Die Moral von Dreijährigen

by Gunnar on 20. Dezember 2011 · 7 comments

Herr Kaliban spricht mit dem Goldkindtm und lernt was über Moral.

Herr Kaliban: (liest vor) Der Schreckliche Sven tobte und tobte. Unsere Freunde aber lachten ihn aus und freuten sich, dass sie ihm entkommen waren.
Goldkind: Hihi, der doofe Sven.
Herr Kaliban: Hm. Der Sven ist natürlich schon ziemlich gemein, aber Auslachen ist auch nicht nett.
Goldkind: Dochdoch, wenn der böse ist, darf man ihn ruhig auslachen. Dann darf man auch auf ihn schießen, wie das Halvar gemacht hat.
Herr Kaliban: Halvar hat nur mit einem Brandpfeil auf das Segel von Svens Schiff geschossen. Auf Leute schießen darf man nicht, nicht mit Pfeilen und schon gar nicht mit Gewehren oder Pistolen oder so.
Goldkind: In Pistolen ist doch nur Wasser drin.
Herr Kaliban: Nun, es gibt auch Pistolen mit Kugeln. Wenn man die abfeuert, fliegt die Kugel ganz schnell raus. Wenn sie jemanden trifft, ist der schwer verletzt oder tot. Die Polizei hat so welche, um sich gegen böse Menschen verteidigen zu können. Aber auch die Polizei darf niemanden erschießen.
Goldkind: Achwas, böse Menschen kann man ruhig erschießen, das macht doch nichts, die machen doch nur Böses.

Nun. Offenbar verlieren man als Verbrecher in der von klaren Moralvorstellungen geprägten Kinderwelt augenblicklich Bürgerrechte und Lebensberechtigungsschein. Da reicht auch schon die böse Absicht, zack, wird man erschossen und ausgelacht.

Ich finde das vage beunruhigend, tröste mich aber mit dem Gedanken, dass es noch ein paar Jahre dauert, bis meine Tochter an Volksabstimmungen zur Todesstrafe teilnehmen kann.

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