Herr Kaliban wundert sich über die seltsame Langsamkeit, mit der die Zukunft eintrifft.
Anfang 2007* schrub ich folgendes:
Wenn ich, sagen wir, der Coca-Cola-Konzern wäre, dann würde ich ein Zehntel, ach ein Zwanzigstel, meiner Marketinggelder nehmen und Cokespacetm bauen, ein intelligent designtes, modulares und, vor allem, easy bedienbares Metaversum. So wie Second Life, nur eben richtig. Selbstverständlich wäre es kostenlos für jedermann, ich würde sogar Bauland und Apparments verschenken. Das Ziel müsste sein, die Schnittstelle für alles im 3D-Internet zu werden, der Mega-Hub, an den alles angedockt wird, was interaktiv sein will: »Hey, Sie wollen Call of Duty 8 spielen? Gehen/Fliegen Sie mit Ihrem Cokevatartm auf Ebene 5, Flur 3 von War City — dort ist der Eingang in die Call of Duty-Welt. Vergessen Sie nicht, Ihrem Cokevatartm in der Schleuse eine der dort bereit liegenden Uniformen anzuziehen. Und sich eine Waffe auszusuchen. Der Eintritt kostet 1 CokeCointm pro Stunde, die ersten zwanzig Minuten sind frei.« Oder: »Hey, Sie wollen ihre Xbox-Live-Achievments oder Fotos Ihrer Facebook-Freunde als Tapete auf Ihrer Wohnzimmerwand sehen? Drücken Sie das Importfeld.« Oder: »Hey, Sie wollen mit Ihrer Mutter sprechen? Öffnen Sie Ihre transportable VoIP-Blase — die schottet Sie von der Außenwelt ab und projiziert den Cokevatartm Ihrer Mutter neben Ihnen auf’s Sofa.
Ich erinnerte mich kürzlich wieder dran, weil in Cory Doctorows großartigem Roman For the Win (der unter anderem davon handelt, wie chinesische Goldfarmer in MMOs eine Gewerkschaft gründen) der führende Spiele-Publisher die Firma Coca-Cola Games ist. Das Buch ist übrigens großartig (gibt’s bei Amazon oder kostenlos als eBook) — nicht immer super erzählt, sprudelt aber vor Ideen und legt eine interessante Vision der nahen Zukunft vor. Pflichtlektüre, finde ich, vor allem für Leute, die sich mit Games beschäftigen.
Aber zurück zum Leben im Cokespacetm. Den Gedanken halte ich, die ausführende Firma jetzt Coca-Cola ist oder sonstwer irgendwer, grundsätzlich weiterhin für richtig. Was Facebook für das 2D-Internet ist, muss für das (Pseudo-)3D-Internet erst noch gebaut werden. Mit offenen APIs und idealerweise auch mit einer gewissen Marketingmacht. Hätte ich so 60 bis 70 Millionen in Cash, würde ich jetzt schon mal anfangen.
Lesen hier zufällig Milliardäre mit?

3D-internet wird’s nicht geben. zu umständlich, zu zeitaufwändig, zu mittelbar. die ganze Cyberpunk-literatur, in welcher man sich ins internet / die matrix / etc. durch eine buchse im schädel “einstöpseln” muss, sieht keine zeitabweichung zwischen realer welt und cyberwelt, online-aktivitäten werden endlos lahm und verlieren damit ihren taktischen vorteil. internet wird direkter, intuitiver und schneller sein, als daß man sich virtuell durch die U.S.S. Enterprise navigieren möchte, um CoD 8 zu spielen. die idee hat was für sich, ist aber eher etwas für die galerie oder – tatsächlich – liebhabende milliardäre, auf welche so etwas dann zugeschnitten wird.
fliegende autos wird es übrigens auch nicht geben. allenfalls schwebende, aber daran zweifel ich auch.
und jetzt: steinigt mich! :)
Naja, sowas wie WoW oder Second Life ist ja schon “3D-Internet”. Jetzt denke man sich einen einheitlichen Avatar, der frei zwischen den Welten wechseln kann (per Schnittstelle) und als Heimat sowas wie Playstation Home., dann sind wir fast da.
Technisch ist das sicherlich machbar. Fraglich ist aber, ob das für “normale” Internetaktivitäten genutzt wird wenn es den Vorgang nur verlangsamt. Warum mit einem Avatar über drei Decks schlendern um ein COD-Demo zu sehen, wenn auch zwei Mausklicks im 2D-Internet reichen. Es wäre vielleicht ein Optikschmankerl, aber die setzen sich langfristig auch nur durch, wenn auch die Funktion stimmt (Kombination von beidem sieht man gut an Apple).
