Spielekritikdebatte: Nachlese

by Gunnar on 8. September 2011 · 63 comments

Zum aktuellen Sturm im Wasserglas eine kurze Chronik:

Es fängt alles an mit Christian Schmidts Essay auf SpOn: “In den Redaktionsstuben wird eine verknöcherte, selbstzweckhafte und in vieler Hinsicht anachronistische Form des Spielejournalismus gepflegt, die diesen Namen nicht verdient.”

Alex von Areagames schreibt die erste Contrakolumne: “Spiele sollen schlichtweg Spaß machen und Zeit totschlagen. Wer das noch junge Medium zu ernst nimmt, läuft Gefahr seine Leser auf diesem Wege zu verlieren.”

Derweil toben in Twitter und Facebook schon die Debatten; Altredakteure, Spieler, Industrievertreter, alle beziehen Stellung. Heinrich Lenhardt nennt den Beitrag “lesenswert”; Anatol Locker kommentiert zunächst “Da ist viel Wahres dran”, sieht dann aber auch viel “Unwahres”.

Die Kollegen aus der deutschen Gamesblogger-Szene lehnen sich zurück und holen das Popcorn raus.

Weiter geht’s: Auf Kaliban.de erscheint die ungekürzte Fassung der Schmidt’schen Einlassungen. Gunnar fügt ein paar Anmerkungen hinzu und kritisiert die Kritiker: “So macht man’s sich natürlich leicht. Wenn man den Beitrag so liest, als wolle der Schmidt nur eine Art akademische Super-Kritik oberhalb der normalen Spielebesprechungen ansiedeln, kann man sehr viel leichter die eigenen schlechten Texte als normal ansehen und Christians Debattenanstoß von vornherein abwürgen.”

Mick Schnelle antwortet mit einem offenen Brief auf Gamesglobal und greift Christian persönlich an: “Dein Fehler ist die Verachtung deiner eigenen Zunft, deren Vertreter und – das finde ich das Schlimmste – deiner langjährigen Leserschaft.”

Petra Fröhlich, Chefredakteurin der PCGames, bekommt auf SpOn die offizielle Gelegenheit zur Gegenrede: “Die meisten Games sind viel zu platt für kluge Texte.”

Gamesblogger Christian findet, dass die Kritik aus der falschen Richtung kommt, schließlich hätten Leute wie Schmidt (aber auch dieser Lott) das System lange mitgetragen: “So sehr Herr Schmidt von vielen Lesern und auch Bloggern für seine angeblich andersartigen Ansätze gelobt wurde, hat er sich doch 15 Jahre lang demütig einem System untergeordnet und dieses mitverantwortlich weiterentwickelt.”

Toni von Shodannews bringt seine ganz eigene Weltsicht ein und provoziert eine Diskussion, an der dann noch ein Ex-GameStar’ler und ein aktiver Vertreter von GameStar teilnehmen.

Was mir, wenn ich da nichts übersehe, bislang fehlt, ist eine konstruktive Fortführung der Debatte, ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte.

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Fabu September 8, 2011 um 13:55
Pablo September 8, 2011 um 14:22

Ich kann mich nur wiederholen: Weg von der Stifung Warentest Mentalität in der alles bis ins kleinste Detail bekrittelt werden muss, hin zu schönerem Stil. Wie schon gesagt, was die 11 Freunde aus einem Fußballmagazin gemacht haben, das könnte auch mit Spielen super funktionieren.

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bluntman3000 September 8, 2011 um 14:38
Hazamel September 8, 2011 um 14:41

Dem Letzten muss ich auch widersprechen. Es ist mir zumindest das erste Mal untergekommen, dass von Leserseite in breiter Masse geäußert wurde was wünschenswert wäre und auch in breiter Masse geäußert wurde, warum denn die Verkaufszahlen im Print-Bereich so eingebrochen ist.
Ich kann mich Pablo nur anschließen: Weg vom Versuch jedes Spiel und jedes Genre in EIN Schema pressen zu wollen. Sicherlich gibt es Spiele die man nach Schema F abfrühstücken kann aber eben nicht alle. Ich denke auch, dass es sehr sinnbefreit ist bei einem absolut platten Shooter drüber zu sinnieren in welchem Kontext und übergeordneten Zusammenhang das ganze steht.

Und letztlich habe ich auch eines sehr oft gelesen: Durch die hohe Fluktuation alterstechnisch immer gleicher Praktis/Volos/Redis fühlt sich ein Teil einfach im Regen stehen gelassen, weil dran vorbeigeschrieben wird.

Schade an der ganzen Diskussion fand ich, dass es so ein bisschen ins Branchen-interne, teilweise sehr persönliche Hauen und Stechen übergegangen ist. Wie meinte ein Freund so schön: “Hat was von der Nerd-Gala… Nur dass man nicht zum Kiosk gehen muss um sie zu lesen”

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DerBonk September 8, 2011 um 14:45

Ich sehe das so wie Pablo, auch wenn ich 11Freunde nicht wirklich kenne. Mein Vergleich wäre da Top Gear, die Autos auch ohne Tabellen- und Zahlenwüsten bewerten. Aber, ich denke das sollte klar sein, wenn eine Nachfrage nach den Tabellen, den Wertungskästen und den Aufzählungen von Waffentypen besteht, dann hat diese Art von Test natürlich auch seine Daseinsberechtigung. Das ist einfach nur nichts, was ich persönlich lesen möchte bzw. was mich interessiert. Jedem das seine. Nur gibt es da in Deutschland auf der anderen Seite einfach nicht viel.

Wenn Spiele zu platt sind, dann würde ich sagen, sollten erst recht kluge Texte darüber geschrieben werden, wie platt sie sind. Ich wünsche mir andere, anspruchsvollere und tiefergehendere Spiele, die brauchen aber genauso auch diese “klugen” Texte, wir und die Spielepresse müssen diese Art von Spielen stärker einfordern, wenn wir wollen, dass Video- und Computerspiele als Medium weiter wachsen und ihr Potential wirklich ausschöpfen. Zumindest sehe ich das so. Aber ich bin halt auch einer der Verrückten, für den “Spaß” auch bei Videospielen nicht das Maß aller Dinge ist. In so fern kann ich Frau Fröhlichs Antwort auf SpOn einfach nciht zustimmen. Ich würde darin viel eher eine Bankrotterklärung des Mediums an sich sehen, wenn ich denn ihre Meinung teilen würde.

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Pablo September 8, 2011 um 17:07

Ja, Top Gear ist auch ein super Vergleich. Typen die Autos testen und frei darüber erzählen was sie dabei empfunden haben und die das vor allem machen, weil sie einen riesen Spaß daran haben. Und nicht ein Schema-F runterarbeiten nur um noch einen Test mehr bringen zu können.

Denn sein wir mal ehrlich: 95% aller Print-Tests sind strukturell gleich aufgebaut… Das könnte sich wirklich wirklich ändern…

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Zzorrkk September 8, 2011 um 18:56

Eben weil ich den Stil von Top Gear sehr mag, lese ich seit einiger Zeit keine Game-Printmags mehr, sondern lieber hochgradig subjektive Tests von Privatpersonen in Video- oder Blogform. Auch wenn man dabei manchmal nicht die Qualität von Top Gear hat ;-) Sehr guter Vergleich.

Die Stunde der Kritiker von Langer und Lehnhart gefällt mir sehr. Ich bekomme genug Infos und zwei herrlich subjektive Eindrücke, an denen ich mir meine eigene erste Meinung gut bilden kann.

Sebastian September 8, 2011 um 20:07

Das Problem von Top Gear ist dann aber leider, dass sie vielfach für fehlende Objektivität kritisiert werden können. Ein paar Beispiele nur aus der letzten Staffel:

- eine Folge komplett nur BMW (die mit dem Rennen Mini Rallye Countryman gegen Skeleton-Fahrerin).
- das Elektrofahrzeug wurde absichtlich mit 60% Batterieladung in Richtung Nichts gefahren und musste dann am Zielort noch über eine Stunde im Kreis gefahren werden, damit man nach einer Steckdose suchen konnte (im Bild). Das war schon arg tendenziös
- es gibt Leute, die glauben ernsthaft, dass Top Gear nicht gefaked wäre, was die Aussenberichte angeht. Mit diesem Riesen-Hummer durch Südafrika fahren (durch Mauern etc. pp.) war komplett auf einem Firmengelände und gestellt. Die Anfangs- und Endszenen des Berichtes waren auf einem Abrissgelände einer Firma.

Vielfach wird das Schema F mit dem deutschen Wunsch nach Vergleichbarkeit begründet. Daher auch das Punkteschema.

Wenn ich aber alleine heute wieder in der neuesten Gamestar lese, dass ein Spiel 60% bekommt aber im Text von der netten Dame von Gamestar steht “kann ich nicht empfehlen” – ja warum zum Geier ist denn dann da eine 60er-Wertung? 85% ist Gold, 60% ist aber Vollschrott? Da überlebt sich das Bewertungssystem doch selbst und gerade HIER hätte die Analyse lauten MÜSSEN: dieses Spiel ist Scheiße. Und wenn man dann meint, 60% geben zu müssen, dann kann man die Zahl auch gleich weglassen wenn der Autorentext besagt, dass es wirklich schlecht ist. Dann reicht die Bewertung wie beim Freispiel “für Fans”. Da braucht man keine Zahl.

Die ist dann nämlich nur noch für den Anzeigenkunden im Heft.

DerBonk September 9, 2011 um 00:45

Sebastian hat da sicher Recht. Das Modell ist nicht perfekt. Allerdings ist den meisten Top Gear Zuschauern wohl klar dass Mr. Clarkson und Co die E-Autos nicht mögen können. Der Tesla-Bericht von vor einiger Zeit war auch so ein Beispiel, da steht sogar noch eine Klage im Raum. Ich bin auch sehr oft schlicht nicht einer Meinung mit Clarkson und Hammond im Speziellen, aber allein dass ich das so sagen kann zeigt mir, wie insgesamt schlüssig ihre Bewertungen sind. Ich weiß oft von vornherein, wenn Clarkson den Wagen nicht mag, wäre der was für mich (Beispiel wäre der neue McLaren, siehe unten). Objektivität erwarte ich von Top Gear einfach nicht und ich finde auch nicht, das die Sendung so rüber kommt als strebten sie danach. Die Cool Wall ist das beste Beispiel.

