Dies ist ein Gastbeitrag von Christian Schmidt. Chris (34) ist seit 13 Jahren Fachjournalist für Computer- und Videospiele. Er war zuletzt stellvertretender Chefredakteur von GameStar und lange Jahre Kollege des Herrn Lott. Der folgende Text ist eine Langfassung des gestern auf SpOn erschienen Debattenbeitrags.
[Eine kurze Einlassung von Herrn Lott findet sich am Ende dieses Beitrags.]
Ich habe mein Handwerk – das Testen von Computerspielen – vor 13 Jahren auf sehr gründliche Weise gelernt. Mein erster Chefredakteur reichte mir meine Texte gewöhnlich mit einer Reihe von Fragen zurück, die mit rotem Stift an den Rand des Blattes gesetzt waren: Wie funktioniert das Erfahrungssystem? Welche Fahrzeuge besitzt die dritte Kriegspartei? Wie verhält sich der Computergegner auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad? Ich fand zielsicher jede Passage aufgespießt, in der ich mich mit einem kurzen Satz durchzumogeln versucht hatte. Wer fair über Spiele urteilen will, so lernte ich, der muss ihre Funktionsweise gewissenhaft ausleuchten. Ich war ein guter Schüler. Als ich später selbst junge Redakteure anleitete, habe ich diese Akribie an sie weitergegeben. Das ist etwas, das ich jetzt, im fortgeschrittenen Alter von 34 Jahren, bereue.
Wir haben das Falsche gelernt.
Videospiele sind auf den Weg in die Mitte der Gesellschaft. Gleichzeitig befindet sich der Fachjournalismus, die professionelle Kritik dieser Spiele, auf dem umgekehrten Pfad. Er bewegt sich aus der Mitte der Gesellschaft an ihren Rand.
Je mehr mehr Menschen Videospiele zu einem Teil ihres Lebens machen, desto größer sollte die Relevanz und Deutungsmacht der Journalisten sein, die über dieses Medium berichten. In Deutschland ist das Gegenteil ist der Fall. Die etablierte Spielekritik nimmt ihren Vertretungsanspruch nicht wahr. Zum gesellschaftlichen Diskurs über das Medium hat sie wenig beizutragen. Neuere Spielerschichten, die über Facebook, Browser Games oder Smartphones zum Medium finden, erreicht sie kaum. Und sie verliert Ihre klassische Klientel.
Vor sieben Jahren durften sich Spielemagazine zu den leserstärksten Fachzeitschriften Deutschlands rechnen, die Marktführer Computerbild Spiele, GameStar und PC Games erreichten monatlich mehr als eine halbe Million Menschen. Seitdem ist ihre Leserschaft eingebrochen. In den letzten fünf Jahren hat sich die Auflage aller großen Zeitschriften halbiert, als Spitzenreiter verlor Computerbild Spiele 61% ihrer Kunden. Das Ausmaß ist existenzbedrohend. Einst starke Marken wie Bravo Screenfun wurden, zu Skeletten abgemagert, bereits begraben.
Mit einem generellen Markttrend und dem Paradigmenwechsel weg von Print hin zu Online lässt sich dieser freie Fall nur bedingt erklären. Das gesamte Segment der Fachzeitschriften sank im gleichen Zeitraum laut IVW lediglich um rund 20%. Natürlich boomen bei den meisten Anbietern die Webseiten, im Schnitt verdreifachten die großen Spielesites in den letzten fünf Jahren ihre Besucherzahlen. Aber dieses Wachstum entspricht der Entwicklung des Gesamtmarkts. Die von der IVW gezählten Besuche aller Medienwebseiten stiegen um 371%, auch wenn dieser Wert nur bedingte Aussagekraft hat, da er Neuanmeldungen einschließt. Aber das Web-Wachstum auch anderer Fachmagazine wie Kicker, Auto Motor und Sport oder Chip bewegt sich im Bereich zwischen 200 und 400%, selbst etablierte Publikumsmedien wie Spiegel Online oder Focus Online konnten ihre Kundschaft noch einmal verdoppeln. Gaming-Webseiten verdanken zudem einen guten Teil ihres Besucherstamms angegliederten Foren und Netzwerkseiten, nicht ihrem redaktionellen Kernangebot.
Spielemagazine kompensieren den dramatischen Leserschwund in Print also nicht durch ausgleichend überdurchschnittliches Wachstum im Netz. Unterm Strich gehen ihnen Leser – und vor allem Käufer – verloren.
Man darf sich angesichts dessen die Frage stellen, welche Rolle der Inhalt der Spielemagazine für diese Entwicklung spielt. Die Vermutung liegt nah, dass die althergebrachte Art der Berichterstattung für immer weniger Leser Relevanz besitzt. Das sollte niemanden überraschen. Das Angebot der Verlage hat sich überlebt. In den Redaktionsstuben wird eine verknöcherte, selbstzweckhafte und in vieler Hinsicht anachronistische Form des Spielejournalismus gepflegt, die diesen Namen nicht verdient.
28 Jahre nachdem sie mit den »Happy Computer«-Zeitschriften ernsthaft begann, ist die deutsche Spielekritik in einem traurigen Zustand, nämlich im Großen und Ganzen in dem von vor 28 Jahren. Als Computerspiele noch eine Domäne von Hobbyisten waren – über viele Systeme zersplittert, experimentierfreudig und häufig von mieser Qualität – leistete die junge Spielekritik mit ihren einordnenden Empfehlungen einen wertvollen Dienst. Solche Kaufberatung sehen die meisten Spieletester bis heute als ihre Hauptaufgabe. In Zeiten, in denen Videospiele als Medium mit gesellschaftlicher Aussagekraft, als Kulturgut und Kunstwerke gelten wollen, betrachtet die klassische Spielekritik sie in erster Linie als Produkt.
Die großen Fachmedien haben es – auch mit meiner engagierten Mitwirkung – ohne Zweifel zu einiger Meisterschaft darin gebracht, Spiele in ihre funktionalen Bestandteile zu zergliedern, deren Wechselwirkung zu beschreiben und das Ergebnis in detaillierten Prüfprotokollen niederzulegen, nach Vorbild der Stiftung Warentest. Aber die Nachfrage nach dieser Dienstleistung sinkt. Heutige Spieler verlassen sich in einem solchen Maß auf das Qualitätsversprechen großer Marken, das Stimmungsbild in der peer group und ihr eigenes Urteilsvermögen, dass Spieletests ihren Servicewert verlieren. Er müsste durch ein anderes Wertversprechen ersetzt werden.
Zu dem Zeitpunkt, da ein Testbericht erscheint, haben die Spieler das Programm meist selbst bei sich laufen. Ein Artikel müsste ihnen etwas anderes bieten als die Beschreibung dessen, was sie schon wissen. Das mechanistische Testverfahren der klassischen Schule tut sich zudem systembedingt schwer damit, abzubilden, wie individuell die Spielerfahrung von Person zu Person ausfallen kann. Sein Objektivitätsgedanke verträgt sich nicht mit Geschmacksurteilen.
Im angelsächsischen Raum hat der New Games Journalism seit Kieron Gillens Manifest von 2004 Bahn gebrochen für eine sehr subjektive, erfahrungsgetriebene Art der Schilderung, eine Reportage aus dem virtuellen Raum. Sein Thema ist die Faszination des Spielerlebnisses am persönlichen Beispiel, oft verknüpft mit intelligenter Reflexion über dessen Wirkungsweise. Dass ein Kernstück dieser Ideologie der Verzicht auf Werturteile ist, geht bei der Übertragung ins Preußische verloren. Im deutschen Raum wird New Games Journalism gemeinhin so interpretiert, die Funktionsaufzählung nun eben aus der Ich-Perspektive zu verfassen.
Für die deutsche Spielekritik ist der Vollständigkeitsanspruch zu einer Hypothek geworden. Ihr Detailfetisch gaukelt eine Gründlichkeit vor, die weder dem Medium gerecht wird noch dem eigenen Ziel. Wer das Kleinteilige zu seinem Sujet macht, muss dort vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Es ist ein Kniefall von dem Hardcore-Gamer, der Laientum wittert, wenn im Test nicht erwähnt wurde, dass die Gegner bei Beschuss mit Glock-Pistolen manchmal nach links umfallen statt nach rechts. Die Redaktionen irren, wenn sie diese Ultras als ihre Kernklientel verstehen. Aber sie lassen sich von ihnen vor sich hertreiben.
Die klassische Spielekritik wird geplagt von einer Angst vor Kürze und der Unfähigkeit zur Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem. Das Resultat sind ausschweifende Demonstrationen eines Spezialistentums, das einen ebenso elitären Anspruch an sein Publikum setzt wie an sich selbst.
Der Fokus auf das Uhrwerk verengt den Blick und führt zu inhaltlicher und formaler Verarmung. Gerade in einer Branche, in der durch festgelegte Spiele-Erscheinungstermine oder Preview-Veranstaltungen alle Publikationen zur gleichen Zeit das gleiche Thema behandeln, müsste es eine Tendenz zu kreativer Abgrenzung, originellen Blickwinkeln und Autorenstil geben, von eigener Themensetzung ganz zu schweigen. Stattdessen dominiert Austauschbarkeit.
Man muss den Eindruck bekommen, dass deutsche Spielekritiker ihr Handwerk in erster Linie darin verstehen, Spielszenen nachzuerzählen und Spielelemente aufzuzählen. Der szenische Einstieg, danach ein Absatz zur Handlung, einer zum Leveldesign, einer zur KI, einer zur Grafik. Es ist eine haarsträubende Talentverschwendung, wie so Tag für Tag Texte nach Schema F herausgepresst werden. Die Fachpublikationen laufen Gefahr, ihre Leser an große Publikumsmedien wie Spiegel Online oder Zeit Online zu verlieren, deren Themenvielfalt über Games schon jetzt breiter gefächert ist und deren Berichterstattung wächst.
Aber es ist womöglich kein Wunder. Während Spielefirmen die Qualität ihrer Öffentlichkeitsarbeit in den letzten 15 Jahren stark verbessert haben, ist der Professionalisierungsgrad deutscher Spielemedien rückläufig. Der Konkurrenz durch Enthusiasten-Angebote aus dem Internet begegnen die etablierten Verlage, indem sie sich deren Methoden aneignen. An die Stelle integrierter Fachredaktionen rücken Laiennetzwerke. Der Umbau entspringt dem Gedanken, dass man für die Vielfalt der Spiele – vor allem der unzähligen Free2Play-MMOs – eine Vielfalt von Spezialisten brauche. Das entspricht in etwa der Vorstellung, dass ein großer Garten am besten einen Experten für Rosen, einen für Hibiskus, einen für Flieder benötigt.
Es ist aber auch der Versuch, die klassische Spielekritik bezahlbar zu halten. In keinem anderen Medium steht der Aufwand für eine fundierte Aussage in einem so ungünstigen Verhältnis zum Ertrag. Ein Film ist nach zwei Stunden vorbei, ein Buch nach zehn Stunden gelesen, ein Spiel verschlingt zum Teil 30 Stunden, bevor der Abspann läuft. Bei Online-Spielen darf man unter 100 Stunden nicht von solider Kenntnis reden. Rechnete man die Spielzeit in den Stundenlohn ein, dann wäre ein guter Teil der Games-Besprechungen unrentabel. Festangestellte Fachredakteure spielen deshalb selbstverständlich nach Dienstschluss weiter. Als komfortabler haben sich aber junge Fans erwiesen, oft Studenten, die als günstige Praktikanten oder freie Zuträger auf 400-Euro-Basis aus den Spielwelten berichten, in denen sie sowieso ihre Freizeit verbringen.
Die Aufgabe eines Journalisten schließt ein, sich Detailwissen anzueignen, indem er Spezialisten befragt. Aber Journalisten, die das beherrschen, sind teuer, Laien günstig. Manche Publikationen werden inzwischen zu einem großen Teil von Praktikanten befüllt. Wie überall in der Medienwelt nimmt auch im Gaming-Segment der Anteil freier Autoren zu, denen man feste Honorarsätze unabhängig von der Spielzeit zahlen kann. Die Freiberufler haben – allein aus Überlebensnotwendigkeit – ein Interesse daran, ihren Zeiteinsatz möglichst effizient zu gestalten. Bei einem Durchschnittshonorar von 200 Euro für einen Test erreichen viele Freie einen Stundensatz, der unter dem Mindestlohn für Putzfrauen (8,55 Euro) liegt.
Die Verlage lagern Wissen aus, aber integrieren gleichzeitig Enthusiasmus und Fantum. Eine nüchterne Distanz zum Medium macht das zumindest nicht wahrscheinlicher. Eine weitblickende Strategie kann ich darin nicht erkennen. Wie der deutsche Fachjournalismus einer Milliardenindustrie auf Augenhöhe begegnen will, wenn er sein Personal aus Amateuren rekrutiert, bleibt unklar. Dabei sollte, muss das sein Anspruch sein.
Es ist hier müßig, das PR-Gängelband und den reglementierten Informationsfluss zu beklagen, dem sich Fachmedien zumal in großen Branchen zwangsläufig ausgesetzt sehen. Kritik verdient allein die Willfährigkeit, mit der sich deutsche Gaming-Medien diesem Diktat unterwerfen, und wie lethargisch sie die thematische Linienführung akzeptieren. Dass die gelegentlichen niedrigen Wertungen für ein enttäuschendes Spiel als Unabhängigkeitsbeweis im Schild geführt werden, wirkt nachgerade kindisch. Das Gros der deutschen Spielemedien erbringt keine nennenswerte journalistische Eigenleistung.
Aber wie auch? Die wenigsten deutschen Gaming-Fachjournalisten haben eine adäquate Ausbildung oder auch nur ein abgeschlossenes Studium. Ihnen fehlt das journalistische Rüstzeug, geschweige denn die Erfahrung. Zu oft mangelt es an Interesse an übergeordneten Zusammenhängen, was jedoch schwerlich ein Vorwurf sein kann, wenn es von Chefredaktionen nicht eingefordert wird.
Deutsche Spielekritiker haben sich in einem Biotop eingerichtet, das ihnen minimalen Denkaufwand abverlangt. Ihr journalistisches Niveau ist schwach, der Grad an intelligenter Reflexion erschreckend gering. Es ernüchtert, wenn in Spielen Grundsteine für Diskurse anlegt sind – in Bioshock über Ayn Rands Objektivismus, in GTA 4 über den American Way of Life –, wenn Spiele eine historische Epoche interpretieren wie Red Dead Redemption oder sich in eine literarische Tradition stellen wie L.A. Noire, und die deutsche Fachpresse nichts dazu zu sagen weiß außer bestenfalls einer Erwähnung des Sachverhalts.
Man wünschte sich angesichts eines Modern Warfare 2 auch in Deutschland einen so luziden Kommentar wie den von John Peter Grant in dessen Blog Infinite Lag, der mit einem Nebensatz (»Activision is creeping ever closer to Zynga levels of transparently formulaic cash-grabbing«) mehr über das Spiel aussagt als seitenweise deutsche Tests. Man hätte gehofft, dass das aktuelle Deus Ex: Human Revolution nicht nur danach beurteilt wird, wie nah es am ersten Deus Ex ist, sondern auch danach, wie glaubhaft seine transhumanistische Zukunftsvision ausfällt und warum. Anhand von Deus Ex können deutsche Autoren von amerikanischen lernen, die Intention des Spieldesigns auszuloten oder die Glaubwürdigkeit der Spielwelt zu hinterfragen, vor allem aber, ihren Fokus richtig zu setzen. Dass ein so vielversprechender Text wie der von Martin Woger für Eurogamer.de nach dem reflektierten Einstieg dann doch nicht darum herumkommt, alle Waffentypen des Spiels aufzuzählen, spricht Bände darüber, welchen Ballast die deutsche Spielekritik mit sich herumschleppt.
Wenn gute Games-Kritik unbezahlbar geworden ist, dann muss man sich fragen, ob das Geschäftsmodell noch stimmt – oder die Definition dessen, was »gut« bedeutet. Der Gedanke, dass Fachmedien möglichst jedes Spiel möglichst schnell möglichst vollständig zu beurteilen hätten, ist utopisch geworden. Die Verlage klammern sich an das überkommene Konzept der gründlichen Inspektion, das ihnen früher Auftrieb gab, aber nun als Betonschuh an ihnen zerrt. Der Versuch, es aufrecht zu erhalten, wirkt selbstzerstörerisch. In Zeiten, in denen sich die Gestalt von Spielen durch Patches und Zusatzinhalte verändert und MMOs eine kontinuierliche Evolution durchlaufen, sind statische Bewertungen doppelt auf Sand gebaut. Ist es denkbar, ein Spiel sinnvoll zu beschreiben, ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben – und so, dass sich Spieler trotzdem in ihrem Hobby ernst genommen fühlen?
Eine relevante Games-Kritik, die Impulse setzen, Leser ansprechen und den Diskurs um das Medium Videospiel bereichern will, braucht eine neue Ausrichtung.
- Sie muss aufhören, Spiele als Summe einzelner Teile zu begreifen. Sie muss ihren Blick auf das Ganze richten, den Kontext kennen und Einordnung geben.
- Sie muss intelligenter werden. Sie muss die Funktionsbeschreibung zurückschrauben zugunsten der Interpretation; sie muss nicht erklären, wie Spiele funktionieren, sondern welche Bedeutung sie haben. Sie muss ihre funktionalen Urteile über Spiele ergänzen durch ökonomische, politische, ethische, künstlerische und gesellschaftliche Urteile, wenn sie angebracht sind.
- Sie muss sich aus ihrem Elfenbeinturm befreien und das Videospiel in Beziehung setzen können zu anderen Kulturträgern, Literatur, Kunst, Film, und es mit deren Diskurs verweben, wie etwa Claus Jahnel auf Telepolis in einem Artikel über Bulletstorm oder Daniel Raumer in einem Feature über Playing Columbine auf GameStar.de.
- Sie muss Plattformdenken ablegen und das Medium Spiel in all seinen Ausprägungen ernst nehmen, nicht nur den Kern der Hardcore-Spiele, sondern auch und gerade die Trabantenstädte – von Social Games bis Indie, von Mods bis Mobile –, wie in Dennis Kogels Artikel über aktuelle Social Games für Zeit Online, auch wenn dessen Einschätzungen diskussionswürdig sind.
- Sie muss neue Erzählweisen finden. Sie muss Geschichten über Spiele erzählen, nicht nur Geschichten aus Spielen. Sie muss sich stärker an Menschen heranrücken, sei es in der Form der Reportage, sei es durch den Annäherungsversuch an ein Spiel über dessen Autor, wie in Carsten Görigs Artikel über From Dust auf Spiegel Online.
- Sie muss neue Themen aufspüren und journalistisch arbeiten, die muss Geschehnisse hinterfragen, recherchieren und Risiken eingehen. Sie muss eigene Gedanken entwickeln, statt sich ihre Themen von Terminkalendern diktieren zu lassen. Sie muss komplexe Entwicklungen so kenntnisreich zusammenfassen wie etwa Julian Dasgupta zum Thema digitale Distribution auf 4Players.
- Sie muss sich als Kontrollinstanz für ihre Branche verstehen, nichts als Erfüllungsgehilfe der Industrie. Sie muss ihre Unabhängigkeit wahren und Missstände aufdecken, wie in Thomas Lindemanns Abrechnung mit dem Deutschen Computerspielpreis auf Welt Online.
- Sie muss teilnehmen an der gesellschaftlichen Debatte, die sie bereichern kann um den spezifischen Blickwinkel des Spielers, so wie es Matthias Dittmayer in seinem Blog Stigma Videospiele demonstriert.
- Sie muss, kurzum, der der Bedeutung des Mediums Videospiel Rechnung tragen. Dazu gehört, das engagierte Laientum, mit dem sie kokettiert, abzulegen und sich endlich zu professionalisieren.
- Sie soll und darf sich dabei aber die Spontaneität und den bissigen Witz erhalten, der sie vor drögeren Fachmedien auszeichnet und mit dem sie das Establishment gelegentlich so brillant verspottet wie Giga unlängst mit der Parodie eines Beitrags von RTL Exklusiv.