Wenn es Aktivitäten sind, die zu dieser 3D-Welt gehören (quasi sowas wie ein Spielbestandteil), und keine vorher bereits nahezu vollständig optimierten 2D-Workflows, dann ist da dasselbe Potential, was SecondLife damals zum Hype gemacht hat.
Ich fand das Interface, was der “Gamer” im Film “Gamer” hatte, schon realistischer.
Es ist vielleicht nicht Coca Cola – aber Darpa (die Defense Advanced Research Projects Agency des Pentagon) ist an fliegenden Autos doch schon ziemlich interessiert:
http://www.wired.com/dangerroom/2010/04/pentagons-flying-car-program-takes-off/
oder hier: http://www.wired.com/dangerroom/2010/07/dodge-roadside-bombs-in-wait-for-it-a-flying-car/
Aber wer braucht fliegende Autos, wenn er das Robot Mule “Big Dog” hat:
http://www.wired.com/dangerroom/2008/10/bigdog-20/
(Das Video ist sehr abgefahren!)
Da kann ein AT-AT echt einpacken…
Gruss,
Krautmeister
Zu Cory Doctorow gibts übrigens auch ein interessantes Interview in der aktuellen GEE ;-)
Leider gibts,soweit ich das rausgefunden habe, nur 1 Buch von ihm auf deutsch, wär schön wenn die anderen auch mal übersetzt würden, ich finde die Themen die er für seine Bücher nutzt sehr spannend!
Gibt schon deren drei: Little Brother, Upload und Backup.
Siehe hier, bei Amazon.
Backup (Original: “Down and out in the Magic Kingdom”) ist allerdings sein (erster und) schwächster Roman, Upload (“Eastern Standard Tribe”) ist auch nur so mittel.
Pflichtkäufe sind hingegen: Little Brother, Makers und For the Win.
Oh, danke :-)
Wobei mich thematisch am ehesten For the Win auf deutsch interessieren würde! Naja, ich lad mir mal das kostenlose eBook runter, mal sehen wie weit ich mit meinen mittelmäßigen Englischkenntnissen komme…
hehe erinnert mich sanft an southpark_facebook
find die idee sehr interessant, aber ich glaub das die hemmschwele viel zu groß ist.
second life hat ja auch keiner länger als 5 min/gar nicht gespielt. alleine wie groß so was wär und nicht alle haben einen pc, der sowas ohne ruckeln/mit schöner grafik ohne ladepausen schafft.
ich freu mich schon auf die zukunft
RT @HerrKaliban: Living in Cokespace (Blogposting)–> http://hu.lk/ybz
Erinnert mich grad nen bissel an Otherland. Kennt das wer?
Klar, das ist die epische Quadrologie von Tad Williams
.
War ziemlich faszinierend, aber zwischendurch auch echt langatmig. Habe irgendwo in Band 3 aufgegeben.
Ja, das ist die größte Fantasy- und SF-Buchhandlung in Berlin xP
(Und jedem Berliner wärmstens zu empfehlen)
Vielleicht auch besser so, das Ende war… bissel… äh komisch?
Gibts übrigens auch als Hörspiel vom Hessischen Rundfunk. Also wenn du es nochmal probieren willst. ;)
Habe ich versucht. Aber das ist mir zu unruhig. Zuviel Pose, zu wenig Substanz.
Das Schicksal von Second Life ist ja eigentlich der beste Beweis dafür, dass Coca Cola ganz gut daran getan hat, nichts derartiges zu versuchen. Zumal Geld alleine oft nicht wirklich ausreicht, um am Ende erfolgreich zu sein. Zahlreiche auf dem Papier bombensicher erscheinende Hollywood-Blockbuster (und auch Spiele), die an der Kasse aber kläglich scheitern, legen davon regelmäßig Zeugnis ab.
Sollte so etwas abseits von Insellösungen à la Playstation Home jemals wirklich Aussicht auf Erfolg haben, wird es wohl ähnlich wie bei Facebook auf die richtige Mischung verschiedener Faktoren ankommen. Richtiger Zeitpunkt, richtige Technik, korrekter Coolness-Faktor (speziell der ist schwer planbar, egal mit wieviel Geld) und tausend anderen Dingen, die halt grad passen müssen.