Mein Punkt ist darüber hinaus sogar, dass eine wirklich objektive Bewertung absolut unmöglich ist. Gerade nicht von kulturellen Erzeugnissen. Die Idee von Vergleichbarkeit ist absoluter Humbug in meinen Augen. Wenn viele Leute das so wollen, ist das ja auch okay, ich muss mich da ja nicht anschließen. Ich habe jedenfalls als Konsequenz der Diskussion mal wieder etliche neue Blogs in meinen Feed Reader geschmissen und noch genüßlicher Yatzeehs Deus Ex 3 Review geschaut. Jedem das Seine halt.

schallmauer September 8, 2011 um 17:21

Sorry aber das ist der schlechteste Vergleich ever.

In den paar Folgen, in denen sie Autos getestet haben waren das durch die Bank Wagen, die für normalsterbliche eher nicht zu haben sind. Dann hat man es natürlich etwas einfacher. Abgesehen davon finde ich es ziemlich ermüdent, 3 Opas 60 Minutenlang beim sinnlosen Geschwätz zuzuhören. Das ein Veyron Spaß macht beim fahren, dazu muss ich kein Tester sein. Und bei solchen Karossen interessiert auch keinen, was sie verbrauchen, wie anfällig sie sind oder Pannenstatistiken. Bei Gebrauchswagen interessiert mich das sehr wohl.

Es ist deutlich einfacher, ein Gefühl mit der Kamera einzufangen, als in geschriebenem Wort, schon deswegen ist der Vergleich zu Top Gear lächerlich.

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DerBonk September 8, 2011 um 18:17

Da muss ich meinen Vergleich aber dann doch verteidigen: Laut http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Top_Gear_episodes wurden in den allermeisten Folgen mindestens ein bis zwei Wagen besprochen, in der Regel mehr. Sicher sind das überwiegend Luxuswagen, warum das dann einfacher ist – speziell wenn die meisten Leute, die das sehen, keine persönlichen Erfahrungswerte mit ähnlichen Wagen haben – kann ich nicht nachvollziehen. Außerdem stimmt es nicht, dass sie _nur_ solche Wagen testen. Ihr letztjähriges Auto des Jahres war zB der Citroen DS3. Ich erinnere mich auch an die Folge in der sie den Londoner Bankern ihre zukünftigen Autos vorgestellt haben (billige Einfachstkisten) oder den Test zweier Elektroautos in der letzten Folge.

Das ein Veyron Spaß macht stellen sie ja gerade immer wieder in Frage. Treffendes Beispiel Jeremys Test des neuen McLaren MP4-12C. Er hat diesen Supersportwagen, der eine unglaubliche Bestzeit auf dem Testtrack hingelegt hat, als freudlos und langweilig beschrieben. Und das überzeugend. Ohne dass ich je so ein Auto gefahren habe. Und trotzdem weiß ich, dass ich lieber den McLaren als seinen geliebten AMG black C-Klasse Mercedes haben würde. Weil sie das nachvollziehbar rüberbringen. Ohne je so ein Auto gefahren zu haben.

Gebrauchtwagen werden nebenbei auch hin und wieder in Top Gear besprochen, sehr spannend sogar, wie zum Beispiel der Vergleich mit dem damals günstigsten Neuwagen in England, den Nissan Pixo imo zeigt. Natürlich kommen grobe Einschätzungen bezüglich Verlässlichkeit und Verbrauch etc. heraus, aber es geht eben (auch bei Autos) nicht bloß um Features und Tabellen.

Warum es jetzt leichter ist Gefühl mit einer Kamera einzufangen als mit Worten kann ich nicht so ganz verstehen. Ich denke es gibt einige (speziell profesionelle Schreiberlinge) die dem stark wiedersprechen würden. Das mit den 3 Opas und sinnlosem Geschwätz, gut. Du magst Top Gear offensichtlich nicht. Wie ich sagte, jedem das Seine. Ich habe da halt einen anderen Geschmack als du. Vielleicht auch was Spielerezensionen angeht. Deswegen hat ja keiner von uns mehr Recht als der andere, so sehe ich das zumindest.

Spacey90 September 8, 2011 um 14:55

Hier ist ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte:
-> http://www.geemag.de/

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 19:45

Sagt wer?

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Spacey90 September 9, 2011 um 13:26

Na ich. Das Magazin ist leider scheinbar gescheitert, hat aber komplett andere Schwerpunkte gesetzt als er Rest. Es war immer Platz für den Kulturaspekt (andere Produkte, Filme, Musik, eSport, Indie Spiele) und die Tests waren gefühlt nah am Spiel, haben Eindrücke widergespiegelt und das Spiel scheinbar verstanden.

pepsodent September 9, 2011 um 15:32

Und ich. Jetzt. Hier.
GEE war für mich persönlich die Krone der (Spielemagazin-)Schöpfung und der heilige Gral.
Absolut unerreicht.
Ein Jammer, dass die Pleite gegangen sind.
Und meiner Meinung nach der eindeutige Beweis, dass sich das, was Herr Schmidt fordert, nicht rechnet. Print ist für anspruchsvollen Spielejournalismus zu teuer. Sowas wollen zu wenige lesen und noch weniger bezahlen.

Burki September 8, 2011 um 14:58

Über die Feinheiten des Spielejournalismus will ich gar nicht philosophieren. Ich bin nur Spieler und PC-Spielezeitschriftenleser. Aber um mich (also um meine Zielgruppe) geht’s hier doch, oder?

Ich formuliere es mal so: Ich brauche Entertainment an einem stillen Ort, auf den ich keinen Laptop mitnehmen will und will dann nach dem Händewaschen wissen, welches Spiel ich mir kaufe. Von daher hätte ich gerne Spieletests von aktuellen Spielen, wobei das kreative Schreiben dahingehend für Abwechselung sorgen soll, dass mein Unterhaltungszentrum stimuliert wird und ich über alles Wissenswerte und über die relevanten Eckpunkte aktueller Spiele im Bilde sind. Keine Sorge, es muss nicht superakribisch alles aufgelistet werden; die Dinge zwischen den Eckpunkten finde ich dann beim Spielen schon selber raus. Die Wertung kann im Prozentbereich bleiben, sollte aber nicht sklavisch in Unterpunkte gegliedert, aus denen dann die Gesamtwertung zusammenaddiert wird. Ich hätte vielmehr die Wertung orientiert am Gesamteindruck den der Tester aka der Journalist gehabt hat. (Klar kann mein Gesamteindruck von dem des Journalisten am Ende auseinander gehen. Ist ja subjektiv. Aber diese Gefahr birgt ja jede Testweise). Erwartet mich hier ein Erlebnis, schmale Kost oder wird hier genau mein Spleen befriedigt? (Deswegen finde ich die Redakteurmeinungsboxen bei Gamestar meist am hilfreichsten).
Wenns nach mir geht, dann hätte ich den Umfang der Previews gerne etwas runtergefahren und die Fokusierung auf Tests. Ist ja auch eine Spieletestzeitschrift, die da kaufen will.

Wie gesagt, ich sehe mich nicht in der Lage die Diskussion weiterzubringen, da mir dafür Branchenkenntnisse fehlen. Aber wer meine Punkte erfüllt (Gamestar entfernt sich da von Ausgabe zu Ausgabe), dem gebe ich jeden Monat mein Geld. Die Diskussion wird doch letztlich geführt, weil man bedarfs- also käufergerecht produzieren will. Um zu überleben braucht man ja mein Geld (und das der anderen Lemminge).
Wenn Ihr, die Schmidts, Schnelles, Langers und Fröhlichs dieser Welt noch länger darüber diskutiert, was der beste Anmachspruch für die Frau an der Bar ist, ist die Zeit schon so weit vorangeschritten, dass die Dame nach Hause gegangen ist. Also fragt doch bitte die Dame, wie sie ihren Abend gestaltet haben will und handelt danach.
PS: Und Raufen bringt bei der Diskussion nichts – ausser Unterhaltung für schadenfreudige, mitlesende Gamerszene.

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Sebastian September 8, 2011 um 20:08

Kauf Dir ein iPad. Und leg es zwischendrin unter eine Zeitung die auch auf’m Klo ist, damit kein Spritzwasser drankommt.

(oder Android oder sonsteinpad. Dieser Text entstand auf’m Klo. Mit iPad).

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Martin September 8, 2011 um 15:07

Also das was der Herr Lott unter “persönlichen Angriff” versteht ist ja wirklich lächerlich.

Und jetzt nur er seine Seite aus um Mick Schnelle weiter in den Dreck zu ziehen.

Herr Lott, Sie und ihr Verhalten ist lächerlich!

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 19:43

… -> zum Thema: kontruktive Beiträge
Wenn man sich angegriffen FÜHLT, dann darf man das auch äußern.

Antworten

House September 8, 2011 um 15:13

Ich finde sowohl Mick Schnelles als auch Gunnar Lotts Wortwahl unangebracht und der Debatte nicht angemessen. Meine Meinung zu derselben hab ich ausführlich in meinem Blog dargelegt:
http://www.fabianhouse.blogspot.com/

Würde diese Diskussion sachlich, weniger scharf und ohne den persönlichen Hintergrund geführt, hätte jeder mehr davon. Da können Sie sich auch an die eigene Nase fassen, Herr Lott.

Antworten

Martin September 8, 2011 um 15:36

@House: Ich würde es begrüßen wenn du damit aufhören würdest überall Schleichwerbung für deinen Blog zu machen. Wenn die Leute Interesse haben deinen Blog zu lesen machen sie es von sich aus – nicht durch deine plumpe Werbung.