Das ist keine Utopie für bessere Zeiten, sondern eine Frage veränderter Zielsetzungen. Die Chefredaktionen der maßgeblichen Medien stellen sich seit Jahren nicht ausreichend der Frage, welche Aufgabe die Spielekritik heutzutage erfüllen muss und wo ihr Publikum liegt. Es ist höchste Zeit, diese Debatte nachzuholen.
Wer alte Konventionen in Frage stellt und journalistische Kreativität erneuert, der weckt Interesse über bewährte Zielgruppen hinaus. Eine 11Freunde kann man auch (und gerade!) dann mit Gewinn lesen, wenn man Fußball im Großen und Ganzen für Zeitverschwendung hält. Über Videospiele soll es ja ähnliche Ansichten geben.
(c) Christian Schmidt
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Ein paar Anmerkungen von Herrn Lott:
Christian hat sich eloquent und nicht unangemessen geäußert — und die getroffenen Hunde bellen. Aber die Kollegen, die sich äußern, tun das fast durchgehend unter Auslassung von Argumentation. Keiner verteidigt seine Art zu schreiben als die richtige, kaum jemand bringt Beispiele für guten Journalismus. Viel leichter aber fällt die pauschale Ablehnung. “Nachtreten” wirft man Chris vor, und ein Kollege hat ihn gar als Störenfried im System ausgemacht: “Wenns ihm nicht passt kann er ja Theaterkritiken schreiben”. Womit gleich der Ton gesetzt wäre, Chris’ Kritik bezieht sich nach Meinung einiger Kollegen offenkundig nicht auf die Realität, denn “was der Herr Schmidt da möchte, ist eine Art Spiele-Feuilleton”. Oder in anderen Worten: “Den Sinn des Lebens oder weiß der Geier was noch in einem Mario-Spiel o.ä. entdecken? Ach nööö.”
So macht man’s sich natürlich leicht. Wenn man den Beitrag so liest, als wolle der Schmidt nur eine Art akademische Super-Kritik oberhalb der normalen Spielebesprechungen ansiedeln, kann man sehr viel leichter die eigenen schlechten Texte als normal ansehen und Christians Debattenanstoß von vornherein abwürgen. Aber das hieße, eine Chance zu vertun, denn egal ob man Chris’ Meinung teilt oder nicht: Die Diagnose ist richtig, der deutsche Spielejournalismus (einst der kommerziell erfolgreichste der Welt!) ist belanglos geworden, produziert trotz positiver Gegenbeispiele viele schlechte Texte und wenig wirklich gelungene Formate. Und er ist kommerziell im Sinkflug –ob das durch bessere Qualität oder mehr Relevanz vermeidbar wäre, sei dahingestellt. Ist auch müßig: Die großen Zeitschriften und Webseiten werden natürlich ihre Arbeitsweisen nicht ändern, nur weil im Internet diskutiert wird. Aber wenn wir eine Debatte bekämen, an deren Ende ein klareres Bild dessen stünde, was machbar und wünschenswert ist, wären wir schon ein ganzes Stück weiter.
Ich sprach mal vor Jahren mit einem Redakteur von NEON (ein kommerziell erfolgreiches Heft, das eine Leserschaft im Nichts gefunden hat und sie seit Jahren gut bedient) über das ideale Spieleheft. Er sagte sinngemäß, nun, es müsste ungefähr so sein wie GEE, aber die GEE mache sich beim Testen nicht die Hände schmutzig, das fehle total. Das finde ich weiterhin ein ganz gutes Bild — wenn Spielejournalisten von Publikation X das Können und den Ehrgeiz hätten, eine bunte Palette wie die der GEE zu beherrschen und gleichzeitig die Fähigkeit, knallhart und tief zu testen, das wäre eine unschlagbare Truppe.
Und wenn wir schon bei Tests sind, sollten wir mal über gute Spieletests reden. Was mich bei englischen Tests nervt, ist, dass da zuweilen von Anfang an die Metaebene bezogen — und nicht mehr verlassen wird. Das ist meist interessant zu lesen, aber ich erfahre zu wenig über das Spiel. Die Deutschen hingegen steigen mit Beschreibungen und Funktionen ein und kommen nie zu Metaebene. Das ist sehr ermüdend, besonders ermüdend bei Nischenspielen, wo sich die Kollegen dann zu Nischenjargon versteigen, um nicht hinterher in den Foren zu ge-bash-t zu werden. Die Wahrheit liegt dazwischen: Ich brauche (und ich bin ja auch nur Spieler und schon lange kein Tester mehr) durchaus diverse Details aus dem Spiel, wie funktioniert das Kampfsystem, wie wird die Story erzählt et cetera. Das muss man nicht beschreiben, das kann man in Vergleichen tun. Weiterhin gibt es grundlegende Design-Entscheidungen bei Spielen, die ich nicht mag (Auto-Heal oder nicht, Quick-save oder nicht, begrenztes Inventar oder nicht), daher ist mir wichtig zu wissen, auf welcher Seite das Spiel da steht. Ich weiß auch gerne, ob wie der kundige Tester den Titel in der Historie einordnet, wie er ihn im Vergleich zu Vorgängern sieht und — das ist meist sehr schwer zu beantworten — ob das Produkt das erreicht, was es erreichen will. Es ist nicht jedermanns Cup of Tea, aber bei Spielen wie Mass Effect oder Bioshock die Bruchlinien zwischen fertigem Produkt und der ursprünglichen Vision aufzuzeigen, finde ich interessant und hilft mir, ein Spiel in meinem Universum zu verorten. Außerdem gibt es gewisse Strömungen, denen Spiele angehören können: Tekken-artige Spiele sind anders als Soul Calibur-artige, obwohl beides Beat’em’Ups sind. Half-Life 2 ist ein langsamer Ego-Shooter, Quake ein schneller, es ist durchaus hilfreich zu wissen, dass Crysis 2 ins Half-Life-Lager gehört. Und so weiter. Da gibt es sicher noch bessere Beispiele.
Ich persönlich reagiere auch ganz schlecht auf fehlende innere Logik in Spielen, unbelebte Welten, nonsensige Dialoge und derlei und brauche da eine Warnung von den Rezensenten. Hat mir nämlich wieder keiner bei Deus Ex: HR vorher gesagt, dass man da erschossen wird, wenn man erfolglos unter den Augen von Feinden ein Codeschloss manipuliert, es aber niemanden stört, wenn man sich aus einem Gespräch abwendet und in den nächsten Lüftungsschacht kriecht. Das macht mich wahnsinnig. Aber gut, ich bin da vielleicht eine Ausnahme.
Und wenn das Spiel noch eine zusätzliche Ebene hat, etwa den vielzitierten Bezug auf Ayn Rand bei Bioshock (der hier, natürlich in einem Blog, brillant aufgedröselt wird), dann möchte ich das wenigstens wissen. Man muss es mir nicht ausführlich erklären, aber einen Startpunkt für eigene Recherche hätte ich schon gern.
So. Wenn all das erfüllt ist, bin ich zufrieden. Geht das?
Oder geht das nicht?

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Stimme ich voll zu. Irgendwie sind die Tests oder besser Spielebeschreibungen der GEE und das ganze drum herum immer das gewesen was mich an der GEE so fasziniert und gereizt hat. War halt anders.
Manchmal denke ich auch, dass es eine Art Generationenkonflikt ist, der da mehr und mehr aufflammt. Immerhin ist es nicht das erste Mal dass jemand diese Art der Kritik äußert. Zumindest ist es nicht das erste Mal dass ich sowas lese oder mitbekomme. Man möge mir den Frevel verzeihen, aber ich bin mittlerweile beim durchblättern der Printmagazine wie der Gamestar einfach nur noch angeödet. Ich gebe zu, dass vor ein paar Jahren das eingehen auf die Technik-Details noch interessant war. Aber nachdem die Hardwarespirale sich, Konsolen-bedingt, mittlerweile viel langsamer dreht, ist es mir immer wichtiger zu wissen, wie die emotionale Seite des Spiels aussieht. Grafik schön und gut, aber mich interessieren doch dann eher so Sachen wie “Warum ist dieses Spiel anders als die 10 Konkurrenten oder Vorgänger?”. Natürlich ist es nötig, dass man auch in die technische Tiefe testet. Nichts dürfte schlimmer sein, als die Aussage dass es sich um das vermeintlich beste Storytelling der letzten 10 Jahre handelt, wenn dann eine totale Bugseuche auf meinem Rechner landet, bei der es mein Charakter nicht schafft einen Fuss vor den anderen zu setzen.
Mein aktuelles Paradebespiel was eine Rezension angeht, die mir den Mund wässrig gemacht hat und dafür gesorgt hat dass ich mir ein Spiel am Release-Tag gekauft habe, obwohl es mich vorher noch einen feuchten Kehricht interessiert hat ist die Rezi der Wired (Sorry, Gunnar… Englisch ;) ) zu Deus Ex (http://www.wired.com/gamelife/2011/08/deus-ex-pc-review/)
Kein Mensch verlangt doch, dass Reviews und Rezensionen zu einem Spiele-Feuilleton (Schon allein aus dem Grund, weil ich dann jedes Mal nachschauen müsste wie man das verdammte Wort schreibt) werden, aber eine weniger technikfixierte Herangehensweise nach Schema F wäre doch schon wünschenswert. Auf der einen Seite erwartet man dass Videospiele von der breiten Masse als Kunstform wahrgenommen werden (Zumindest einiges davon) und auf der anderen Seite nähert man sich sehr oft dem Objekt als würde man ein Auto in seine Bestandteile zerlegen. Dabei geht es doch beim spielen um Spaß und Emotionen. Warum das nicht rüberbringen? Ich denke auch ein Amateur kann sich durchaus auf einer brauchbaren Ebene produzieren, wenn man ihn nur lässt statt ihn ins Korsett der altbekannten Spielebewertung zu stopfen. Die angesprochenen Blogs und Commuities zeigen das ja.
Vielleicht braucht es ja einen “Nestbeschmutzer” um mal die Branche ein bisschen wach zu rütteln.
Übrigens wurde bei Deus Ex, soweit ich mich erinnere, irgendwo darauf hingewiesen, dass man aufpassen soll, dass man nicht erschossen wird, wenn man grad mal eben ein Keypad hackt. ;)
Toller Artikel von Christan!
Ich kaufe die Gamestar (offensichtlich als einer der wenigen) noch. Jetzt, nach dem Artikel von Christian, muss ich sagen, dass tatsächlich das Wirken des Spiels auf den Spieler kaum berücksichtigt werden. Bei “Fahrenheit” ist es tatsächlich nur “Analogsticks lins, Analogsticks rechts” und aus diesem Grund muss man halt bei Gameplay, Steuerung etc. Punkte abziehen. Aber nach dem Spiel saß ich da und dachte “Puuh, da habe ich die Welt gerade nochmal gerettet bekommen. Dass muss ich unbedingt meinem Kumpel empfehlen”:
Bei Titeln wie Call of Duty 5 bis 17 ist die Grafik und das Gameplay super, man hat auch Spaß, aber dennoch ist es eine Mischung aus Einheitsbrei (mit neuster Technik) und Geldmacherei. Fahrenheit bekam (aus meiner subjektiven “nur”) ca, 80 Punkte. Die CoDs über 90. Runtergebrochen auf die einzelnen Kritierien mag das stimmen und CoD habe ich auch stundenlang mit viel Spaß gezockt, aber richtig fühlt sich das nicht an.
Wie auch immer … wenn man jetzt die Gamestar liest, dann vermisst man dort generell Spieletests. Man arbeitet sich durch 40% des Heftes und ist immer noch bei den Previews. In meinem Alter interessiere ich mich nicht für die Spiele, die 3.Quartal 2012 erscheinen. Ich weiss, dass ich diesen Monat meine knappe Freitzeit zum Teil für Zocken aufwenden kann und will doch dann was kaufen, was es JETZT gibt. Aus diesem Grund überfliege ich die Previews zu 80% und bleibe höchstens an Klassikern wie Diablo hängen. Und ich bezahle eine immer teurer werdene Zeitschrift (mittlerweile 4€ anstelle 2,50€!!!!), um diese zu 40% zu überblättern. Vermutlich wird die Gamestar mich auch mittelfristig verlieren und ich schauen nur noch bei Steam nach, welches Spiel einen guten MetaScore hat.
“Auf der einen Seite erwartet man dass Videospiele von der breiten Masse als Kunstform wahrgenommen werden (Zumindest einiges davon) und auf der anderen Seite nähert man sich sehr oft dem Objekt als würde man ein Auto in seine Bestandteile zerlegen.”
Genau das ist der Punkt. Aus irgendeinem Grund ist ein Stiftung Warentest Bericht hier die Vorlage und keine tatsächliche Kritik eines kulturellen Produkts. Obendrauf dann noch die Meinung einiger Leser (zu sehen auch in den SpOn Kommentaren), Spieletests (Betonung auf Test) müssten objektiv sein….. Gerade der Auto-Vergleich ist imo interessant, besonders wenn man eine gewisses britisches Format mit dem klassischen deutschen Automagazin im TV vergleicht. Selbst über technische Geräte wie Autos kann man anders reden. Warum also nicht über Spiele?
Ich habe vor Jahren die Gamestar abbestellt. Die schreckliche deutsche EDGE-Übersetzung abbonniert um zumindest dn Ansatz zu unterstützen und ein schlechtes Gewissen, weil ich die GEE viel zu selten gekauft habe. Der Kritikpunkt des Herrn vom NEON (den/die/das ich leider gar nicht mag) kann ich da voll unterschreiben. Da hat mich die GEE einfach bis jetzt nie so überzeugen können. So suche auch ich mein Heil in den englischen Blogs und Zines. Wobei ich eigentlich hier schon wieder ein schlechtes Gewissen haben sollte. Vielleicht einfach mal selber machen, so auf Deutsch. Vielleicht passiert dann ja was. Leichter gesagt als getan. Ich hab’ Bastion noch immer nicht ganz durch.
PS: Gott ist das anstrengend hier nen Kommentar vom iPhone aus zu hinterlassen. Irgendwas ist da kaputt.
Objektiv müssen die Tests nicht sein, das können sie gar nicht, sie sollten dennoch ein gewisses Maß an Recherche und Fairness der Arbeit der Spielehersteller gegenüber beinhalten. In der deutschen “Fachpresse” ist es all zu modern sich hin und wieder ein Spiel herauszupicken und wie ein Berserker darauf herumzuhacken und sich als Rächer der Spieler hervorzutun.
Persönliche Farbe, gerne, aber polemisches Gebashe, nein Danke. Das findet man nämlich auch in der amerikanischen Presse eher selten.
Das erinnert mich an Jörg Luibl von 4players.de, der es schafft, mehr über seine persönlichen Erwartungen zu schreiben, anstatt sich dem tatsächlichen Spiel zu widmen, und am Ende dennoch eine “objektive” Wertung drunter knallt.
Damit trifft er allerdings gelegentlich den Nerv der “Gamer-Community”, die gern – vor allem in Foren – überzogen kritisch urteilt. Brauchen wir das?
Fehler, Probleme müssen offen angesprochen werden, da bin ich mit Herrn Schmidt auf einer Wellenlänge, aber es darf in der “Fachpresse” nicht auf das gelegentliche Niveau diverser Blogs hinauslaufen.
Ehrlich gesagt, Waldgeist und Benjamin, mir würden mehrere Stimmen die eine klare Position beziehen und einander anschreien besser gefallen als irgendeine Zahl die mir sagen soll wir toll ein Spiel jetzt ist. Alles in allem ist mir gerade aufgefallen dass die einzigen “Tests” die ich wirklich verfolge die in Yahtzees Zero Punctuation Videokolumne sind. Die habe ich alle gesehen, auch wenn sie teilweise “polemisches Gebashe” seien mögen. Als er anfing hatte ich endlich mal das Gefühl, dass da einer eine Meinung hat. Das hat mir immer gefallen. Und das er durchaus lustig ist.
Das heißt aber nicht, da stimmen wir sicher überein, dass unbegründete Meinungen irgendeinen Zweck erfüllen würden. Natürlich muss ein Fazit zu einem Spiel ordentlich begründet werden. Wenn das der Fall ist, kann sich auch jeder selbst ein Bild machen, ob er/sie zustimmt. Dazu braucht es aber weder Wertungskästen noch detaillierte Waffenbeschreibungen. So sehe ich das zumindest. Ich denke das sollte man in der Diskussion auch nicht vergessen, es gibt da sicherlich einfach unterschiedliche Erwartungen.
Ich sehe das Problem der Zeitschriften nicht im falschen Aufbau ihrer Artikel. Vielmehr waren ihre Urteile für mich meist nicht nachvollziehbar, sodass ich mich von diesen Zeitschriften abgewannt habe.
In meiner Schulzeit laß ich regelmäßig Gamestar und Co, gerne auch von Seite 1 bis Ende, wie ein Buch. Es traf damals einfach mein Interesse und meinen Anspruch/ Wissenstand.
Doch je mehr Spiele ich kaufte, desto mehr erkannte ich, dass die Wertungen nicht immer den wahren Wert wiederspiegelten.
Wie konnten Titel wie z.B Operation Flashpoint hohe Wertungen erreichen, wo doch offensichtlich war, das sie selbst mit dem x-ten Patch nahezu unspielbar waren? In diesem Kontext fiel mir dann immer wieder auf, das überwiegend Puplisher in den Magazinen geworben haben. Eine Verquickung, die mich an der Unabhängigkeit zweifeln ließ und für die mir mein Geld zu schade war.
Denn es gibt auch noch andere Kritikpunkte. Die Technikecken, können ja für einen durchschnittlichen Leser interessant sein, nur leider wiederholen sich die Artikel im Jahresrythmus mehr oder weniger, sodass man nach spätestens 2 Jahren gedanklich aussteigen muß.
Das ist eine schier unlösbare Mysere der Zeitschriften. Artikel so einfach zu schreiben, das Neuleser mitkommen, andererseits Stammleser nicht langweilen. Daran müsste gearbeitet werden!
Der Artikel von Christian Schmidt ist wichtig und trifft den Nagel recht gut auf den Kopf.
Das sich so mancher der Angesprochenen von Nachtreten spricht ist klar.
Es ist immer einfacher ein Abrechnung zuschreiben , wenn man nicht mehr direkt in der Tretmühle Spielezeitung arbeitet.
Es wäre wohl mutiger gewesen diese Artikel her raus zubringen , als Christian Schmidt noch stellvertretender Chefredakteur bei der GameStar war.
Eine Atombombe wäre wohl nichts im Vergleich gewesen. Wie dieser dann in die heil Welt des deutschen Spielejournalismus eingeschlagen wäre.
Was den Deutschen Spielejournalismus, fehlt ist eine Zeitung zwischen GEE und Gamestar. So was wie der Spiegel untern den Spielezeitungen.
Aber seit die GEE untergegangen ist , Gott hab sie selig. Gibt es so was leider nicht mehr. Wobei die GEE bei weiten nicht perfekt war.
Und leider waren die Test bei der GEE in meinen Augen nicht ganz ehrlich. Da man sich bei manchen Test gefragt hat. Wie jetzt der Schiebling denn das Spiel jetzt wirklich fand, vor lauter Metaebene.
Es fehlt dann doch der Mut zur richtigen Kritik.
Hoffen wir mal das nicht jeder da draußen wie ein getroffener Hund reagiert. Sonder sich vielleicht einweinig an die Nase packt. Und mal darüber nach denkt, das man auch für „intelligente“ Spieler / innen schreiben kann. Die vielleicht Interesse daran haben Hintergrundwissen über die Spiel vermittel zubekommen.
Im Fußballbereich gibt es sie ja. Den feuchten Traum eines intelligenten Fußballfans die „11 Freunde“
So was möchte ich im Spielesegment haben.
Mal schauen, wir 40iger sind ja noch jung. Vielleicht bekommen wir ja mal ein Zeitung, mit der man sich morgens im Büro blicken lassen kann. Ohne Doof angeschaut zu werden.
Wobei die AGM, kann man schon im Vorzimmer liegen lassen.