An Versuchen, so etwas wie Second Life in hübscher/besser aus dem Boden zu stampfen, hat es bestimmt nicht gefehlt. Selbst in Deutschland gab es zur Hochzeit des Second Life-Hypes diverse hoffnungsvolle Startups, die alle in bester Neuer Markt-Tradition aus dem Nichts das große Ding drehen wollten. Mindestens eines (Name vergessen, ansässig, glaube ich, in Berlin) hat wohl auch eine gewisse Menge an Kapital auftreiben können, aber gehört hat man dann anschließend auch nichts mehr davon. Mutmaßlich wurde das Geld, ebenfalls in bester Neuer Markt-Tradition, schlicht verbrannt.
Und überhaupt: Was gab es die letzten 20 Jahre nicht alles schon für Ideen, Techniken und Standards für großartiges 3D-Internet? Alles gefloppt.
Meine ganz persönliche Meinung (mit mittlerweile 15 Jahre Berufsleben im Umfeld von 3D-Animationen und Co.): Der Prozentsatz an Menschen, die dauerhaft Begeisterung für eine derartige 3D-Parallelwelt empfinden, hält sich arg in Grenzen. Mutmaßlich werden es in Zukunft, geprägt durch das Aufwachsen mit Computerwelten ein paar Prozent mehr, aber ob jemals so etwas wie eine kritische Masse erreicht werden wird? Halte ich eher für fraglich.
Die meisten Menschen sehen in so etwas einfach keinen wirklichen Vorteil. Vermutlich zu recht. Klar ist es für fast jeden ein paar Mal irgendwie cool, sich durch so eine virtuelle Welt zu bewegen. Aber wenn man so etwas dann regelmässig machen muss, um etwa bei Amazon3D Bücher zu kaufen, oder wie im Beispiel etwa Call of Duty 8 zu spielen, dann überwiegt schnell eines: Der Nerv-Faktor dieser eigentlich vollkommen überflüssigen ‘Anreise’ in der 3D-Welt.
Einfach klicken ist eben praktischer.
Möglich.
Ich glaube allerdings, dass der Avatar (und damit die Lust an der Darstellung) der Schlüssel ist. Gib mir die Möglichkeit, easy einen schönen Avatar zu bauen, den mit meinen Realweltvorlieben zu referenzieren, einen Ort zum Gestalten — und ich bin erstmal dabei.
Der Rest kommt dann.
Natürlich ist Amazon aus Gag ein Laden im Cokespace, 99 Prozent der Bestellungen laufen über 2D-Klickinterfaces. Es gibt keinen Grund, das schlecht nachzubauen, was funktional existiert — man muss eben die Dinge suchen, wo die synthetische Welt, wie Castranova das nennt, Vorteile gegenüber der schlichten Webseite bietet.
Das ist in der Tat der entscheidende Punkt, es gibt schlicht keinen der Mehrzahl der Menschen vermittelbaren Nutzen einer virtuellen Welt.
Ich antworte nochmal etwas länger, da mich das Thema, mit anfangs großer Begeisterung, auch schon lange verfolgt:
Bisher ist jedenfalls, das muss man klar so sagen, keinem wirklich etwas eingefallen (mir natürlich auch nicht), außer halt der – allerdings relativ trivialen – Feststellung, dass einem mal was einfallen müsste. Und darüber nachgedacht wird nicht erst seit vorgestern.
Der erste Versuch 3D im Internet großflächig zu etablieren, ist 15 Jahre alt, wenn man mal die (eher technische) Definition des ersten VRML-Standards als Ausgangspunkt nimmt. Visionen gab es natürlich schon länger, und nach dem ersten Misserfolg dann alle paar Jahre neue Versuche mit neuen Standards. In all dieser Zeit ist niemandem etwas wirklich Sinnvolles eingefallen. Alles, wirklich alles, ist immer wieder in der Versenkung verschwunden. 3D ist immer Selbstzweck – und damit letztlich sinnlos – geblieben.
Ich will gar nicht behaupten, dass das letzte Wort in dieser Sache gesprochen ist, aber alles, was einem nach aktuellen Stand so einfallen könnte, ist immer mal wieder bereits ausgelotet worden und mag als Nischenlösung, sozusagen für Randgruppen, auch teilweise funktionieren. Einen wirklich großflächigen Erfolg, der es etwa mit Facebook auch nur ansatzweise aufnehmen könnte, würde ich momentan aber praktisch ausschließen.
