“Cablegate” ist kein Whistleblowing, sondern Postraub

by Gunnar on 29. November 2010 · 12 comments

Ich würde gerne auch was sagen zu der Wikileaks-Klamotte, aber eigentlich hat (neben dem Spiegelfechter, natürlich) Don Dahlmann meine grundsätzlichen Gedanken zufällig bereits ganz gut zusammengefasst, in dem er einen Teil der offenen Fragen anspricht:

1. Wer ist eigentlich die wirkliche Quelle (und was ist die Motivation der Quelle)?
2. Warum konzentriert sich Wikileaks so auf die USA?
3. Lassen sich die Medien instrumentalisieren? Wer profitiert hier von wem?

Für des Dons Antwortversuche: Klickst du hier.

Die logische nächste Frage fehlt mir allerdings:

4. Hätt’s das gebraucht? Muss man das Zeug wirklich veröffentlichen?

Dass die Herren von Wikileaks im Sinne der Öffentlichkeit handeln, wenn sie Dokumente veröffentlichen, die Ereignisse aus einem mit massig Desinformation geführten Krieg aus dem Dunkel holen, sehe ich ein. Aber Dossiers mit Einschätzungen von Botschaftern? Das ist meinetwegen interessant für Historiker und oft ziemlich lustig, aber grundsätzlich erst einmal Privatpost und geht niemanden was an, auch nicht den SPIEGEL und seine Leser. Wie geht das weiter? Kommen noch die Liebesbriefe von Bill Clinton, die Kantinenpläne des Außenministeriums und Mitschriften von den Gesprächen auf der Herrentoilette des Weißen Hauses? Hätte sich Wikileaks einen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn sie bei “Cablegate” erst mal auf Dokumente aus den letzten 15 Jahren verzichtet hätten? Aber dann wär’s natürlich kein Mediencoup geworden und der SPIEGEL hätte kein Geld für die Exklusivrechte gezahlt. Tja.

Nachtrag I: Interessant übrigens in all der Aufregung: Spreng sagt, die Depeschen bewiesen nur, dass US-Diplomaten Zeitung lesen können.
Nachtrag II: Oh, der Traveller sieht’s ganz ähnlich wie ich.

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