Spiele, Raubkopien und Porno

by Gunnar on 20. Oktober 2010 · 25 comments

Herr Kaliban regt sich mal wieder sinnlos auf. Und erhält einen Einblick in die fremde Welt der Web-Filter.

Neulich, da verbrachte ich einen freien Tag mit dem Macbook im Café des Hugendubel. Der Hugendubel hat, netterweise, für seine Kunden ein kostenloses, anmeldefreies WLAN aufgestellt. Und er hat, praktischerweise, Kunden, die das nicht zu schätzen wissen, weshalb ich in der Regel der einzige WLAN-Nutzer im Café bin.

Unpraktischerweise möchte die Firma Hugendubel nicht, dass mit ihrem WLAN, das vermutlich auch die Mitarbeiter nutzen, Schindluder getrieben wird. Daher haben sie bei der Firma Bluecoat einen Filter eingekauft, der eine Reihe von Seiten sperrt, vornehmlich Porno, Filesharing und ähnliche Unappetitlichkeiten, aber auch Online-Games. Ist natürlich nicht so schlimm, man braucht derlei Dinge in respektablen Buchläden ja auch nicht zu betreiben. Als Affront empfand ich es allerdings, dass die Firma Bluecoat alle redaktionellen Seiten zum Thema Videospiele gleich mit in den Games-Filter gepackt hat — GameStar.de war also nicht zugänglich, ebensowenig die bucklige Konkurrenz. Jörg Langers Projekt Gamersglobal war gleich gar wegen Spielen UND Pr0n-Verdacht verboten:

Da ich eigentlich Wichtigeres zu tun hatte, begannen natürlich gleich die Synapsen im Prokrastinationsareal meines Hirns wild zu feuern, und ich verfasste eine Beschwerdemail an Bluecoat. Folgender Dialog entfaltete sich:

Ich: GameStar.de ist eine renommierte, mehrfach ausgezeichnete Nachrichtenseite mit dem Thema Computerspiele, aber auch anderen Themen. Spiele kann dort nicht spielen. Bitte klassifizieren Sie die Seite neu.

Blue Coat: Vielen Dank, dass Sie http://www.gamestar.de/ an das Blue Coat WebFilter Team zur Beurteilung eingereicht haben. Wir freuen uns über die Gelegenheit, Ihnen das Ergebnis unserer Bewertung zur Verfügung zu stellen. Nach sorgfältiger Prüfung des eingereichten Webinhaltes hat ein Webinhalts-Analyst die Einstufung dieser URL beibehalten als Spiele.

Ich: This is nonsense. Similar information can be obtained from the game-sections of mainstream news-sites ( http://www.spiegel.de/netzwelt/games/ is unblocked). It’s understandable that your clients want online-games blocked, but putting journalistic sources into the same category is biased.

Blue Coat: Thanks for bringing the lack of uniformity to our attention. I’ve seen to it that http://www.spiegel.de/netzwelt/games/ is now classified as GAMES. Please contact your admin if you want to access GAMES-sites.

Ich: I encountered your system while surfing an open hotspot in a bookstore. Therefore I have no admin to turn to. And that’s the problem: While I believe that it is clever for a hotspot owner to ban downloads and online games, it’s not really in his best interest (and that of his customers) to ban harmless news sites because of topic.

Blue Coat: On that we can agree. Being an avid gamer myself I understand bandwidth concerns versus simple dissemination of gaming news/reviews, etc. I sit on the category committee that is weighing the value of rating such content differently. With your permission I would like to present your email as evidence of why such an action is warranted.

Ich: Please do so.

Seufz. Halbe Stunde verschwendet und alles, was ich erreicht habe, ist dass eine Subseite von Spiegel.de auch noch geblockt wird. Naja, vielleicht kommt das “category committee” ja noch zur Einsicht.

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