Das Netz sprudelt derzeit über vor Kritik an Gauck, dem designierten Bundespräsidenten. Soviel, dass man’s schon wieder parodieren muss:
Eilmeldung: Gauck angeblich pädophiler Leichenschänder, der seinen Lifestyle mit Nazigold finanziert und für den Iran die Atombombe baut.#fb
— Jens Quentin (@Dr_Satan) Februar 21, 2012
Anatol Stefanowitsch, Sprachwissenschaftler und Blogger, hat sich die Äußerungen von Gauck mal 17.272 Zeichen lang vorurteilsfrei angeschaut, hier ist seine lesenswerte Analyse:

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weniger schreiben mehr labern!!
!stay forever!
Ich finde den Artikel ja ganz fürchterlich – gerade weil er sich um den Eindruck bemüht, vorurteilsfrei zu sein, ohne es tatsächlich zu sein. Das zeigt sich zum Beispiel an dem Abschnitt über die Montagsdemos. Die ursprünglichen Montagsdemonstrationen waren friedlicher Widerstand gegen eine Diktatur! Da ging es um ganz grundlegende Menschenrechte. Da kam es zu Festnahmen, zu Gewalt gegenüber den Demonstranten. Da gingen in einer kleinen Stadt wie Leipzig mit kaum 600.000 Einwohnern am Ende Hunderttausende auf die Straße. Auch der namensgebende Demonstrationszeitpunkt am Montagnachmittag war nicht zufällig gewählt: “Er erlaubte einerseits die Teilnahme an Gebet und Demonstration, ohne der Arbeit fernbleiben zu müssen – während SED-Mitglieder traditionell durch ihre montäglichen Parteiversammlungen in ihren Betriebsparteiorganisationen gebunden waren. Andererseits lag er auch vor der Ladenschlusszeit der Leipziger Innenstadt, so dass es relativ gefahrlos war, sich dort aufzuhalten ohne die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zu ziehen.” (wikipedia)
Mit Demonstrationen über die Ausgestaltung des Sozialsystems innerhalb eines funktionierenden demokratischen Rechtsstaates ist das doch überhaupt nicht zu vergleichen.
Gauck hat niemandem das Recht abgesprochen, gegen Hartz IV oder für mehr Jobs auf die Straße zu gehen, ganz im Gegenteil, er unterstützt das im selben Interview doch ausdrücklich. Aber er hat Recht: Die Demos 2004 als “Montagsdemos” zu bezeichnen, ist Etikettenschwindel. Das ist nicht vergleichbar. Dass Herr Stefanowitsch das nicht sieht, sagt mehr über ihn als über Gauck. Thema “eigene Biografie” und so.