Antworten

House September 8, 2011 um 15:40

Ich gebe zu, dass ich diese Debatte als Plattform genutzt habe, um meinen Blog mal ein bisschen zu pushen ;) andererseits ist mein Eintrag natürlich dennoch ernst gemeint und spiegelt meine Meinung wieder. Und da die sonst völlig ungehört verhallt wäre, dachte ich, ich mache ein bisschen Werbung bei den Leuten, die das interessieren könnte.
Wenn es zu aufdringlich wirkte, entschuldige ich mich.

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HerrK.ausB. September 8, 2011 um 15:59

Die Seitenhiebe sind zwar unnötig, aber sinnlos daran aufgeilen muss man sich nun auch wieder nicht. Wo gehobelt wird, da fallen Späne und wir sind ja alle nicht mehr im Kindergarten. Sowohl ein Mick als auch ein Gunnar können letztendlich darüber hinwegsehen, behaupte ich. Am Ende bleibt eine sehr aktuelle Debatte.

Für mich persönlich ist der klassische Spieletest in Magazinform tot, und das ist ganz einfach einer allseits stattfindenden Entwicklung zur prägnanten Kürze und natürlich an der Popularisierung des Internets. Die Menschen haben ja alle keine Zeit und alles wird immer hektischer und schneller und bla bla bla. Man muss dem Ganzen hier nicht anthropologisch auf den Zahn fühlen aber fakt ist doch dass ich mir die Süddeutsche oder den Spiegel nicht mehr kaufen muss, wenn mir die Internetseiten gleiches bieten, vielleicht sogar elegegant gekürzt mit Video und Weblink-quellen. Einen neunseitigen Bericht zu Shogun 2 werde ich mir nicht antun, wenn ich Zugriff auf vernünftige 5 Minuten-reviews auf Youtube habe (auch unter der aktuell beliebten Prämisse tl; dr). Der Spieletest im Jahr 2012 muss kurz sein, prägnant und vor allem auf Stärken und Schwächen den Fokus legen. Mit einem “die Story hält zwar an Klischees fest und bietet wenig revolutionäres , wurde aber Eindrucksvoll inszeniert und gut ins Spielgeschehen integriert” (ich verzichte hier in C. Schmidts Interesse mal auf den Terminus ‘Gameplay’) kann man doch eigentlich genauso viel anfangen wie mit einer genauen Schilderung der Geschichte und ihrer Erzählweise, die sich über eine ganze Seite erstreckt.

Aber wenn es denn nun unbedingt der Spieletest in schriftlicher Form sein soll, würde ich sagen ist die jetzige Form an sich sehr vernünftig, nur zwei Dinge sollten geändert werden:
- Der Test sollte frei von einem _einheitlichen_ Wertungsprinzip sein. Fazit – gerne. 70/100 Punkten – sinnlos und oft an der angestrebten präzisen Vergleichbarkeit vorbei. Eine ‘Fehlwertung’ des Spiels fällt hier sofort ins Gewicht und sorgt für unfaire Verhältnisse. Ich ziehe hier mal ‘Zero Punctuation’ als Beispiel herbei, für mich aktuell das beste Spieletest-Format (kann ähnlich auch in Textform funktionieren). Kommt ohne Fazit aus und man hat trotzdem eine Vorstellung der Meinung des Testers. Diese sollte garnicht neutral sein, da wären wir bei Punkt 2:
- Der Test sollte polarisieren. Ist in meinen Augen viel interessanter, und wenn ein Yahtzee über 30 Minuten lange Cutscenes in Metal Gear herzieht, ziehen viele nach, aber auch liebhaber einer solchen Storypräsentation sind informiert. Wenn man es trotz starker Meinungstendenz schafft, den Leser (, Zuschauer, wasauchimmer) zu informieren, kommt idR. letztendlich eine eigene Meinung heraus, auf deren Grundlage man auch eine Kaufentscheidung treffen kann. Wenn ich nach der Aufnahme des Spieletests denke “Aber genau das suche ich doch! Was fällt dem ein dieses Spiel nicht zu mögen!” wurde das Ziel, in meinen Augen, nicht verfehlt. Die Qualität eines Spiels ist eh in vielen Belangen subjektiv (viel, viel eher als in Buch oder Film), daran rüttelt auch eine Unterteilung in Genres nichts. Ich denke auch dass das durchschnittliche Publikum für Spielemagazine eine Entwicklung hinsichtlich Bildzeitungs-niveau boykottieren würde.
Diese Kriterien sind in vielen Strukturen realisierbar und würden vielleicht auch eine größere Abwechslung hinsichtlich der Präsentation begünstigen. Momentan ist es doch eigentlich egal, ob man GameStar, PCG oder sonstwas liest. Man hat seine Schilderung des Gespielten und seine Punktewertung, die üblicherweise an dem letztendlichen Eindruck des Spiels auf den Leser vorbeischrammt. Alles andere ist Layout und Schreibstil; Frage persönlicher Präferenz.

Ihre Meinung dazu würde mich eigentlich stark interessieren, Herr Lott. Nicht in Form von groben Ideen und Fallbeispielen, sondern in Form eines Beispielkonzepts.

Antworten

HerrK.ausB. September 8, 2011 um 16:00

[...]Entwicklung zur prägnanten Kürze und natürlich an der Popularisierung des Internets
ZU VERDANKEN.
Man entschuldige meinen missglückten Verusuch, meine ungeordneten Gedanken in einen Text zu quetschen :]

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Spades September 8, 2011 um 16:02

Also in den ganzen Comments zum ungekürzten Artikel finden sich doch eine Menge Ideen und Wünsche. Weiß jetzt nicht genau, wo die Debatte da eingeschlafen sein soll. Das mit der Konstruktivität lasse ich mal außen vor, das sieht hier ja eh jeder anders und nur ich meine, dass der Ton genau der richtige ist, damit die Kröte nicht einfach still und leise vom Tisch hüpft.

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HerrK.ausB. September 8, 2011 um 16:07

Übrigens kleiner Nachtrag zur Debatte: Ich stimme Chrstian Schmidt in vielen Punkten nicht zu, aber wie sich das alte Eisen über einzelne Satzfetzen hermacht, ist peinlich. Man könnte ruhig mal etwas offener sein. Christians Text als Denkanstoß verstehen (hat ja funktioniert, denke ich), auch wenn man nicht mit ihm übereinstimmt. Wir sind doch alle Kosmopoliten!

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DerBonk September 8, 2011 um 17:12

Durchaus wahr. Am Ende stehen wir doch alle an sich auf der gleichen Seite. Aber gut, da spielen sicher Dinge mit, von denen ich als Aussenstehender nichts weiß und nichts wissen will. Das ganze Drama drumherum finde ich einfach nur unglücklich, denn eigentlich sollte es doch darum nicht gehen und in vielen Teilen fühle ich mich fast so, dass es mich auch einfach nichts angeht.

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schallmauer September 8, 2011 um 17:09

Ich muss mir grade ein Lachen verkneifen. Wäre Christians Artikel professioneller gewesen und ohne Anschuldigungen ausgekommen, dann gäbe es jetzt vielleicht auch einen Dialog. Da er es aber nicht geschafft hat über diesen Dingen zu stehen und statt dessen eine persönliche Abrechnung daraus gemacht hat war das Echo vorhersehbar.

Auch das hätte Christian wissen müssen, es war ihm aber wichtiger, persönliche Dinge öffentlich auszutragen. In Foren nennt man sowas Troll. Leider halten sich andere nicht an die goldene Regel: Don’t feed the Troll. Sehr erwachsen.

Antworten

Das Trio September 8, 2011 um 18:46

Erkläre doch mal bitte, wo genau Christian trollt? Über einzelne Formulierungen kann man immer streiten, klar. Aber wer hier trollt, sind doch die Leute, die Christian jetzt Aussagen und Ansichten unterstellen, die er so nie zum Ausdruck gebracht hat. Zum Beispiel die Replik auf Gamers Global. Das ist doch unterste Schublade, wie dort in fast jedem Absatz Christian böswillig nie geäußerte Ansichten in den Mund gelegt werden (indirekt) und er die ganze Zeit nur persönlich angegriffen wird.

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Falconer September 8, 2011 um 17:27

Kann mir bitte jemand mal plausibel das Problem erklären? Ein kleiner Text bringt die ganze Szene zum Tanzen. Inklusive öffentlicher Treterei unter (Ex-)Kollegen…

Herr Schmidt und alle hochbegabten Kritiker können doch die Feder schwingen und dem Games-Journalismus in nie dagewesene Sphären führen. Ich freue mich darauf, in den Feuilletons dieses Landes von ihnen zu lesen. Sollte ein marktfähiges Kulturmagazin dabei entstehen, immer gern.

Spiele-Fachmagazine sind für alle Core-Zocker da. Belesene und weniger belesene. Gut gemacht müssen sie sein. Von Freaks für Freaks. Dann ist es okay.

Persönlich wünsche auch ich mir den Tag herbei, an dem neue Games in seitenlangen Textwüsten rezensiert, in geistreichen Essays reflektiert und investigativen Dossiers beleuchtet werden. Aber dafür sind erstmal die Künstler selbst gefragt. Die Kritik zieht dann schon mit. Nicht umgekehrt.

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Brad Hammer September 8, 2011 um 19:26

“Was mir, wenn ich da nichts übersehe, bislang fehlt, ist eine konstruktive Fortführung der Debatte, ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte.”

