Literarischer Schwanzvergleich

by Gunnar on 25. November 2010 · 39 comments

Ein schon seit 2009 im Umlauf befindliches Facebook-Mem hat mich mal wieder erreicht: Die Sache mit den sechs Büchern und der BBC.

Also, das war so: Die BBC veröffentlichte angeblich irgendwann einen Kanon von hundert wichtigen und/oder populären Büchern und erwähnte, dass die meisten Leute davon allenfalls sechs gelesen haben. Und alle Leute sollten eintragen, welche Bücher sie davon gelesen hatten. Doch wie das bei Memes halt so ist: Eigentlich war’s gar nicht die BBC, sondern der Guardian und die Zahl “sechs” stand nirgends. Aber egal. Die intellektuellen Blogger kamen alle auf einen Haufen Nennungen, shoulderclapping all around, das Meme ging um und um und um. Ich hatte übrigens fast 50 ganz oder teilweise gelesene Bücher auf der Liste, aber das würde ich nie erwähnen, weil das ja Angeberei wär. Und hey, “gelesen” heißt nicht “behalten” und schon gar nicht “verstanden”.

Überhaupt, schöner wär’s doch, man machte das mit deutschen Büchern. Also borg’ ich mir mit freundlicher Genehmigung den deutschen Top-50-Kanon des Bücher-Magazins (Autoren: K. Lischka, C. Blees. Quelle:  buecher-magazin) und vollziehe die Übung mal damit. Gefettetes habe ich gelesen.

1. Heinrich Heine: Ein Wintermärchen
2. Friedrich Schiller: Die Räuber
3. Karl May: Winnetou I–III
4. Thomas Mann: Buddenbrooks
5. Franz Kafka: Der Prozess
6. Wilhelm Busch: Max und Moritz
7. Hermann Hesse: Der Steppenwolf
8. Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil
9. Bertolt Brecht: Die Dreigroschenoper
10. Erich Kästner: Das fliegende Klassenzimmer

11. Novalis: Heinrich von Ofterdingen
12. Heinrich Böll: Billard um halb zehn
13. Theodor Fontane: Effi Briest
14. Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
15. Günter Grass: Die Blechtrommel
16. Adalbert Stifter: Der Nachsommer
17. Max Frisch: Homo Faber
18. Cornelia Funke: Tintenherz
19. Georg Büchner: Dantons Tod
20. Elfriede Jelinek: Die Klavierspielerin
21. Thomas Bernhard: Auslöschung
22. Theodor Storm: Der Schimmelreiter
23. Wolfgang Hohlbein: Märchenmond
24. Erich Fried: Liebesgedichte
25. Gerhart Hauptmann: Die Weber

26. Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften
27. Ernst Moritz Arndt: Geist der Zeit
28. Gottfried Keller: Der grüne Heinrich
29. Michael Ende: Die unendliche Geschichte
30. Jean Paul: Siebenkäs
31. Heinrich Mann: Der Untertan
32. Stefan Zweig: Die Schachnovelle

33. Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker
34. Heinrich von Kleist: Das Käthchen von Heilbronn
35. Peter Weiss: Die Ästhetik des Widerstands
36. Ingeborg Bachmann: Die gestundete Zeit
37. Arthur Schnitzler: Traumnovelle
38. Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts
39. Gottfried Benn: Morgue und andere Gedichte
40. Elias Canetti: Masse und Macht
41. Christian Morgenstern: Galgenlieder
42. Fritz Reuter: Ut mine Stromtid
43. Peter Handke: Mein Jahr in der Niemandsbucht
44. Martin Walser: Halbzeit
45. Paul Celan: Todesfuge
46. Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise
47. Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür

48. Arno Schmidt: Seelandschaft mit Pocahontas
49. Hermann Löns: Auf der Lüneburger Heide
50. Christa Wolf: Der geteilte Himmel

So. Hm. Gerade mal 25 von 50. Erstaunlich viele Bücher dabei, die ich nicht mal kannte: Fritz Reuter? Ernst Moritz Arndt? Vielleicht hätte ich statt der ganzen Science Fiction* ein bisschen mehr Klassiker lesen sollen.

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