Videospielende Modeschöpfer

by Gunnar on 24. Juni 2011 · 13 comments

Herr Kaliban trifft auf einen Vertreter der heutigen Jugend und erlebt einen Retro-Flash.

Eben, im Lokal: Der Kellner, der mir meine Pasta bringt, hat ein T-Shirt mit einem “Com. Keen”-Schriftzug an; ich wähne in ihm, trotz seiner Jugend, einen verwandten Geist und lobe ihn für seinen guten Geschmack und stilsichere Kenntnis von Vintage-Jump’n’Runs.

[Einschub für verwirrte Nachgeborene: Commander Keen* ist eine PC-Spieleserie aus den frühen 90ern, entwickelt von der Firma id, richtig, das sind die Doom-Leute, John Carmack und so]

Nach der ersten Verwirrung stellt sich raus, dass er von einem Videospiel namens “Commander Keen” noch nie gehört hat und eigentlich denkt, die Unterzeile “Goodbye Galaxy” bezöge sich auf einen Football-Club aus Hessen.

Auf meine Frage hin, wo er das gute Stück her habe, sagt er “Jeans-Halle”.

Ahhhh.

Ich setze zu einer Tirade über die Ignoranz von jungen Leuten an, beiße mir aber im letzten Moment auf die Zunge, weil das T-Shirt irgendwie komisch aussieht:

Eine kurze, unter dem Tisch gesmartphonte, Recherche ergibt, dass das Ding von einem dänischen Label namens Solid kommt, die wohl mit Absicht “Com. Keen” statt “Commander Keen” geschrieben haben, um Lizenzfragen aus dem Weg zu gehen, außerdem nehmen sie nicht den originalen Schriftzug und kein Bild. Aber klar ist es trotzdem, was gemeint ist: Die Kombination “Keen” plus “Goodbye Galaxy” plus “1991” kann kein Zufall sein. Also eine Hommage, sozusagen.

Ich finde, der junge Mann ist entschuldigt (ist ja immerhin kein Original-Shirt) und verzichte auf eine Ermahnung. Weise ihn aber immerhin auf den Ursprung von Keen hin und gebe zuviel Trinkgeld, möglicherweise leicht berauscht von meinem Retropopkulturwissen und meiner Fähigkeit, in 30 Sekunden ein T-Shirt zu googeln.

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