Volle Zustimmung. Für jeden Mist gibt es das Magazin für den berufstätigen Mann/die Frau zwischen 25 und 50, nur für Videospiele scheint das nicht zu gelten. Da ist man mit 20, maximal 25 wohl zu alt für.
Lieber Gunnar,
gibs einfach zu: Mit diesem Gedankengut habt ihr Gamestar mit Karacho gegen die Wand gefahren und so ziemlich all das vernichtet, was andere in mühsamer Arbeit aufgebaut haben. Wer einen brillanten Testbericht wie den von Jörg über Shogun 2 als “ausschweifende Demonstration von Spezialistentum” herabwürdigt, hat absolut nicht kapiert, was Fachmagazine ausmacht. Keine akademische Traumwelt, sondern knallharte Tests, deren Wertung auch nach Jahren noch nachvollziehbar vermittelt werden kann.
Ah. Der Mick. Natürlich.
Spar Dir Deine Vorwürfe, mit Dir diskutiere ich nicht öffentlich.
Nur so viel, weil grad’ Jörgs Name fiel: Ein ziemlich gutes Beispiel für einen deutschen Spieletest, wie er nach meiner persönlichen Meinung sein sollte, ist Jörgs Dragon-Age-Test auf Gamersglobal. Gefällt mir sprachlich nicht an allen Stellen und insgesamt isses ein bisschen viel des Guten, aber Jörg behält immer das große Ganze im Griff — und wenn er auf Details losgeht, macht er es exemplarisch und interessant.
Naja, sieht auch weniger nach deinem Diskussionswunsch aus (dass der Artikel gelesen wurde ist auch nicht ersichtlich), sondern viel mehr dem Bedürfnis einfach mal niveaulos loszupöbeln.
Was ist das denn für ein Kindergarten Verhalten? Damit bist Du auch nicht so viel besser als die sich beleidigt fühlenden Kollegen.
Also, diese Art von Antwort war ja nun mal ein Armutszeugnis, Gunnar.
Und nicht öffentlich würdest du das? Glaube ich auch nicht, und erinnere mich noch gut daran, wie mir mit einem “Es interessiert uns nicht was du zu sagen hast” dereinst der Mund in der Redkonf verboten wurde.Aber wer eh schon alles weiß… Keine Panik, werde hier nicht mehr auftauchen.
Sorry, aber es gilt die alte Regel: Never feed the trolls.
War Mick nicht Redakteur als Du Chefredakteur bei der Gamestar warst?
Sind Deine Kollegen bei Gameforge auch alles Trolle? Ziemlich überhebliche Einstellung.
Die Gamestar hat sich doch immer mehr von “diesem Gedankengut” entfernt, statt sich danach zu richten. Das war jedenfalls mein Eindruck in den letzten Jahren. Es würde mich daher schon interessieren, wie du das meinst.
Und diese Ausschließlichkeit verstehe ich auch nicht – man kann doch auch knallharte Tests (mit oder ohne Wertung) mit akademischer Traumwelt kombinieren oder einen Platz in der Mitte beziehen. Die Ausschließlichkeit, die du postulierst, existiert doch gar nicht.
Christian hat doch selbst in seinem Artikel ausgeschlossen sich über Details in Spielen auslassen zu wollen. Klar, kann man versuchen beides zu vereinen, jedoch sitzt man schnell zwischen den Stühlen. Detailkriteleien und Generalkritik auf Metaebene vertragen sich nicht sonderlich gut, keine der Leserfraktionen würde mit so einem Artikel glücklich. So, jetzt bin ich dann aber auch weg, damit Gunnar nicht noch böse wird.
@Mike Schnelle
Wenn Sie schon anderen das vorwerfen können Sie sich auch an die eigene Nase fassen. Als sogenannter ,, Simulationsexperte” gab es doch für Sie nur ein paar Lieblingspiele ala Falcon und die anderen die etwas anders waren und zugegebenermaßen nicht perfekt waren für Sie nur Mittelmaß. Ein Beispiel? Die X- Reihe. X- Terran Conflikt und die Vorgänger kamen bei der Gamestar nie über 79%. Es wurde unter anderem bemängelt das die Steuerung kompliziert sei und man sich viele Taten merken müsse. Nur soviel Herr Experte: Ich brauche in dem Spiel nur Punkt, Komma Enter Bild hoch und runterund den Num.Block. Das könnte für einen Eperten doch nicht zu viel sein?
Und was war bei den Falcon Spielen und anderen Simul Spielen? da langen z.b. Schablon dabei weil die Tasten doppelt belegt waren u.s.w. Das war dann nicht zu kompliziert für Sie Herr Schnelle.
Gerade wegen solcher Fanboytests und Tests wo man gemerkt hat das der Schreiber keine Lust auf das Spiel hat weil alles zu komplieziert und sooo Umständlich ist wird das Spiel abgekanzelt.
Spielemagazine sind doch nur Werbeträge der Publisher. Mehr nicht.
Nur der Vollständigkeit halber an Mick: Ich habe nirgends ausgeschlossen, über Details zu sprechen. Ich sage, dass ich es für falsch halte, dass in vielen Artikeln ausschließlich über Details gesprochen wird.
Ich möchte mich beu euch beiden ganz herzlich für das Voranbringen dieser Diskussion bedanken. Mir haben in der Vergangenheit die Worte gefehlt, um so richtig greifbar zu machen, warum ich diese Magazine nicht mehr lese. Vielleicht bin ich nicht geduldig genug, über so etwas nachzudenken.
Christians letzer Artikel im MGM (über Minecraft) hatte mich dann komplett umgehauen und ich hatte mich dann gefragt, warum nicht viel mehr Artikel so intelligent geschrieben werden können. Als selbst (Teil-)aktiver Spieleentwickler war es auch ein kleines Stück demütigend, dass sich da jemand mal so richtig, richtig, richtig viele Gedanken über mehr als Polycounts gemacht hat. Das war ein Ansporn, selbst im Game Design noch mehr nachzudenken.
Was die spielenden Konsumenten angeht, so denke ich, darf man die ruhig fordern. Man muss der Zielgruppe ja nicht immer geben, was sie erwartet (aber wem sage ich das). Es mag etwas anstrengender sein, wenn man beim Lesen nachdenken muss, aber das befriedigende Gefühl, etwas dazugelernt zu haben ist das doch allemal wert.
Die Wertung in Zahlen fand ich immer, immer, immer bescheuert, in allen Branchen. Wirklich 83% und nicht 84%? Oder gar 83,1%? Das ist kaum hilfreich für eine wirklich wertvolle Aussage.
Natürlich steht man mit so einer Ansicht vielleicht nicht in der größeren Gruppe. Sei’s drum, wen interessiert schon Konformität? Meine Stimme wird Christians Appel immer bekommen.
Jaja: Appel, Apell – ist doch alles das gleiche.
Das fand ich bei der PC Powerplay, die ja mal zwischendurch für ein Jahr oder so das Licht der Welt erblickt hat, sehr schön: Statt einer Punkte-Wertung hat einfach ein Haufen Redakteure seine jeweilige Meinung zum Spiel geschrieben. Nach einer Weile wusste man, welcher der Redakteure am ehesten seinem Geschmack nahe kommt – und wenn alle Redakteure “Yayy, gut!”, und der eine, auserwählte “Bäh!” schreiben, dann wusste ich: Das ist nichts für mich, auch wenn es für andere toll ist.
Gab / Gibt es das bei der GameStar nicht auch? Ich erinnere mich daneben an eine Tabelle in der jeder Redakteur angab was er so (an)gespielt hat und wie es ihm gefallen hat
@Hazamel: Ja, so was mit Sternen gab es – und für eine kleine Auswahl von Spielen pro Heft gibt es das auch immer noch… Aber mit Sternen sind wir ja schon fast wieder bei einer Punktewertung. :)
Jau, Hazamel, das gab es – wurde damals aus der PC Player, hust, übernommen.
Ich widersprach ja:
http://shodannews.wordpress.com/2011/09/07/in-defense-of-game-star/
Von einem guten Spielemagazin erwarte ich eigentlich *beides*.
Als ich noch Gamestar-Abonnent war, gefiel mir gerade die Mischung aus langen, haarspalterisch-detailorientierten Spieletests und den eher breiten, akademisch-philosohischen Betrachtungen im letzten Viertel.
Schmidts grundsätzliche Kritik am teils beliebigen Videospieljournalismus kann man nachvollziehen, dem kann man auch zustimmen – muss man aber nicht.
Allerdings ist sein Schluss absolut unzulässig, dass sich die “selbsternannten Redakteure” ihr eigenes Grab geschaufelt hätten und dass mehr Metaebene zu einer Belebung des Print-Marktes führen würde. Selbst englischsprachige Magazine wie die Edge, die einen anderen Ansatz zum Thema Videospielkultur verfolgt, finanzieren sich nur mäßig, dabei ist deren potentieller Absatzmarkt um Welten größer als der eines rein deutschen Magazins.
Videospiele haben in den letzten Jahrzehnten an Komplexität gewonnen, die für einen Neueinsteiger kaum mehr zu greifen ist. Wo ein Heinrich Lenhardt nach 30 Minuten “antesten” 2 Seiten Testbericht abliefern konnte und seine Schreiberzeugnisse niemand infrage stellte, wollen Spieler heutzutage bis ins kleinste Detail unterrichtet werden – selbst wenige Auslasser können zum Aufschrei führen. Das kann man schwerlich in einem Fließtext unterbringen – und sollte man meiner Meinung nach auch nicht -, weswegen die Fülle an Info-Boxen in Print-Magazinen Jahr für Jahr zugenommen hat. Das ist nicht nur der perverse Wunsch der Redakteure nach Detailversessenheit.
Zudem neigen viele “Gamer” zum Überspitzen (positiv und negativ); das kann man als Redakteur in einem Print-Erzeugnis nicht machen – somit steht der Vorwurf der Käuflichkeit seit Jahren im Raum. Tatsächlich einer der Hauptgründe, die in Foren angebracht werden, wenn es um den Untergang der Print-Magazine geht.
Im Fließtext muss sich ein Redakteur austoben können und dürfen. Da ein Redakteur neben einer begnadeten oder unterhaltsamen Schreibe (Lenhardt) aber mittlerweile auch Spielkenntnis und vor allem Einarbeitungszeit (nicht Lenhardt, man möge es mir verzeihen) braucht, muss ein Videospielredakteur sowohl Fachmann als auch eloquenter Schreiber (ohne die Zielgruppe aus den Augen zu verlieren) zugleich sein.
Aber wie kann er das? Die Fülle und Komplexität neuer Videospiele ist schier erdrückend. Verlage kürzen Stellen, Gehälter stagnieren, das Arbeitspensum steigt. Die Auflagenzahlen sinken, der Zeitdruck wächst dank der Online-Angebote.
An dieser Entwicklung tragen jedoch nicht die ehemaligen Kollegen des Herrn Schmidt Schuld. Es sind die Geldgeber. Es ist der Mensch, der durch die Meinungspluralität im Internet seine perfekten Rosinen herauspicken kann – und will -, die kein Print-Magazin dieser Welt für eine so große Käuferschicht abstimmen kann, dass sich der tatsächlich bezahlte Mehraufwand für die Redakteure (aus Sicht des Unternehmens) lohnen würde. Grundsätzlich werden sicher viele Redakteure einem Herrn Schmidt zustimmen, der mehr Einarbeitung, mehr Interspielualität fordert – jedoch dabei die Details nicht vergisst.
Herr Schmidt hat dahingehend Recht, dass die sprachliche Qualität im Fachzeitschriften bisweilen zu wünschen übrig lässt – eine Verallgemeinerung ist allerdings unangebracht. Herr Schmidt hat auch dahingehend Recht, dass gelegentlich ein bisschen mehr Metaebene interessant wäre – jedoch nicht immer zwingend ist. Herr Schmidt irrt allerdings in der Annahme, dass der Print-Markt aufgrund des Mangels dieser Qualitäten einbrach und weiterhin an Bedeutung verlieren wird.
Welcher Verlag ist denn noch daran interessiert, seine Redakteure in den Vordergrund zu stellen? Welcher Investor möchte sich von Ikonen des Videospieljournalismus abhängig machen? Welcher Videospielredakteur opfert nicht einen ungeheuren Teil seiner Freizeit, um doch noch das Quäntchen mehr Qualität zu liefern, dass in seiner vom Arbeitgeber vorgegebenen Zeit gar nicht zu bewerkstelligen ist?
Hach, immer dieses Schwarz/Weiß-Denken – sehr schön. Und wie immer sofort Leute Partei für irgendwen ergreifen… :)
Kennt hier jemand das “Retro Magazin”? In der aktuellen Ausgabe sind da beispielsweise ein zwölf-seitiger Artikel über die Historie der Adventures und ein sieben-seitiger über Portierungen von Spielen auf verschiedene Plattformen drin. Ganz ehrlich? Die habe ich deutlich gebannter gelesen als beispielsweise die seit einem halben Jahr in fast jeder Ausgabe der GameStar erscheinenden Previews zu Battlefield und Modern Warfare. Erstens weil ich mit realistischen Shootern sowieso nichts am Hut habe und zweitens weil jedes mal wieder das gleiche drin steht – wie bei fast allen Artikeln in fast allen Spiele-Zeitschriften: Grafik: Ooooh! Sound: Uiiii! Waffen: Jaaaa…
In so fern gebe ich Christian absolut recht.
Andererseits – und das schreibe ich jetzt als Software-Entwickler (was ich gelernt habe), nicht als Journalist (wovon ich Laienwissen habe): Kann man aus aktuellen Spielen viel mehr rausholen? Und, kommerziell noch viel wichtiger: Will das dann auch die Mehrheit lesen?
Klar – mit der Retro habe ich jetzt schon Beispiele gebracht, dass es geht, aber die Retro ist auch ein Nischenprodukt, erscheint vier mal im Jahr und kostet bei (Werbung rausgerechnet) etwas weniger Seiten etwa doppelt so viel wie die GameStar pro Heft….
Ach, sei vielleicht noch dazu gesagt: In der Retro geht es nicht um Rezensionen von Spielen. Das legt der Name des Magazins aber eigentlich auch schon nahe. Die Spiele, die in dem Heft landen, sind in der Regel zwischen 5 und 30 Jahren alt :)
Gunnar Lotts Anmerkungen sind hervorragend und treffend und vollständig meine Meinung. Er hat in der Tat weniger offensiv formuliert als man Christian Schmidt auslegen kann.
Es ist mir beim ersten Lesen von Schmidts Text klar gewesen, daß er damit einigen Leuten massiv auf die Füße tritt; aber es ist mir auch, als sein langjähriger Leser, sofort klar gewesen, daß er das nicht so wollte, wie es von den “betroffenen Hunden gebellt” wird. Von denen erwarte ich im übrigen auch, zumal sie ihn besser kennen als ich, daß sie das eigentlich angesprochene Problem bzw. eher den Wunsch von Christian Schmidt erkennen und diskutieren, und daß sie sehen, daß er NICHT primär seine Kollegen angreifen will, sondern den Wunsch hat, den gesamten Spielejournalismus zu verbessern; und das sollten alle wollen.
Jedenfalls nehme ich an, daß ich ihn insoweit nicht falsch verstanden habe.
Diejenigen, die wirklich Journalisten sind, müssen sich nicht angegriffen fühlen.
Und diejenigen, die – z.B. bei Gamersglobal – die Diskussion auf die Frage “sind 100 Prozent oder zehn-von-zehn das bessere Wertungssystem” hinunterziehen (darum geht es nun wirklich ü-ber-haupt nicht), verwässern mit peinlichen Teenie-Rechthabereien eine Diskussion, die ohne gegenseitige Vorwürfe so hochklassig und wichtig sein könnte, wie die Gamer sie noch nie erlebt haben. DAS wäre mal ein Beweis für’s Erwachsenwerden unseres Hobbies! (Und weil er so ein Potential überhaupt erkennt und so weit denkt, ist Christian Schmidt so ein guter Journalist)
Und ich finde nicht, daß sich Christians Wunsch und – beispielsweise – Jörgs “Shogun 2″-Test irgendwie ausschließen. Aber viel zu viele Tests (und Tester) haben weder die Qualität von Christian, noch die Qualität von Jörg (und ihrem jeweiligen Stil).
Es ist sehr schön die Meinungen und Analysen von einem ehemaligen stellvertretender Chefredakteur und einem ehemaligen Chefredakteur einer sehr guten Computerspielefachzeitschrift zu lesen.
Die Herren Schmidt und Lott sprechen viele wichtige Punkte an die in ihren ehemaligen Tätigkeitsfeldern falsch laufen.
Bleibt eigentlich nur die Frage was sie gegen diese Entwicklung unternommen haben als sie noch zu den Entscheidungsträgern zählten.
Steht doch ein paar Kommentare weiter oben: Wir haben den Karren an die Wand gefahren. Mit Karacho! :-)
Das habt ihr sogar auch. Es wundert mich, das es so schwer fällt, dies auch ohne Iroie oder Sarkamus zuzugeben, wenn man schon son Artikel in die SPON knallt ;).
Ich finde Christians Artikel wieder einmal klasse geschrieben und kann seinen Aussagen aufgrund eigener Arbeitserfahrungen nur zustimmen. Allerdings ist mir die Reflexion auf die Gründe zu schwach. Aber beginnen wir doch mal am Anfang:
Ich bin seit fast 20 Jahren ein begeisterter Spieler und habe ein Germanistik-Studium erfolgreich abgeschlossen. Außerdem schreibe ich seit Jahren in meiner Freizeit allerlei literarische Texte. Nach dem Studium war ich so naiv und dachte, ich könnte meine zwei Leidenschaften (Schreiben und Spielen) in einem Berufsfeld verbinden. Ich wurde eine Redaktions-Trainee für eine Online-Spielemagazin. Ich war schon immer von der Art, wie Christian schreibt, fasziniert und wollte genau diese kreativen Journalismus ausführen.
Ich wurde allerdings sehr schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt. Die Einblicke die ich bekam waren erschreckend: Der Spielejournalismus ist in einem desaströsen Zustand. Die Arbeitsbedingungen sind katastrophal (bei einigen Magazinen natürlich besser als bei anderen, aber richtig gut sind sie bei keinem): massenhaft unbezahlte Überstunden, mehr Stress als in vielen anderen Berufen (besonders im Internetbereich muss ja alles immer sofort aktuell sein, da ist es natürlich wenig hilfreich, dass viele Publisher dazu neigen ihre Testexemplare erst in letzter Sekunde zu schicken) und das ganze zu lachhaften Löhnen (nein eigentlich sind diese so gering, dass sie einem die Tränen in die Augen treiben). Wie soll bei einem zu vergifteten Arbeitsklima Kreativität sprühen können. Ich habe schnell die Notbremse gezogen und die Füße in die Hände genommen wie so viele meiner Kollegen.
In der heutigen Gesellschaft sind wir leider dazu übergegangen unsere jungen Menschen nur noch als Humankapital auszunutzen: sie sind jung und gesund, lassen wir sie buckeln bis sie irgendwann nicht mehr können, dann holen wir uns eben neue. Der Spielejournalismus hat das gerade zu perfektioniert. Schaut euch die heutigen Redaktionen an: Mehr Praktikanten als feste Mitarbeiter, weil sie billiger sind. In anderen Magazinen hat man sogar noch perfidere Methoden gefunden: Man bedient sich der User, befördert einige zu Redakteuren und lässt sie kostenlos oder zu Hungerlöhnen Artikel schreiben, bis die Finger bluten. Sind sie ausgebrannt werden sie schnell durch neue ersetzt. Es gibt ja genug. Das darunter die Qualität der Texte leidet, versteht sich von selbst.
Doch wer ist Schuld an der Misere. Für die Verlage ist es natürlich das Internet: Da gibt es alles kostenlos. Die Auflagen der Printmagazine sinken seit Jahren. Die Verlage können sich zum einem keine ausgebildeten (guten) Autoren und zum anderen keine guten Arbeitsbedingungen mehr leisten. Der Kampf zwischen Online- und Printmedien tobt seit Jahren unerbittlich und Online scheint zu gewinnen. Doch keiner scheint zu merken, dass es nur ein teuer erkaufter Pyrrhussieg ist. Denn unter dem Geopferten ist vor allem der gute, kreative Journalismus zu finden. Wer kann sich schon seine Muse erhalten, bei diesen katastrophalen Arbeitsbedingungen. Drehen wir das ganze um und betrachten es unverschämterweise aus einer ganz anderen Perspektive: Die Kreativität stirbt. Texte werden im Schnellverfahren aufgrund der schlechten Bedingungen produziert. Die Leser fliehen in den Online-Bereich. Da müssen sie wenigstens nichts für die schlechten Texte bezahlen. Es ist ist ein Teufelskreis: kein Anfang und kein Ende.
