Facebook: Privatsphäre und all das

by Gunnar on 14. Mai 2010 · 7 comments

Herr Kaliban sagt: Soziale Netzwerke soll man in Maßen genießen, wie Alkohol und Tabak.

Ich gehöre zu den Leuten, die ohnehin schon so viel über sich im Internet veröffentlicht haben, dass es auf den potenziellen Datenmissbrauch durch Betreiber sozialer Netzwerke auch schon nicht mehr ankommt: Wer mich googelt, weiß, was ich kaufe, was ich wähle, wo ich arbeite und wohne, welchen Fußballverein ich gut finde et cetera.

Und findet jede Menge peinlicher Fotos. Und Videos. Ahem.

Das meiste davon steht schon mal direkt in meinem Blog, da muss man nicht lange suchen, den Rest kriegt man auch noch raus. Ich heiße nun mal nicht Michael Schmidt und kann mich unter 25.000 gleichnamigen gleichalten Geschlechtsgenossen verstecken. Ist mir auch grundsätzlich wurscht. So ist das eben — wer Aufmerksamkeit will, darf nicht maulen, wenn er Aufmerksamkeit bekommt, das funktioniert bei B C D E F-Promis wie mir auch nicht grundsätzlich anders als bei, sagen wir, Heidi Klum.

Ein bisschen anders ist das bei Facebook, da habe ich im Verlauf des letzten Jahres mehr und mehr Zeit investiert, um Informationen zu verbergen: meine “Freunde” sind strikt in Listen mit unterschiedlichen Leserechten unterteilt, mein Profil ist nicht mehr öffentlich, Apps bekommen grundsätzlich keine Zugriffsrechte mehr. Das ist ein ganz hübsches Stück Arbeit, denn die diesbezüglichen Einstellungen bei Facebook sind nicht eben zugänglich. Das hat nicht damit zu tun, dass ich plötzlich besondere Angst um meine Privatsphäre habe — nein, mich nervt einfach, wie lässig Facebook mit meinen Daten umgeht, sie ungefragt in großem Stil fremden Webseiten übergibt und jegliche Kritik an der Praxis einfach mit einem nonchalanten “So ist das eben heutzutage”* wegwischt. Vielleicht haben sie recht, vielleicht ist das im Großen und Ganzen irgendwie egal, weil die Datenmengen so groß werden, dass ohnehin niemand mehr Interesse an personengenauen Auswertungen hat. Vielleicht.

Vielleicht gibt’s aber auch eine Gegenbewegung von Leuten, denen das nicht egal ist. Wir werden sehen. Wer sich über den Schutz der eigenen Privatsphäre ein bisschen schlau machen will, kann sich dieses Whitepaper von Thomas Hutter durchlesen:

Whitepaper Facebook Privatsphaere 05 2010

Sowas Ähnliches gibt’s auch als (etwas sehr steifes) Video von den Grünen.

Man muss aus derlei Anleitungen nicht alles umsetzen, wichtig ist es eher, sich zu vergegenwärtigen, dass bei Facebook grundsätzlich erstmal nichts privat ist — und dass Facebook alle öffentlichen Daten gnadenlos weiterreicht, wenn man etwa Facebook Connect benutzt, um sich irgendwo anzumelden. Oder auf den Like-Button drückt.

* Dies ist kein wörtliches Zitat, nur eine Veranschaulichung. Genauer kann sich das hier anschauen.

{ 6 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: