Apple-Bashing bei der SZ

by Gunnar on 7. Oktober 2011 · 69 comments

Herr Kaliban sollte nicht mehr Zeitung lesen.

Heute morgen gab’s in der Süddeutschen mal wieder einen Artikel über Apple und Steve Jobs, diesmal von Karl-Heinz Büschemann, dem Ressortleiter und Chefreporter des Wirtschaftsteils. Der Mann beobachtet schon sein ganzes Berufsleben große Konzerne und hat auch zwei Bücher verfasst, über die Energiewirtschaft und die Autoindustrie.

Keine Ahnung, ob die Bücher gut sind, über Apple jedenfalls schreibt er hanebüchenen Quatsch. Büschemann rückt den Konzern in die Nähe einer “Sekte”, nennt Jobs “Gott” und “Guru” und “Magier”; die Kunden der Firma sind für ihn samt und sonders “Fans”, “Opfer” und “Gläubige”. Der übliche Anti-Apple-Sermon halt, begründungsfrei und selbstgefällig runtergeschrieben. Man mag dem grundsätzlich zustimmen oder auch nicht, aber die Beschreibung ignoriert ein bisschen den Massenmarkterfolg jüngerer Apple-Produkte. Und beleidigt Millionen Kunden, die sich keine Jobs-Keynotes angucken oder vor Läden kampieren, sondern einfach ein leicht bedienbares Produkt haben wollen. Aber hey, geschenkt – völlig falsch ist das ja nun auch wieder nicht.

Weiterhin versteigt er sich aber auch zu der Aussage, Apples “Geschäftsmodell” sei nicht “nachhaltig” – und das ist zumindest eine gewagte Behauptung, wenn man sie nicht mit Fakten unterfüttert. Denn Apples “Geschäftsmodell” ist erstmal das Verkaufen von IT-Produkten und spezialisierter Software, das ist nicht weniger nachhaltig als bei anderen Firmen auch. Büschemann meint damit auch eigentlich, das wird beim Weiterlesen klar, nicht das Geschäftsmodell selber, sondern die Art, wie Apple Steve Jobs als Ikone einsetzt. Von einem Wirtschaftsjournalisten sollte man erwarten, dass er Fachwörter korrekt benutzt, aber hey, geschenkt.

Weiterhin schreibt er, Apple sei im Konkurrenzkampf mit Microsoft beinahe pleite gegangen, woraufhin Jobs ausgestiegen sei. Und impliziert, die Krise habe an Jobs’ Guru-Status gelegen (“Und niemand sollte in seiner schönen Welt stören.[…] Sein großer Gegenspieler Bill Gates machte es anders.”] Das passt hübsch in den Text, hat aber mit der wirklichen Historie nicht allzu viel zu tun. Von einem Wirtschaftsjournalisten sollte man erwarten, dass er die Fakten korrekt wiedergibt, aber hey, geschenkt.

Und er sagt, dass “spätestens jetzt jedem klar sein müsse, dass der Apple-Erfolg eine Blase ist”. Das ist vielen Analysten so nicht klar, aber bestimmt weiß Büschemann da mehr. Ungewöhnlich auch die Verwendung des Wortes “Blase”, welches normalerweise
eine Überbewertung einer Firma oder eines Segments anzeigt, die hier nicht gegeben ist, weil Apple sich (auch wenn sie ab jetzt deutlich Marktanteile verlieren sollten) in einem expandierenden Markt bewegt und allein im letzten Quartal horrende 7,308 Mrd. USD Gewinn gemacht hat. Aber geschenkt, das mit den Fachwörtern und Fakten sagte ich ja schon.

Nachgerade bizarr wird’s aber hier:

Er versuchte mit seiner Macht, die Freiheit des Journalismus zu beschneiden und setzte Verlage mit brutaler Preispolitik unter Druck. So hat Jobs den Abstieg von Apple selbst mit eingeläutet. Er machte sich Feinde. [Quelle: SZ]

Man könnte viel gegen Apple einwenden, aber Angriffe auf den freien Qualitätsjournalismus ist nicht das, was einem als erstes einfiele. Hier wird unverhüllt die eigentliche Absicht des Autors deutlich: Er greift Apple an, weil die Verlage in mancherlei Hinsicht ein Problem mit Apple haben. Hinter “die Freiheit des Journalismus beschneiden” verbirgt sich die lächerliche Sache mit den Titten und, vielleicht, die rigide Embargo-Politik gegenüber Redaktionen. Und die “brutale Preispolitik” meint die Tatsache, dass Verlage für Zeitschriftenverkäufe innerhalb ihrer Apps Apple 30 Prozent vom Umsatz abgeben sollen – wie alle anderen App-Anbieter bei In-App-Verkäufen auch. Und mit der Platzierung des Satzes “Er machte sich Feinde” direkt hinter der Erwähnung von Journalismus und Verlagen ist auch klar, wer nach Meinung Büschemanns Apples Feind ist oder sein sein sollte: die Redakteure der Verlagshäuser.

Erstaunlich, dass sich eine tolle Zeitung wie die SZ hier auf Bashing-Niveau begibt. Ist sowas befohlene Linie oder persönliche Beißlust eines Journalisten?

Wobei man der Fairness halber zugeben muss, dass sich in der SZ insgesamt Lobhudelei und Kritik die Waage halten.

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