November 2010

“Ausschaffen”, aber pronto?

by Gunnar on 30. November 2010 · 18 comments

Huh?

Kann es sein, dass die Tatsache, dass die Schweizer Bevölkerung am Wochenende ihre Regierung aufgefordert hat, das Ausländerrecht potenziell ins Absurde zu verschärfen, im Wikileaks-Sturm untergegangen ist?

Das Sturmgeschütz der Demokratie belässt es bei einer Agenturmeldung, die FAZ bei einem kurzen Bericht, Zeit.de hat ihrer ausführlichen Analyse von neulich offenbar nichts mehr hinzuzufügen. Auch in den Blogs ist es ruhig.

Ist aber auch clever von den Schweizern, das Referendum genau zwischen Wikileaks und Stuttgart 21-Schlichtung einzuschieben.

Ich würde gerne auch was sagen zu der Wikileaks-Klamotte, aber eigentlich hat (neben dem Spiegelfechter, natürlich) Don Dahlmann meine grundsätzlichen Gedanken zufällig bereits ganz gut zusammengefasst, in dem er einen Teil der offenen Fragen anspricht:

1. Wer ist eigentlich die wirkliche Quelle (und was ist die Motivation der Quelle)?
2. Warum konzentriert sich Wikileaks so auf die USA?
3. Lassen sich die Medien instrumentalisieren? Wer profitiert hier von wem?

Für des Dons Antwortversuche: Klickst du hier.

Die logische nächste Frage fehlt mir allerdings:

4. Hätt’s das gebraucht? Muss man das Zeug wirklich veröffentlichen?

Dass die Herren von Wikileaks im Sinne der Öffentlichkeit handeln, wenn sie Dokumente veröffentlichen, die Ereignisse aus einem mit massig Desinformation geführten Krieg aus dem Dunkel holen, sehe ich ein. Aber Dossiers mit Einschätzungen von Botschaftern? Das ist meinetwegen interessant für Historiker und oft ziemlich lustig, aber grundsätzlich erst einmal Privatpost und geht niemanden was an, auch nicht den SPIEGEL und seine Leser. Wie geht das weiter? Kommen noch die Liebesbriefe von Bill Clinton, die Kantinenpläne des Außenministeriums und Mitschriften von den Gesprächen auf der Herrentoilette des Weißen Hauses? Hätte sich Wikileaks einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie bei “Cablegate” erst mal auf Dokumente aus den letzten 15 Jahren verzichtet hätten? Aber dann wär’s natürlich kein Mediencoup geworden und der SPIEGEL hätte kein Geld für die Exklusivrechte gezahlt. Tja.

Nachtrag I: Interessant übrigens in all der Aufregung: Spreng sagt, die Depeschen bewiesen nur, dass US-Diplomaten Zeitung lesen können.
Nachtrag II: Oh, der Traveller sieht’s ganz ähnlich wie ich.

Linking all Sonntag long

by Gunnar on 28. November 2010 · 3 comments

Herr Kaliban möchte mal anmerken, dass es ziemlich abgefeimt von den Göttern der Technik ist, wenn von all der komplizierten Elektromagie seines iPhones genau eine Sache kaputt geht und diese Sache ist… Touch. Achfuck. Weiter mit dem Sonntagslinks:

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Literarischer Schwanzvergleich

by Gunnar on 25. November 2010 · 39 comments

Ein schon seit 2009 im Umlauf befindliches Facebook-Mem hat mich mal wieder erreicht: Die Sache mit den sechs Büchern und der BBC.

Also, das war so: Die BBC veröffentlichte angeblich irgendwann einen Kanon von hundert wichtigen und/oder populären Büchern und erwähnte, dass die meisten Leute davon allenfalls sechs gelesen haben. Und alle Leute sollten eintragen, welche Bücher sie davon gelesen hatten. Doch wie das bei Memes halt so ist: Eigentlich war’s gar nicht die BBC, sondern der Guardian und die Zahl “sechs” stand nirgends. Aber egal. Die intellektuellen Blogger kamen alle auf einen Haufen Nennungen, shoulderclapping all around, das Meme ging um und um und um. Ich hatte übrigens fast 50 ganz oder teilweise gelesene Bücher auf der Liste, aber das würde ich nie erwähnen, weil das ja Angeberei wär. Und hey, “gelesen” heißt nicht “behalten” und schon gar nicht “verstanden”.

