Spielekritikdebatte: Nachlese

by Gunnar on 8. September 2011 · 63 comments

Zum aktuellen Sturm im Wasserglas eine kurze Chronik:

Es fängt alles an mit Christian Schmidts Essay auf SpOn: “In den Redaktionsstuben wird eine verknöcherte, selbstzweckhafte und in vieler Hinsicht anachronistische Form des Spielejournalismus gepflegt, die diesen Namen nicht verdient.”

Alex von Areagames schreibt die erste Contrakolumne: “Spiele sollen schlichtweg Spaß machen und Zeit totschlagen. Wer das noch junge Medium zu ernst nimmt, läuft Gefahr seine Leser auf diesem Wege zu verlieren.”

Derweil toben in Twitter und Facebook schon die Debatten; Altredakteure, Spieler, Industrievertreter, alle beziehen Stellung. Heinrich Lenhardt nennt den Beitrag “lesenswert”; Anatol Locker kommentiert zunächst “Da ist viel Wahres dran”, sieht dann aber auch viel “Unwahres”.

Die Kollegen aus der deutschen Gamesblogger-Szene lehnen sich zurück und holen das Popcorn raus.

Weiter geht’s: Auf Kaliban.de erscheint die ungekürzte Fassung der Schmidt’schen Einlassungen. Gunnar fügt ein paar Anmerkungen hinzu und kritisiert die Kritiker: “So macht man’s sich natürlich leicht. Wenn man den Beitrag so liest, als wolle der Schmidt nur eine Art akademische Super-Kritik oberhalb der normalen Spielebesprechungen ansiedeln, kann man sehr viel leichter die eigenen schlechten Texte als normal ansehen und Christians Debattenanstoß von vornherein abwürgen.”

Mick Schnelle antwortet mit einem offenen Brief auf Gamesglobal und greift Christian persönlich an: “Dein Fehler ist die Verachtung deiner eigenen Zunft, deren Vertreter und – das finde ich das Schlimmste – deiner langjährigen Leserschaft.”

Petra Fröhlich, Chefredakteurin der PCGames, bekommt auf SpOn die offizielle Gelegenheit zur Gegenrede: “Die meisten Games sind viel zu platt für kluge Texte.”

Gamesblogger Christian findet, dass die Kritik aus der falschen Richtung kommt, schließlich hätten Leute wie Schmidt (aber auch dieser Lott) das System lange mitgetragen: “So sehr Herr Schmidt von vielen Lesern und auch Bloggern für seine angeblich andersartigen Ansätze gelobt wurde, hat er sich doch 15 Jahre lang demütig einem System untergeordnet und dieses mitverantwortlich weiterentwickelt.”

Toni von Shodannews bringt seine ganz eigene Weltsicht ein und provoziert eine Diskussion, an der dann noch ein Ex-GameStar’ler und ein aktiver Vertreter von GameStar teilnehmen.

Was mir, wenn ich da nichts übersehe, bislang fehlt, ist eine konstruktive Fortführung der Debatte, ein konkreterer Hinweis darauf, wie guter Spielejournalismus im Hier und Jetzt aussehen könnte.

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