Ein Brief an die Spieleindustrie

by Gunnar on 24. April 2012 · 31 comments

Background: Vor allem in UK, mit der gerade erfolgten Pleite der Spielehandelskette GAME und dem starken Konsolenmarkt, läuft seit einem Monat eine Diskussion um das Thema “Machen gebrauchte Spiele das Geschäftsmodell der Spieleindustrie kaputt?”. Angeheizt wird die Debatte durch die Gerüchte um die Nachfolger von PS3 und Xbox 360, die angeblich keine Gebrauchtspiele mehr abspielen werden.

Dazu ein paar Anmerkungen von mir, in der derzeit beliebten Form des offenen Briefs:

Liebe Spieleindustrie,

wir kennen uns doch schon lang, dennoch habe ich manchmal das Gefühl, dass ich über Dich zuviel weiß, Du über mich aber gar nichts. Vielleicht trügt mich meine Eitelkeit aber nur, vielleicht weißt Du alles über mich, lässt nur eben Deine Handlungen nicht beeinflussen. Ich meine, hey, wenn Du mich kennen und schätzen würdest, würdest Du doch nicht all diese waffengeile Militärscheiße rausbringen, all die DRM-vernagelte Mittelmäßigkeit, all diese halbfertigen DLC-Fallen. Aber nun ja.

Liebe Spieleindustrie, ich erzähle Dir mal was Wichtiges über mich:

Ich kaufe jeden Monat ein Spiel.

Okay, das ist nicht ganz richtig, ich kaufe jeden Monat viel mehr Spiele, Indie-Games, iPhone-Games, kleine Sachen sozusagen. Aber in eurer Definition, im klassisch vollpreisigen Sinne kaufe ich pro Monat ein Spiel. Das kostet mich, weil ich zu träge bin nach Sonderangeboten zu schauen und bevorzugt auf der Konsole spiele, in aller Regel 69,90 Euro.

Das ist gar kein schlechter Preis, den ich da klaglos zahle: Für dasselbe Geld bekäme man auch 5 bis 10 Kinobesuche (ohne Popcorn), Battlestar Galactica komplett auf 25 DVDs (mit reichlich reichlich Popcorn), ein Jahresabo von GameStar oder die ersten sechs Bände von Unwritten. Oder einen Bordellbesuch, vermutlich, aber da kenne ich mich mit den Preisen nicht aus.

Für die 70 Steine bekomme ich, das weiß ich zu schätzen, ein hochwertig produziertes Entertainment-Produkt, das mich manchmal, es ist schwer vorauszusehen, 8 Stunden fesselt, manchmal auch 50 Stunden. Manchmal bin ich auch enttäuscht, übrigens nie wegen Grafik oder Bugs, sondern eigentlich immer nur wegen der polierten Seelenlosigkeit mancher Produkte. Das aber ist eine andere Geschichte. Also, egal, ob’s gut war oder mau, ich sitze nach Benutzung auf einem für mich wertlosen Produkt: Ich sammele nicht, ich wiederspiele nicht, das abgespielte Spiel fängt bei mir Staub. Ergo tue ich das, was ich mit allen anderen Dingen auch tue: Ich verschenke es, verleihe es, verkaufe es. Das mache ich mit Büchern, Kaffeemaschinen, Handys, DVDs, CDs und allem — mein Herz hängt nicht an Vintage dies und Retro das, ich versuche mein Leben ballastfrei zu halten.

So bin ich nun mal, liebe Spieleindustrie, das hast Du immer gewusst.

Und nun lese ich, dass ich schuld sein soll, dass das alles so schwierig ist mit dem Profit und dass Singleplayer-Games wegen mir sterben und dass das alles Notwehr ist und überhaupt. Das alles wirft man mir, metaphorisch, an den Kopf, quasi sobald ich den Laden um 70 Euro ärmer verlassen habe. Das macht mich nicht glücklich, ehrlich gesagt. Ich war der Meinung, es sei völlig okay, dass ich ein physikalisches Gut als mein Eigentum betrachte, aber ihr wollt es mir lieber nur vermieten. Gerne aber zum vollen Preis. Tja, dann kommen wir wohl nicht zusammen, liebe Spieleindustrie.

Ich sag’s hier mal ganz offen: Wenn ich mein 70-Euro-Spiel nicht wieder verkaufen kann, dann kaufe ich eben kein 70-Euro-Spiel mehr. Was mich dann vielleicht noch von dem Problem befreit, eine 500-Euro-Konsole erwerben zu müssen. Auf dem Handy, mit seinen 79- bis 799-Cent-Spielen (die mich aber auch gerne mal ein paar Wochen beschäftigen), da nehme ich es gerade noch hin, dass mir die bezahlte Ware nicht wirklich gehört, aber im Premium-Segment, liebe Industrie, im Premium-Segment erwarte ich mehr.

