Die Schulden des Herrn Bundes [inkl. Update]

by Gunnar on 18. Oktober 2011 · 8 comments

Herr Kaliban betreibt Volksbildung.

Wir schauen uns mal den Bundeshaushalt an, beispielsweise den von 2010. Da stehen lauter riesige Summen, mit unnötig vielen Nullen. Nehmen wir mal die nackten Zahlen und denken uns die meisten Nullen weg.

Damit kommen wir in die Größenordnung eines deutschen Singlehaushalts. Herr Bundes ist, sagen wir, Bäcker und verdient knapp 2.000 Kröten im Monat. Also:

Einnahmen: 23.800 Euro

Leider lebt Herr Bundes über seine Verhältnisse:

Ausgaben: 31.900 Euro. Davon allein 3.700 für Zinsen.

Warum die hohen Zinsen? Nun, Herrn Bundes drücken die Sünden der Vergangenheit:

Schulden: 128.400 Euro

Die Lage ist allerdings nicht hoffnungslos, Herr Bundes hat ganz ordentlich Vermögen:

Immerhin liegen im Safe noch für fast 25.000 Euro Aktien und seine Wohnung ist auch gut 100.000 wert. Er hat aber in den letzten Jahren schon ein paar Tausend Euro aus dem Vermögen flüssig machen müssen, um drückende Schulden zu bedienen.

Und neulich hat er sich dazu hinreißen lassen, mit ein paar Kumpels, Pierre, Ole und John und den anderen, für Spyros zu bürgen, der mit seiner Gyrosbude in eine finanzielle Schieflage geraten ist.

Der Bürgschaftsanteil von Herrn Bundes hierfür beträgt 21.100 Euro.

Das wäre natürlich blöd, wenn Herr Bundes da in Haftung genommen würde, wo er doch schon so seine Finanzen nicht im Griff hat. Aber Herr Bundes ist hoffnungsfroh und plant für die nächsten Jahre Gehaltserhöhungen, die ihn 2015 soweit gebracht haben sollen, dass er pro Monat nur noch knapp 100 Euro Miese macht. An den Abbau der Schulden denkt er nicht, er hat ja einen sicheren Job und kann die Zinsen einigermaßen stemmen.

[Dieses Rechenexempel wurde inspiriert von dieser Aufstellung, die Zahlen orientieren sich an öffentlichen Quellen, BMF u.ä. ]

Wie so oft in Blogs, auch und gerade in diesem, hätte der Beitrag noch viel besser sein können, wenn ich ihn von vornherein gemeinsam mit den Usern geschrieben hätte. Hier die besten Ergänzungen aus den Kommentaren:

Nun arbeitet Herr Bundes nicht für sich selbst, sondern vor allem für die etlichen anderen Bäcker, die in seiner Wohnung wirtschaften. Und die verkaufen ordentlich Brot an Herrn Spyros: jedes Jahr Backwaren im Wer von etwa 1000 Euro. Hinzu gehört diesen Bäckern bereits Teile der Gyrosbude, und wenn Herr Spyros pleite ginge, dann wäre was los.

Herr Spyros könnte sich, so wie zuvor einige südamerikanische Herren, aus dem System ausklinken, was ihm erlauben würde, günstig sein eigenes Brot zu backen. Aber die Bäcker, für die Herr Bundes arbeitet, wollen das auf keinen Fall, denn immerhin gehören sie zusammen zu den am besten verkaufenden Bäckern der Welt.

Attraktiver ist es, wenn Herr Spyros irgendwie an seiner Bude festhält, weiter das Brot von Herrn Bundes kauft, und anstatt Geld zu leihen, dass ihm inzwischen niemand mehr geben will, vielleicht seine Kinder ein wenig hungern lässt. Aber nur so viel, dass sie ihn nicht irgendwann packen und ins Meer werfen. [Morlock]

Ein besserer Ansatz wär: Herr Bund ist leider unmündig. Daher wird für ihn von seiner Familie alle 4 Jahre ein neuer Betreuer bestimmt. Dummerweise ist der Markt für Betreuer sehr klein, und wie das in der Marktwirtschaft so ist, versprechen die Betreuer vor Arbeitsantritt ihres 4 Jahres-Arbeitsvertrags (mit absolutem Kündigungsschutz) so ziemlich alles, was seine Familie hören will. Noch schlimmer: Seine Familie ist sehr vergesslich. Jedesmal, wenn die Verlängerung des Arbeitsvertrages ansteht, vergisst sie sowohl die Dinge, die in den ersten Jahren geschahen, wie auch die Arbeitsleistung seiner Vorgänger. Auch wenn die angestellten Betreuer wissen, dass Herr Bund quasi pleite ist, sind sie sehr bemüht, in den 4 Jahren des Arbeitsvertrages möglichst viel Party von Herr Bundes Vermögen zu machen und ihm noch möglichst tief in die Sparsocke zu greifen… [Achim Sp]

Man könnte vielleicht noch ergänzen, dass Herr Bundes zwar 128.400€ Schulden hat, sein Betrieb aber auch einen Jahresumsatz von 156.000€ hat und ihn der Herr von der Sparkasse zwar an seinen Verpflichtungen erinnern kann, aber keinerlei Möglichkeiten hat, ihn zur Zahlung zu verpflichten. Übrigens liegen die Zinsen für Bundesanleihen momentan auch auf einem Rekordtief unterhalb des Inflationsniveaus. Normalerweise sollte Herr Bundes da mal einen ordentlichen Schluck aus der Pulle nehmen um mit dem Geld beispielsweise seine Werkseinfahrt zu erneuern, neue Maschinen zu installieren und seine Mitarbeiter zur Fortbildung zu schicken. [Philip]

{ 6 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: