Der Kindle und ich

by Gunnar on 3. August 2011 · 26 comments

Herr Kaliban hat ein neues technisches Gerät, mit dem man aber nicht spielen kann. Tragisch.

Es kommt alles zusammen: Erst fällt mir beim Einräumen auf, dass von den ca. 900 Büchern, die wir beim Umzug in die neue Wohnung mühsam geschleppt haben, nur 600 ins Regal passen und etwa 300 in die Kategorien “Lese ich nie wieder” und “Gehört das uns?” fallen, was in der überhasteten Entsorgung von 250 Büchern in Ebay, Amazon, Altpapier und Oxfam resultiert. Dann hebe ich mir abends beim Lesen im Bett einen Bruch, als ich G.R.R Martins gewichtiges neues Werk* (geschätztes Gewicht: etwa so viel wie eine mittelgroße Ziege) aufschlagen will.

Ich beschließe, dass der Erwerb von Büchern auf ein Minimum reduziert werden muss und dass man diesen neuen Technologien ja mal eine Chance geben kann. Und schleiche eine Weile, mit dem Haushaltsgeld in der Hosentasche klimpernd, um Kindle, Nook Oyo und all die anderen Elektrotintengeräte herum, auf denen man angeblich Bücher lesen können soll. Irgendwann wird der Liebe meines Lebenstm mein Geschleiche zu viel, sie gibt den Schwiegereltern einen Tipp, ein Geburtstag kommt und, huh, wir haben einen Kindle im Haus.

Das Ding ist schmuck verpackt, das macht man ja heute, in der Post-iPod-Ära, mit Technik so. Wenn man’s in die Hand nimmt, anschaltet und mal einfach so zu benutzen versucht, hat man aber erstmal ein erstaunliches Steinzeit-Gefühl: Kein Touch? Keine Farbe? Mit einem 5-Wege-Button durch Menüs holpern? Und wer hat die komische GUI erfunden?
Das vergeht aber schnell, wenn man erstmal anfängt, zu lesen. Das geht nämlich sehr gut, vermutlich, weil das Gerät genau dafür gebaut wurde. Man liest und blättert und liest und versinkt in der Geschichte und irgendwie vergisst man, dass man da nicht in einem richtigen Buch liest, mit Duft und Umschlagtextur und Blättergefühl, sondern auf einer schnöden Bildschirmmaschine. Und das ist ja schon mal ganz ordentlich.

Kurzum: Ich laufe mit dem Ding jetzt gut zwei Wochen herum, nutze es täglich, vor allem im Bett vor’m Einschlafen und in der S-Bahn auf dem Weg zur Arbeit, und mag es nicht mehr missen. Man braucht allerdings noch eine dieser Hüllen mit Lampe dran, weil der Screen ja nicht von sich aus leuchtet, das war mir irgendwie entgangen.

Irritierendes Detail: Der Kindle hat einen eigenen Stromanschlussstecker (Mini-USB), der aussieht wie der vom iPad, weshalb ich schon zwei Mal mit dem falschen Stecker unterwegs war.

Angenehmes Detail: In der Tat scheint eine Batterieladung Wochen zu halten, weil die E-Tinte offenbar nur beim Umblättern Energie verbraucht, nicht beim Anzeigen. Und das, obwohl ich immer die Lampe anhabe und notorisch vergesse, den WLAN-Empfang zwischendurch auszuschalten.

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Krautmeister August 3, 2011 um 21:44

Mal eine rein praktische Frage (weil sie mir so ähnlich heute eine Kollegin gestellt hat).
Herr Kaliban besitzt – wenn ich es richtig verfolgt habe – ein iPhone, iPad und ein Macbook. Und nun noch ein Kindle. Welche Kombination all dieser Geräte empfiehlt Herr Kaliban wenn er auf Reisen/Kurztrip oder lokal unterwegs ist? Zusammen dürfte das ja nämlich auch nah an besagte Ziege kommen, oder?

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Gunnar August 3, 2011 um 21:48

Achwas, der iPhone hat man eh dabei. Ist eben ein Telefon. Der Kindle ersetzt das jeweils aktuelle Buch, dass ich sonst ja dabei hätte. Und Macbook und iPad schließen sich aus — ich nehme nie beide mit.

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hoschi August 3, 2011 um 23:40

Warum gerade ein Kindle? Es gibt bessere e-book Reader, auch mit Touchscreen.