Ich kann allen Autoren (jung und alt) nur sagen: LASST EUCH NICHT AUSNUTZEN!! ARBEITET NICHT FÜR DUMPINGLÖHNE!! Auch wenn ihr kein Mick Schnelle oder eben Christian Schmidt seit, ist es nicht gerechtfertigt, euch nur zwischen 50 und 75 für einen Artikel zu bezahlen. Das ist einfach unverschämt. Jeder der solche Löhne zahlt, sollte sich schämen.
Leider ist die Wahl, die man in so einem Fall zu treffen hat, nicht immer eine einfache. Rechnungen wollen bezahlt werden und dafür muss man vor allem im Online-Bereich sehr viele Aufträge an den Mann bringen. Man könnte etwas anderes machen, doch wer hat schon die Chance, seinem Traumjob nachzugehen?! Die Alternativen bringen vielleicht mehr Gehalt. Vielleicht weniger Arbeitsstunden. Vielleicht eine sichere Zukunft. Doch könnte man dann nicht mehr schreiben und spielen und schreiben und spielen. Und irgendwie ist man doch immer “a weng” verrückt, wenn man sein Hobby zum Beruf macht – und Verrückte machen verrückte Dinge.
Ansonsten kann ich aber vieles bestätigen. Es ist schlicht in vielen Redaktionen nicht möglich, die Qualität der Texte deutlich zu verbessern, so lange die festen Redi-Teams zu klein sind und ein großer Teil der Arbeit von Prakitkanten, Volos und “Freien” geleistet wird – von denen die meisten “quer” in die Branche eingestiegen sind. Viele sind in dieser Branche mit wirklich viel Herzblut dabei, doch fast jeder leidet darunter, dass von “Oben” nur auf die nackten Zahlen geschaut wird. Spannende Experimente sind kaum drin, besonders wenn das Thema eher eine Nische bedient. Änderungen werden im Prinzip nur darauf ausgerichtet, dass man nach den Anpassungen weniger Leser verprellt als man neu dazu bekommt.
Das angesprochene Problem der sogenannten Hungerlöhne und der Überschuss an (jungen) Praktikanten, ist jetzt aber nicht unbedingt ein alleiniges Problem des “Spielejournalismus”. Wenn man sich umschaut, gibt es weitaus “wichtigere” Berufsgruppen die unterbezahlt sind, fängt zum Beispiel bei Krankenhausangestellten an und hört beim Polizisten sicherlich nicht auf.
Der Punkt ist: Wer noch daheim wohnt, von Mama bekocht, beputzt und gewaschen wird, für den sind 75 Euro und ein Spiel Reingewinn. Keine gute Schreibe? Macht nix, der Verlag spart ja kräftig. Und dreht damit genauso kräftig an der Abwärtsspirale. Und das nicht erst seit gestern, sondern schon ein paar Jahre. Ist es ein Wunder, dass viele Altvordere gar nicht mehr schreiben, sondern sich in artverwandten Themen tummeln?
Auf keinen Fall. Sicher gibt es immer noch Seiten wie z.b. GG, die gerne einen Artikel von dir, von Mick, von Heinrich veröffentlichen – und es gibt auch immer noch sehr viele Leser, die gerade von euch besonders gerne Artikel verschlingen. Doch wird man für euch mit Sicherheit mehr zahlen müssen, als für einen freien Frischling, der noch keinen Namen hat und wahrscheinlich sogar schlechter schreibt. Sehr viel mehr Seiten und Magazine werden wahrscheinlich im Zweifel die günstige Möglichkeit wählen. Und warum sollten alte Hasen auf ein Gehaltsniveau fallen, dass in keinem Verhältnis zu ihrer Erfahrung und ihrer Arbeit steht? Da zieht auch schon mal ein alter Redakteurs-Veteran die Notbremse und besucht lieber das Arbeitsamt als für einen miesen Stundenlohn zu arbeiten.
Ähnlich ist es ja auch, wenn man die Chancen eines angehenden Spiele-Redakteurs ansieht. Viele rutschen durch ein Praktikum in die Branche, bekommen dann aber trotz sehr guter und motivierter Arbeit – mit Überstunden ohne Ende, mit selbstständiger Arbeit, die zum Teil fast unredigiert durchgewunken wird, mit sehr gutem Feedback aus allen Bereichen – keine Chance auf ein Volontariat. Weil gespart werden muss. Weil keine neuen Volos eingestellt werden. Stattdessen erhält man sofort diverse Aufträge, um als Freier durchzustarten – wie gesagt: gute Arbeit hat man ja geleistet und als Freier kann man halt notfalls sehr einfach von der Gehaltsliste gestrichen werden, wenn von oben weitere Einsparungen proklamiert werden. Auch hier geht man als Verlag/Redaktion den günstigen Weg……..und beide Punkte sorgen natürlich dafür, dass die Qualität der Artikel leidet. Die erfahrenen Schreiber sind zu teuer und der Nachwuchs wird nicht vernünftig ausgebildet. Teufelskreis, anyone?!
Recht hat er,der Christian,aber es gibt nur ein Problem an der Sache,nämlich die Spieler.
Das hier habe ich im SpOn-Forum gefunden:
“Wir – die echte Gamer – wollen nicht in die Mitte der Gesellschaft, da der Durchschnittsmensch (also “die Mitte”) keinen Geschmack hat. Je mehr man sich der Mitte nähert, desto belangloser, einfalllsloser, leichter und beliebiger wird etwas. Spiele sind davon ganz besonders stark betroffen.
Wir wollen auch keine weichgespülten Spiele-Tests, die im Grunde nichts anderes als Spiele-Berichte für Lieschen Müller sind, ohne den echten Gamern irgendwas bieten zu können. Wir interessieren uns für die Waffenauswahl, für die glaubwürdigkeit der Physik, für die Grafikengine inkl. Revision, Texturauflösung, Shaderimplementierung, AA-Modi und KI.
Wer sich dafür nicht interessiert, der soll mit dem Stylus virtuelles Hausgetier auf seinem Nintendo streicheln, aber sich in Gottesnamen nicht als “Gamer” bezeichnen.”
Das steht exemplarisch für einen Großteil der Leser von solchen Textfluten wie den Shogun 2-Test.
Der Core-Gamer,der sich selbst für etwas besseres hält und als einziger wirklich das Recht hat,sich als Spieler zu bezeichnen (aus seiner Sicht),und der mit Verachtung auf alles hinabschaut was aus seiner Sicht Casual ist. Und dazu zählt alles was in irgendeiner Form simpel oder zugänglicher ist als er es gewohnt ist,oder was ganz einfach eine große Käuferschicht anspricht.
Dieser Core-Gamer wünscht sich seitenlange Tests,da er genau weiss das sich keiner der niederen Casualgamer solche Tests jemals in gänze liesst (oder auch nur nachvollziehen kann),und sie brauchen solche journalistischen Ergüsse als eine Art Selbstbestätigungsritual.
Das klingt jetzt alles leicht nach einer Art Videospiel-Sekte,aber ich hab das Gefühl das die selbsternannten Core-Gamer sich auch genau als Teil einer Sekte oder Subkultur sehen bzw gesehen werden möchten.
Der Computerspielemarkt wandelt sich gerade,und sie möchten lieber in ihrer alten Welt bleiben,in der PC-Speiel noch nicht in der Gesellschaft angekommen waren,und die Gamer eine kleine Verschworene Gemeinde waren,in der sie sich wohlgefühlt haben.Und diese Tests erfüllen eben dieses Bedürfnis.
Ein anderes Problem,wegen dem neuartige Spielezeitschriften kaum Erfolg haben werden, ist leider hausgemacht: Ich rede von Spiele-Vollversionen auf Heft-DvDs.
Ein Großteil der Käufer von Gamestar,PC Games und Co ist immer noch recht jung,und gerade die neigen oft genug dazu,sich immer noch die Zeitschrift mit der besseren Vollversion zu holen,die Themen in den Zeitungen überschneiden sich ja eh oft.
Und wenn solche dann die Wahl haben zwischen Zeitung XY ,die zwar 08/15-Tests bietet,aber Crysis als Vollversion hat, und einer innovativeren Zeitung wie GEE,dann ist die Entscheidung nicht allzu schwer
Reflexhaft würde ich den Kommentar “Wir – die echte Gamer – wollen nicht in die Mitte der Gesellschaft, da der Durchschnittsmensch (also “die Mitte”) keinen Geschmack hat. ” als Kiddie-getrolle abtun. Ich mag mich irren… Ich beanspruche durchaus nach 20 Jahren für mich, dass ich auch noch ein echter Gamer bin, es mich aber grad mal null interessiert was für Waffen in den Spiel vorhanden sind. Das sind Fakten mit denen ich auf dem Schulhof oder bei meiner Ultrakrass-Gang angeben kann, aber wen, jenseits der 20 mit ein bisschen Grips in der Birne, interessiert das denn?
Ich würde mich durchaus als Core-Gamer bezeichenen, aber mich interessieren mittlerweile andere Dinge an Spielen als die Fahrzeug oder Waffenauswahl.
Jeder ist halt anders gestrickt – jeder setzt seine Schwerpunkte anders. Es gibt bestimmt auch eine Menge 20+Gamer, die auf jedes Detail ihres neuen CoD-Spiels abfahren. Ihnen deswegen Grips abzusprechen ist recht überheblich. Man selber ist halt nicht immer das Zentrum des Universums, an dem sich alle anderen Mitmenschen messen müssen.
Wichtig ist in dem Zusammenhang doch vor allem, welcher Typ Spieler als Leser im Jahre 2011 überhaupt noch auf Print-Magazine zugreift und warum er die x Euro regelmäßig oder nur sporadisch investiert.
Wenn Hefte sich finanzieren wollen, müssen sie von diesem Typ Spieler genau die größte Schnittmenge ansprechen. Magazine wie die GEE oder die EDGE konnten/können das leider nicht mal im Ansatz – und nicht falsch verstehen: beide Formate fand/finde ich super – nur war gerade das Abo der GEE eher Luxus zusätzlich zu anderen Informationsquellen – nur mit ihr hätte ich meinen Bedarf an Informationen niemals alleine abdecken können. Und gerade solch ein Luxus wird sich der typische Gamer niemals leisten.
Und wenn man sich die Spieler-Typen anschaut, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass die Facebook- und Handy-Generation ein regelmäßiges Print-Heft benötigt. Genauso wenig kann sich ein Magazin von den Spielern finanzieren, die vielleicht ein oder zweimal im Jahr ein neues Spiel zulegen. Gleichzeitig sind gerade auch Core-Gamer eine schlechte Zielgruppe für Print-Tests und Previews, wissen diese im Normalfall doch eh, wo sie ihre Infos früher erhalten.
Ich selber bin Core-Gamer und ich kaufe mir Zeitschriften nur für ein wenig Berieselung auf der Toilette. Früher hab ich dagegen Magazine gekauft, wenn ich in den Meinungen der Redakteure meinen eigenen Geschmack wiederfinden konnte. Doch gibt es gar nicht mehr diese großen Charakterköpfe innerhalb der Redaktion, denen man blind vertrauen kann, wenn sie ihr “Pflichtkauf” drunter setzen. Zweiter Kaufgrund war in meinen jüngeren Jahren zusätzlich noch die beiliegende Vollversion. Da mussten zum Teil gleich zwei oder drei Zeitschriften jeden Monat her, einfach weil gute Spiele für wenig Geld ein tolles Argument für mich war. Mittlerweile bin ich deutlich flüssiger als in der Schulzeit, kann mir aber aufgrund von Steam und Co so viele tolle Spiele für wenig Geld holen, dass ich gar nicht mehr hinterher komme => Ich habe mir schon seit Jahren keine Zeitschrift mehr wegen einer Vollversion geholt.
Print wird immer seinen Platz im Gaming-Bereich haben, aufgrund der sehr Online-affinen Leserschaft wird ein weiterer Abfall der Verkäufe aber nicht zu verhindern sein – egal wie hoch die Qualität der Texte sind.
Wichtig ist daher vor allem, dass im Online-Bereich einiges passiert. Dafür muss aber erst einmal eine vernünftige Basis geschaffen werden. Nur mit vernünftigen Arbeitszeiten, vernünftig großen Teams, vernünftiger Bezahlung sind Redakteure in der Lage, qualitativ hochwertige Arbeit über einen langen Zeitraum abzuliefern. Und nur mit ausreichend Volo-Plätzen kann man aus den vielen freien, ungelernten aber überaus motivierten Schreiberlingen eine neue Generation von guten Journalisten “züchten”. Dafür muss wiederum ein Weg gefunden werden, die Online-Auftritte sehr viel rentabler zu gestalten. Durch die Werbung gibt es zu wenig. Mit Online-Abos kann man kaum jemanden ködern. Experimente sind auch schwierig, da besonders die Zahlendreher im dritten Stock der großen Verläge ihre Hand über allem halten und jede Art von vernünftigem Spiele-Journalismus im Keim ersticken.
@Karsten: Den Anspruch auf die vollkommene Meinung erhebe ich für mich auch gar nicht. Sorry wenn das falsch rübergekommen ist ;)
Der Satz hat in meinen Augen nur ungefähr so viel Bedeutung wie wenn die Schickeria für alle Bayern Fans spricht. Die Reaktion da war ja auch bekannt.
Ich wundere mich, dass es trotz Analysen und Statistiken scheinbar am Publikum “vorbeigeschrieben” wird. Ein Einbruch von zwei Drittel der Leser muss ja irgendwo herkommen. Das naheliegenste wäre doch mal das Ohr an die Gleise zu legen und zu hören, was die Spielerwelt da draußen will. Viele der Grundinfos bekomme ich eh online (da stellt sich so manches Print-Magazin selber ein Bein) aber was ist mit dem was über das Grundbedürfnis hinausgeht?
Da macht es aber auch keinen Sinn so eine Umfrage unter den Lesern zu veranstalten, die eh schon da sind, da muss man eben mal ein bisschen Geld in die Hand nehmen und sich anderweitig umhören. Was jetzt in den Foren hochkommt neben all dem Frust, Für und Wider des Schmidt’schen Ansatzes sollte doch in den Verlagen die Glocken läuten lassen und dazu führen dass man den Schwung mitnimmt und sich das Feedback was vom Gamer draußen kommt, zu Herzen nehmen.
Die Leute die jetzt kommentieren und etwas dazu sagen sind schließlich die Zielgruppe und äußern jetzt warum sie kein Print mehr kaufen und wie sie sich Tests/Rezensionen vorstellen, dass sie’s eben wieder per Print kaufen würden.
Nach 32 Jahren als Videospieler muss ich zugeben: In meinem Bekannten- und Freundekreis sind die meisten Menschen keine Spieler mehr. Der Freund, mit dem ich dereinst Streets of Rage im Koop-Modus spielte, ist heute mit Frau und Kindern ausgelastet. Der Freund, mit dem ich Text- und Grafikadventures in langen Telefonkonferenzen und in der Freistunde durchdiskutierte, ist heute mit Frau, Kindern und Eigenheim ausgelastet. Und so weiter. Von daher geben die Kiddies den Ton an, nach dem die Hersteller tanzen.
Ich bin mir nicht ganz sicher, ob der in Christian Schmidts Artikel durchscheinende Gegensatz zwischen dummer und intelligenter Spielekritik so existiert. Viele jetztzeitige Spieletests sind, das muss nicht diskutiert werden, fraglos zu technokratisch. Aber sind sie deshalb gleich wenig intelligent?
Was nicht stimmt, ist die Schwerpunktsetzung zwischen technokratischer Betrachtung und inhaltlicher Kritik. Das ist schon richtig, hat aber wenig bis nichts mit nicht intelligent oder nicht intelligent zu tun. Deutsche Spieletests vermeiden schon fast belustigend konsequent (“wir bewerten nur den ‘Spielspaß’”) beinahe jede inhaltliche Auseinandersetzung mit ihrem Sujet. Mal abgesehen von dem ein oder anderen gelegentlichen Feigenblattkommentar, findet derartiges praktisch traditionell nicht statt. Sei es konkret oder auf einer wie auch immer gearteten Metaebene. Wobei Letzteres nicht ganz ungefählich ist, da derartige Betrachtungen, dazu gibt es in allen Bereichen der Kulturkritik zahllose mahnende Beispiele, sehr schnell in eine reichlich lächerliche Pseudointellektualität abgleiten, deren vorgebliche Überlegenheit in Wahrheit nur aus dem Beherrschen einiger themenrelevanter Codes und Begrifflichkeiten besteht. So etwas ist weder gut noch ausnehmend intelligent. Immerhin aber oft lustig zu lesen. Wenn auch aus ganz anderen Gründen, als es sich der jeweilige Autor so denken mag.
Also: Nicht alles, was ist, ist schlecht. Aber nicht alles, was Christian Schmidt anmahnt, wäre eine Verbesserung. Ein paar Anregungen, das würde ich mir wünschen, nimmt der eine oder andere Spieleredakteur aber hoffentlich mit. Könnte sicher nicht schaden.
Nebenbei, ich hoffe, das darf man hier ungestraft sagen: Ein generelles Problem der Spielepresse (von ‘Enthusiastenpresse’ insgesamt) scheint mir immer wieder das viel zu enge Operieren entlang der Interessen und Marketingwünsche der Hersteller zu sein. Da wäre, zumindest die großen Publikationen könnten und müssten sich das erlauben, mehr journalistisches Selbstverständnis dringend geboten. Man hat als Leser immer mal wieder den Eindruck, es gäbe da Verquickungen, die es niemals geben dürfte.
Spielemagazine sind oder werden werbefinanzierte Durchlauferhitzer für eine zunehmend pragmatisch produzierende Industrie.
Der Artikel trägt zu einer Auseinandersetzung bei, die meiner Ansicht nach längst überfällig ist – ob sich ein “richtig” oder “falsch” ableiten lassen wird, bezweifle ich jedoch. Ist auch nicht nötig: Ein Diskussion am Scheideweg kann auch den Sinn haben, sich für die Abzweigung zu entscheiden, die nicht mit “Stagnation” beschildert ist.
Ich zitier mich jetzt mal ganz einfach selber:
Ein Spiel ist natürlich zuallererst einmal ein technisches Produkt. Und so, wie ich bei einem Auto gerne wüsste, mit welcher Ausstattung ich rechnen darf, wenn ich einen Haufen Geld auf den Tisch lege, wieviel PS es hat, ob es klappert beim Fahren oder vielleicht sogar schlechter gebaut ist als sein Vorgängermodell, so will ich das auch erst einmal bei einem Spiel wissen: Läuft es auf meinem Rechner? Tröpfelt der Sound mickrig aus den Boxen oder haut mich die Wucht um? Wiederholt sich die Spielemechanik nach einer Stunde oder entdecke ich auch nach fünf Stunden noch Neues? Kurz: Welche Gegenleistung erhalte ich für mein Geld? Diese Informationen sind wichtig für mich, denn ich lege ja auch für ein Spiel nicht ganz wenig Geld auf den Tisch und möchte deswegen vor einem Fehlkauf möglichst bewahrt werden.
Gleichzeitig will ich aber auch, dass Spiele als mehr als nur ein im besten Falle sehr unterhaltsames Technikprodukt wahrgenommen werden.
Wenn ich möchte, dass die Gesellschaft Computerspiele ernst nimmt und nicht als Kinder- und Nerdkram abtut, der eine bloße Zeitverschwendung darstellt (im Gegensatz zur immer gerne zitierten Beschäftigung mit einem “guten Buch” oder sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft), dann muss auch eine entsprechende inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Medium Spiel und seiner gesellschaftlichen Relevanz stattfinden.
