Shirt. Hier sind noch mehr Bilder. ###

INFOGRAFIK: Welche historische Persönlichkeit hat am meisten mit Zombies, Frankensteins Monster und Graf Dracula gemeinsam? Richtig, es ist… [Klick] ###

ARTIKEL: Topless Robot hat eine ganz nette Geschichte über zehn Zukunftstechnologien aus der Science-Fiction, die wir jetzt gerne schon hätten. Interessanter sind aber die Kommentare, in denen die Nerd-Leser sich austoben. ###

ARTIKEL: Deutschland ist das Land mit den absurdesten Steuern weltweit. ###

ARTIKEL: Zombies in Videospielen und was sie interessant macht. Ein Essay. ###

ARTIKEL: Wer sich für die Entwicklung von PC-Spielen interessiert, dürfte den Artikel “Von der Idee zum Konzept” gut finden, den es drüben, bei Making Games, gibt. ###

ARTIKEL: Die Spielepresse spricht mit Spieleentwicklern eigentlich immer nur vor dem Erscheinen eines Spiels und viel zu selten danach, wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen. PCG UK hat sich mal mit einem der Macher von Mass Effect 2 zusammengesetzt. ###

SITE: Im Sonntagsmagazin gibt es jede Woche Scans aus der New York Times von vor 100 Jahren, mit ein bisschen Kommentar. ###

SITE: Echte Wissenschaft ist ja nicht übel, aber falsche Wissenschaft ist doch irgendwie lustiger. ###

SITE: Gruselige Roboter. ###

SITE: Schon älter, aber hier zu Unrecht noch nie erwähnt: der Namensgenerator für Dotcoms. ###

TWITTER: Gott twittert. Naja. ###

Als Rausschmeißer wie immer: ein hübsches VIDEO.

[Herr Kaliban dankt folgenden Zuträgern: Konrad, RJ Evans, Der König, Fat Cat, David D.]

Tichu? Tichu!

by Gunnar on 21. Mai 2010 · 5 comments

Wie alle etwas älteren Videospieler hat auch Herr Kaliban eine reichhaltige Brettspiel- und Kartenspiel-Vergangenheit*. Eines der Spiele fesselt ihn bis heute so sehr, dass er es fast jede Woche spielt.

Irgendwann, in der ersten Hälfte der 90er, ich lebte in Göttingen, schenkte mir H. (guter Freund und nebenberuflicher Spieleautor) zum Geburtstag ein Kartenspiel namens Tichu. Die Regeln waren eine merkwürdige Mischung aus Skat und Poker, und die Karten erinnerten an das normale französische Blatt, aber mit chinesischem Touch. Dazu lagen Sonderkarten wie “Drache” oder “Mahjongg” im Deck. Wir setzten uns also bei nächster Gelegenheit mal hin und probierten es aus.

Und waren sofort begeistert, denn der grundsätzliche Mechanismus ist schlicht brillant: Man nehme das Stechen aus Doppelkopf, ebenso die Teambildung zwei gegen zwei, lasse aber den Bedienzwang weg und ermögliche das Stechen nicht nur mit Einzelkarten sondern auch mit Kombinationen — ein König schlägt eine Dame, zwei Damen schlagen zwei Neunen, eine Straße von 4 bis 8 schlägt eine von 3 bis 7. Dazu kommen Sonderkarten und Sonderregeln, der Clou ist aber, dass man, anders als bei vielen anderen Kartenspielen, relativ flexibel auf Spielsituationen reagieren kann: Es kann z.B. ratsam sein, das Fullhouse nicht als Fullhouse zu legen, sondern nacheinander den Zwilling und den Drilling auszuspielen, aus dem es besteht. Da man immer als Team gewinnt oder verliert (ohne das Blatt des Partners zu kennen) und es auch sonst viele Unwägbarkeiten gibt, sind die meisten Tichu-Partien von Strategiewechseln geprägt, was das Spiel zu einer Art Kartenspielschach macht: leicht zu lernen, schwer zu meistern. Natürlich kann man auch hier schlechte Karten ziehen und dann auf verlorenem Posten stehen, aber aber man kann mit geschicktem Spiel auch aus schwachen Blättern viel rausholen, anders als bei, sagen wir, Skat oder Poker.

Aus der ersten Partie entwickelte sich eine kleine Pandemie, in unserem Bekanntenkreis breitete sich Tichu aus wie Flächenbrand: Es entstanden regelmäßige Runden, Turniere und eine richtige Liga. Turniere und regelmäßige Treffs gibt’s in Göttingen bis heute, wer in Südniedersachsen wohnt, kann ja mal reinschauen. Für Leute in anderen Orten: Tichu wird fast überall gespielt, vor allem auch in der Schweiz. Fast immer auch von netten Leuten. Wenn man also dem Gedanken, sich zu viert um einen Tisch zu setzen und Papierstücke hin und her zu schieben, ein bisschen was abgewinnen kann, sollte man mal googeln. Etwas, das ein Elektronische-Unterhaltung-Junkie wie ich seit mehr als 15 Jahren halbwegs regelmäßig spielt, kann so schlecht nicht sein, würde ich denken.

Zusatzinfos: Tichu wurde von dem Schweizer Urs Hostettler erfunden und wird von der Firma Fata Morgana vertrieben. Der Name und die chinesische Anmutung der Karten spielen auf den chinesischen Ursprung des Spiels an, jedenfalls behauptet Hostettler das. Was nichts heißen muss, in China gibt’s zwar ähnliche Spiele, ein Spiel namens Tichu ist dort aber meines Wissens unbekannt. Das Kartenset kann man hierzulande überall im Spielehandel kaufen (oder auch gleich bei Amazon), es kostet so um die sieben Euro. Hartgesottene Papierfeinde ohne RL-Freunde können Tichu bei Brettspielwelt oder Gravon übrigens auch kostenfrei online spielen.

* Wir hatten ja nichts, damals. Nichtmal Grafik und so.

8-Bit Starcraft

by Gunnar on 20. Mai 2010 · 13 comments

Kennt vermutlich schon jeder, ist ja schon fast eine Woche alt, aber es konnte nicht auf die nächsten Sonntagslinks warten.

“This is gameplay footage from the original game “Starcraft” as it was released in 1984. My uncle worked as an assistant programmer for Blizzard/Activision in the early 80’s. I found this in his closet next to an old Colecovision.”

Flattr? Was ist denn das schon wieder?

Mai 17, 2010

Keine Ahnung, ob ich Flattr schon mal erwähnt/verlinkt habe, wenn nicht, tu’ ich’s jetzt.

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Today Sonntagslinks, tomorrow the World

Mai 16, 2010

Die wöchentliche Linkliste. Heute mit einem langen Bart, Donkey Kong, Darth Vader, Gewalt gegen Cola-Dosen, Landschaftskunst in Schottland, Liebesgeschichten in Videospielen, dem “Wir verlassen Facebook”-Tag und noch allerlei anderen Kuriositäten.

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