Buchtipps im Dezember

by Gunnar on 13. Dezember 2011 · 12 comments

Herr Kaliban empfiehlt mal wieder ein paar Bücher, huschhusch im Schnellwaschgang.

Brandon Sanderson: Infinity Blade (Kindle: 1,99) Fantasy-Buch zum Spiel Infinity Blade von Chair/Epic. Solide, flüssig geschriebene Auftragsarbeit von meinem aktuellen Lieblings-Fantasy-Autor. Ist nicht lang, kostet aber auch nicht viel. Nettes Zwischendurchbuch.

Brandon Sanderson: The Alloy of Law (gebunden: 14,95) Dieses Buch spielt im Universum der Fantasy-Trilogie Mistborn, ist aber 300 Jahre später angesiedelt und daher keine klassische Fantasy mehr, sondern eher Steampunk. Clevere Idee, das habe ich so bei Fantasy-Serie noch nicht gesehen. Wie alle Sachen von Sanderson ist es clever ausgedacht und hält eine gute Balance zwischen Action und Weltbeschreibung. Die Figuren bleiben ein bisschen blass, aber egal. Man kann’s auch lesen, wenn man die Mistborn-Sachen nicht kennt.

Drew Magery: The Postmortal (div. Versionen: ab ab 11,99) Fieser Scifi-Thriller über eine Welt, in der eine Heilung für das Altern gefunden wurde und alle Menschen (oder jedenfalls die, die es sich leisten können) ewig leben. Magery spinnt den Grundgedanken hübsch aus und denkt alle Entwicklungen weiter: Todesschwadronen der Regierung, die Rentner töten, neue religiöse Kulte, Ressourcenknappheit et cetera. Geschrieben eher im Stile eines Tagebuchs.

Ferdinand von Schirach: Der Fall Collini (div. Versionen, ab 12,99) Schirach ist Strafverteidiger in Berlin und erweckt den Eindruck, als sei ihm nichts Menschliches fremd. Seine bisherigen Werke waren Kurzgeschichtensammlungen, immer über Verbrechen, immer aus der Sicht des Anwalts, immer brillant geschrieben. Collini ist sein erster Roman, eigentlich, aber in Wirklichkeit ist es einfach nur eine lange Kurzgeschichte mit ein bisschen Nebenhandlung. Das macht aber nichts, ist trotzdem ein gutes Buch, in dem Schirach seine typischen Stärken ausspielt: Er kann nicht nur schön und präzise schreiben, er weiß auch, wovon er redet – wo andere Autoren sich das Feld über Recherche aneignen müssen, erzählt er eben aus seiner Welt.

Passig, Scholz, Schreiber: Das neue Lexikon des Unwissens (eBook und gebunden: ab 16,99) Sehr schönes Verschenkbuch. Die Autoren nähern sich in angenehm klarer und humorvoller Sprache aktuellen Phänomenen der Wissenschaft an und erklären kundig und nachvollziehbar, warum es für spezfische Probleme bislang keine Lösungen gibt. Liest sich so in einem Rutsch weg.

Alexander Steffensmeier: Liselotte bleibt wach (Hardcover: 14,95) Sensationell toll gezeichnetes Kinderbuch, bei dem auch Erwachsene immer wieder Spaß haben. Die detailreichen Bilder enthalten eine ganze Reihe von kleinen Gags, die an den Kindern vorbeigehen, dem geplagten vorlesenden Elternteil aber Freude machen. Sehr angenehm. Gibt aus der Serie noch eine Reihe weiterer Bücher, die auch alle schön sind. Weihnachtstipp für Eltern, Onkel, Tanten, Großeltern von 3 bis 6jährigen.

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Daniel Dezember 13, 2011 um 11:49

Den Schirach habe ich kurz nach Erscheinen verschlungen und wie seine bisherigen Kurzgeschichtenbände finde ich es fantastisch! Die Kurzgeschichten lese ich auch immer wieder gerne, weil Schirach einfach eine tolle Sprache hat!

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Vankog Dezember 13, 2011 um 14:01

Erinnert noch jemanden die Beschreibung von Drew Magery: The Postmortal an den aktuellen Film “In Time”? Übrigens ein durchaus empfehlendwerter Streifen.

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Marjan Dezember 13, 2011 um 16:52

du scheinst zwar eher dem kurzen buch als dem epos zuzuneigen, Gunnar, aber wenn du alternative fantasy lesen willst: versuch’s doch mal mit Stephen Kings Dunklem Turm. schon im vorwort erklärt er, warum die welt mit Tolkiens büchern schon genug Hobbits und Orks hat und er deshalb einen fantasy-western schreiben will.

