Das Goldkind und das Baby

by Gunnar on 3. November 2010 · 10 comments

Herr Kaliban beobachtet das Goldkindtm und wird immer verwirrter…

Meine Tochter ist zweieinhalb und kann, wie in dem Alter üblich, sehr gut laufen und fließend sprechen, wenn man mal von ihrer Neigung absieht, starke Verben schwach zu bilden:

Sie nimmt ihre übervolle Tasse, einhändig, führt sie mit einer schneidigen Bewegung zum Mund, schüttet sich ein Drittel des Inhalts über den Pullover, schaut über den Tassenrand zu mir hoch und sagt leise: Papa, die Taße ißt übergeläuft.

Naja, normal. Was mich aber ziemlich irritiert, ist, dass sie, anstatt ihre ja erst vor kurzem erworbenen Sprach- und Bewegungsfähigkeiten ausführlich einzusetzen, neuerdings immer “Baby spielt”: Sie krabbelt auf dem Boden, sucht sich Babyspielzeug wie Rasseln oder dergleichen, um damit vor ihrem Gesicht herumzufuchteln und “Da! Da!” zu rufen. Zwischendurch steht sie auf, wankt mit ausgebreiteten Armen durchs Zimmer, in einer perfekten Imitation von Butler James*, um sich dann einem Stuhl festzuhalten und glücklich zu verkünden: “Baby! Kann schon stehen!”

Vielleicht müssen wir sie in der Schauspielschule anmelden.

Dasselbe Spiel gibt es übrigens auch andersherum:

Goldkind: “Papa, Du bißt jetzt das Baby, und ich bin die Mama.”
Ich: “Ach, nö, ich will nicht das Baby sein.”
Goldkind: “Pssscht. Du kannst noch nicht ßprechen. Und nicht ßtehen. Leg’ dich auf den Boden.” (bringt eine Rassel und reicht sie mir)
Ich: “Da. Buh. Ba.”
Goldkind: “Du bißt böße. Ich nehm’ sie dir wieder weg.” (schnappt sich die Rassel)
Ich: “…”
Goldkind: “Jetzt mußt du weinen. Wegen der Raßel.”

Mein Leben wird täglich surrealer.

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