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Das Bild zum Dienstag

by Gunnar on 23. November 2010 · 3 comments

Herr Kaliban erlaubt sich, auf die großartige Arbeit von Murray Goat hinzuweisen. Der Herr erschafft mit feinem Strich Comic-Kunstwerke, darunter dieses hier:

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Nochmal Streetview

by Gunnar on 22. November 2010 · 13 comments

Gastbeitrag des Kaliban-Lesers Styg, der mir in seiner Aufdenpunktigkeit zu sehr gefällt, um ihn in den Kommentaren meines Streetview-Beitrags* versauern zu lassen.

München-Bogenhausen: "All energy to forward shields!"

München-Bogenhausen: Mr. Data, all energy to forward shields!

Bei aller geistigen Überlegenheit derjeniger, die aufgrund ihrer Technik-Affinität offenbar die Deutungshoheit über Street View & Co. besitzen: Meine Oma hat mit ihren 83 Jahren Angst vor der Sache. Sie ist ein einer anderen Zeit aufgewachsen, hat andere Ängste, versteht nicht, worum’s hier geht. Ihr hat’s auch niemand erklärt, auch ihr überstudierter Enkel (ich) nicht. Ist die Frau deswegen kleinkariert* oder spießig*? Hinter der ganzen schäumenden Wut der Street View-Fans in den Blogs scheint mir dieselbe Geisteshaltung zu stecken, die Leute dazu veranlasst, ihre Hütten zu verpixeln. Es gibt kein User-Recht auf unverpixelte Spaziergänge in fremden Wohnvierteln. Die Abbildung des öffentlichen Raumes in einem Medium ist nicht der öffentliche Raum selbst – das ist ein fundamentaler Unterschied.

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Sonntagslinks?

by Gunnar on 21. November 2010 · 0 comments

Herr Kalibans wöchentliche Linkliste. Viel Spaß beim Nachsurfen.

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Unsere Daten sollt ihr raten

by Gunnar on 18. November 2010 · 44 comments

Herr Kaliban wundert sich über die Streetview-Verweigerer.

Seit heute nacht ist Streetview für eine Handvoll deutscher Städte live, darunter auch München. Und unsere Nachbarn haben es den Voyeuren an den PCs und den Helfershelfern von Google ganz schön gezeigt:

Schade nur, dass ich trotzdem weiß, wie eure Fassade aussieht, Leute:

Da’s über Sight Walk keine Debatte im großartigen deutschen Qualitätsjournalismus und unter unseren sensationell kompetenten Volksvertretern gab, sind dort die Häuser natürlich unverpixelt zu sehen. Da hat sich der Aufwand ja gelohnt.

Und von Bing Maps wollen wir gar nicht anfangen, so einer sympathischen Underdog-Firma wie Microsoft vertraut man seine Fassade ja gerne an, inklusive Innenhof:

Und dann ist da noch iHood, wo’s keine Gebäudefotos gibt, darüber aber frei zugängliche Infos über den sozialen Status des Gebäudes, inklusive Ausländeranteil, Kaufkraftanalyse und vorherrschender PKW-Marke:

Seufz.

P.S. Vielleicht noch eine Anmerkung: Ich finde durchaus, dass Menschen, insbesondere Eigentümer von Immobilien, das Recht haben, Google das systematische Fotografieren ihrer Fassaden zu verbieten. Genauso wie jeder das Recht hat, seinem Eintrag ins Telefonbuch zu widersprechen. Die alberne Hysterie, die Politiker und Journalisten um Streetview entfacht haben, ist aber nichtsdestotrotz lächerlich. Wo waren denn die verwortungsvollen Medien, die ihren Lesern die Sache mal gründlich erklärt und dabei auf Fassadenfotos in Bing, Sightwalk oder die Immobilien-Datensammelei von Direktmarketingfirmen wie Schober hingewiesen hätten?

Warpaint: Billie Holiday

by Gunnar on 16. November 2010 · 4 comments

Angenehme Musik, für eine ruhige Minute im hastigen Sekundenregen der Arbeitswoche.

Gefunden bei Athens Soundies, wo’s noch mehr hübsche Musik gibt.

Sonntagslink ho!

by Gunnar on 14. November 2010 · 4 comments

Herrn Kalibans Linkfabrik arbeitet wieder auf Hochtouren.

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Warum die Dinos ausgestorben sind

November 12, 2010

Hihi. Gibt’s auch als T-Shirt, übrigens. Hihi. Gibt’s auch als T-Shirt, übrigens.

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Things are gonna slide

November 11, 2010

Herr Kaliban hört mal wieder eines der Lieder, die ihn schon seit Jahrzehnten begleiten. Heute: The Future von Leonard Cohen. Musikalisch ein bisschen lau (das schreit nach einem Re-Arrangement, aber das gilt ja für alles von Cohen), aber der Text* ist super (wie immer bei Cohen). I’ve seen the nations rise and fall I’ve heard […]

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