Game One

Die bringen eine Mischung auß Spaß, Nerdtum, Entspanntheit und Tiefe, die ich so anderswo nicht finde. Die einen zu verkrampft (GameStar, leider; einerseits Wert auf Seriosität, andererseits betont superlässig auf Bildern gegenseitig wirken, etc — echt net), zu vulgär (PC Action) oder zu nerdig (Gee etc). Umfang vllt geringer im Vgl zu den Heften, trotzdem waren sie es, über die ich in den letzten Jahren auf Spieleperlen aufmerksam wurde, die in Zeitschriften iwie keine Erwähnung fanden (blöde Namen der Titel fallen mir aber grad nicht ein^^). G

leichzeitig aber bei verqueren Blockbustenr wie Modern Warfare 2 klar Kante beziehen — im Gegensatz zu Gamestar, die jegliche Argumente in Pro- und Contra-Kasten packt und das als Streitgespräch von zwei Redakteuren aufmacht. Wuhuu, alle Argumente genannt, aber was bringts mir? Ich bin besser informiert, aber im Endeffekt genauso schlau wie vorher. Und Bindung zu den Redaktueren fällt mir auch immer schwer, weil die Meinungen teils zu konstruiert wirken. Ist halt nicht Fisch und Fleisch. Kritik jetzt hauptsächlich an Gamestar, weil ich die überhaupt noch lese, PC Action, PC Games, etc schon seit Jahren weitestgehend ignoriert. Also prinzipiell Gamestar gegenüber positiv eingestellt, aber grad gegenüber GameOne fallen die Schwächen auf.

Weiterer Ansatz: Buffed, die neben Fokus auf ein bestimmtes plattformübergreifendes Genre auch weitere gängie Interessen der Spieler ins Heft bringen (zumindest war da ma ein Bericht über Mittelaltermärkte, was ja im Kontext der Rollenspiele durchaus stimmig ist).

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Brad Hammer September 8, 2011 um 19:28

“andererseits betont superlässig auf Bildern gegenseitig _würgen_” — das sollte es heißen ^^

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 19:34

Ich widme diese Zeilen allen die sich bereits hierzu äußerten, worauf ich mich veranlasst fühlte ein kleines Pensum meiner Zeit zur Schlachtbank zu führen um die Thematik in Frage zu stellen und hoffentlich konstruktiv auf die Gesamtsituation einwirken zu können.

Die Frage, welche Art Spielejournalismus denn nun der beste sei bzw. wie er auszusehen habe und wie er denn gerade aussieht ist ja nun eine mit dem Hintergrund schwindender Dynamik gegenüber jener der Leserschaft. Aber auch vergleichbar mit der Frage was besser schmeckt, Schoko- oder Vanilleeis?

Die Artikel sind ja nun Zwangsläufig mit der Person des Autors verbunden und der Plattform/Zeitschrift auf/in der er erscheint. Ebenso wie die Spiele mit ihren Entwicklern und Produzenten. Wir haben also wie immer eine informelle Ebene, also die Fakten sowie eine persönliche, die Meinung. Zu dieser möchte ich auch noch den Schreibstil zählen, Erfahrung/Reputation uvm. .

Was wir denke ich alle feststellen konnten ist, dass der Markt für die Branche kleiner geworden ist, in der Hinsicht, dass es recht viele Anbieter von Kritiken, Berichten etc. gab. Hinzu kam dann noch das Web 2.0. Zwar ist im gleichen Zug auch die Käuferschicht für Spiele gewachsen aber die Bandbreite der Spielveröffentlichungen ging zurück und streute sich zudem über immer mehr Plattformen. (Ich erinnere mich an Zeiten da gab es PC, Playstation, dann wurde es dünn, N64/Gameboy/Nintendo noch … das war’s. Der Rest war Nische). Wobei ich da jetzt nicht den Hass der CoreNerds auf mich ziehen möchte im Fall von Ungenauigkeiten. Was letztlich zählt ist, was der Leser möchte. Insofern müsste der Erfolg den “Journalisten” Recht geben. Da sehe ich eine Seite wie GamersGlobal vorn, weil hier der Markt für den Markt schreibt bzw. schreiben kann. Also eine Art OpenGameCritic … blablub xD Aber das hat ja nun nicht unbedingt was mit klassischem Journalismus zu tun.

Es gibt aber auch recht erfolgreiche Beispiele bei denen dem Spieler scheinbar die Meinung der “Journalisten” und das Erleben des Spieleberichts wichtiger ist als eine Flut von Fakten und der Versuch Spiele miteinander zu vergleichen. So wie niemand die Ratingagenturen mag (außer die Ratingagenturen selbst), mögen viele auch nicht das spieltechnische Geschreibe. Gerade für den Printbereich (für diese Art von Berichten bekannt) kam erschwerend die wachsende Vernetzung und Bandbreite dazu. Heute ist eine 800 MB Demo schnell geladen um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen. Also tut sich hier neben dem Erlebnis eine weitere Kerbe auf … der für Spieler verschlossene Background. Wie entstehen Spiele, was sind das für Typen, wo kommen die her, was haben die so gemacht bevor sie in die Branche kamen … also so eine Art ÜBER DIE BRANCHE … was auch die Möglichkeit für Kritik an den Kritikern bieten würde.
Ich denke wovon wir uns wirklich verabschieden können (um mal einen flüchtigen Blick in die Glaskugel zu werfen) ist das 9 Punkte für Grafik, 4 Punkte für Sound, … -System. Es ist zu statisch. Als würde man das Runde in das kleiner Eckige pressen. So lässt sich allen falls Call of Duty 2 mit Call of Duty 3 vergleichen. Das muss aber nicht unbedingt sein. Weil man (und das weiß auch jeder Spieler) feststellen wird, das sich nichts verändert hat. Diese Serie verkauft sich aus dem Grund, dass die Käufer schon vorher wissen was sie bekommen. Somit ist die dritte Kerbe die Innovation. Wenn es spieletechnisch nichts wirklich innovatives zu berichten gibt. Warum dann berichten?
Insofern hat auch Frau Fröhlich Recht. Wenn ich ein Knäckebrot habe und versuche es als Wurstbrot anzubieten wird sich der blinde Käufer betrogen fühlen wenn ich keinen Belag herzaubern kann. Insofern müsste man schreiben, das es Knäckebrot ist und dann kann man es auch gleich sein lassen.

Na und die vierte Kerbe ist die Retro-Kerbe. ^^
Stayforever. Sehr gut. Der Hase wird laufen! Ein Markt der früher einfach nicht da war, bzw. nicht so groß. Aber die Zeit ist nicht stehen geblieben (was eine nette Sache ist) und so tun sich Chancen auf. Ich gehöre ja zur Generation NES/SNES. Habe aber letztens mal den Atari angeworfen, ein Erbstück meines Nachbarn. Was haben die früher eigentlich vererbt? Die hatten doch nix?

Fazit:
- Plattformen auf OpenSource-prinzip wie GamersGlobal
- Spieleberichte erleben und erlebbar machen (Für den Verbraucher geht es ja um ein Entertainmentprodukt und kein technisches Produkt)
- nicht leicht zugängliche Hintergründe recherchieren (hier sehe ich noch die Option für ECHTEN Journalismus) und sie erlebbar/erfahrbar machen. Hier zählt auch wieder Entertainment.
- Innovationen herausstellen, erklären, präsentieren
- Retro geht immer (die Modebranche hat das schon lange festgestellt)

Dabei gibt es kein “dämlich” oder “stumpfsinnig” oder “inhaltslos” sonder nur liebevoll und gut gemacht, oder am Markt vorbei.

Man kann dem Markt aber nichts nach Schema F aufzwingen. Insofern zählt die Mischung, oder die Nische aber auf jeden Fall die Dynamik. Print ist da zu statisch … bzw. nicht dynamisch genug und verliert zu dem an den Optionen was den Erlebniswert betrifft. Alles in allem zählt auch weniger die Reputation des Journalisten als dessen Bericht/Stil/Zugang zum Leser und damit seine Arbeit. Aber das ist ja eine Binsenweisheit. Worauf die Spieler vertrauen ist, dass ein erfahrener Journalist über Hintergründe Bescheid weiß und in der Lage ist intuitiv ein gut konzeptioniertes und realisiertes Spiel zu erkennen und das dann auch argumentativ und nichttechnisch rüber zu bringen. Wenn’s ruckelt ist’s shice, aber nur weil der Baum 5000 Polygone mehr hat als normal muss es noch lange kein gutes Spiel sein.
Und hört auf euch als außen zu definieren, sondern als innen. Ihr seid, wie wir, die letzten Jahre dabei gewesen.

Was also die Frage anbelangt ob Schoko- oder Vanilleeis:
Ich mag das gemischte Eis wo beides drin ist aber auf einer Softeisplattform(/basis). Lasse mich argumentativ doch auch gern von anderen Sachen begeistern man muss ja dynamisch bleiben und darf keine Informationscocons aufbauen. Letztlich ist es eine frage des Geschmacks. Fragt doch mal was schmeckt.

Antworten

Sunstar September 8, 2011 um 19:42

Jörg Langer wird auch endlich sauer. ^^

“Offensichtlich will keiner mehr diese Art von Texten lesen”.

Mensch, wo hast du denn diese kluge Art der Argumentation gelernt? Bist du Gott und allwissend? Kannst du kraft Gedanken dein persönliches Empfinden allen Menschen aufzwingen? Oder weißt du einfach nicht, was das Wort “offensichtlich” bedeutet? Das wäre schade, da du es so gerne benutzt, zusammen mit dem Wort “traurig”. Fakten jedenfalls kannst du kaum aufführen, denn die fallenden Heftauflagen werden durch sprunghaft gestiegene Unique Users im Internet mehr als ausgeglichen.

Was ich traurig finde, ist, dass du dir offensichtlich “Herrn Schmidts” Standpunkt ohne weitere Realitätsprüfung zu eigen machst. Ist es denn überhaupt so, dass in “den” Spieletests (muss offensichtlich verwandt sein mit den sterotypanzeigenden Pluralartikeln von z.B. “die Deutschen”, “die Italiener”, “die Hartz-IV-Empfänger”, “die Frauen”) nur irgendwelche Eckpunkte abgecheckt werden? Nee, ist gar nicht so, Christian regt sich da zum Teil über Sachen auf, die eher in seiner Phantasie existieren als in vielen realen Artikeln, deren Autoren sich sehr wohl die Mühe geben, nicht nur Schema F zu fahren oder Fakten zu zählen. Du fällst da auf den ältesten Diskussionstrick rein, den es gibt: Die Gegenseite in eine Schublade zu stecken, diese abfällig und selektiv oder auch ganz falsch zu definieren, und dann eine andere, strahlende Schublade aufzutun, in der alles viel besser aussieht.

