Herr Kaliban hat auch eine Meinung zu Google Streetview.
Zum Thema Streetview ist schon vieles gesagt, die c’t fasst aber den aktuellen Stand der Diskussion nochmal launig in ihrem aktuellen Editorial zusammen. Auszug:
[... ]sprangen Politiker aller Bundestagsfraktionen mutig vor Googles allgegenwärtige Augen, die heimlich hilflose Hausfassaden abfotografiert hatten [...]. Niemals würde unsere Regierung zulassen, dass so private Informationen über die Landesgrenzen hinausdringen. Außer beim SWIFT-Abkommen, aber da geht es ja nicht um Fotos, sondern um Kontodaten – was ist das schon gegen das Risiko, dass ein Passant beim Brötchenholen oder ein Autokennzeichen versehentlich der automatischen Verpixelung entgehen könnte? Das wäre ja fast, als stünde man vor anderen splitternackt da, wie etwa bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen.
Vielleicht spielt da das Alter der betreffenden Politiker auch eine Rolle. Die clevere Frau Passig sagt ja ganz korrekt, dass es leicht ist, Technologien zu schätzen und zu nutzen, die einem mit 25 oder 30 Status- und Wissensvorsprünge verschaffen. Wenn es einige Jahre später die eigenen Pfründen sind, die gegen den Fortschritt verteidigt werden müssen, wird es schwieriger (Quelle).
Aber lohnenswerter als sich über die Doofheit von Politikern aufzuregen ist es vielleicht, sich mal die alte Ermittlerregel “Follow the Money” anzugucken — die in der modernen Variation so klingt: “Wenn jemand Moral oder Bürgerrechte im Munde führt, schau’ erstmal nach den wirtschaftlichen Zusammenhängen”.
Was Google da tut, ist nämlich nicht primär eine Frage der Preisgabe von Privatsphäre; unsere Daten liegen interessierten Parteien schon in besserer Form vor. Nein, Google zerstört da gerade live und mit einiger Konsequenz einen Markt. Ebenso wie Google Maps andere Kartendienste ins Abseits drängt und Handyanbieter zum Verschenken ihrer Navigationssoftware gezwungen hat, wird auf absehbare Zeit niemand mit der 3D-Kartografierung von Städten Geld verdienen. Google schaltet ja nicht einmal Werbung daneben. Das Vorgehen entzieht nicht nur kleinen Konkurrenten die Geschäftsgrundlage, das trifft auch die großen Datenschacherer und, ja, auch Behörden.
Diese Verbindung von Wirtschaftsinteressen mit einem leicht instrumentalisierbaren Bild in den Köpfen der BILD-Leser (“Die wollen meine Frau im Badeanzug fotografieren! Spanner!”) ist, davon kann man ausgehen, der eigentliche Grund für die allgegenwärtige Hysterie.
Update: Bonmot von, nunja, Hendryk M. Broder zum Thema: “Dieselben Leute, die unser Leben in eine „Truman-Show“ verwandelt haben, wollen uns und unsere Privatsphäre nun vor Google beschützen. Das ist, als würden Repräsentanten der Alkohol-Lobby das Verbot von Mon-Chéri-Pralinen fordern.” (Quelle) Kann Broder nicht leiden, aber das ist hübsch gesagt.


Follow the money. Da trifft der @herrkaliban es genau. Lesen! http://bit.ly/aBUyuG #StreetView
Ich bin im Bereich Geodaten und Erfassung tätig. Ich fand es immer lustig, wie sich Leute über die Daten aufgeregt haben, wissend das der Staat (meist Landesvermessungsämter) aber auch private Firmen schon seit den 7oiger Luftbilder von komplett Deutschland aufnehmen. Die Auflösung ist meist deutlich besser als die Satellitenbilder von Google. Der Zweck war meistens die Vermessung, aber jeder kann sich die Luftbilder digital und analog bei Katasteramt seines Vertrauens kaufen.
Die Leute sollen sich nicht so aufregen und so tuen als würde man in ihren Schlafzimmer schauen. Besonders zynische finde ich, wenn sich Bürgermeister demonstrativ vor die Kamera stellen und behaupten sie wären für eine Google-freie-Stadt. Dabei sind deren (städtischen) Behörden, die schlimmsten Geodatensammler überhaupt und die Daten zum Teil für gutes Geld an private Firmen verkaufen.
Die Stimmungsmache gegen GoogleStreetView wird, wie so oft, angeführt und befeuert von jenen, die mit solchen oder ähnlichen Ideen/Daten in der Vergangenheit ihr Geld “verdient” haben bzw. dies in Zukunft beabsichtigten. Die Zahl der “Handaufhalter” zieht sich ja durch alle Schichten.