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Vankog August 4, 2011 um 06:01

Weil die Großeltern die Auswähler waren ;-)

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Vankog August 4, 2011 um 06:01

sry, “Schwieger-” natürlich

Der mit dem Gnu im Schuh August 7, 2011 um 19:56

Ja, einen mit Touchscreen habe ich – und leider kann man den nicht abschalten. Wenn ich auf dem Balkon sitze, lese und der Wind hat ein Körnchen auf das Display geweht, dann wird die Wischbewegung zum reinigen gleich als Kommando zum Blättern interpretiert. Außerdem braucht der Touchscreen Strom, so dass eine Akkuladung vielleicht ein/zwei Wochen hält.

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WhiteWolf August 4, 2011 um 00:21

Oder warum ein Kindle und nicht einfach die entsprechende App für Iphone/Ipad.

Die leuchten auch von selbst, keine Tasche nötig und Anbindungsprobleme hab ich damit bisher auch noch keine gehabt.

Einziger Nachteil: Die Batterie hält nicht annähernd so lang wie beim Kindle selbst.

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Gunnar August 4, 2011 um 09:02

Nee, das Pad säuft Strom wie ein Kamel Wasser. Und angenehm für die Augen ist das Lesen auf Dauer auch nicht.

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nyf August 4, 2011 um 02:07

Mir zumindest geht’s so, dass ich beim stundenlangen Lesen am Bildschirm irgendwann Augenkrebs kriege. Auf dem Kindle liests sich wie in einem echten Buch. Noch dazu hält die Batterie einfach ewig, selbst mit angesteckter Lampe.

Außerdem, wer braucht schon einen Touchscreen zum Lesen? Die Blättern-Buttons sind weit angenehmer als jede Wisch-Geste, allein schon, weil man die Hand nicht bewegen muss. ;(

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Zuffi August 4, 2011 um 08:20

einen eigenen Stecker? Mein Kindle hat den gleichen Mi[ni|kro]-USB-Stecker wie mein Handy, und ich konnte die Dinger auch schon mit dem jeweils anderen Ladegerät neu befüllen…

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Gunnar August 4, 2011 um 11:05

Hm. Kann sein. Muss nochmal schauen.

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Duke August 4, 2011 um 12:18

Dann hast Du jetzt neben dem Goldkind™ noch ein Goldkindle™. Das wird immer verwirrender für mich als Blogleser. Bitte in Zukunft genau differenzieren :)

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Anym August 4, 2011 um 13:31

Gibt’s bei Amazon.de keine Kindle-Spiele?

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Traveller August 4, 2011 um 17:01

Da verweise ich doch mal ganz egoistisch auf meinen eigenen Blogeintrag zum gleichen Thema, der auch einige der hier diskutierten Fragen anschneidet:

http://laurentium.blogspot.com/2011/07/hosentaschenbibliothek.html

In Kürze: Der Kindle ist eben kein Tablet / Smartphone / Notebook undsoweiter. Er ist ein Lesegerät und kann (fast) nur das. Dafür aber besonders gut. Wie nyf schon sagt, braucht mal zum Blättern kein Touchscreen. Unter anderem deshalb halten die Batterien des Kindle auch ewig. Monate wohl nicht, wie der Kaliban schreibt, aber Wochen – zumindest bei abgeschaltetem WiFi/3G. Spiele gibt es sogar, die können aber nur die US-Nutzer des Kindle kaufen. Warum auch immer. Yankees dürfen sich ungerechterweise auch E-Books untereinander ausleihen.

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Ellenn August 4, 2011 um 17:36

Mir gefällt der Trend nicht, dass man jetzt für alle Dinge die vorher auch funktionierten jetzt elektronische Geräte baucht die Strom und nicht nachwachsbare Ressourcen verschlingen. Erst Bilderrahmen, jetzt Bücher.

Aber wenn’s praktisch ist…

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Traveller August 4, 2011 um 18:00

Also mit elektronischen Bilderrahmen, die spätestens nach ein paar Wochen auf dem Regal verstauben, konnte ich mich auch noch nie anfreunden. Das ist mir der Häufigkeit der Anwendung eines E-Book-Readers aber nicht zu vergleichen – und da ist der Kindle eben gerade auch verbrauchstechnisch ziemlich revolutionär und frisst im Vergleich zu Smartphone, iPad & Co. minimal Strom. Wer dem Kindle also das Aufladen alle drei Wochen vorhält, muss fairerweise auch die Umweltkosten einrechnen, die bei der guten alten Buchproduktion entstehen. Sollte mal einer untersuchen…

Und zum Thema Trend: E-Book-Reader sind meiner Meinung nach kein Trend mehr, sondern schlicht und einfach die Zukunft (die nächsten Jahrzehnte sicher noch in Koexistenz mit Print). Das sage ich jetzt nicht verklärt technikbegeisternd, sondern die Tatsachen betrachtend: Amazon wird es schon bald geschafft haben, so gut wie jedes Buch auch als E-Book anzubieten. Und das auf Knopfdruck weltweit. Da fällt mir nicht viel ein, was dagegen spricht (vom möglichen Monopol einmal abgesehen).