Lies dir doch mal einige Artikel hier auf GamersGlobal durch, von Leuten wie Harald Fränkel, Heinrich Lenhardt, unserem Philipp und einigen anderen. Wo wird denn da bitte nur Schema F durchgekaut? Weil am Ende ein Wertungskasten steht? Das ist lächerlich.

Ganz ehrlich: Tests wie die, die sich Christian offensichtlich wünscht (vermutlich weil er selbst gerne so schreibt und das für das Nonplusultra hält), wären eine Wohltat für den Schreibenden: Wieso noch Spiele durchspielen? Wieso Fakten sammeln und in Beziehung setzen? Wieso mit anderen Spielen vergleichen? Wieso die eigene Meinung begründen? Es reicht ja offensichtlich, einfach die eigene Meinung intellektuell verbrämt und möglichst kontrovers geschrieben aufs Papier zu bringen (dauert übrigens nicht die Viertel der Zeit eines richtigen Testartikels), und schon ist der Spielejournalismus gerettet und kann endlich seitenweise in der Süddeutschen abgedruckt werden.

Was für ein trauriger Quatsch.

Lies halt mal gute Testartikel, Herrje, und nicht nur schlechte. Es wird dir auffallen, dass “die” Testartikel keinesfalls so eindimensional sind, wie es Christian für seine Argumentation halt hinstellt. Man kann sich ja trotzdem wünschen, Meinungsjournalismus statt Fachartikeln zu bekommen — aber deswegen muss man doch nicht so tun, als wäre alles, was es jetzt gibt, schlecht oder reaktionär oder denkfaul oder “nicht weiterentwickelt”.

http://www.gamersglobal.de/comment/reply/42288/373640

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 19:57

Das zieht ja Kreise Ó.Ò !
Jetzt pack ich auch mein Popcorn aus.
Spannend :)
Fehlt nur noch einer mit Rundumschlag. Von John Romero hat man lange nichts gehört ^^

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Jimbo September 8, 2011 um 20:32

Kommentare ohne den Kontext quer zu posten ist meist wenig hilfreich… ein einfacher Link hätte es sicher auch getan.

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 20:37

Ja, zumal nicht gleich klar war wo das Zitat anfängt und aufhört. Weil es kein ZITAT war rein vom terminus technicus gesehen. Das geht schon besser.
Aber wobei … ppffffffffffff was soll’s.

Claus September 8, 2011 um 22:25

“Was mir, wenn ich da nichts übersehe, bislang fehlt, ist eine konstruktive Fortführung der Debatte, ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte.”

Wie wäre es denn für den Anfang mit der Meinung eines ehemaligen Chefredakteurs, der es lt. Herrn Schmidt ja auch mit zu verantworten hat, dass was auch immer passiert sein soll passiert ist?

Aus meiner persönichen Wahrnehmung heraus, haben einige Entscheidungsträger schlechte journalistische Entscheidungen getroffen (man möge mir diese Aussage als Laie verzeihen).

Es fing damit an, dass nur noch in Deutschland offiziell erschienene Titel getestet wurden, dass es mehr Previews denn Test gab, das “schlechte Spiele” gar nicht mehr getestet wurden aber dafür Produkte, die mit einem Budget daherkommen, das Werbung in der Blöd-Zeitung oder im Kino möglich ist seitenweise bejubelt werden.

Wenn ein Fachmagazin, dass vom Testen von Spielen lebt, nicht mehr testet, warum in alles in der Welt soll ich dann noch dieses Magazin kaufen? Das konnte alles eine Zeit noch mit den Gratis-Vollversionen kaschiert werden. Aber als die immer lausiger oder älter wurden, schwand der letzte Grund, das Magazin zu kaufen.

Und das ist doch nur die Eisspitze und hat absolut gar nichts damit zu tun, dass die Testberichte über zuviel Waffen oder was auch immer berichten.

Ich mag dieses Blog sehr, sehr gern, und ich las und lese Herrn Schmidt ebenfalls sehr gern.

Aber hier wird meiner Meinung nach ein wichtiges Thema total ausgeblendet.
Ohne Inhalt gibt es keinen Kaufgrund.
Und das ein Inhalt nach dem anderen rausgeschmissen wurde (da nicht kommerziell genug), das begann nach meinem persönlichem Empfinden alles erst nach den Zeiten in denen Herr Lenhard, Herr Schneidet, Herr Austinat oder Herr Langer Chefredakteure waren.

Interessanter weise habe ich zu der Zeit, als die oben genannten Herren noch in Amt und würden waren bis zu drei Magazin pro Monat gekauft.

Und als dann die neuen Entscheidungsträger ihre neuen Entscheidungen fällten, erstarb bei mir innerhalb weniger Jahre das Verlangen, noch irgendeinen Euro für die Restmasse, den Abglanz vergangener Tage auzugeben.

Seit ich Herrn Langer neues Projekt entdeckt habe, bin ich dort Abonnent. Obwohl ich gar ncihts zahlen müsste.

Wer mag, darf da gerne einmal drüber nachdenken (so nach dem Motto “to whom it may concern”).

Schrieb es, um danach das Werbeprospekt, in dem ein “Gamestar PC”-angepriesen wird, zusammenzuknüllen und in den Müll zu werfen.

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Claus September 8, 2011 um 22:27

Sorry für die ganze Tippfehler.

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Player1 September 8, 2011 um 22:44

Kann es sein, dass es den einen guten Spielejournalismus im Hier und Jetzt gar nicht gibt?

Ganz offenbar gibt es jede Menge Leute, die die bisherige Form von Berichterstattung nach dem Schema “Preview, Preview, Preview, Preview, Preview, ellenlanger Test, danach kein Wort mehr, das nächste Ding muss her” weiterhin zu schätzen wissen. Vermutlich ist das sogar die Mehrheit klassischer, eher juveniler Gamer. Und wer sollte es den Magazinen verdenken, sich nach dieser zu richten.

Meiner eigenen Vorstellung entspricht das aber nicht (mehr), spontan würde ich mal folgende Wuschliste skizzieren:

1. Weniger, viel weniger, aufgeblasenes Tamtam um die üblichen Hype-Kandidaten. Spiele sind nicht deshalb gut, weil sie teuer sind. Da hätten Magazine sicher einigen Spielraum, nicht jedem PR-Schwachsinn (sorry!) hinterher zu rennen. Welchen vernünftigen Menschen über 25 interessieren wirklich dreimonatlich erscheinende Titelgeschichten über, sagen wir mal, nicht übermäßig intelligent Klickorgien wie Diablo III?

2. Eine ehrlichere Bewertung. Ich halte die ganze vorgeschobene Objektivität für ausgemachten Schwachsinn. Klassisches Extrembeispiel aus meiner ganz eigenen Sicht: Militärshooter aller Art. Bekämen bei immer null Punkte. Allein wegen des Themas. Fertig. Andersherum: Altmodische Rollenspiele, gäbe es sie noch, erhielten bei mir automatisch einen Extrabonus von ca. 354%. Und so oder ähnlich, da bin ich mir reichlich sicher, geht es am Ende jedem mit seinen Vor- oder eben nicht Vorlieben. Kurzum: Weg mit der Stiftung Warentest, hin zu gnadenlos subjektiver Kritik. Das ist auch Kaufberatung, nur anders. Davor müssten nicht mal Hersteller Angst haben, denn auf jeden, der einen überproduzierten, hirnlosen AAA-Titel in Grund und Boden schriebe, kämen vermutlich immer noch fünf Andere, die das Gegenteil tun.

3. Gern mehr Feuilleton. Aber: Die Dosis macht das Gift. Vielleicht bin ich schlicht zu sehr mathematisch veranlagt, aber für mich artet so etwas dann auch schnell in wohlformuliertes Geschwafel um des wohlformulierten Geschwafels willen aus. Und das klingt oft nicht wirklich intelligent.

4. Weniger Industriehörigkeit. Die kann ich, das gebe ich zu, nur unterstellen. Aber so richtig viele Gegenbeispiele, sprich Fälle, in denen Spielezeitschriften nicht im Sinne der (großen) Hersteller berichten, scheint es mir nicht zu geben. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Das wäre es eigentlich schon, wenn es nach mir ginge. Eigentlich ganz einfach. Leider vermutlich aus verschiedenen Gründen nicht mal ansatzweise umsetzbar als Fachzeitschrift. Insofern ruht meine Hoffnung eher darauf, dass Spielekritik demnächst ernsthafter Teil der Kulturredaktionen größerer Tageszeitungen, Magazine etc. wird.

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Tonic | Neuewall6 September 8, 2011 um 23:10

Da fällt mir das: http://www.youtube.com/watch?v=DArHWOHMes4 dazu ein.
Jetzt stellt euch mal vor, der Verkäufer würde mit einem anderen Verkäufer darüber streiten was die Frau nun wirklich will. ^^

Das meint ihr doch hier alles nicht ernst oder?
Das ‘s doch ‘n Fehler in der Matrix?

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Konrad September 8, 2011 um 23:35

Inhaltlich, finde ich mich bei Mick Schnelle ja fast zu 100 % wieder, nur der persönliche Ton stört mich. Petra Fröhlich disqualifiziert sich schon mit ihrer schlichten Ignoranz gegenüber der sinkenden Auflagenzahl der Zeitschriften, selbst wenn die Reichweite über das Gesamtpaket (Print, Online etc.) die Reichweite erhöht, ist der generierte Umsatz bei weitem nicht derselbe. Was sie sich bei dem PC Games/SPIEGEL vergleich gedacht hat, wird mir immer schleierhaft bleiben… Schlechte Bezahlung und zunehmender Einsatz von Laien ist übrigens nicht nur ein Problem von Gamezeitschriften, sondern der gesamten Medienbranche.