Mir ist auch klar, dass der x-te Egoshooter dabei wenig als Betrachtungsobjekt geeignet ist, aber es erscheinen immer wieder (und immer mehr) neue Spiele, die durchaus zulassen, dass man sich mit ihnen auseinandersetzt weit über die Beschreibung von Waffentypen und Endgegnern hinaus.
Beides gleichermaßen zu leisten, Computerspiele weder als Produkt ausschließlich für Freaks noch für Intellektuelle darzustellen ist es, was ich mir vom Spielejournalismus wünsche.
Der Wunsch ist leider zur Zeit ein frommer und bislang konnte ich mir nur damit helfen, dass ich eben zwei Zeitschriften, eine für den technischen Test und eine für das Drumherum gekauft habe.
Das ist natürlich nur eine unbefriedigende Lösung und es wird höchste Zeit, dass endlich einmal versucht wird, beides unter einen Hut zu bringen.
Ich weiß nicht, ob das wirklich alte Leser hält oder sogar neue dazu gewinnt.
Wer ausschließlich “Angry Birds” und Konsorten auf dem iPhone spielt, wird kein Bedürfnis nach seriösem Spielejournalismus verspüren. Wer Computerspiele ausschließlich als Möglichkeit sieht, Stress und Agressionen abzubauen, genauso wenig.
Wer sich aber schon seit langer Zeit fragt, warum denn Spieletests seit Jahrzehnten nach Schema F ablaufen müssen und ob man da nicht auch einmal etwas anders machen kann, wird damit vielleicht das finden, was ihm (oder ihr) bislang gefehlt hat.
Dank “Wir testen hier eine Vorabversion, beim Release soll es Hersteller schon den ersten Patch geben” kann man aber noch nicht mal das von dir erwähnte “Läuft es auf meinem PC überhaupt” ablesen…
Ich warte immer noch darauf, dass CodeMasters irgendwann mal einsieht, dass sie mich als Kunden für immer verloren haben wenn ich beim Start von F1 2010 nicht irgendwann mal mehr bekomme als einen schwarzen Bildschirm (also nie, denn das kostenpflichtige Update namens F1 2011 werde ich nicht kaufen)… Und vor diesem Fehlkauf haben mich auch die technischen Testberichte in den Spielezeitschriften nicht abgehalten…
Ich bin ja vielleicht insofern auch untypisch, als dass ich nicht zwingend ein Spiel schon am Erscheinungstag haben muss – ich kann durchaus einen Monat warten und würde mich dann auch über eine Rezension freuen, die mir einerseits die Fakten und andererseits vielleicht auch mal etwas Weiterführendes anbieten kann. Scheint aber doch eher die Ausnahme zu sein.
Ich danke Herrn Schmidt für seinen Artikel – vor allen Dingen dafür, eine Diskussion über Spiele-Journalismus als solchen angestossen zu haben, die zeigt, dass wir (Spieler und Journalisten) uns nicht nur aus der pubertierenden “Ey Alta”-Generation zusammensetzen, sondern auch jenseits der 30 und nach Ausbildung oder Studium zu finden sind. Den Eindruck, dass “erwachsene”, gebildete Menschen auch gerne dem Hobby Computer spielen und darüber schreiben nachgehen, bekommt man leider nur extremst selten, wenn man in moderne Spielemagazine schaut.
Ein Beispiel, von mir selbst erlebt, schon ein paar Jahr her, aber der Grund, warum ich seit dem keine (deutsche) Spielezeitschrift im Abo habe: Auf der Suche nach einer “abonniergeeigneten” Zeitschrift kaufte ich blind verschiedene Zeitschriften, und stieß dabei auf folgendes:
PC Action, Titelstory über Alan Wake: Auf dem Cover der Ausgabe war Alan Wake zu sehen, der den Betrachter mit einer Taschenlampe anstrahlt (Hintergrund: Im Spiel Alan Wake spielt Licht eine große Rolle, und wird zb als Waffe verwendet). Darunter die BU: “Nimm DAS, Hannelore”. Ganz klare Anspielung auf die Ehefrau des ehemaligen Kanzlers Kohl, die sich aufgrund einer schweren Lichtallergie nach einem Leben in Dunkelheit fuer den Freitod entschied. Als halbwegs empfindsfähiger Mensch für mich einfach nur abstoßend.
Ich schrieb daraufhin eine freundliche Email an die Redaktion der PC Action drückte meinen Unmut aus, wies auf die Verantwortung des Magazins hin und bat um eine Stellungnahme, auch vor dem Hintergrund, dass ich mir überlegte, eventuell das Magazin zu abonnieren. Natürlich in höflichem “Sprachdeutsch”, alle Damen und Herren gesiezt, wie allgemein üblich. Die einzige Antwort der PC Action (ich habe die Mail heute noch):
“Kritik interessiert uns nicht, dann lies doch was anderes!”
Ich weiss, dass die PC Action wohl (zumindest damals) den absoluten Bodensatz mit einem geradezu erbärmlich primitiven “Humor” darstellte, allerdings wurde und wird auch heute die Zielgruppe des Spielejournalismus eben nicht jenseits der 25 oder 30 gesehen, sondern wohl eher so um 15.
Ich fühle mich als Spielefan mit “Real Life” vom Journalismus alleine gelassen, bedient wird eine andere, jüngere Leserschaft. Um Kollegen und Freunden klar zu machen, warum ich gerne Computerspiele spiele, ist ein Blick in die aktuelle Magazine völlig ungeeignet – Zielgruppe verfehlt.
Vielen Dank, Herr Schmidt, dass Sie durch ihren Artikel bei SpOn zumindest gezeigt haben, dass es Menschen gibt, die erwachsen sind, mit beiden Beinen im Leben stehen und sich artikulieren können und “trotzdem” spielen. Vielen Dank dafür, dass Sie dem Thema Raum gegeben haben.
Herr Schmidt, Herr Lott, bitte, tun Sie uns den Gefallen, und schreiben Sie weiter über Spiele – jenseits der “Ey Alta”-Generation!
Fehlender Humor lässt Dich zu Beschränktheit einer sogenannten “Ey Alta”-Generation spekulieren. Autschn.
“Wer über meine Witze nicht lacht, dem fehlt der Humor! …..”
Soso. Recht rigide und absolute Humorvorstellung, die Sie da haben, liebe Hannelore! Aber Sie werden es wissen. Jede Sau suhlt sich nur im eigenen Dreck, wie es so schön heisst!
Ich bin mit 30 sicher nicht die “Ey, Alter”-Generation, aber so alt wie du dich in dem Post darstellst werde ich hoffentlich nie werden. Schreibst du der Titanic auch regelmäßig empörte Briefe?
Die PC-Action war zwar nie meins, aber gerade sie war ein Beispiel wie man es anders machen kann, statt dieselbe 08/15-ernsthaft-objektive Schreibweise wie alle Spielmagazine zu haben.
Also ich bin mit 32 wohl immernoch “Ey Alta!”. Macht aber Spaß. :D
Interessant ist auch das perfide Elitedenken zahlreicher Kommentatoren auf Twitter, SpOn, GG und auch hier, die grundsätzlich andere Ansätze des Spielens / der Bewertung eines konkreten Spiels abwertend kommentieren. Diese Kommentare (u.A. auch Andreas Kommentar) gesellen sich wunderbar zu “Schmidts Analyse”, die den Eindruck des einzig wahren Weges vermitteln (hier wird gleich ein “Nein, nein, so ist das ja nicht gemeint!” kommen), der meiner Meinung nach in den vergangenen Jahren dazu führte, dass offen unterschiedliche Ansätze des Berichtens in gedruckten Videospielmagazinen keine Chance hatten.
Alternativen verkaufen sich nicht (und darum geht es), wenn ein Massenmarkt ausschließlich Inhalte für die Masse fordert (oder Chefredakteure dies denken). Genauso wenig funktioniert der Nischenmarkt, wenn er nur dadurch zur Nische wird, weil er sich einseitig der Masse verschließt; gleichzeitig aber sein Schattendasein anklagt.
Ist es der scheinbar fehlende Intellekt der Schreiber und Leser oder ist es die verlorengegangene Fähigkeit, unterschiedliche Meinung nicht polemisierend auszudrücken, zu kommentieren und schlicht zu akzeptieren? Und kann/darf/muss Print aktiv gegensteuern?
Es ist wohl eher das Aufwachen von Menschen, die seit 25 Jahren spielen und darüber lesen, und sich in den heutigen Magazinen nicht mehr wiederfinden. Ein diffuses Gefühl des Fremdelns, für mich von Herrn Schmidt auf den Punkt gebracht. Dass Jugend die “Alten” immer als etwas elitär empfindet, liegt glaube ich einfach in der Natur des Menschen. Und ja, ich möchte – neben den bereits vorhandenen Publikationen – ein Magazin über Spiele für Menschen, deren Lebenswirklichkeit sich nicht um den ersten Bartwuchs, die erste Freundin und das Jambasparabo dreht.
Wir sind älter geworden, Ansprüche ändern sich – was ist so falsch daran, für sie einzustehen?
Gar nichts ist daran falsch. Das andere so abwertend zu beschreiben, wie das – wie bereits geschrieben – zahlreiche Kommentatoren tun, ist unwürdig und bietet keine Diskussionsgrundlage.
Ich kann Andrea nur beipflichten: Lese ich einen beliebigen Artikel in diesen sog. “Fachzeitrschirften” kann ich mir vor so viel Naivität, Versimplifizierung nur an den Kopf fassen. Alleine die Aufmachung vieler Spielemagazine spricht durch ihre Überladung mit Grafiken nicht an.
Aber davon abgesehen: Wenn ich die Forenbeiträge und Kommentare an verschiedensten Stellen zu diesem Thema lese rege ich mich auf. – Wenn ich hier “perfide[s] Elitedenken” oder in Anführungsstriche gesetzt ‘Schmidts Analyse’ lese, dann entbehrt eine derartige Metadiskussion jeglicher Grundlage (ganz zu schweigen von den Kommentaren auf Mick Schnelles Blog).
Ich würde mir – und das kann durchaus im Einklang mit Schmidts Artikel gesehen werden – ein Magazin, das auch auf eine vielseitig interessierte und mitten im Leben stehende Leserschaft ausgerichtet ist wünschen. Und das bedeutet (schön, diese blödsinnige Dichotomie quer durch alle Foren) nicht, dass etwa technische Details darin keinen Platz finden sollen, aber der vom Tellerrand geprägte eines auf jugendliche (evtl. auch jung gebliebene) “Core-Gamer” ausgerichteten Schreibstils endlich auch der Tatsache ins Auge blicken sollte, dass Spiele durchaus auch tiefergreifende Transporteure von Kulturgut darstellen und in einigen Fällen z.B. auch erzählerisch durchaus großen Kinoproduktionen in nichts nachstehen.
Isocrateus, da sind wir mit unserer Meinung ja gar nicht so weit auseinander. Ähnliches schrieb ich in den oben stehenden Kommentaren.
Was Christian Schmidt mit seiner Wortschlacht ausgelöst hat und was Mick Schnelle leider mit seinen Antworten in den Kommentaren (und mittlerweile auf GG als Meinungsbeitrag) aufgegriffen hat, ist ein Thema, das so seit Jahren innerhalb der Branche brodelt – gewürzt mit persönlichen Angriffen und Beleidigungen, dem Absprechen von Fähigkeiten und der grundsätzlichen intellektuellen Entwertung des Bisherigen. Diese “Metadiskussion” wurde im SpOn-Artikel durch den Autor explizit losgetreten.
Dabei gibt es das Geforderte online wie offline – nur wird es selten in den Magazinen für den Massenmarkt genutzt. Ist das wirklich die Schuld der Redakteure? Wird nicht seit Jahren der Versuch unternommen, poetische und prosaische Zeilen im Fließtext zu durchmischen (dem einen gelingt es, dem anderen nicht) und harte Fakten in Info-Boxen auszulagern? Gab es nicht genug Ansätze, auf Wertungen zu verzichten? Der Großteil etablierter Magazine setzt seit Jahren auf die Mischung aus Wertung in Zahlenforum und persönlichem Fazit einer oder mehrerer Redakteure.
Und noch viel wichtiger: Ist das tatsächlich die Antwort auf den schrumpfenden Print-Markt? Dieser Ansatz wirkt doch angesichts der gescheiterten Versuche der vergangenen Jahre reichlich abstrus, weswegen die komplette Schrift mehr eine Abrechnung ohne Lösungsansatz, ohne konrete und fundierte Analyse des Marktes ist. Sie gießt Feuer in die “Print kauf ich nicht, weil doof”-Kommentare aller Online-Foren, ohne der gesamten Debatte etwas Neues hinzuzufügen.
@Benjamin
Interessant ist, dass man in den Kommentaren immer wieder den gleichen Personenkreis findet, der sich für eine Tendenz hin zur These von Chris Schmidt findet:
- 25-40
- Abgeschlossene Ausbildung mit Vollzeitjob
- ggf. Familie
Keine Zeit sich mehr tage/wochenlang einzukammern und zu zocken. Grad aus der Ecke kommt die Forderung nach einem altersgemäßen Magazin, das mehr bietet als die Faktentafel die auch aus dem Netz bekomme.
a crow calls the raven black….
Beeindruckend finde ich ja so Antworten wie von Mick Schnelle auf Dings: http://www.gamersglobal.de/meinung/lieber-christian-schmidt
Habe das da auch kommentiert ist jetzt aber müßig das noch durch weitere Textwüsten zu verarbeiten. Nicht jeder Furz, schon gar nicht ich, muss da noch seinen Senf dazugeben.
Egal: Ich will eine 11Freunde für Videospiele! Ich will Chris Schmidts Texte lesen! Ich find die Idee gut und Richtig- macht bitte was draus!
Signed!
Eine 11 Freunde mit dem Topic Games wäre ideal! Gut zu lesen, auch für Leute jenseits der Hardcoregamer interessant, weil anspruchsvoll geschrieben. Und vor allem jenseits dieses “Stiftung Warentest Stils” den 99% der dt. Magazine pflegen. Könnte man dann ja 16 Bit nennen oder so…. ^^
Und zu Hr. Schnelle: Der benimmt sich wie ein kleines Kind, das nicht mehr zu den anderen in den Sandkasten darf und jetzt wütende Schipftiraden los lässt. Kann man beachten, sollte man aber nicht…
Dann unterschreibe ich hier mal unter Pablos Beitrag!
Jeder sollte das Recht haben eine persönliche Meinung zu formulieren. Anstatt ihn ins Lächerliche zu ziehen, könnte man auch sachlich antworten.
Wenn Herr Schnelle meint er müsste so tun, als ob Herr Schmidt die Hardcorespieler als gewaltbereite Hooligans bezeichnet hätte (weil er “Ultra” gesagt habe) hat es Herr Schnelle nicht besser verdient.
Schnelle ist damals schon weinerlich abgetreten weil keiner mehr seine total verkopften Artikel mehr sehen konnte – oder nein halt, weil es keine Spiele mehr gab, die mit 500 Seiten Handbuch geliefert wurden.
Es reicht bei Herrn Schnelle ja nicht einmal, dass sich die ENTWICKLER von Ohm weg bewegt haben und anfingen, für die Gesamtbevölkerung zu entwickeln – er legte sich einfach in einen Winterschlaf und wurde wieder hervorgeholt, als wieder hochkomplizierte Nischenspiele erschienen, mit niedrigem Budget und auf ein paar Tausend Käufer ausgerichtet.
Man kann es da der Gamestar schon fast ankreiden, dass sie sowas überhaupt noch ins Magazin gehoben haben, anstatt es zu ignorieren. Statt wie Roland Austinat zu bemerken, dass die Hauptzahl der Erwachsenen Spieler aufgrund dieser nervigen Sache “Real Life” quasi dazu gezwungen wurden, Casual Gamers zu werden, und eine Zeitung zu bauen, die wie Schmidt so richtig sagt das Gefühl, die Idee des Spiels im Magazintext zu transportieren, dem Leser der Zeitung quasi das Spielerlebnis nahe zu bringen damit er sich das Anspielen sparen kann, wird statt dessen der kleinere Teil der Immer noch vorhandenen Leser angesprochen – Leute die mit 30 bis 40 immer noch alleine zu Hause sitzen und ewig Zeit haben, auch noch die letzte Schraube an einem Spiel zu drehen, und dabei “Spaß” zu haben.
Wieso ist es da kein Wunder, dass Schnelle getroffen aufheult und sich beleidigt fühlt. Mind you – ich hab mich da grad im letzten Absatz selbst beschrieben – nur hab ich im Gegensatz zu schnelle NIE Falcon 4.0 als die Hochkunst der Spieleindustrie angesehen.
Schnelle hatte sich schon überlebt als er den höchsten Output hatte. Er war schon Nische als er noch in der Redaktion saß. Er hat es bis heute aber immer noch nicht begriffen.
Eines der Probleme ist ja auch, dass die Zielgruppe der 15- bis 20jährigen von eben dieser Altersklasse bedient wird. Schaute man sich auf der Gamescom den Presseparkplatz an, so fielen zahlreiche “Abi 2011″-Aufkleber auf. Wo bitte haben diese Leute denn das journalistische Fachwissen gelernt? Wo sind sie ausgebildet worden?
Das ist den Betreibern der meisten Webseiten egal, solange ihre Freien für ein Testmuster schreiben, die Präsentationen füllen und kritiklos das hinnehmen (sowie weitergeben), was ihnen der PR-Onkel vorne in der Booth anbietet. Diese halten weiter Händchen mit ihrer Freundin, machen ein oder zwei Alibi-Notizen und warten auf das Werbegeschenk. So funktioniert Journalismus nun einmal nicht. Ansonsten sieht man auch noch zahlreiche Nerds dort sitzen und überkritische Fachfragen stellen, die nichts mit der Essenz des präsentierten Games zu tun haben. Aber sie sind ebenfalls billige Schreibkräfte, bestenfalls Zocksklaven. Diese Punkte hat Herr Schmidt zum Glück in seinem Artikel auch nicht ausgelassen.
Wer Qualitätsjournalismus will, muss auch bereit sein, den professionellen Freien etwas zu bieten. Vom Spielen alleine finanziert sich kein Leben.
Die GEE bot all das was Christian fordert und hat dennoch nur ein Nischendasein gefristet. Und Marktführer ist die Computer BILD Spiele, die den kritisierten Gründlichkeitswahnsinn auf die Spitze treibt.
Ich würde ein Magazin, das sich erwachsener mit dem Thema Spiele auseinandersetzt, sicher kaufen, aber wer noch?
Die meisten Leser haben sich nunmal an das aktuelle System gewöhnt und würden wohl abspringen, wenn in Zukunft ohne Wertung getestet wird. Und neue Leser zu gewinnen ist schwer, da die meisten Gamer viel mehr im Internet unterwegs sind als noch vor zehn Jahren. Diese interessieren sich oft nicht mehr für Print, wenn sie auch alle für sie relevanten Infos auf Fansites und kommerziellen Websites bekommen. Und die Gelgenheitsspieler und neuen Spieler die durch Nintendos Blue Ocean Strategie hinzugewonnen sind, würden nie ein Spieleheft kaufen. Die kann man nur durch Beilagen zu Mainstreammedien wie SPIEGEL und Süddeutsche erreichen.
Es ist schon schade, der Markt bommt, die gamescom platzt aus allen Nähten, aber Spielemagazine sterben langsam aus.
Vielen Heften fehlt auch einfach das Herzblut, die Gamepro war z.B. ein großartiges Magazin als Gunnar noch Chefredakteur war. Da merkte man einfach, dass die Redakteure mit Spaß bei der Arbeit sind. André Horn hat echt interessante Reportagen geschrieben, in denen er unter Anderem die Bedeutung der Story in Videospielen analysierte. Solche tiefgründigen Reports fehlen in der aktuellen Spielepresse fast vollständig. Die Redaktionen werden immer mehr geschrumpft und so bleibt gar nicht mehr die Zeit für Experimente außerhalb des News/Preview/Tesbereich. Da lob ich mir die Consol.AT die sich sechs statt vier Wochen Zeit für ihr Heft nehmen und daher die Qualität des Heftes halten können.