Hinzu kommt natürlich noch klassische Lobbyarbeit. Indiz dafür ist, dass man StreetView bereits juristisch abgeklopft hat und hier und da schon Gesetzesentwürfe auf dem Tisch lagen.
In dem Fall hat man mit Google aber einen mächtigen Gegner bekommen.
Die Frage ist für mich weniger, wer meine Daten hat und was er damit anstellt. Denn bestenfalls kann es sich nur um das geringere Übel Handeln.
Vielmehr frage ich mich, was soll das alles, “StreetView” ?
Ich komme mir da immer sehr alt vor.
Gruß
ps: die Sonntagslinks haben mir gestern angenehm den Tag verkürzt
[shared] Die Bosheit von Google:
Herr Kaliban hat auch eine Meinung zu Google Streetview.
Zum Thema Streetview i… http://bit.ly/ci6cX4
RT @herrkaliban Die Bosheit von Google http://bit.ly/ckd3oK
Google erfasst ja die halbe Welt,warum ist dann denen Deutschland eigentlich so wichtig? Klar, die verdienen irgendwie Geld damit (bzw mit Werbung), aber unterm Strich ist das immer noch ein kostenloser Dienst mit dem die erstmal keinen Cent bekommen.
Würde gerade nicht so eine Hysterie darum gemacht werden, dann wären warscheinlich viele StreetView Gegener die ersten die gucken würden, ob ihr Häuschen auch erfasst wurde – und würden sich dabei auch noch freuen…
Die Bosheit von Google http://bit.ly/cXhpNR #link
RT @herrkaliban Die Bosheit von Google http://bit.ly/ckd3oK
Interessant, diese Betrachtungsweise hab ich noch gar nicht geseh’n. Und ich dachte schon dieses Mobilmachen der Politiker und Medienaktivisten rund um das Schlagwort “Privatsphäre” käme rein aus dem Prestige-Antrieb, um seine Partei beliebt zu machen.
Ich persönlich freu mich drauf, wenn ich mal meine Straße auch virtuell betrachten kann … ohne dafür irgendwo Geld ausgeben zu müssen.
Was Google tut, ist nicht primär die Preisgabe von Privatsphäre,es zerstört mit einiger Konsequenz einen Markt http://u.nu/4zh2f #streetview
RT @pikarl: Was Google tut, ist nicht primär die Preisgabe von Privatsphäre,es zerstört mit einiger Konsequenz einen Markt http://u.nu/4zh2f #streetview
RT @herrkaliban Die Bosheit von Google http://bit.ly/ckd3oK
Schöne Zusammenfassung. Und ganz meine Meinung: Wenn man irgendetwas hinterfragen will, dann doch, ob Google mehr und mehr (Wissens-)Monopole besitzen sollte. Und nicht, ob mich der Arbeitskollege trotz gepixeltem Gesicht an meiner Krawatte erkennt, wenn ich aus dem Sexshop komme. Aber wie bei fast allen politischen Themen herrscht eine große Emotinalisierung, kräftig gepusht von den meisten Medien, denn so kann man das Volk mit wenig aufwand und vergleichsweise trivialen Dingen (siehe Rauchverbot, Nacktscanner etc.) schön bei Laune halten.
Habe hier http://bit.ly/aNQqog noch mal zu #Streetview kommentiert und welche Interessen Google damit verfolgen könnte #localmarketing
1. Natürlich gibt es im Datenschutz wie bei anderen Themen auch deutlich wichtigere Themen. Das kann allerdings nur eine Kritik an den Medien sein, die das Thema gehypt haben und dabei den Boden unter den Füßen verloren haben, dennoch bleibt das Thema ein brennendes Datenschutzthema. Wo fängt unsere Privatsphäre an?
2. Wer dem Geld folgt, landet sehr schnell bei Google. Das ist ein Unternehmen, die sind gewinnorientiert und in erster Linie keine Gutmenschen! Deshalb geht es bei Streetview natürlich um Geld, die bereitsgeleisteten Investitionen müssen sich doch armortisieren! Hast du schon mal die Maps Anwendung auf den Android gesehen, dann weißt du, wohin die Reise geht, Google erschließt sich mit Streetview den lokalen Werbemarkt. Das Branchenverzeichnis von Google heißt jetzt Google Places und die Werbetreibenden können schon jetztz Gutscheine hinterlassen. Damit wird die Grenze zwischen Web und Atomen durchbrochen. Diesen Werbemarkt kombiniert mit den entsprechenden Smartphones versprechen spannende Werbekonzepte auf der Basis von Google!
Ja – da is was dran! #Google #StreetView http://kaliban.de/2010/08/die-bosheit-von-google/