Unterm Strich ist das ganze ausgesprochen unterhaltsam, hat aber auch den faden Beigeschmack von persönlichen Fehden, verletzten Eitekleiten und Egos die aufeinandertreffen. Nie wieder werd ich jedenfalls das Redaktionsfoto irgendeiner Gamezeitschrift mit seiner (gestellten) Eintracht mit den selben Augen betrachten können…

Antworten

Player1 September 8, 2011 um 23:42

In einer durchschnittlichen Spieleredaktion geht es halt auch nicht viel anders zu als in einem FDP-Ortsverband. Obwohl, etwas weniger egomanisch vermutlich schon.

Sorry, ich konnte gerade nicht anders. Ein halbes Glas Rotwein zuviel. ;)

Antworten

Konrad September 9, 2011 um 22:16

Ich sehs sportlich, bin ja nicht umsonst ausgetreten ;)

Jeff Kelly September 9, 2011 um 01:21

“ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte”

Ach Gott. Ganz im Ernst, wen interessiert das denn noch?

Diese Debatte wird seit zehn, fünfzehn Jahren geführt, die Ideen liegen auf dem Tisch nur um von der etablierten Fachpresse hartnäckig ignoriert zu werden.

Als Totschlagargument gehört man dann halt irgendwann nicht mehr zur Zielgruppe, ist eine Minderheit auf die es sich nicht lohnt einzugehen.

Der deutsche Spielejournalismus ist eine traurige Veranstaltung, sowohl gedruckt als auch im Web. Wenn man nur noch am Namen auf dem Cover merkt und nicht mehr am Inhalt ob man Publikation A oder B gekauft hat, ist alles zu spät und die deutsche Art des Internetjournalismus ist weitestgehend die Fortführung des selben alten Käses mit neuen Methoden Da kann sich Jörg Langer noch so viel auf gamersglobal.de einbilden wie er mag.

Zwanzigseitige Verbaldiarrhö in der absolut nerdige Nischenspiele abgefeiert werden ist einfach nicht mehr zeitgemäss. Aber man erwartet auch nichts anderes von jemandem, der es geschafft hat Mick Schnelle weiter Relevanz zuzugestehen und der es auch im Podcast auf Monologe ungeahnter Länge (und Langweiligkeit) bringt.

Ja Ich weiß das es jetzt gebashe wird, aber die Diskussion ist einfach so fruchtlos, weil die Beteiligten so erschreckend merkbefreit sind.

Es ist schlicht und ergreifend völlig irrelevant wo mir Call of Duty Black Ops – ein Spiel für 75 Euro dessen Single Player Kampagne gerade mal 5 Stunden dauert und das sich wie auf Schienen spielt – als 90% Hit des Jahres verkauft wird. Gedruckt oder im Netz, Bullshit bleibt Bullshit, ob es nun von der Gamestar, der PC Games, gamersglobal oder 4players kommt. Nur weil es Internet ist ist es nicht automagisch toll.

Eine immer größer werdend Zahl von Spielern hat längst aufgehört überhaupt irgendwelche Zeitschriften zu kaufen oder deutsche Quellen im Netz zu nutzen.

Zum Teufel, einmal im Monat Spieleveteranen im Podcast zu hören oder den Redakteuren von IGN oder Giantbomb auf Englisch zu lauschen informiert mich mehr als jede gewerblich organisierte deutsche Publikation – Internet oder Print.

Selbst nach einer Folge Zero Punctuation fühle ich mich besser informiert, als durch fast alles was es in Deutschland auf dem Markt gibt. Das ist so ziemlich das größte Armutszeugnis dass man ausstellen kann.

Ich behaupte man könnte morgen zum Kiosk gehen jede beliebige deutsche Spielezeitschrift kaufen und man würde überall das gleiche Lesen. Das ewig gleiche Abgefeiere ewig gleicher Grafikblender ohne nennenswerten Inhalt – egal ob es die neueste Battlefield “Wir wollen euer ganzes Taschengeld” Edition oder das nächste Call of Duty “Jetzt mit noch mehr Gore und moralisch fragwürdigem Inhalt” ist. Hauptsache Blut und Titten.

Dabei werden Mängel oder spielkritische Bugs und Unzulänglichkeiten konsequent relativiert oder durch den Verweis auf die Betatestversion ignoriert. Wertungen im Bereich 87 – 90% vergeben und dann so getan als sei das irgend eine Art von Journalismus.

Und einmal im Jahr kommt dann die ewig gleiche Debatte aufgewärmt um die Ecke: “Hilfe uns laufen die Leser weg und wir wissen nicht warum”

Das wird irgendwann alt. Man lernt das es ein Leben nach dem Spielemagazin gibt, dass es im Internet genug Quellen gibt die einem mehr nutzen und das mit Verlaub die Debatte um die deutsche Spielekritik ein verbaler “Circlejerk” der ewig gleichen ist, der wie die letzten zehn Male zu absolut nichts führen wird außer zu noch mehr Animositäten der Beteiligten und noch mehr Apathie der längst vergraulten Zielgruppe.

Ich könnte nicht behaupten, dass mir ein deutsches Spielemagazin in den letzten Jahren bei der Kaufentscheidung genützt hätte, eher im Gegenteil, meine größten Fehlkäufe stehen im Regal, weil ich doch mal wieder auf eine “Fachzeitschrift” und nicht die Meinung der Spieler im Netz gehört habe.

Dafür darf dann aber auch niemand Dankbarkeit von mir erwarten.

Wie müsste eine moderne Spielekritik aussehen? Weniger technokratisches Faktentum, die Grafik nicht zum Fetisch erheben. Viel mehr Meinung, viel weniger Herunterbeten der Features, weniger Kowtow vor den Publishern. Internetseiten die nicht mit “Social Network” Buttons, Flash-Videos und Pop-Up-Werbung zugepflastert sind. Mehr Mut moralische Fehlentwicklungen anzuprangern und negativ zu bewerten anstatt frauenfeindlichen und rassistischen Schund vom Schlage eines Duke Nukem Forever schulterzuckend hinzunehmen. Akzeptiert das die gedruckte Ausgabe den Weg des Dodos gehen wird und bringt endlich Versionen für Tabletts und Smartphones raus.

Aber damit bete ich eigentlich nur allseits und ewig bekanntes runter. Wahrscheinlich werden dutzende Leute wieder Gründe finden warum keine Einzige der Anregungen durchführbar oder sinnvoll ist, so wie die letzten dutzend Male auch.

Deshalb bleibe ich bei meiner Eingangsfrage: Ganz im Ernst, wen interessiert das denn noch?

Ich als Leser bin auf euch schon lange nicht mehr angewiesen, im Gegenteil den aktuellen Stand der deutschen Spielekritik empfinde ich sogar als kontraproduktiv. Verzeiht mir deshalb wenn ich keine schlaflosen Nächte haben werde ob der Zukunft der deutschen Spielemagazine.

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captain_drink September 9, 2011 um 02:15

Da hier konkret um Beispiele eines “Besser Gemachten” gebeten wurde, würde ich gerne die PC Games von Anfang 2000 anführen. Das war die Art von Spielezeitschrift, die ich auch heute noch kaufen würde. Andreas Sauerland, Peter Kusenberg, Daniel Kreiss, Harald Wagner (mit Einschränkungen) – allesamt Redakteure, die über das besprochene Spiel hinaus Eindrücke liefern konnten. Die mir beim Lesen das Gefühl gaben, dieses oder jenes Spiel existiere nicht im luftleeren Raum, sondern in der “Mitte der Gesellschaft” (Schmidt). Bezüge auf M.C. Escher bei einer Map für UT, der Name von John Woo in Verbindung mit Gunman – allesamt Dinge, die für die ultrakonservative Presselandschaft hierzulande schon zuviel des Guten wären. Hintergrundberichte, etwa zu Entwicklerpersönlichkeiten, empfand ich auch als bereichernd. Dabei war es auch völlig unerheblich, ob ich mit den einzelnen Testurteilen übereinstimmte. Ich fühlte mich durchgehend als erwachsener, mündiger Leser, der zu eigener Meinungsbildung fähig ist, ernstgenommen. Leider sahen das wohl viele Leute anders, Anfang 2001 wurde ja dann ein Großteil der Redaktion verabschiedet und das Konzept weitestgehend an GameStar angeglichen. Damit wäre auch, neben dem Hang zum Reaktionären in deutschen Redaktionen, der Hauptgrund für das Scheitern jedweder Avancen in diese Richtung benannt: Aus ökonomischen Gründen ist ein Ausscheren aus den bequem eingerichteten gegenseitigen Abhängigkeiten in einer Branche, deren Größe die der Filmwirtschaft längst übertroffen hat, leider unmöglich.

Antworten

Christoph September 9, 2011 um 10:01

Ach, Gunnar, Du denkst so klar und schreibst so gut. Meine Rede, ich kann’s nur nicht so formulieren. Wieso können nicht Du, Christian, Jörg & Co. *zusammen* ein Magazin rausbringen, wo jeder von Euch genau das und genau so reinbringt, was und wie er es will. Ob nun gedruckt oder online, wär’ mir so wurscht. Ihr wärt unschlagbar.
Und soweit Ihr total verschiedene Ansätze habt – bringt sie alle, und wenn Ihr zwei Tests (oder sonstige Artikel) zum selben Spiel in derselben Ausgabe hättet – das wäre der Hit!

(Alle Seiten der Debatte verkennen nämlich meiner Meinung nach, daß kein Leser den Test X *oder* den Artikel Y will. Sondern jeder liest aus den Quellen seines Vertrauens – das heißt in vielen Fällen: von den Personen seines Vertrauens – mehrere Artikel zum selben Thema, und aus der Summe bzw dem Querschnitt erkennt man dann sehr gut “die Wahrheit”.)

Antworten

Mardermolch September 9, 2011 um 10:47

Unterstreich ich und schlachte ein Huhn, auf dass Deine Idee auf fruchtbaren Boden fällt.

Und Herr Kaliban, wenn Sie einen Investor für dieses ambitionierte Projekt suchen, wenden Sie sich vertrauensvoll an mich. ;- )

Antworten

Christoph September 9, 2011 um 21:41

…ein Huhn schlachten? Hahaha, DANN muß es ja klappen! :-)
Danke fürs Unterstreichen…

Andi September 9, 2011 um 10:24

@Jeff

Danke. Punkt.