Diese lesenswerte Antwort auf die Kolummne Christians ist weit interessanter als die Pöbeleien Micks:
http://www.areagames.de/artikel/detail/Da-irrt-der-Schmidt–Ueber-intelligenten-Spielejournalismus/115578
Ich zitiere:
“Der Blick zur Filmindustrie sollte es klarmachen. Fast jeder Mensch sieht gerne Filme. Filme sind seit knapp 100 Jahren fest im Mainstream verankert. Doch wie viele Magazine (on- und offline) setzen sich wirklich mit der Philosophie eines Films auseinander? Wie viele Magazine führen einen ethischen Diskurs über die Möglichkeiten der Präimplantationsdiagnostik anhand eines Zukunftsszenarios, wie es von Andrew Niccol im Film Gattaca gezeigt wird? Stattdessen beschränken sich die meisten Filmmagazine auf Jubelarien in der Vorberichtserstattung aktueller Produktionen und lustlose Express-Abfertigung aktueller Kinostreifen. Wer sich weiterführend mit dem Thema Film beschäftigen will, sucht auch weiterhin die Nische, einen kleinen Kreis von Filmliebhabern, die sich stundenlang über das Gesamtwerk von Woody Allen unterhalten können. Eine breite Masse hingegen interessiert dieser Diskurs nicht. Sie verstehen Film als Konsumgut, das unterhalten soll, und vertrauen auf die Filmempfehlungen von Freunden und Bekannten, der TV-Zeitung oder dem Radio. ”
“Während kleinere Indie-Entwickler über jede Kontaktanfrage dankbar sind, ist es für den Großteil der Journalisten illusorisch, Einblicke in die Spieleproduktion bei Blizzard oder Ubisoft Montreal zu bekommen. Noch stärker als die Filmindustrie fürchtet die Spielebranche Leaks oder falsch zitierte Entwicklerkommentare, die eine mühsam aufgebaute PR-Strategie unterlaufen könnten. Damit schafft sie einen Schutzwall an Embargos und Sicherheitszonen, der den Informationsfluss streng regelt. Investigativ können Journalisten nur am Ende der Futterkette werden”
“Wenn das Konsumieren von Spieletests in geschriebener Form oder als Video genauso viel Spaß macht, wie das eigentliche Spielen, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Die intellektuelle Auseinandersetzung mit Spielen wird aber weiterhin Bonus-Content sein, den sich eine kleine Gruppe von engagierten Spielern als Luxus erlauben wird. “
Nach all den langen Beiträgen der versierten Schreiberlinge vor mir will ich mich mal kurz fassen:
Leider hat eine GEE ja noch weniger kommerziellen Erfolg gehabt als Gamestar oder CBS.
Vielleicht gibt es für die zurecht geforderte intelektuelle Auseinandersetzung einfach zu wenig (zahlungsbereites) Publikum?
Ups, “intellektuelle” – damit ich nicht gleich abgewatscht werde.
Es ist traurig mitanzusehen, wie ihr euch in der Öffentlichkeit immer wieder gegenseitig bloßstellt – direkt und indirekt. Und kommt mir jetzt nicht mit eurer “privaten” Meinung. Wenn sie das wirklich wäre, dann würde sie nicht für alle lesbar im Internet stehen. Ihr wisst ziemlich genau, wer von den (ehemaligen) Kollegen mitliest. Und ihr wisst auch wie ihr schreiben müsst, um die (ehemaligen) Kollegen zu provozieren.
Dass ihr (auf ganz verschiedene Arten) den deutschen Spielejournalismus fördern wollt ist mehr als verständlich und eine gute Sache.
Aber ganz ernsthaft: Das muss doch auch ohne öffentliche, persönliche Provokationen gehen!
Maxim – ein langjähriger PC Player und GameStar Leser
PS: Und ich meine damit auch Spitzen wie “…ein orthografisch nur mittelbegabter Kollege…”.
Okay, die Bemerkung hätte ich mir sparen können, zugegeben.
Das sehe ich ähnlich, auch wenn ich nicht sehe, dass sich hier “immer wieder” gegenseitig bloßgestellt wird. Auch habe die einschlägigen Magazine (PC Games, Gamestar, PC Player) jahrelang gelesen und alle, die sich prominent zu Wort gemeldet haben, sind mir aus vielen Artikeln bekannt.
Ich finde den Artikel von C.Schmidt thematisch nicht uninteressant, finde aber den gesamten Stil schwer erträglich – im Gegensatz zu vielen seiner Gamestar Artikel. Hier schwingt sich jemand auf, einer gesamten Branche – die er mal eben in gemeinschaftliche Sippenhaft nimmt – zunehmend schlechte Arbeit auf unterem Niveau zu bescheinigen. Seinen persönlichen Ansatz, der mir durchaus immer gefallen hat, stellt er als einzig zeitgemäßen dar und listet dann auf, was “der Spielejournalismus” nun alles “muss”. Diesen Anspruch finde ich fast lachhaft arrogant, verkennt er doch, dass viele Leser eben auch verschiedene Stile mögen. Zudem unterscheiden sich die Spiele. Wer sich über DeusEX 3 vielleicht tiefergehende Gedanken machen will, kann sich meines Interesses gewiß sein, auch wenn ich die Handlung, Charaktere und möglichen moralischen Diskussionen im Vergleich zu diversen Büchern oder Filmen sehr platt finde. Deus Ex ist dennoch ein sehr gutes Spiel – aber eben auch nicht viel mehr. Zu einem neuen Need for Speed will ich aber tatsächlich lesen, welche Wagen ich fahre, wieviele (wirklich unterschiedliche) Strecken es gibt, wie gut die Grafik, der Sound und vor allem die Steuerung ist. Genau das und nicht mehr interessiert mich.
Gunnar Lott äußer sich mal eben abschätzig über so quasi sämtliche Antworten, die es so gibt und qualifiziert sie ab. Mick Schnelle äußert sich hier und auf Gamers Global eher beleidigt und hier lässt sich Gunnar Lott dann auch noch auf einen höchst unangenehmen Einblick in das Verhältnis beider ehemaliger Gamestar Redakteure ein.
Sowohl der Artikel auf Areagames als auch die Antwort von Petra Fröhlich auf SPON sind angenehm sachlich und durchaus lesenswert. So geführt, bleibt die Diskussion spannend und ich verfolge sie gerne. Selbst der Twitter Kommentar von Boris Schneider-Johne zu Petra Fröhlich war sachlicher und angemessener als das, was hiet zum Teil zu lesen war.
Letztlich muss ich aber sagen: Man kann sich darüber auslassen, warum es so große Wellen schlägt – die aufkommende Diskussion finde ich aber durchaus interesant.
Bitte den letzten Satz streichen – davor lag ein überraschendes Telefonat und er ist völlig redundant. Danke ;-)
Die Blockbuster der Branche (Battlefield, Modern Warfare) sind inhaltlich so anspruchsvoll wie der neueste Transformers Film. Intelligente Spiele sterben aus.
Also warum sollte man über Unterhaltung so schreiben, als wäre sie etwas erhabendes? Die [ple:] hat genau das versucht und die kennt hier wahrscheinlich kaum jemand.
Das Problem der Hefte ist nicht, dass sie nicht intellektuell genug schreiben, sondern dass sie nicht mehr die unverzichtbare Informationsquelle sind, die sie ein mal waren bevor jede Hausfrau wußte was ein Browser ist.
Ich möchte dir in Teilen widersprechen:
Ja, die Blockbuster der Spiele-Industrie sind (ähnlich wie die Blockbuster der Filmindustrie) inhaltlich eher mau, dafür mit schönen Effekten. Bei solchen Spielen und Filmen kann man nicht auf einer intelligenten Ebene schreiben. (Einschub: sind die Spiele und Filme deswegen schlecht und ihre Anhänger doof? Nein, natürlich nicht. Sie bedienen nur eine andere Zielgruppe. Und bei aller Freude an intelligenten Filmen: mit einem Bier in der Hand die Stirb-Langsam-Reihe zu schauen macht Spaß!).
Aber es gibt *viel* viel mehr als nur die Blockbuster. Für jedes CoD gibt es hunderte spannende Spiele von kleinen Entwicklungsteams. Es gibt mehr intelligente Spiele den je!
Der Rückgang der Hefte ist natürlich damit zu erklären, dass der junge Spieler von heute die Hefte nicht mehr braucht, um sich zu informieren. Gleichzeitig ist der junge Spieler von gestern (männlich, 20+, wenig Freizeit, mehr Geld) nicht mehr Teil der Zielgruppe der Hefte. Die Hefte sind nicht schlechter geworden, sie schreiben blos nicht für die Kommentatoren hier.
Sorry, aber solange die meisten Spiele lediglich fließbandartig produzierte Unterhaltsgüter darstellen, müssen sie sich auch primär an Leistungskriterien orientieren, z.B. Spieldauer, Spieltiefe oder flüssigen Frameraten. Nur wenn Medien -wie Musik oder Bücher- einen Konsumenten innerlich bewegen, statt nur zu unterhalten, haben sie auch eine künstlerische Kritik verdient. Solche Spiele kann man jedoch leider an einer Hand abzählen. Die Kritik von Herrn Schmidt sollte sich also wohl eher an die Spielhersteller richten, die fließbandmässig meist stupide Massenware wie den x.Egoshooter auf den Markt schmeißen. Echte Kunst ist da leider kaum dabei. Aber wenn dieses einmal der Fall ist, wird dieses i.d.R. auch bereits besonders bei Spieletests gewürdigt, z.B. bei Spielen mit moralischen Entscheidungen – die man aber leider an einer Hand abzählen kann.
Wer ist denn hiermit gemeint? -> “und ein orthografisch nur mittelbegabter Kollege hat ihn gar als Störenfried im System ausgemacht.”
Und wer sind die getroffenen Hunde, die bellen?
Ist doch völlig titte, wer damit gemeint ist, oder? Sensationsgeil müssen wir ja nun nicht werden. Am besten lästert man nur hinter der eigenen Wohnungstür.
Die Mainstream-Spielepresse hat den Zeitpunkt zum Erwachsen werden verpasst. Darf man als Laie den Vergleich zur “c’t” ziehen? Die läuft auf einem ganz anderen Niveau als eine “PC-Welt”. Aber wenn Computer-Produkte (nicht auf Spiele beschränkt) dort getestet werden, dann hat das Substanz, auch und gerade bei den technischen Details. Parallel finden sich aber zahlreiche Artikel, die sich mit dem Gesamtbild, den Trends, den Entwicklungen, den Visionen und dem Hintergrund auseinander setzen.
Für Spiele gibt es das nicht. Wo bleibt da die Universalzeitung mit 300 Seiten alle zwei Wochen für drei Euro, wo man einerseits die Teenies und Nerds befriedigt, indem man faktlastige Tests für die aktuellen Blockbuster bringt, aber trotzdem nicht vergisst, dass es da eine Gruppe von Spielern gibt, die inzwischen älter und reifer geworden sind und denen durchaus der primitve Stil vieler Artikel gehörig auf den Zeiger geht, wo sich wieder ein scheinbarer Journalist an Kopfschuss-Features aufgeilt, statt ein Spiel mal für die miese Story so richtig abzuwatschen, auch wenn Grafik und Waffenauswahl sensationell sind. Warum dann nicht die zweiten hundert Seiten mit ein bisschen Substanz, Kritik und Draufblick füllen. Wie sollen die Blockbuster-Entwickler jemals innovationsfreudiger werden, wenn sie jahrein jahraus darin bestätigt werden, dass ihre jährlichen Updates nicht nur klasse Wertungen sondern auch super Verkaufszahlen haben. Wenn die Fachpresse sich nicht mal endlich auch gefühlt freier und kritischer macht.
Dieses Spezialistentum, Zeitschriften für verschiedene Konsolen und Genres zu schaffen, statt mal den integrierten Versuch zu wagen, das ist für mich der Grund, warum “Experimente” sich nicht tragen. Eine Zeitung ganz ohne Tests wird eben kein breites Publikum finden. Man wird das schon mischen müssen, dann kann halt die Teeniegruppe nur mit einem Teil des Heftes etwas anfangen, und der meta-interessierte Leser nur mit dem anderen Teil des Heftes. Hefte nur für Erwachsene, oder nur für Frauen, nicht wahr, Frau Fröhlich, das bringt es eben nicht. Von dem Anspruch sollte man sich lösen. Ich für meinen Teil würde eine Zeitschrift kaufen, die 300 Seiten hat, von denem mich 250 Seiten nicht interessieren, wenn die anderen 50 mal endlich auf einem anderen Niveau statt finden. Warum findet man so selten mal eine Rückschau auf die Hypes der letzten Monate, wo man dann mal mit ein bisschen Abstand darauf eingeht, welche Versprechen eben nicht gehalten wurden. (Auf breiter Front und nicht immer so feigenblattmäßig) Ist doch klar, dass man dem Verdacht der Käuflichkeit durch die Publisher ausgesetzt ist, wenn viele Previews und Tests nur wie PR-begleitende Maßnahmen wirken und wenn der Titel erstmal 8 Wochen im Verkauf war und der Umsatz in Sack und Tüten ist, hört man nie wieder was. Bis der Nachfolger kommt ;-)
Letztlich würde ich aber vermuten, dass man sich den Marktmechanismen ergeben hat (und wohl auch musste), man kennt die umsatztreibende Zielgruppe, man hat keine andere Wahl, als Schnelligkeit über Gründlichkeit zu setzen (man kann einen Fußballmanager nicht in einer Woche durchtesten, da sind die amazon-Rezensionen irgendwann jedem gedruckten Testbericht absolut überlegen, was die Langzeiteinschätzungen angeht…) und man hat auch gewisse Kostenzwänge, die sich unmittelbar auf die Qualität auswirken. Aber solange der Umsatz noch stimmt, kann die Richtung ja nicht völlig verkehrt sein… Und irgendwie gilt das ja nicht nur für Spielezeitschriften…
Genauso frage ich mich :
Wo ist die Bewertung des Supports, die Communityarbeit , der Kundenservice? Auch gerade nach Launch eines Titels. Immerhin zahlen Spieler mit dem Vollpreis oder auch monatlichen Gebühren dafür. Für mich ein interessantes Thema. Viele Publisher brüsten sich ja mit einem großartigen Support und Kundenservice, der dann in Realität miserabel ist,
Sowas würde für mich mittlerweile auch zu einem Review/Test dazugehören.
“Orthografisch nur mittelbegabter Kollege”? Das ist böse, überflüssig und reichlich arrogant.
.
Aber Gunnars Anregungem zum perfekten Spieletest sind super.
Meine Güte, da habt ihr aber ganz schön was losgetreten, Männer.
Ich will mich ja gar nicht zu sehr äußern, weil ich letztendlich kein großer Fan von Spielemagazinen bin. Einerseits bin ich nicht Gamer genug, um einmal voll durch die Branche und zurück alles an Genren mitzunehmen. Daraus resultiert, dass mir das Geld für eine Sammlung von Artikeln, aus der mich dann zwei interessieren, einfach zu schade ist. Und eigentlich finde ich ja, dass das Medium “Internet” zum Thema “Computer” viel besser passt, als das gute alte Papier. Überhaupt sollte viel besonnener mit den Dingen in den Druck gegangen werden.
Andererseits ist ja auch Journalismus selbst solch eine Sache. Der Schreiber an sich profiliert sich gern mit seinen Texten. Das mache ich auch, man schreibt’s im Idealfall ja auch mit Leidenschaft und ist dann stolz wie Oskar auf sein Werk, an dem ewig getüftelt und gefeilt wurde. Ob man da aber immer schafft seine Botschaft rüberzubringen, welche dann auch noch ihren Zweck erfüllt, anstatt sich einfach nur so lange in Eloquenz und Fachjargon hochzuschrauben, dass der Leser die letzten zwei Seiten gleich ganz weglässt – ich bin da kritisch, aber ich habe auch keine Ahnung, sondern in der Regel “nur so’n Gefühl”.
Tatsache ist, dass mein lieber Freund der Sprengkobold im Gegensatz zu mir total in der Materie steckt. Und obwohl auch ich mir das große Q&A zu Mass Effect 3 nicht entgehen lassen kann, zieh ich mir doch nicht den ganzen Livestream rein, bis Mass Effect endlich Thema wird. Der Kobold aber tut’s und sagt mir bescheid, klappt wunderbar. Über die Jahre durfte ich daher feststellen, dass er als Informant für mich viel nützlicher ist, als jeder Bericht im Sonstawo. Nicht nur, weil ein Gespräch generell spannender ist. Nein, auch, weil er voller Eifer und – ich will es mal wirklich so nennen – Liebe über die Spiele spricht (oder er regt sich auf, dass aber eben auch voller Eifer). Dass er den Vorteil hat zu wissen, was mich interessiert und was mir wurscht ist, klammere ich mal aus, da er auch zwei Stunden lang über Games, deren Genre ich nicht mal buchstabieren kann, referiert und ich das aufgrund diverser sprachlicher Perlen “ertrage”.
Den Großteil der Spiele, die ich bis jetzt gezockt, angespielt oder zumindest käuflich erworben habe, hat er mir schmackhaft gemacht. Und das schafft er, weil er mit Sätzen à la “Du wirst die Dialoge göttlich finden, ich habe in Zeiten des neuen Rollenspiels selten solche unglaublich guten Texte gehört.” oder “Also das muss man wirklich gespielt haben, so legendär ist das. Das ist SO einzigartig gut, dass es seit zehn Jahren die Leute begeistert.” meinen Nerv trifft. Und man stelle sich vor, ich hätte nicht auf ihn gehört, da wäre mir Portal doch glatt durch die Lappen gegangen.
Er überzeugt mich von der Genialität der Story, sodass ich gar nicht mehr anders kann, als die pixelige 2D-Graphik zu ignorieren, um dafür in eine Welt, die derart liebevoll und detailreich geschaffen wurde, dass man als kreativer Kopf nur neidisch werden kann, einzutauchen. Der Geschichte wegen quäle ich mich durch die Starcraft 2-Kampagne – und ich bin da echt total ein Mädchen und pinkel mich bei jedem Timerun vor Panik ein. Vor der Suicide-Mission in Mass Effect 2 bin ich quietschend und wimmernd gestorben. Aber wer sollte Recht damit, dass schon allein die Figuren und ihre Texte das Ganze Wert seien, behalten? Derjenige, der das mit dem Shooter-Kampfsystem eher unter den Tisch hat fallen lassen, weil es mich unnötiger Weise abgeschreckt hätte ( A pro pos “abschrecken”: Da fällt mir doch glatt das Mako ein und augenblicklich möchte ich jemanden oder etwas auffressen).
Was ich damit verdeutlichen möchte, ist, dass Games (vor allem im Rollenspielbereich, of course) animierte Literatur, in die man ganz anders eintauchen kann und die einem sogar ein Entscheidungsrecht einräumt, sind und meiner Meinung nach auch sein sollten. Wie gut sie das im Einzelnen tun, möchte ich beleuchtet haben und diskutieren und das meinetwegen auch ewig und drei Tage, wenn der Stoff denn gut genug ist. Und ist die Story völlig boogie, aber Sinn und Engine Wert sein Erstgeborenes nach dem Lead-Designer zu benennen, dann kann man das doch mal vier Seiten lang so sagen und währenddessen den Publisher beweihräuchern. Der Teufel steckt im Detail, aber der wohnt da nicht alleine. Der teilt sich das nämlich mit der Grandiosität, deswegen ist das Detail auch so interessant. Die Oberfläche kann nahezu jeder beleuchten und daraufhin eine Empfehlung abgeben. Am Ende ist dann das Inventarsystem aber dermaßen der Hass, dass angenehmes Zocken nahezu unmöglich wird. Wie gut, dass das nur in einem Nebensatz Erwähnung fand, weil wir ja einmal aaaalles ansprechen mussten (Spiele ohne Quick Save-Button, in die einer gehört, boykottiere ich btw).
Ich will gar nicht einschätzen, wie qualifiziert und wertvoll meine Meinung hier überhaupt ist. Allerdings ist es ja nicht so, als hinge mein Gehalt von der geleisteten Recherche und sprachlichen Qualität ab. Habe auch ein kleines, eher winziges Weilchen überlegt, ob ich das posten soll, aber es tut ja keinem weh und mich kennt hier ja auch keiner.
