Content-Recycling

by Gunnar on 26. Juni 2010 · 1 comment

Gerade erinnerte ich mich an eine lang zurückliegende Begegnung, fand’ sie irgendwie exemplarisch und setzte an, darüber ein paar Zeilen zu schreiben, wie man das in Ego-Blogs eben so tut. Dann fiel mir auf, dass, uh, ich den betreffenden Text schon mal geschrieben hatte, Anno 2005. Seufz. So muss sich der Opa fühlen, der eben anhebt, diese wahnsinnig interessante Kriegsgeschichte zu erzählen, die er noch nie jemandem anvertraut hat und von den Enkelkindern mit Augenrollen unterbrochen wird: “Opa, bitte. Die olle Kamelle haben wir jetzt schon hundermal gehört!”

Aber dies ist ja nun mein Blog, daher erzähle ich’s einfach nochmal. Könnte ja das eine oder andere Enkelkind anwesend sein, das 2005 noch nicht Stammleser war:

“Mir verschwimmen Erinnerungen, wenn ich sie nicht sofort durch Aufschreiben stütze oder so lange im Kopf wälze, bis sie sich einigermaßen verfestigt haben. Ich behalte von Treffen nur Fetzen, Gesichter, Wörter, schwache Bilder. Vergesse, dass ich Menschen schon begegnet bin, Filme schon gesehen, Bücher schon gelesen habe. Der einzige Ausweg — ich nehme mir sofort vor, davon zu erzählen, dann entwickle ich Formulierungen, die mir dann bleiben, auch wenn der Erzählgegenstand schon fast verblasst ist. Absurd, wie das Hirn arbeitet. Menschen mit einem absoluten oder wenigstens fotografischen Gedächtnis müssen wie Götter sein, immer überlegen, nie unsicher, perfekt.” Weiterlesen?

Hm. Wenn ich schon dabei bin… …wer obiges Geschichtlein noch nicht kannte, kennt vielleicht auch dieses hier nicht:

“Ich halte, schon aus Gründen der Bewahrung der männlichen Restwürde und Autonomität, wenig davon, Frauen bei der Auswahl von Männersachen mitreden zu lassen, das wäre ja noch schöner, nächstens wollen sie auch noch über Auto oder Fernseher oder Stereoanlage abstimmen, und dann sitzt man mit einem Renault Twingo oder einem Satz Boxen von Bose da.” Weiterlesen?

Oder diese, die ist ein Gedicht: Ein Drama in zehn Akten

Oder die, mit dem nur schwach verschleiertem Wunsch nach Unsterblichkeit:

“Ich sollte vielleicht eine Parkbank stiften oder ein Grundstück auf dem Mond kaufen. Oder mir eine unbekannte tropische Krankheit zuziehen, die dann nach mir benannt wird, wenn ich daran zugrunde gegangen bin und halb Bayern mit einer Pandemie ausgelöscht habe. Morbus Lott oder so. Aber das ist ja nicht so hübsch, und am Ende nennen sie die Erkrankung dann doch nach dem Quacksalber, der sie als erster in einem Artikel in Tropical Medicine & International Health erwähnt hat.” Weiterlesen?

Oder eine der vielen Storys über die Gefahren des Straßenverkehrs: die oder die oder die?

Oder so. Oder ihr lest einfach ein gutes Buch. Das ist eh sozial akzeptierter. Wer keins weiß, kann sich das hier kaufen, das ist super. Gibt’s auch aber kostenlos.

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