Auch virtuelle Treffpunkte mit 3D-Avataren und bastelbarer Ungebung sind ja eigentlich ein uralter Hut. Nichts anderes ist Second Life oder war im Prinzip Sims online (wenn auch nicht so richtig 3D). Von Legionen kleinerer Chatroom-Projekte und aller möglichen Mutationen gar nicht zu sprechen.
Ich finde das Thema zwar selbst auch nach wie vor prinzipiell spannend, wenn auch, um ehrlich zu sein, seit jeher eher aus der Macher-Perspektive. Großes Verlangen, allzu viel Zeit in einer solchen Welt zu verbringen, verspüre ich eher nicht.
3D-Welten haben überall da ihren Platz, wo sie als Mittel zum Zweck dazu dienen, etwas Außergewöhnliches zu erleben, seien das Online-Rollenspiele, Ego-Shooter oder hoffentlich irgendwann auch einmal außergewöhnliche Erlebnisse, die nicht darauf hinauslaufen, anderen in möglichst großer Zahl die Köpfe einzuschlagen. Da gibt es noch viel Potenzial. Die Idee einer 3D-Welt, in der man einfach so herumläuft und sich ein virtuelles Ich bastelt, das mit anderen virtuellen Ichs eher ziellos interagiert, ist für die meisten Menschen aber offenbar schlicht nicht interessant genug.
Dabei sollte man eigentlich meinen, dass es für so etwas durchaus Bedarf gibt. Aber vielleicht sind die meisten Menschen in ihrer kleinen, überschaubaren Welt, in der sie eben gerade nicht die Freiheit (und damit Bürde) zur Gestaltung allzu großer Teile ihrer Umwelt haben, zufriedener, als man so denken sollte. Das wäre die positive Deutung. Vielleicht besitzen aber auch einfach die meisten Leute nicht genügend Fantasie und Willen zur Kreativität, sich ein zweites Ich in einer virtuellen Welt zu bauen? Wer weiß. Fest steht, nur wenige finden so etwas offenbar spannend.
Das mag sich irgendwann ändern, nichts ist ewig. Momentan kann man das so aber mehr oder weniger als Faktum festhalten.
Erinnert sich noch jemand an die Desktopaufsätze von Compaq und Konsorten von vor gut 15 Jahren? Hatte sich der Desktop quasi in ein Wohnzimmer verwandelt, Fernseher öffnet Mediaplayer etc…
Hat sich allerdings auch alles nicht durchgesetzt, vermutlich weil den Leuten ihr eigenes Wohnzimmer schon reicht. Und ob die Leute eine 3D-Welt wollen wofür ein normaler Doppelklick reicht ist auch fraglich, solange es da keine Zusatzangebote gibt…
Coole Idee, aber tatsächlich höchstens was für Spieler oder Casual-Leute.
Virtuelle Welen lohnen doch am ehesten für “richtige” Spieler und sind dort tatsächlich nur Bestandteile eines Spiels, alle anderen legen (z.B. schon in Simpel-Social-Games in diversen Netzwerken) kaum wert auf Optik.
Ich denke, das noch größere und komplexere Netzwerke hier denkbar wären, aber kaum in Form einer richtigen 3D-Welt, da werden sich wohl eher andere Techniken entwickeln, und vor allem Kommunikation läuft wohl eher über entwicklete Formen des Telefons ab als über eine virtuelle Welt, ich halte da eine Art Universalgerät für wahrscheinlicher, wobei die Fototapete und überall Bildschirme nicht unwahrscheinlich klingen.
Fliegende Autos hingegen wirds wohl tatsächlich nicht geben. Koordination und Energieaufwand wären eine Katastrophe, Autopiloten Pflicht und das Unfallrisiko viel zu hoch…
Warum gerade CocaCola bzw ein anderes Unterhnhmen ? Kein Mensch will in einer werbeverseuchten 3D-Welt rumschwirren. Völlig uncool.
Abgesehen davon will auch niemand erstmal eine 3D-Welt laden um irgendwo ein Spiel zu starten.
Für mich hört sich das ganze gar nicht nach dem nächsten Big-Thing an. Vernetzung von herkömlichen Content mit Community in 3D ist ja schön und gut aber viel zu umständlich. Wenn dann müsste zB im Bereich der Konsolen ein Hersteller direkt das Ganze ins System integrieren, alles andere wie mit Cola usw geht ja mal gar nicht…
Es gibt das Project “Croquet” von Alan Kay
http://en.m.wikipedia.org/wiki/Croquet_Project