Nur Eines zum Schluss: Kritik ist speziell in kreativen Branchen durchaus ‘ne heikle Angelegenheit, weiß man. Wer da aber nicht drübersteht und aufgeschlossen reflektiert, ist mir per se schon ‘mal unsympathisch. Aber Hauptsache, wir sprechen von Schuld und betrachten Leute, die wir offensichtlich nicht (mehr) mögen, als mächtig und kompetent genug, um sie als Zerstörer unserer Arbeit zu betiteln. Das ist ja schon so ein bisschen, als würden zwei in verschiedene Richtungen laufen, weil jeder seinen Weg toller als den des anderen findet, und sobald einer hinfällt, dieser behaupten, der andere hätte ihn geschubst. In Wirklichkeit war aber entweder der Boden uneben oder der Läufer so voller Zweifel an der Wahl seines Weges, dass er nicht aufgepasst hat.
“Eigenverantwortung” ist da ein gutes Stichwort. “Mittelweg” und “Veränderungsfreudigkeit” sind auch welche. Ich habe davon einen ganzen Haufen, die will nur keiner hören. Scheint leider Mode zu sein.
Ach du Gott, doch hier und da vertippt, naja. Müssta jetzt durch.
Ich finde es ja löblich, dass Christian Schmidt endlich erkannt hat, dass der eingefahrene “Deutsche Erbsenzähler-Spielejournalismus” nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Allerdings kann ich ob der daraus resultierenden Diskussion nur müde die Augenbraue hochziehen, da Leute wie wir (damals VierSpieler, heute Polyneux) schon seit 2004 genau das machen, was Herr Schmidt in seinem “Manifestchen des guten Spielejournalismus” vorschlägt…
Am meisten ärgert mich aber, dass allen Leuten nur die GEE als deutschsprachiges Beispiel für einen Gegenentwurf zu GS und Co. einfällt. Die GEE. Ich bitte Euch! Ein inhaltsloses Lifestyleblättchen, das sich zwar getraut hat, äußerlich anders zu sein, aber dessen Autoren sich mit jedem Satz als planlos bezüglich der Materie geoutet haben…
P.S.: Und der Herr Schnelle wird wohl nie verstehen, warum er seine Brötchen heute mit anderen Dingen verdienen muss und seine absurde Art der Spielekritik noch bis ins Grab wacker verteidigen. Armer, kleiner, dicker Mick.
Also die besagte GEE Lobhudelei kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, vor allem wenn man sich mal die Hefte/Texte der letzten zwei Jahre anschaut.
Hmf, ich sehe hier eigentlich auch nur den Aufruf zu mehr Diversifizierung. Ich glaube nicht, dass sich die GameStar ändern muss. Ebensowenig muss sich die TV Spielfilm ändern. Sie erfüllen den Zweck der “Grundversorgung” und der Indentifikationsboje in der schwierigen Zeit der Jugend.
Die Gamer wie ich, die irgendwann durchaus mal “Core” waren, sich in der alten Heimat aber nicht mehr zuhause fühlen, hätten aber nach wie vor gerne was zu lesen.
Die GEE fand ich hauptsächlich “attraktiv”. Wer sagte das was von der Deko für das Kaffeetischchen? :D
Lieber SpielerZwei,
ich habe selbst für die GEE einige Interviews, Features und einen Test geschrieben und verwehre mich Deiner Beschreibung:
“dessen Autoren sich mit jedem Satz als planlos bezüglich der Materie geoutet haben…”
Zu den Autoren gehören neben mir (erster Artikel 1993 in PC Player veröffentlicht) auch die von mir sehr geschätzten Kollegen Sven Stillich, Heiko Gogolin und Carsten Görig die alle seit zweistelligen Jahreszahlen über die Spielindustrie und deren Produkte berichten.
Wenn Du dann in Deinem P.S. die Notwendigkeit empfindest, andere Menschen zu beleidigen, sehe ich meinerseits nicht die Notwendigkeit, Deine Webseiten zu lesen. Sorry.
Trotzdem alles Gute auf dem Weg zum guten Spielejournalismus,
– Roland Austinat
Danke, lieber Roland. Ich fand es ebenfalls sehr unschön, dass hier andere Leute beleidigt werden. Ich finde das widerlich und daher disqualifiziert sich “SpielerZwei” für die weitere Teilnahme an “Streitgesprächen”.
In Verteidigung von SpielerZwei muss ich sagen, obwohl ich seit Anfang an treuer Leser der GEE bin und mich schon fast einen Fanboy schimpfe, dass das Heft seinen Ursprung in Lifestyle-Magazinen hat, wenn ich mich nicht erinnere. Das hat man der GEE schon angemerkt und ist stellenweise heute noch sichtbar.
Ich bin Playstars Meinung — tolles Heft, aber wenn man sich anhand der Tests informieren wollte, war man verloren.
@Playstar: “dass das Heft seinen Ursprung in Lifestyle-Magazinen hat, wenn ich mich nicht erinnere.”
Ursprünglich war wohl mal die brandEins “Vorbild” für die GEE. Allerdings kamen natürlich viele (freie) Redakteure eher aus dem Musik o.ä. Journalismus. Das war ja auch genau das neue an der GEE. Das nicht hauptsächlich “Spiele”-Journalisten schreiben.
@Gunnar: “aber wenn man sich anhand der Tests informieren wollte, war man verloren”
Na gut, aber als “Zusatz” zum Gamespot/1up-Artikel/Video funktionieren sie wunderbar.
Lieber Roland!
Ich muss zugeben, dass ich nur wenige Ausgaben der GEE gelesen habe (eher sporadisch 2-3 Mal im Jahr). Daher war mir auch nicht bekannt, dass Du und anscheinend noch ein paar andere “Leute vom Fach” dort geschrieben haben. Das ändert aber nichts an meinem allgemeinen Eindruck, und da pflichten mir durchaus einige Leute zu, dass die GEE in erster Linie schick sein sollte, aber inhaltlich ein ziemliches Fliegengewicht war. Ich hatte immer das Gefühl, da schreiben ehemalige Wiener- und GQ-Redakteure über eine Sache, von der sie eigentlich nicht besonders viel Ahnung haben.
P.S.: Es ist eigentlich nicht meine Art, andere Leute öffentlich zu dissen, aber wenn der Mick hier auf Krawall gebürstet hereingestürmt kommt und dann noch ohne Argumente genau den schlechten Stil verteidigen will, um den es hier geht und den er auch maßgeblich mitgeprägt hat, dann mache ich gerne einmal eine Ausnahme.
P.P.S.: Es lag gar nicht in meiner Absicht, Dich auf unsere Seite zu locken. Sie würde Dir bestimmt auch nicht gefallen. Da Du und die meisten Deiner Kollegen uns schon seit vielen Jahren ignorieren (oder zumindest so tun, als würden sie uns gar nicht kennen), ist das schon in Ordnung. ;-)
Ich empfand die GEE ja immer als Mitstreiter (von uns NGJ-Blogs) für die gemeinsame Sache, also gegen die Fixierung auf objektive Wertungen und 08/15 Reviews, nicht als Feind. Auch waren viele Texte, vor allem zu Beginn, etwas experimenteller und klar vom New Games Journalism geprägt. Dass das Magazin sich dann eher in der Lifestyle-Ecke platzierte, nahm ich billigend in Kauf und fand es auch stellenweise erfrischend. Wenn man nur an die Hardware-Ecken früher mit Wertungen für Monitore und Grafikkarten denkt, gerade zu eine Erleuchtung.
Wie Christian Schmidt behauptet, dass 11Freunde auch für nicht Fußball-Fans gut lesbar ist, war die GEE definitiv auch für die Nicht-Hardcore-Spieler ein “schönes” Heft zum durchblättern. Beides ist eben schwer, wie Gunnar ja auch schon zu recht anmerkte: Nach dem Lesen der “Tests” wusste man oft nicht viel mehr als vorher, als Hilfe zur Kaufentscheidung habe ich die GEE nie wahrgenommen und das wollte Sie zu Beginn auch nicht. Die Phase mit den “Was ist gut, was nervt”-Kästen habe ich verdrängt, da hat sich die Redaktion leider in meinen Augen etwas verrannt.
Die Mischung aus Gadgets, Musik und Berichte über die Kultur hinter der Spieleszene fand ich aber in jeder Ausgabe lesenswert. Aber ja, ganz klar als Lifestyle-Magazin zum Blättern, nicht als wirkliches Spielemagazin. Aber zu behaupten, die GEE-Redakteure hätten keine Ahnung von Spielen gehabt, finde ich mehr als unangebracht.
Inzwischen treffe ich mehr Kaufentscheidungen wegenVideos auf Youtube als durch Hefte. TotalBiscuit hat nach der Gamescom geschrieben das er gefragt wurde ob die Art wie er dort Videos aufgenommen hat eine neue Art des Interviews sei. Der hat mit dem Entwickler gespielt und dabei mit dem Entwickler über das gesehene gesprochen (Dual Commentary nannte er das) und das aufgenommen. Nen bisschen wie in nem Cast oder Lets Play halt.
“Feature A, B, C, Wertung 80%” is für mich inzwischen wertloser als früher. Außerdem hab ich das Gefühl mehr und mehr Wertungen nicht nachvollziehen zu können. Auch weil die auf falsche Dinge wert legen. Graphik vs. Ästhetik zb.
Wie sieht Herrr Lott eigentlich die Spiele seines Arbeitgebers Gameforge? Sicherlich sind Browserspiele ein netter Zeitvertreib, aber eben nicht die erwachsene Unterhaltung, über die es lohnt ernsthaft zu schreiben. Warum gibt es keine Browserspiele, die auch den klassischen Spieler begeistern und eine intelligente Geschichte erzählen? Würde man damit nicht mehr Leute an ernsthafte Spiele ranführen, als mit einem Magazin, das dann noch nur von enthusiastischen Spielern, die ähnlich wie Herr Schmidt denken, gekauft wird?
Also auf das neue Star Trek: Infinite Space von Gameforge freue ich mich seit der RPC im Mai. Das hat nicht viel mit Farmville & Co Browserspielen zu tun
Nicht ganz uninteressant ist übrigens die Erwiderung von Petra Frölich auf Spiegel Online.
“Die meisten Games sind viel zu platt für kluge Texte”
Soll eine Rechtfertigung sein. Klingt für mich aber eher wie eine persönliche Bankrotterklärung.
Wenn diese zweifelsfrei so feststehende Tatsache und ähnliche Aspekte doch nur endlich einmal Teil der Spielekritik würden und entsprechend in die Wertung einflössen, anstatt dass man sie unter dem Hinweis auf angebliche Objektivität prinzipiell ausblendet. Dann wäre schon viel gewonnen. Für viele (ganz sicher für mich) dürfte so etwas nämlich einen mindestens so hohen Stellenwert für die persönliche Spielspaßwertung haben wie die allertollste neue Grafikengine
Tiefgründig intellektuelle Metabetrachtungen ganz beiseite.
Das habe ich mir auch beim Lesen gedacht! Da schreibt sie, dass die meisten Spiele platt sind, aber in den Tests wird das nie so richtig deutlich gesagt. Dann macht doch mal die Spieleentwickler rund wegen ihrer Ideenlosigkeit… oder denkt mal drüber nach, was der Anteil der Spielekritiker an der Plattheit ist.
Und man muss ja mal klar sagen, dass die allerwenigsten Spiele überhaupt ausführlich getestet werden. Drei Spiele im Monat allerhöchstens mit langen Artikeln, meistens sind das die Spiele, die sich von selbst verkaufen, aber die Masse der Spiele, da wo man echt überlegt, ist es den Kauf wert oder nicht, die werden auf einer halben Seite abgearbeitet, die dem Leser eben nicht weiterhilft. Da zieht nicht mal das Kaufberatungs-Argument. Meistens sind das dann eher diese Miniverisse, die dann als Feigenblatt für kritischen Journalismus herhalten sollen.
Da malt sich Frau Fröhlich die Welt etwas zu schön…
Eine weitere schöne Dimension am “Games sind zu platt”-Vorwurf ist ja auch darin enthaltene der Fingerzeig auf die Spieleentwickler. Da ich aus der Industrie ausgestiegen und nur noch “Indie” bin, fühle ich mich nicht angesprochen. Doch die industriellen Entwickler werden diesen Fingerzeig direkt weiter an ihre Geldgeber, die Publisher geben. Und die werden auf die Presse und/oder die Spieler zeigen, die das angeblich genau so wollen.
Insofern wird klar, dass es wenig Sinn macht, darauf zu spekulieren, was “der Leser will”. Auch der Vorwurf, Christians Wunsch/Anregung sei realitätsfremd kann nur von jemandem kommen, der zu allererst eine goldene Nase und nicht die Sache als solche im Kopf hat. Das liebe Geld ist immer ein willkommenes Argument, um Veränderungen des Status Quo zu blockieren.
Doch wer sich am Status Quo festklammert, das beweist die Geschichte mit großem Fleiß, wird überrollt.
Ich lege relativ wenig Wert auf Detailgeplänkel, wie “Wie viele verschiedene Waffen gibt es im Spiel? – reiner Firlefanz.
Viel wichtiger ist es doch, dass ein Spieletest einen mitreißt, ja Emotionen weckt – man durch das Lesen des Artikels das getestete Spiel sofort anspielen möchte, und das kommt mittlerweile leider viel zu selten vor.
Deshalb lese ich immer weniger Artikel, sondern überfliege die Spielemagazine zumeist . Da stellt sich natürlich schon einem die Frage – kann ich das Geld nicht sinnvoller nutzen?
Also anstatt den besten Spieleredakteur aller Zeiten *schmalz* zu kritisieren, sollten sich die Redakteure der Spielebranche mal hinterfragen, ob sie nicht besser versuchen sollten solche Kritik anzunehmen und zu versuchen ihre journalistische Darbietung zu optimieren.
*Daumen hoch*
“Viel wichtiger ist es doch, dass ein Spieletest einen mitreißt, ja Emotionen weckt – man durch das Lesen des Artikels das getestete Spiel sofort anspielen möchte”
Dann dürften doch Presse-/Werbemailings und Trailer für dich ausreichen, oder?! ;-)
Ich muss sagen, dass ich bei der Gamestar in all den Jahren die ich nun Abonnent bin nie (NIE!) mich für das “Testergebnis” interessiert habe. Ob das Spiel 90%, 25% oder gar 100% gehabt hätte war mir ehrlich gesagt einfach Scheißegal. So ein Zahlenwert war mir vollkommen Banane.
Die Artikel als solche (und früher auch die Videos) sind meine Testergebnisse. Ich kann aus einem Text ziehen, ob mir ein Spiel gefallen könnte oder nicht. Dazu gehören sowohl die Anmerkungen des Herrn Kaliban wie Selbstheilung/Medipack ; Realismus/abgedreht ; Micromanagement/keines, als auch die immanent wichtige Aussage, wie sich das Spiel anfühlt! Wenn ich mir den neuen Diablo-Preview-Test anschaue und Sätze lese wie: “Wir wollen effektvolle Zauber austeilen, keine popeligen Zauberstab-Bällchen” oder “Das hier ist Diablo, ein Spiel, das eine eigene Klasse begründet hat. Und Diablo wird mit Diablo-Maßstäben gemessen, und die sind nun mal besonders hart.” fühle ich mich zu Hause. Das ist Subjektiv und frei heraus gesagt. Das will ich lesen. Ich will auch lesen, wie sich das Spiel anfühlt, wie ich eintauche, was man denkt. Ich will Diskussionen über die Verhältnislosigkeit einer Flughafenszene. Ich will Gedanke haben.
Ich finde in den letzten Monaten hat sich da bei der Gamestar einiges schlechter entwickelt. Besonders stark ist mir das in den Videos aufgefallen, die durch die neuen Rubriken statischer geworden sind, weniger subjektiv. Durch den Weggang einiger guter Tester sind auch im Heft weniger Artikel zu finden, die mich fesseln. Die Trainees, Praktikanten und freien Mitarbeiter finde ich (zum Teil … ich mag den Herrn Langer und den lieben Herrn Deppe zum Beispiel) nicht unbedingt berauschend.
Ich hoffe nur, dass sich in der Spiele-Journalismus-Branche etwas ändert und die Gamestar dabei vielleicht auch den Vorreiter gibt. Es wäre wünschenswert …
LG
Was ich an der Debatte sympathisch finde — es ist mir erst auf den dritten Blick klargeworden: sie hat auch etwas wunschzettelhaftes. Was ich persönlich mir wünsche, ganz praktisch:
1) Die Begriffe ‘hakelig’, ‘aufgebohrt’, ‘strunzdumm’, ‘wuseln’, ‘matschig’, ‘flüssig’, ‘Lizenzgurke’, ‘Genre-Referenz’, ‘Pixelpracht’ et al. kommen für die nächsten, sagen wir, 10 Jahre, mal nicht mehr im deutschen (Print-)Spielejournalismus vor. Damit sich das alles mal erholen kann.
2) Durchschnittliche demographische Besetzung der Redaktionen gemäß der Demographie der spielenden Zielgruppe (klar über 30 Jahre im Schnitt, Frauenanteil nahe oder bei 50 Prozent). Die Präsenz eines — beispielsweise — 50jährigen Journalisten in der Redaktion ist möglich, sogar wahrscheinlich, und auch wirtschaftlich vorgesehen..
3) Quote: Bei gleicher Eignung werden Redakteure bevorzugt, die auf die Frage nach den drei wichtigsten Filmen der Menscheitsgeschichte nicht ‘Star Wars’. ‘Herr der Ringe’ und ‘Matrix’ oder drei amerikanische Fernsehserien angeben.
4) Quote: Bei gleicher Eignung werden Redakteure bevorzugt, die auf die Frage nach den drei wichtigsten Autoren der Menscheitsgeschichte nicht Douglas Adams, Terry Pratchett und Tolkien nennen.
5) Die Behauptung, es sei per se nicht möglich, klug über Dummheiten zu schreiben, sollte in Personalentwicklungsgesprächen näher erörtert werden — zumal dann, wenn sie Rechtfertigung dafür ist, dumm über Dummheiten zu schreiben.
Über die Bemerkung in Sachen Pratchett könnte man sich ja streiten, aber ansonsten ist dieser Kommentar echt eine der Perlen hier. Besonders Punkt 5 ist klasse – aber der Autor schreibt so, als wisse er das bereits ;-)
Ist übrigens furchtbar, dass die Kommentatorenschaft Herrn Lotts in Sachen “Alter” erwartungsgemäß unpubertär ist. Da weiß man gar nicht, ob man siezen, duzen oder gleich betiteln soll.
Mein Lieblingshasswort: “Schnetzeln”. Ich glaube, vor einem Jahr stand das drei Mal in EINER Ausgabe der GamePro. Uah!
Herr Schmidt
Auch wenn ich einige ihrer Kritiker verstehen kann, möchte ich doch sagen: Ich bin Absolut Ihrer Meinung.
Ich habe seit X Jahren die Gamestar gelesen und es interessiert mich immer weniger. Von den getesteten Spielen kaufe ich mir zum Vollpreis sowieso doch nur einen Bruchteil. Deshalb ist mir ein interessant geschriebener Test wichtiger als eine 100% exakte Kaufberatung. Interessanterweise sind die Verrisse über schlechte Spiele meistens viel besser zu lesen als die “normalen” Tests.
Ansonsten freut es mich, dass hier mal ne ordentliche Diskussion losgetreten wurde.
Machen Sie bitte weiter so Herr Schmidt und wenn Sie mal einen Blog oder was Printmässiges machen wissen Sie jetzt ja auch wie Sie es nennen werden: “Spiele-Feuilleton”. Ich würds kaufen
Wenn ein Test eine Kaufberatung darstellen soll, dann müssen die Fakten wie Spielzeit einfach erwähnt werden. Tiefgründige Gespräche über Spiele führ ich lieber mit Freunden.
Intellektualität um der Intellektualität willen ist doch bloß Affektiertheit.