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Marjan August 4, 2011 um 23:10

mal ne frage: ich hab mir viele (viele, viele) bücher in meinem leben gekauft. wenn ich ein kindle habe, muß ich mir die alle als ebooks nachkaufen? das wäre für mich ein faktor, der vom kauf abhält.

Le Rainer August 5, 2011 um 01:11

Warum solltest du? Behalt, was du hast.

artifischl August 7, 2011 um 21:15

Habe gerade im Tagesspiegel gelesen, das Amazon schon heute MEHR eBooks als gedruckte Bücher verkauft. Was mich auch noch interessiert: Ht Tom Hanks “Josh Baskin” Charakter in dem Film “BIG” nicht eigentlich das eBook erfunden ?

Vankog August 4, 2011 um 22:29

Tja, dazu kann man wieder nur einen Artikel rauskramen:
http://www.eurozine.com/articles/2009-12-01-passig-de.html

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Blubb August 4, 2011 um 18:42

Irgendwie scheint sich bei E-Book-Readern in der Entwicklung nicht mehr so viel getan zu haben. Die letzte Mal als ich mich näher den Dingern beschäftigt hatte fehlte mir irgendwie noch richtig gute pdf-Unterstützung. Ich dachte nach einer Zeit kommt dann die nächste Generation, aber viel hört man nicht.
Und Farbe wurde auch schon eine Weile versprochen.

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Alaska August 5, 2011 um 09:21

Mich wundert, dass nie der Preis der E-Books erwähnt wird.
Ich seh nicht ein für eine bessere PDF das gleiche zu bezahlen, was ich sonst für eine Taschenbuch- oder in manchen Fällen sogar Hardcover-Ausgabe ausgeben würde. Papier, Buchbindung, Transport fällt alles weg, das sollte doch an den Kunden weitergegeben werden. MP3-Alben sind auch billiger als ihr CD-Gegenstück.
Da müssen die Verlage einfach mal aufwachen und sich von dieser elenden Buchpreisbindung trennen.

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Gunnar August 5, 2011 um 10:12

Können die Verlage ja nix für, ist deutsches Recht. In den USA.

Davon abgesehen, sind viele E-Books billiger als die Papierfassungen.

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Traveller August 5, 2011 um 10:27

Buchpreisbindung bedeutet übrigens nicht, dass ein E-Book nicht günstiger sein darf als ein gedrucktes Werk. Vielmehr bedeutet es, dass die bestimmte Ausgabe eines Buchs (Hardcover, Taschenbuch, E-Book) überall das gleiche kosten muss. Zudem denke ich, dass man den Wert eines Buches nicht unbedingt an den Materialkosten festmachen sollte – ich vermute übrigens stark, dass die bei einem gedruckten Buch (je nach Auflage) mittlerweile nur einen Bruchteil des Verkaufspreises ausmachen. Aber dass die (deutschen) Verlage hier geschlafen haben und teilweise immer noch dösen, ist unbestritten.

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Hazamel August 8, 2011 um 11:53

Ah… das Buchproblem ;)

Ich sehe es beim nächsten Umzug auf auf mich zurollen… allerdings in noch verschärfter Form (Die böse Zahl über 1000 steht im Raum bzw. in den Räumen).

Rezi- und Lese-Ich-Eh-Nicht-Exemplare hat meine bessere Hälfte neulich auf einen Schlag ganz viele losbekommen, die schon lange auf Tauschticket usw. schlummerten. eBay war zu nervig um dann für 1,50 € ein Hardcover loszuwerden, zu verschicken usw.
Sie hat einen Liste gemacht und die dann mit dem Kommentar “Bücher suchen ein zu Hause” unter Freunden verteilt. Gingen eine Menge weg und was jetzt noch da ist, sind spannende Bücher wie “BWL für Anfänger”. Altpapier kommt nur ganz ganz ganz ganz ganz selten in Frage. Empfehlenswert sind auch öffentliche Bücherregal. Da finden Bücher meistens auch schnell ein neues zu Hause.

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