Herr Kaliban regt sich mal wieder wegen Kleinigkeiten auf.
Berlin, 11. August 2010 – Das Öl-Leck im Golf von Mexiko ist vorerst dicht! Mit ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘, dem neusten Handyspiel aus der Berliner Spieleschmiede kunst-stoff, kann jeder iPhone-Besitzer ab sofort mithelfen, das Öl weiterhin unter Kontrolle zu halten – zumindest auf seinem Bildschirm.
Das einfache und ironische Spielprinzip verleiht ‚Oil Spill – Fight the Pipe!‘ das Potenzial, Kultstatus zu erlangen. Aus einem kaputten Rohr tief unten am Boden des Atlantischen Ozeans entweicht unaufhörlich das bedrohliche Öl. Um die Katastrophe zu beenden, verschließt der Spieler das kaputte Rohr mit seinem Daumen – je nach Lust und Ausdauer unendlich lange. Das Meer erhält seine blaue Farbe zurück und die Punktzahl wächst und wächst: „Bereits in der ersten Woche nach Erscheinen im App Store hat jemand das Rohr ganze zwölf Stunden geflickt“, stellt Patrick Rau, Gründer, Geschäftsführer und Kreativ-Direktor von kunst-stoff, erfreut fest.
Nicht nur, dass sich das wie ein wirklich schlechtes Spiel anhört (offenbar kann man echt nichts weiter tun als den Daumen auf die Grafik zu drücken)– ich finde es auch ausgesprochen zum Kotzen, aus einer Katastrophe ein Spielchen zu basteln. Nur um der Publicity willen, die das bringen oder auch nicht bringen mag. Und den Text hat auch offenbar der Praktikant in der Mittagspause verfasst. Seufz. Die Welt ist schlecht.

Es gibt eben Geschäftsführer die texten nicht besser als Praktikanten.
Nicht immer den Praktikanten die Schuld geben. Das ist auch zum Kotzen. Manche von denen haben was drauf, auch in der Mittagspause (und da nicht nur auf dem Brot).
Ich finde die Tatsache, dass Leute dieses Spiel kaufen viel erschreckender als den Gedanken, dass ein krankes Hirn auf die Idee kommt aus so einem menschlichen Versagen einen Unterhaltungsartikel zu machen.
Why so serious? Man kann auch Witze über Behinderte, Juden, Schwarze, alte Menschen und Flugzeugabstürze machen. Ist im Grunde nur eine Frage des Humors. Heutzutage lass ich doch eh kaum noch was aus den News emotional an mich ran, würde mich doch kaputt machen bei der Masse. Und bei dieser Katastrophe hier gehts auch nicht um tausende sterbende Menschen in einer Überschwemmung, sondern “nur” um Öl.
Jetzt werdet mal nicht zu spießig ;)
Weil eben nicht alles funny ist.
Aber ja, ich habe schon verstanden wie’s gemeint war. Lese die Texte von dem Herrn Kaliban ja nun schon ein gutes Jahrzehnt.
Vorsicht ist aber besser als Nachsicht (zugegeben, das mag spießig wirken).
“ich finde es auch ausgesprochen zum Kotzen, aus einer Katastrophe ein Spielchen zu basteln” – Und was ist mit den gefühlten 10 Millionen Weltkriegsspielen, sind die etwa besser?
Guter Punkt.
Ja stimmt, guter Punkt. Hätte man ja auch verhindern können. Hmmm, schwierig.
Was stört ist doch, dass die Distanz fehlt
noch kam niemand auf die spieleidee, vor das WTC ein flakgeschütz aufzustellen um dann flugzeuge abzuschießen. verwunderlich.
So sicher wär ich mir das nicht. Gibts bestimmt schon irgendein Flashspielchen zu.
Wir haben aber schon vor 25 Jahren New York vor mechatronischen Riesenadlern gerettet …
Und um lecke Ölleitungen musste man sich 1982 auch schon kümmern – allerdings nicht am Meeresgrund.
http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Game_&_Watch_games#Oil_Panic
Hör endlich auf zu nölen und halt gefälligst das Loch weiter zu! ;-)
Ein bisschen Spaß muss sein!
Es gibt ja auch makabere Witze und wie oben schon erwähnt die Kriegsspielchen. Solange wir es uns (egal auf welche Weise) klarmachen, dass es das gab, werden wir es nicht vergessen. Darum muss diese Idee nicht schlecht sein, auch wenn man Profit daraus ziehen will. Natürlich wäre es übertrieben jetzt irgendwelche Selbstmörderspiele (obwohl ich mir das gut vorstellen kann) zu erschaffen, aber würde es dieses Spiel, diese Witze usw. alles nicht geben, bin ich mir sicher, dass es bald wieder vergessen wäre.
Ich warte gespannt auf das Sequel, in dem man mit identischem Gameplay das Ozonloch zuhalten muss.
Bin im Prinzip der gleichen Meinung, aber (leider?) generell etwas dialektisch veranlagt, daher die kurze Nachdenkfrage: Was ist denn mit Spielen zum Thema Krieg?
siehe oben.
Ich finde du solltest eher gegen BP wettern, als gegen Softwareentwickler…wenn du dich schon aufregen willst – ich finde die Idee witzig, und Spiele sollte man ohnehin nicht zu ernst nehmen (PR-Texte auch nicht, was das betrifft), sonst stecken wir gleich in ganz komische Diskussionen, z.B. “Ist Street Fighter sexistisch?”, “Was hatte Counterstrike mit Winnenden zu tun?” und “Gibt es schon Pronographie zum Thema Oil-Spill?” (da bin ich mir allerdings ziemlich sicher)…
@Martin: die Idee mit dem Ozonloch finde ich übrigens hervorragend ;-)
http://www.southpark.de/clips/sp_vid_153289/
Müssen wir also noch bis 2030 warten, bis wir endlich Spiele über die Ölkatastrophe guten Gewissens spielen können :(
btw: Hilfe, wie grausam ist SP auf deutsch!
Es fällt mir bei dem Artikel schwer, mir nicht auszumalen, wie die Entwickler des Spiels beim Stammtisch sitzen und einer sagt: “Hey, ich hab eine Idee, mit der lässt sich ganz leicht herausfinden, wie viele hirnverbrannte iPhone-Nutzer es gibt…”
Und so nahm das Ganze seinen Lauf.
Wahrscheinlich darf man dann im 2. Teil die ölverschmierten Vögel säubern. Geht auch mit dem Daumen.