Die Spielzeit finde ich auch nicht ganz unwichtig, gerade da viele von uns seit den 90er erwachsen geworden sind (überraschend, oder *g*) und Vollzeit arbeiten. Wenn in einem Spieletest steht “Spielzeit nur 8 Stunden” ist das für mich ein absoluter Positiv-Punkt. Für den 60 Stunden Rollenspiel-Hammer habe ich sowieso keine Zeit mehr. Dann lieber ein kurzes Spiel von dem ich dann auch das Ende sehe.
Gegen den grundsätzlichen Punkt der “Kaufberatung” hat Christian ja aber auch gar nichts gesagt. Das hat erst Mick mit in die Diskussion gebracht indem er in den Raum stellte, dass die Anregungen von Christian dazu führen würden, dass Spieletests dann keine “Kaufberatung” mehr darstellen würden. “Kaufberatung” ist für mich genauso der arstechnica.com-Test, bei dem einfach unten drunter “Buy”, “Skip” oder “Rent” steht. Reicht für mich völlig aus. Dazu dann noch der (meist) schön geschrieben Text von Ben. Natürlich weiß ich auch, dass arstechnica nicht hauptsächlich ein Spiele-Magazin ist, aber genau das macht für mich auch den Mehrwert aus: dort werden tatsächlich nur die absoluten Highlights besprochen. Highlights dann im Sinne von kommerziell bedeutend (Call of Duty), vielleicht künstlerisch bedeutend (Limbo), leicht zu übersehen (Cthulu Saves the World) oder ähnliches.
Und BITTE auch nicht mehr die Begriffe “Nager”‘ , “Bolide” oder “pfeilschnell”.
Ähem, galt Martin Ganteföhr, sorry…
Ich finde ja nicht, dass man sich über die Beleidigungen oder Provokationen ärgern und aufregen muss. Letztendlich weiß doch jeder, wie er selbst dazu steht und das handhabt und muss niemandem beweisen, dass er da höchst moralisch ist. Bewertung, Abwertung und Verurteilung sind leider Gang und Gebe, weil man lernt sich mit anderen auf der “Wer leistet Was”-Ebene zu vergleichen.
Wäre das alles hier viel gesitteter und ruhiger, wären wir nicht bei schon hundert Kommentaren allein auf Herrn Lotts Seite. Dann wäre die Diskussion schon längst im Sande verlaufen und dann täte sich ja nix. Und ob man nun meint, die Gamestar solle ‘was anders machen oder sie solle so bleiben, wie sie ist, und stattdessen jemand ein weiteres Magazin aus dem Hut zaubern. Oder ob man meint “Ihr seid alle so toll, aber ich finde ja hier und da und so vielleicht, nich’?” oder “Meine Güte, was waren wir alle blöd – du besonders, du Arsch.”. Im Grunde ist es einerlei, denn persönliches Mimimi ist hier gar nicht so wichtig (was die meisten Beteiligten wissen, sonst würden sie ihre gekränkte Ehre nicht hinter dem Vorsatz, die Branche beschützen zu wollen, verstecken). Es geht ja schon um mehr. “Nett” bringt da nicht unbedingt etwas, denn “nett” wird ignoriert. Und zumindest ich von hier hinten amüsiere mich köstlich über die Kreativität, die manch einer in der Formulierung seiner Dolchstöße an den Tag legt.
Interpretiert nicht mehr an Kritik in Herrn Schmidts Text hinein, als wirklich da ist. Und unterstellt ihm nicht mehr bösen Willen, als man objektiv feststellen kann. Und nehmt euch und andere nicht so furchtbar ernst und wichtig. Das mag leichter gesagt als getan sein, doch wir reden hier ja zum Großteil mit und über reichlich ausgewachsene(n) Männer(n), denen ich ungern ihren Intellekt absprechen möchte, weil sie nicht kritikfähig, aber dafür ziemlich gut im Austeilen sind.
P.S.: Was ich von Kritik per Definition überhaupt halte, ist dabei gar nicht so wichtig, denn wer nicht einfach selber macht, beschwert sich halt – so läuft’s. Damit ist mein P.S. bei Weitem nicht so cool und zum Schießen wie manch anderes hier geschriebenes, aber gewisse Dinge bleiben eben unerreicht.
Hallo !
Lese auch seit längerem keine Gamestar mehr und hier sind meine 5 Punkte für eine Zeitschrift die man wieder kaufen kann
1) Keine Seitenlangen Previews !
Ich bin nicht 15, man braucht mich nicht Monate vor Erscheinen mit Marketing zu bombardieren. Ich will Tests zu Spielen die ich SOFORT kaufen kann und keinen 10 – Seiten Hype
2) Nicht nur PC !
Ich zocke nicht nur am PC. Wenn Frau und Kinder weg sind, dann schon, ansonsten gern mal iPad auf dem Sofa (auch mit den Kindern) oder auf meinem Android – Handy aufm Klo (= Super Rückzugsort, können alle Väter bestätigen). Also bitte: Werdet (zumindest etwas) Multiplattform. Wenn dafür nicht alle CoD – Klone bewertet werden, auch gut.
3) Keine Wertung
Ehrlich: Die Zeiten in denen ich mir den besten PC geleistet habe, sind vorbei. Grafik und Sound sind nebensächlich. Ich will wissen ob ein Spiel spaß macht, und dafür reichen mir eine 5 – Stern Bewertung und Text.
4) App – Lesen
Warum das Heft nicht als App wie der Spiegel ? Zusätzlich oder als Gegenstück zu Print?
5) Kein Sezieren von Spielen
Ich brauche wirklich nicht alles über ein Spiel zu wissen. Ich muss wissen ob es Spaß macht, ob es auf meinem Rechner läuft, dann bräuchte ich ein Youtube – Video um es in Action zu sehen und am besten eine Demo. That´s it.
Seitenlange Diskussion, aber einen wichtigen Aspekt spricht niemand an: Warum kann der deutsche Spielejournalismus nix? Weil er nicht in USA sitzt, so einfach ist das. Hier in Deutschland (oder sagen wir Europa) wird doch letzten Endes nur abgetippt, was in USA von CVG, GameInformer oder elektronisch von Kotaku und Joystiq veröffentlicht wurde. Davon leben außerdem noch zig Third- und Fourth-Level-”Newsseiten”. In Europa mag es Firmen wie Crytek geben, aber selbst die werden wahrscheinlich die brandheißen Informationen lieber nach Amerika geben. Warum? Weil es dort mehr Leute interessiert, mehr Leute lesen und es mehr einschlägt. Warum gab es auf der Gamescom kaum (gar keine?) Überraschungen oder tolle Ankündigungen? Weil einiges sogar für die PAX aufgespart wurde, die nicht mal eine echte Messe ist und demnächst findet noch die TGS statt.
Wenn man also nicht an ECHTE (investigative – woohoo!) News kommt, was bleibt dann? Spiele zu testen halt. Aber die im ursprünglichen Artikel geforderten Textwüsten möchte ICH nicht lesen. Bestimmt leide ich an ADHS, aber die letztendliche *Erfahrung* mit dem Spiel mache ich, wenn die Disc in der Konsole oder dem PC liegt und nicht, wenn ich mir 1-6 Wochen vor Erscheinen einen intellektuell wertvollen Test durchlese. Als GamePro-Abonnent (wait… what?) nerven mich schon die Historikartikel zu “Leben”, “Blut”, “Schwert”, “Licht”. Gähnend langweilig, aber genau das schwebt mir vor, wenn ich die Forderungen oben lese. Die letzten Artikel auf Polyneux habe ich mir wegen akuten tl;dr schon nicht mehr zu Gemüte geführt. Ein Mittelmaß reicht schon. Welche 12 Waffen mit welcher Durchschlagskraft nach Newton im Spiel vorkommen, ist nicht so sehr von Interesse, sondern nur, dass die Auswahl da ist.
Und wieso kann man den Einbruch des Zeitschriftenverkaufs nicht mit dem Schwenk zu “Online” erklären? Wohl kein anderes Medium als Spiele bietet sich SO SEHR für Online-Berichterstattung an. Ein neuer AMG-Mercedes kommt auf YouTube nicht wirklich rüber, aber aus einem Spiel kann man zig unterschiedliche Drei-Minuten-Häppchen aufnehmen, die exakt das bringen, was der Konsument am Ende auch zu Hause haben wird. Spiele sind visuell und dynamisch. Und bedrucktes Papier mag hübsch sein, zeigt aber letztendlich nicht, wie das Blut wirklich spritzt.
Zu guter Letzt noch ein “JA!” zu klaren Wertungen am Ende von Spielkritiken. Eine (im besten Fall) von mehreren Kritikern besprochene Endnote bringt mir mehr als 2 Absätze Larifari. Warum muss man sich mit aller Macht um die böse Wertung drücken, an die sich der Mensch seit jeher gewöhnt hat?
Der Zustand des amerikanischen Spielejournalismus ist aber auch nicht tiptop – in vielerlei Hinsicht ist er sogar schlimmer: Geschichten wie der Gerstmann-Skandal oder vor kurzem der Streit ums Geld zwischen den Machern von ExtraCreditz und dem Escapist (der Escapist ist trotz seiner massiven Reichweite entweder nicht in der Lage oder willens, seinen freien Mitarbeitern zeitnah und angemessen Geld zu zahlen) sind dabei mehr exemplarisch als anekdotisch.
Die Debatte geht für mich deshalb auch an der Sache vorbei: Das Problem ist nicht der Spielejournalismus in den Fachmagazinen, der kann so bleiben wie er mag. Das Problem ist: Spielejournalismus findet noch zu wenig in Mainstreammedien statt, die das Reichweite- und Abhängigkeitsproblem der Fachmagazine in der Form nicht haben. Wer sagt denn, dass die geistreichere Spielekritik, die sich mit Inhalten und nicht mit technischen Details auseinandersetzt, in den Fachmagazinen stattfinden muss? Warum soll sich nicht der Kulturteil des Spiegel, der ZEIT oder der Süddeutschen regelmäßig in der gleichen Form mit Videospielen beschäftigen, wie er das etwa mit Filmen tut?
Sehr interessanter Artikel, aber ich muß dazu sagen, daß es auch die andere Seite der Leserschaft gibt, nämlich die Leute wie mich, die mit der grundlegenden Art der Berichterstattung eigentlich zufrieden sind. Mich interessiert die “soziale Komponente”, etc. nicht wirklich. Vielleicht bin ich da “altmodisch” (ich spiele jetzt seit 25 Jahren), aber ich behaupte, gerade die jüngeren potentiellen Leser sehen das genauso. Bei mir liegen die Gründe, warum ich mich von den Spielezeitungen abgewendet habe, ganz woanders, und ich denke, ich bin da nicht der einzige:
- Zum einen sind die Spieletests irgendwie realitätsfremd. Da wird sechs Seiten lang über ein Spiel geschrieben – wie toll es doch ist, wie genial die Grafik ist, wie super die AI ist, usw. Dann kommt ein Absatz wo drinsteht, daß das Spiel aufgrund diverser Crashes und Bugs eigentlich kaum spielbar ist. Dann bekommt das Spiel eine Bewertung von “90%”, und die Bewertung können sich die Hersteller dann als Gütesiegel auf die Box des nahezu unspielbaren Spiels kleben. Noch nie habe ich gesehen, daß ein Magazin den Mut hatte, zu sagen: “Das Spiel ist aufgrund der vielen Crashes und Bugs unspielbar. Wertung: 10%” Keine Ahnung, warum so etwas nicht passiert, aber es riecht nach Hofberichterstattung und Gefälligkeitsbewertungen sowie Angst vor der eigenen Courage. So werden die Testfaulheit und die vorschnellen Releases der Spielebranche von den Spielemagazinen gefördert. Und deshalb fördere ich die Spielemagazine nicht mehr.
- Das andere, was mir ungemein auf den Keks geht, ist die extreme Selbstbeweihräucherung der Redaktionen. Das hat mal ganz nett angefangen – den einen oder anderen interessiert es vielleicht, was für Spiele die Redakteure so mögen, weil man daraus zu einer Bewertung der Reviews kommen kann (mich interessiert es – wie wahrscheinlich die Mehrheit der Leser – absolut nicht, gar nicht, 100% überhaupt nicht). Aber daß die Redakteure teilweise ganze Seiten in Anspruch nehmen, wo sie ihre Vorlieben vorstellen und darüber Auskunft geben, welche Farbe ihre Zehennägel gerade haben und wann sie das letzte mal in der Nase gepopelt haben, ist unglaublich sinnlos. Wenn die Redakteure dann noch in Fotocomics auftreten, kann man nur noch von Narzissmus sprechen. Der Höhepunkt ist natürlich ein gewisser “Rossi”, der mehrere Seiten jeder Ausgabe eines Magazins dafür in Anspruch nimmt, masochistische Leser pseudo-eloquent zu beschimpfen – ich denke, es wird ein paar tausend Hardcoreleser geben, die darauf abfahren, und das war’s. Das sind Seiten, die man mit echtem Content hätte füllen können! Warum soll ich für ein Magazin bezahlen, das zu gefühlten dreißig Prozent von der Redaktion handelt?
Guck mal in die GamePro… Die hat vor allem ein klares, schickes Design und nur kurze Meinungskästen der Redakteure. Und wenn ein Spiel technisch mies ist, dann wird es auch abgestraft – allerdings nicht mit 10%. :-)
Klares, schickes Design gab’s auch schon mal viel besser…
Also ich habe mir die Webseite mal kurz angeschaut, und da gibt es auch wieder die typische Seite, wo die Redakteure von ihren Lieblingsfilmen erzählen, ihren Lieblingsbands, ihren Lieblingsautoren, wofür sie Geld ausgeben, etc. Ich könnte fast wetten, daß es in dem Magazin dann genau so eine Seite gibt, die für mich das Papier nicht wert ist. So ein Blödsinn zeigt meiner Meinung nach, daß die Redaktion sich selbst einfach viel zu lieb hat und ihre Bedeutung für die Leser immens überschätzt, und für so etwas zahle ich nicht mehr. Ich will Content für mein Geld und keinen selbstverliebten Quatsch, dessen Zielgruppe außer dem härtesten Minikern der Leserschaft am ehesten die Redaktion selbst ist.
Ich selbst bin schon lange weg von detailreichen Aufdröselungen jedes kleinen Aspekts der Grafik, aller verfügbaren Waffen etc. Ich will eine Geschichte um das Spiel hören, erfahren, was der Tester erlebt hat und mich begeistern lassen. Gefühle begeistern mich, nicht die Lichteffekte, die ich nur auf einer Konsole zu sehen bekomme.
Auch in Filmrezensionen wird nicht darüber gesprochen, wie das Licht gestaltet wurde und ob alles in Sepia dargestellt wird. Und wenn, dann nur um zu demonstrieren, was diese oder jene Optik für einen Hintergrund hat in der Geschichte und welchers Gefühl damit erzeugt werden soll.
Wenn ich selbst über Spiele schreibe, dann beschreibe ich am liebsten, welches Erlebnis es war, es zu spielen.
Hach, ich vermisse die Gee (auf Papier) doch sehr.
Ach ja, die GEE hatte ich vergessen. Zwei Mal gekauft und vielleicht 60% der Artikel gelesen. Trocken und langweilig.
Ich bin aktiver Gamer seit dem VC20 und gehöre damit natürlich zur 40+ Generation. Genauso lange bin ich auch Konsument der Spielmagazine, früher ASM und Konsorten, heute eigentlich nur noch PC Games. Ab und zu schaue ich auch über den Tellerrand, d.h. ich kaufe mir auch mal ein anderes Magazin, angesprochen fühle ich mich aber seit Jahren nur noch die PC Games. Das sagt natürlich mehr über mich als über den Spiele-Magazin-Markt aus.
Aufgrund langjähriger Konsumenten-Erfahrung wage ich es aber festzustellen, dass sich sehr doch viel in diesem Bereich geändert hat. Anders als Christian Schmitt bin ich der Meinung, dass in der Vergangenheit viel mehr auf irrelevanten Details rumgeschrieben wurde als heute. Eine Auflistung der verfügbaren Waffen in einem Shooter habe ich persönlich z.B. schon lange nicht mehr gesehen. Wäre für mich auf uninteressant. Der Trend ist aus meiner Erfahrung schon seit vielen Jahren, dass mehr auf das große Ganze in der Berichterstattung fokussiert wird – im Endergebnis das wichtigste, der Spielspaß. Aufgrund der derzeitigen Konsolenprägung des Marktes ist die Technik auch in den Hintergrund gerückt. Die Technik wir nun mal durch die Konsolen limitiert, Games die das technisch besondere bieten, gibt es nur noch selten, wichtiger ist die Portabilität zwischen den Plattformen. Ganze Genres sind ausgestorben oder fristen ein Nischendasein – Flugsimulatoren (ich war mal der größte Microprose-Fan), Jump-and-Runs (nur noch auf der Wii) uvm. Das verengt natürlich auch die Berichterstattung, es gibt weniger Themen. Massentauglich scheinen nur Schienen-Shooter ohne KI und Casual-Games wie SIMs u.A. zu sein. Schade, schade, schade.
Ich bin aber der festen Überzeugung, dass sich das wieder ändern wird. Ähnlich der großen Games-Krise in den 80ern wird der Markt sich irgendwann, hoffentlich bald, mangels Interesse der Gamers an immer denselben Games in neuer Verpackung neu aufstellen. Ich behaupte, dass es in den nächsten 5 Jahren einen der ganz großen zerlegen wird. Ursache: keine Ideen, nix neues, keine Phantasie. Das schafft Platz für neues. Dann hat die Games-Presse auch wieder eine Chance. Ob Paper oder online sei mal dahingestellt.
Mal was ganz anderes: Hand hoch wer beim Weggang von Christian von der GS alles gemeint hat: Alles Gute und hoffentlich hört/liesst man wieder mal was von Dir. Haha. Hahaha…. In your Face!
Man hört: den Kaliban/ChristianBlog.
Man liest: Christian in gefühlt allen Spieleblogs in Deutschland. Was für ein geiles Trainwreck. Weiter so!
Mehr Öl ins Feuer! Ich fordere Wöchentliche Kolumnen von CS in auf SpOn, in der FTD und meintetwegen auch in der Süddeutschen. Was hat Lobo doch gleich mal über seinen inneren Benzini gesagt?
Und jetzt weiter! Ich kann Mick Schnelle lässt schon mal die Motoren warmlaufen. :-)
Ich hatte bis vorgestern nie von Christian Schmidt oder Gunnar Lott gehört. Meine letzte GameStar liegt zig Jahre zurück.
Danke für den Hinweis. Die Prominenz von Ex-Spieleredakteuren wird in diesem Blog naturgemäß zuweilen überschätzt.
In dem Bereich gibt’s halt nicht viele Antonia Rados’. ;)
Wieso kommt mein Trackback vom Podcast eigentlich nicht an? *kopfkratz*
Als 36jähriger “Enthusiast”-Spieler, der seit Anbeginn der dt. Spieleberichterstattungszeitrechnung (Telematch, hüstel) am Ball geblieben ist, hole ich mir seit nunmehr 10 Jahren alle Informationen, die ich benötige, aus dem Internet. Sozusagen als Konglomerat, denn DIE Spieleseite kann es für meinen Anspruch des Multiblickwinkels gar nicht geben. Ein einziges Spielemagazin ist auch nur ein Medium, das sich seine Gestrigkeit noch nicht eingestanden hat. Das perfekte Spielemagazin kann es in der heutigen Zeit gar nicht mehr geben, auch hier müsste man mehrere Magazine zusammen kaufen und sich die Rosinen rauspicken, wie über Webseiten eben auch. Darunter wäre dann aber sowohl ein 0815-Magazin, das mir erzählt, wieviele Level, Modi, etc. ein Spiel zu bieten hat, als auch ein Magazin, das sich ganz auf den ästhetischen Aspekt versteift. Der Unterschied zwischen Web und Zeitschrift ist halt derjenige, dass 3-4 Zeitschriften ‘ne Stange Geld kosten.
Bin ich jetzt total auf dem falschen Dampfer, wenn ich denke, dass momentan die M! Games von allen deutschen Spielemagazinen den besten Mix gefunden hat aus Testanalyse und “Gefühl”?
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