Antworten

pausenclown September 9, 2011 um 10:44

Wie wärs, wenn man einfach wieder “ehrlich-einfach” Spiele testet ohne sich mit einer eine rhetorischen Axt durch den Wald deutscher Sprache zu kalauern und sich an der eigenen Meinung zu ergötzen. Mir kommt es so vor, als schreiben die meisten Spielejournalisten für irgendeinen geheimen internen Wettbewerb als für ihre Leser.
Ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte? Fangt endlich an, wieder für eure Leser zu schreiben.

Antworten

Zzorrkk September 9, 2011 um 14:18

Dem kann ich nur zustimmmen. Wem hier konkrete Hinweise darauf fehlen, wie guter Spielejournalismus jetzt aussehen könnte, liest entweder die Kommentare der Zielgruppe unter den ganzen Artikeln nicht, oder sie sind ihm vielleicht auch schlicht egal. Es wurde schon so viel darüber geschrieben, dass einem vor allem eins klar sein müsste:
DEN EINEN guten Spielejournalismus gibt es nicht, zumindest wenn er auch nur den Ansatz einer Rücksicht auf die Interessen seiner Leser nimmt. Dafür ist die “Mitte der Gesellschaft” zu heterogen, was ja eigentlich eine triviale Erkenntnis sein müsste.

Antworten

Daniel Rüffer September 9, 2011 um 12:13

Vor Kurzem benannte sich das Magazin meiner Kindheit “ASM Aktueller Software Markt” in “Das Spaß Magazin” um – ich stand gerade an der Schwelle zum Teenageralter. Während ich also erwachsen werden sollte, machte sich alles, was mir zu der Zeit wichtig war, wieder zu einem Kind. Das war einige Zeit vor Magazinen wie “PC Joker” oder “Gamestar” oder “GEE”.

Das Problem an der Debatte sind solche und andere Vergleiche. Das fängt bei dem Artikel von Schmidt an und hört bei Schnelle nicht auf. “11 Freunde” haben nichts damit zu tun und Autos auch nicht (es ist recht schwach von Schnelle, Autos als Beispiel für ein Ankommen in der “Mitte der Gesellschaft” hinzuzuziehen und damit werden auch alle Auto Motor Sport Vergleiche hinfällig – ein Auto ist nicht wie ein Computerspiel und Begeisterung für Fußball ist nicht dasselbe wie Begeisterung für Computerspiele).

Solch Vergleiche wirken auf den ersten Blick so, als habe man Einsicht erhalten in die tieferen Funktionsweisen der Welt, anschaulich sollen sie dabei sein, führen aber immer nur wieder auf Irrwege.

Das Problem, um das es hier eigentlich geht, ist auch gar nicht mal der Zustand der Gaming-Presse oder die Qualität der Games: so visionär der Artikel von Schmidt auch ist und ich stimme mit ihm überein, doch der weitere Zusammenhang ist zunächst der gesamte Bereich von Softwareentwicklung, deren Verwaltung und deren Rezension: Vor anderthalb Jahren beklagte ich mich bei einem EA-Entwickler über den Mangel an neuen Ideen, er entgegnete: “It’s graphics and sound, it’s the visuals what people want, so that is what we give to them.”

Die Entwickler bestimmen per Angebot, was Menschen angeblich haben wollen, die zwischengeschalteten Instanzen verkaufen es als das Nonplusultra, die Journalisten bewerten es voreingenommen und festgefahren, weil sie andernfalls alles, was in ihrem Leben wichtig ist: Hobby, Beruf, Haltungen, die die Zwischenmenschlichen Beziehungen damit Identität und dadurch das Dasein in seiner Gesamtheit bestimmen, in Frage stellen würden – ein recht unnatürliches Verhalten wäre das…

Die ct schreibt genau so hochtechnisiert und wertungssteril wie ein Spielemagazin, dabei würden viele “Erwachsene” die Erzeugnisse aus dem Hause Heise als seriös und kompetent einstufen, ausserdem sicherlich als informativ in angebrachtem Ausmaß: Dabei finden sich dort seitenweise Wertungskästchen und jetzt kann man das “Kunst”-Moment in einem Spiel anbringen, der gewisse Anspruch, Gesellschaft abzubilden, den eine Anwendung natürlich nicht aufweisen muss.

Aber eben darum geht es ja nicht: Es geht doch darum, dass es sich die Menschen in ihren Nischen ganz gerne gemütlich machen und immer meinen, das was sie machen und verkörpern sei wahnsinnig komplex und schwer: Ein “Systemtechniker” hat dabei keine Skrupel meinem Vater (Rentner) einen WLAN-Stick für 50€ zu verkaufen (“Installation” sogar inklusive) obwohl sein Laptop ein WLAN eingebaut hat. Dabei verkauft der Systemtechniker seine “Fähigkeiten” als etwas Hochspezielles, etwas, dass nur ganz schlaue Köpfe überhaupt verstehen, es geht nämlich um:

Computer und son Zeugs…

…und wenn das ganze Zeugs so schwer ist, kann es auch niemand anderes machen. Dann fühlt man sich ganz sicher – sehr natürlich, so ein Verhalten.

Wenn ich mir angucke, dass in der Gamestar noch immer Frau Schmitz-Fröhlich das Sagen hat, dann liegt das nicht daran, dass sie ihren Job so toll macht, sondern daran, dass sie unwahrscheinlich gut darin ist, bei Menschen den “Eindruck” zu erwecken, sie sei gut in dem, was sie macht.

Gut, dass Sie da raus sind, Herr Schmidt! Und Sie sind für Ihren Teil sicherlich in Kürze schon wieder damit beschäftig, Ihre Nische zu finden: Vielleicht schon in diesem Augenblick.

Ein anspruchsvolles Computermagazin wird es nicht schaffen, die Erkenntnis, dass Computerspiele die gesamte Unterhaltungsindustrie übernehmen und auch für Frauen zu dem entscheidenden Zeitvertreib werden und teilweise schon sind und das dies dabei sogar noch im Rahmen einer ästhetischen Tradition mit einem gewissen Anspruch geschehen kann, vereinzelt und ganz selten natürlich nur, diese Erkenntnis wurde schon längst den Feuilletons überlassen und das kann kein Games-Mag mehr aufholen: Alles wovon Computernerds seit Kindheit träumten haben die Mags geopfert: Die Chance, ernst genommen zu werden. Und das nur, weil sie nämlich irgendwie dann doch genug (!) verdient haben, um nichts zu ändern, allesamt auch die Praktikanten!

Herzlichst Ihr
Daniel Rüffer

Antworten

Karsten September 10, 2011 um 15:35

Komisch – als ich ein Praktikum bei einem großen Verlag gemacht habe, habe ich jeden Monat ein gutes Minus auf meinem Konto in Kauf genommen. Für die Erfahrung. Und für den kleinen Fuß in der Tür. Man munkelt sogar, dass viele Praktikanten in der Branche gar nichts verdienen. Und ich kenne eine Menge Schreiberlinge, die gerne was ändern würden, aber von “oben” durch diverse Vorgaben gebremst werden. Oder unter den kleinen Teams und dem Druck leider, möglichst viele Sachen pro Tag online zu stellen.Diese müssten sich schon in einem eigenen Format selbstständig machen, um ihre Wünsch ausleben zu könenn – und wer hat schon die finanziellen Ressourcen, um sowas mal eben zu stemmen. Pauschale Aussagen dieser Art helfen in keiner Diskussion wirklich weiter.

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Danie Rüffer September 12, 2011 um 11:08

Schade – ich habe mich da offenbar etwas missverständlich ausgedrückt. Ich wollte sicherlich nicht Ihren Weg diskreditieren, bzw. Ihre Entbehrungen als Praktikant nicht ausreichend würdigen.
Es ging mir eher darum, dass in dieser, wie eigentlich ja fast allen Branchen (ich hoffe, das ist Ihnen nicht zu pauschal) Entscheidungen finanziell motiviert getroffen werden: Ähnlich entschuldigt auch Frau Fröhlich den aktuellen Schreibstil in Ihrem Beitrag auf Spiegel Online.

Wer also “irgendwie genug verdient” (als Praktikant ist vielleicht auch der Fuß in der Tür eine Art Verdienst) ändert das Konzept eher ungerne, das richtet sich dann eben auch an die Chefetage. Und nebenbei: Vielleicht haben Sie zu jener Zeit über einen Nebenjob Geld dazu verdient? So zumindest erinnere ich mich an meine Praktikumserfahrungen, denn irgendwie muss man ja alles bezahlen und mein Dispo war zu jener Zeit doch wirklich sehr niedrig, also im Prinzip bei Null – klären Sie mich gerne auf, wenn sie fiskalische Geheimnisse haben, die mir rückblickend die Nachtschichten erspart hätten…)

Noch eines: Ich kenne sowohl Magazine, die praktisch aus dem Nichts entstanden sind, als auch Praktikanten, die eine Vergütung erhalten – ich hoffe, Ihnen fällt auf, dass Ihr Beitrag etwas pauschal ist, indem der Gemeinplatz “Praktikanten verdienen nie Geld” bedient wird und nebenbei auch noch das ganze System an sich entschuldigen nach dem Motto: “Wir hier unten können nichts ändern, wegen der Finanzen und dem Druck von oben!”

Aussagen wie die Ihrige machen jede Diskussion überhaupt erst völlig überflüssig. In diesem Sinne verabschiede ich mich.