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Traveller Dezember 13, 2011 um 17:23

Nette Tipps, die Lobeshymnen auf von Schirach gehen mir mittlerweile aber etwas auf den Senkel. Bloß weil jemand eine präzise, knappe Sprache hat (die auch für jede RTL2-Doku eine prima Untermalung wäre), ist sein Schreibstil nicht automatisch brilliant. Und erfunden hat er diese knappe Prosa auch nicht. Und spätestens, wenn die dritte Geschichte (rede jetzt vom Buch “Schuld”) auf Nonsens-Sätze wie “Es war Spätsommer, die letzten Tage, der Wind war noch warm hier” enden, wird es irgendwann maniriert und leicht eitel. Dazu kommt, dass 18 Euro für 200 groß bedruckte Seiten (im Normaldruck käme wohl ein 100-Seiten-Heftchen raus) schon recht arg sind. Der Erfolg gibt dem Autor aber anscheinend recht.

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Daniel Dezember 13, 2011 um 17:57

Wenn ein Autor es mit seiner Sprache schafft, dass mir beim Lesen Tränen in die Augen steigen aus Mitgefühl mit den beschriebenen Figuren, dass ich laut auflache, auch wenn ich gerade im Zug sitze oder dass ich ganz einfach eine tiefe Zufriedenheit nach der Lektüre verspüre, dann ist das brilliant! Und ganz weit weg von RTL II.
Was den Preis der Bücher betrifft denke ich, da verdienen vor allem die Verlage kräftig mit und freuen sich natürlich, wenn sie einen guten Autor unter Vertrag haben, der große Auflagen garantiert.

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Daniel Mönch Dezember 13, 2011 um 21:29

Nunja, schonmal was von der gesetzlichen Buchpreisbindung gehört?
“Offiziell zielt die Buchpreisbindung darauf, die Meinungsvielfalt im deutschen Buchmarkt zu erhalten. Dabei spielt die Rolle des Buches als Kulturgut eine entscheidende Rolle. Unter diesen Prämissen wird der Eingriff ins Marktsystem, welchen die Buchpreisbindung darstellt, in Kauf genommen, auch wenn dadurch ökonomische Potentiale für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette verloren gehen.

==> Die marktorientierte Festlegung des Buchpreises über Angebot und Nachfrage, sowie der mögliche Preiskampf unter den Verlagen und Buchhandlungen wird unterbunden und so gewährleistet, dass auch kleine und unbekannte Titel eine Chance zur Veröffentlichung haben. <==

- Schutz des Kulturguts Buch
- Sicherung einer großen Anzahl und Vielfalt an Buchtiteln (Erleichterung des Verlegens kulturell wertvoller Bücher, auch wenn deren Absatz voraussehbar geringer sein wird als der von Bestsellern)
- Sicherung der flächendeckenden Versorgung mit Buchtiteln"
(Wikipedia)

Bücher mit hohen Auflagen wären eigentlich deutlich billiger, müssen aber teurer Verkauft werden, da damit dann Bücher mit niedrigeren Auflagen günstig gehalten werden können.
Ein Harry Potter könnte für ein paar Euro verkauft werden, aber mit der Preisbindung werden Drucke von Goethe und Kollegen finanziert, die sonst deutlich teurer wären.

HerrKaliban Dezember 13, 2011 um 19:07

@traveller: Stimmt schon, bin nach Schirachs Büchern auch immer nur halb satt. Trotzdem: Er hat sein Sujet im Griff und kann wirklich schreiben.

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Gunnar Dezember 13, 2011 um 22:07

@daniel mönch:

das stimmt so nicht. ich kann natürlich ein kleinauflagiges poesiewerk für 79 cent herausbringen. und für eine neue folge von harry potter 69,- euro nehmen. die buchpreisbindung legt nur fest, dass der preis eingehalten werden muss. das hieße: mein poesieband darf 18 monate lang nicht mehr teurer werden, auch wenn er überraschend viel erfolg hat und ich gerne mehr geld hätte, und harry potter, band 8, darf nicht verramscht werden, auch nachdem der verlag eingesehen hat, dass 69,- euro ein bisschen zu viel waren.

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Traveller Dezember 14, 2011 um 17:27

Ach, die Buchpreisbindung. Oft zitiert, selten verstanden. Dass Piper bei von Schirach 17 Euro für 100 (Normal-)Seiten nimmt, hat sicher NICHTS mit der Buchpreisbindung zu tun. Der Kaliban schildert es im Prinzip richtig. Eine weitere Hauptaufgaben der Buchpreisbindung besteht zudem darin, dass Amazon eben auch 17 Euro nehmen MUSS, obwohl es beim Verlag zigtausend Exemplare ordert (und es damit eventuell billiger anbieten könnte) und nicht nur 75 Stück wie der kleine Buchhändler ums Eck. Und wo wir schon mal dabei sind: Die Buchpreisbindung hat auch nichts damit zu tun, dass E-Books meist nur wenig billiger sind als das Print-Pendant. Von daher trägt Copy&Paste von Wikipedia nicht unbedingt zur Klärung bei, Daniel.

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