Schönen Gruß,

Lefugian September 9, 2011 um 22:31

Was man verbessern könnte. Also ganz aktuell aus meiner Sicht: Ich spiele mit dem Gedanken mir ein Ipod touch zuzulegen. Das der 5. Generation soll bald erscheinen. War heute im Bahnhofskiosk und habe mir ein paar Spielezeitschriften durchgeblättert. Was mir auffiel: Keine Zeitschrift schreibt über Mobile Games. Von Spielen wie Angry Birds oder Plants vs. Zombies hört man oft. Aber angetestet wird soetwas nirgendwo (jedenfalls nichts gefunden). Ich wär auch schon mit Kurzstests ala Powerplay zufrieden. Eine Textspalte, kurze Bewertung des Redakteurs, fertig. Eine Gesamtübersicht, was es überhaupt auf dem Markt gibt, was oft heruntergeladen wird, fände ich auch hilfreich. Warum denn gleich alles mit so viel Text erschlagen? Ein Urteil werde ich mir schon beim Spielen bilden.

Zu den PC- und Konsolenspielen: Mein Interesse liegt hauptsächlich bei den Top-Titeln. Da kann ich mir dann sicher sein genug Gegenwert zu erhalten. Spielezeitschriften kaufe ich mir schon seit Jahren nicht mehr, sondern beziehe meine Informationen aus dem Internet. Meistens vergleiche ich die Fazits und Wertungen der großen deutschen Spieleseiten. Tests lese ich, wenn überhaupt nur, wenn mich ein spezielles Feature im Spiel interessiert und ich gerne mehr darüber erfahren möchte.

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Karsten September 10, 2011 um 13:43

“Wie sieht guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aus?”

“Für den Leser schreiben.” ist eine der genannten Lösungen. Doch was zeigen uns die zahlreichen Kommentare zu dieser Diskussion? Es gibt dutzende Meinungen, wie der perfekte Test auszusehen hat. Die einen wollen gerne über die Metaebene eines Spiels sprechen, andere bevorzugen die reine Kaufempfehlung. Viele brauchen einfach die nackte Zahl am Ende eines Tests, immer wieder liest man aber auch, wie unnötig Wertungskästen eigentlich sind. Zahlreiche Leute wollen jede Info zu ihrem nächsten Battlefield, Call of Duty oder FIFA haben, während andere gerne auch über Nischentitel informiert werden wollen. Viele verlangen eine etwas andere Sicht auf die Dinge, nicht wenige davon kritisieren zeitgleich aber die GEE, weil der dort gewählte “etwas andere” Blick eben auch nicht gut genug war.

These: Ein einziges Print-Format kann diese vielen unterschiedlichen Wünsche nicht abdecken. Spätestens wenn einige Leser aufhören, das Heft zu kaufen, weil ein Teil der Seiten eben nicht zielgerichtet auf die eigenen Wünsche eingeht, hat man verloren.

Für jede Zielgruppe ein eigenes Heft kreieren – große Verläge könnten das, doch wird kein Zahlendreher im dritten Stock dieser Art von Spezialisierung im Print-Bereich noch zustimmen. Es wird immer nach der größten Schnittmenge geschaut, um letztlich möglichst viel Umsatz mit möglichst wenig Kosten zu generieren. Und spätestens wenn im nächsten Jahr der Gewinn um einige Prozent erhöht werden muss, gibt es Leichen.

Gleichzeitig muss man sich aber auch die Frage stellen, in wie weit Tests und Previews heutzutage noch Relevanz für eine Print-Publikation haben? Die Zielgruppe ist so Online-affin, dass niemand mehr auf Print-Tests angewiesen sind. Vom Kostenfaktor und von der Aktualität wollen wir gar nicht reden. Muss sich Print also vielleicht einfach nur damit abfinden, dass die Tests Marke “Kaufempfehlung” eher was für die Online-Redaktion ist, während in Print-Publikationen ein völlig neuer Schwerpunkt gefunden werden muss? Mehr Hintergrund-Specials zur Branche? Artikeln zu Spielen, die sich eben mit der von Christian gewünschten Metaebene befassen? Mehr Einblick in die Motivation der Entwickler? Wo vielleicht auch mal gegen den Trend bewusst ein Titel zerfetzt wird, der in der Konkurrenz-Landschaft viel zu gut wegkommt? Wo unangenehme Wahrheiten erzählt werden? Ich würde es kaufen. Nur müssten sich dann alle klar werden, dass man mit diesem Format zwar neue Leser anspricht, aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr Käufer generiert als mit der aktuellen Art der Schreibe.

These: Print entwickelt sich zur Nische und daran wird auch eine höhere Qualität nichts ändern.

Bleiben Tests und Previews also an den Online-Redaktionen hängen. Damit diese qualitativ hochwertigere Geschichten abliefern können, muss die Branche aber erst einmal Abstand davon nehmen, ungelernte Kräfte den Großteil der Arbeit verrichten zu lassen. Es ist nett, wenn User für User schreiben, aber das Ergebnis dürfte allen klar sein. Und auch Praktikanten, Volontäre und quer eingestiegene Freie Mitarbeiter sind vor allem eines: Billige Schreiberlinge ohne Erfahrung und eloquente Schreibe.

Damit sich hier etwas ändert, muss vor allem für Geld gesorgt werden. Und hier ist der große Knackpunkt. Werbung gibt zu wenig Geld. Kostenpflichtige Premium-Angebote reizen kaum. Nur wenige Online-Redaktionen suchen Volontäre. Kaum ein Team macht aus einem Volo direkt im Anschluss einen festen Redakteur des Teams. Gesucht werden höchstens fertige Video-Redakteure oder Video-Cracks für einen Volo-Platz, die im Endeffekt aber genau dieselbe Arbeit für weniger Geld machen dürfen. Ein Jörg Langer bedient sich nicht den diversen Usern, weil er noch mehr Gewinn aus Gamersglobal rausholen will, sondern weil er anders dieses Projekt gar nicht erst hätte stemmen können. Dank diesem System war er in der Lage, neue Volontäre einzustellen und einige seiner Schreiber fest ins Redi-Team zu integrieren. Die Werbung liefert nur dann ordentlich Geld, wenn der Traffic stimmt. Dafür kommt es aber vor allem auf Masse, statt auf Klasse an. Zumindest ist der Druck von “oben” so groß, dass genau diese Masse an News, Tests, Specials, Bilder-Folgen jede Gaming-Seite bestimmt. Mit viel Copy-Paste und nur wenig eigener Recherche-Arbeit.

These: Will die Branche die Qualität für den Leser steigern, muss erstmal an den Geldhähnen gedreht werden. Muss erstmal von Masse wieder auf Klasse umgesattelt werden.

Und noch ein Wort zu Tests – egal ob Online oder Print: Es wäre bereits ein Anfang, wenn Redaktionen wieder die volle Palette ihrer Wertungsskala nutzen würden. Niemand braucht einen Wertungsbereich von 1 bis 100%, wenn fast alle Spiele zwischen 75 und 95% landen.

Antworten

Claus September 11, 2011 um 15:47

Schön aufgedröselt.

Zum Thema von Jörg Langers aktuellen Projekt möchte ich aber noch ergänzen, dass die “Leser schreiben für Leser”-Idee insbesondere für News eigentlich sehr gut funktioniert.

Warum soll ein “teurer” Redakteur eine News zu einem frisch veröffentlichten Patch eines (Nischen)Spieles schreiben? Das kann der interessierte Leser mit etwas Unterstützung genauso gut, vermutlich sogar noch deutlich besser, da er mehr Hintergrundinfos besitzt, die sich ein Redakteur erst recherchieren müsste, sofern er das Programm nicht zufällig selber gerne verwendet.

Von dieser, nennen wir es mal “Last” befreit, bleibt dem verantwortlichen Personen mehr Zeit / Budget, andere Programme zu testen oder “wichtigere” Themen zu recherchieren und dann anspruchsvoll aufbereitet zu veröffentlichen.

Dabei hat dann der (Nischen)Spielefreund trotzdem aktuelle, fundierte Infos, alle zusammen erhalten dazu ein sehr breit aufgestelltes, aktuelles Angebot präsentiert, das Platz für alle anbietet und alle auch durch hochwertige Inhalte unterhalten und informieren kann.

Insofern ist Jörg Langer meiner Meinung nach auf einem Weg, der unglaublich viel richtiges und immer weniger falsches enthält.

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Moskito September 10, 2011 um 15:57

Da will ich doch an dieser Stelle mal noch anmerken, das ich mittlerweile bezüglich “Tests” von Spielen fast ausschließlich meine Haus- und Hofzeitung c´t zu Rate ziehe, kurz, knapp und ohne Geschnörkel. Reicht mir mittlerweile aus. Wenns tiefgründiger werden soll, les ich irgendwo im Internet. Schön wäre, wenn die noch (!!!) etablierten Magazine ihre strengen Testmuster aufgeben zum Teil und etwas mehr auch in Richtung Kultur pendeln. Ich erwarte ja keine komplette Umstrukturierung des Magazins, aber wenigstens auch mal ein paar Seiten für Gelegenheitsgamer, Indiespiele und Betrachtungen zu alten Klassikern, die ja gerade auf Funktelefonen und Tablettcomputern wieder aufleben, das wäre doch zumindestens ein erster Schritt. Statt dessen schreitet man erhobenen Hauptes über die Leserschaft und ihren Wünschen hinweg zum eigenen Grab.

R.I.P.

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Chef September 13, 2011 um 14:08

Es gibt kein Richtig und kein Falsch!
Welches akute Problem muss denn jetzt gelöst werden?
Hat der Spiele-Journalismus überhaupt ein Problem? Sind die rückläufigen Zahlen im Printbereich durch die Art der Schreibe verursacht? Will der 16 jährige Gamer überhaupt intellektuelle Spieleblogs lesen, die eine Mischung aus Feuilleton und dem vulgären “Pissen” pflegt und sich als Elite sieht? Oder wurde die gesamte Diskussion ins Rollen gebracht, weil sich in der Vergangenheit erwachsene Männer nicht mal offen/ehrlich ausgesprochen haben?!? Dann empfehle ich Schulz von Thun: “Miteinander reden”, Band 1.

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jobs in journalism August 25, 2013 um 23:18

Always bring a list of references with you to a job
interview. Make sure the information is up to date and that
your references are expecting to be called. You need three references
typically, so don’t list more than that. Include people who have been your superior, co-workers or even co-volunteers, if you must.

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