Also, hört auf, schlecht über mich und mein Geschäftsgebaren zu reden, und verkneift euch den Quatsch mit der Anti-Gebrauchtspiel-Konsole, sonst sind wir geschiedene Leute.

Herzlichst,

Euer Gunnar.

P.S. Und ja, es ist mir wurscht, ob meine Position in dieser Sache völlig konsistent ist.

{ 30 comments… read them below or add one }

ellenn April 25, 2012 um 03:20

Amen!

Der ganze DRM-Aktivierungsmist auf dem PC hat dazu geführt, dass ich immer weniger am Rechner und sehr viel mehr an der Konsole spiele. Steam & Co. kommen mir nicht auf die Platte, niemals nicht!

Wenn die jetzt diese Gängelei auf Konsolen zum Standard machen, dann werde ich mir wohl ein anderes Hobby suchen müssen. Eine andere Sprache als den Geldhahn abzudrehen verstehen die Herren in den Chefetagen anscheinend nicht.

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Burki April 25, 2012 um 06:15

In der Sache zu 100% richtig. Leider kann auch eine kluge Argumentation diese Profitmaximierung nicht aufhalten. Die Spielerschaft wird leider nicht geschlossen den Konsum einstellen, um etwas zu bewegen.
Selbst unfassbar hohe Preise, minimale innovativer Inhalt und null Engagement gegen Hacker beinträchtigen die COD-Verkaufszahlen nicht. Gibt es nicht eine Art Bundeskartellamt für sowas. Quasi eine Art Bundeskundenausquetschungsamt. So eine Art Verbraucherschutz, der auch funktioniert….

Kleiner Lösungsansatz:
Vielleicht sollte man sich für jedes Steam-Spiel jedes Mal eine neue EMail-Adresse und einen neuen Steam-Account zulegen und diese beiden Konten mit dem Spiel mitverkaufen. Natürlich sollten keine Zahlungsinformationen und Klarpersonalien da vermerkt werden. Das müsste doch gehen, oder?

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Iss April 25, 2012 um 07:10

@ Burki

Bundeskundenausquetschungsamt, klar gibt es das nennt sich Finanzamt ;)
und
dein Lösumgsansatz funktioniert prima hab ich schon des öfteren so gemacht

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m3adow April 25, 2012 um 07:20

Ich spiele gerne. Auch wieder, weswegen ich Steam durchaus zu schätzen weiß. Doch Titel, die ich garantiert nicht nochmal spielen werde, wie das hundertste CoD oder ein weiterer seelenloser Rollenspieltitel, kaufe ich mir gar nicht erst. Zum Vollpreis sind sie mir zu teuer, da kann ich eher einer der im Text genannten Aktivitäten frönen. Zum Budgetpreis überlege ich es mir zwar nochmal, aber meist krame ich dann lieber einen älteren und besseren Klassiker raus.
Ich habe kein Problem damit, dass die Publisher den Gebrauchthandel unterbinden wollen. Dann sollen sie das aber bitte mit einem akzeptablen Geschäfts- und Preismodell verbinden. Wenn ein nicht wiederverkäufliches Spiel nur einen Bruchteil von dem kostet, was ich heute dafür hinlegen muss, könnte ich mit solchen Restriktionen zufrieden leben. So habe ich die meisten meiner Steamspiele erworben. Borderlands für 5€? Da macht mir die Unmöglichkeit eines Wiederverkaufs nichts. Nur ist ja genau das das Problem. Die Wiederverkäuflichkeit soll einfach so eingeschränkt werden. Ohne Kompromiss, ohne passendes Preismodell, ohne dass für diese Einschränkung an anderer Stelle ein Mehrwert gleicher Höhe geboten wird. Und das ist absolut inakzeptabel.

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grobi April 25, 2012 um 08:14

Ich bin da im Grund bei Gunnar, auch nach dem Motto: “die brauchen mich als Käufer, aber das Leben eines Ü30jährigen braucht nicht unbedingt Spiele”. Allerdings habe ich trotzdem eine Abschwächung: ich würde auch bei einem effektiv durchgesetzten Wiederverkaufsverbot womöglich auf ordentlich bepreiste(*) Game-of-the-Year-Editionen zurückgreifen, mit Bugfixes, allem DLC und Pipapo. Dann halt ein Jahr später – na und?

Anyway, sollte so eine abgeschottete Xbox360V2 erscheinen, kaufe ich die eh nicht am ersten Streetday, sondern zocke vorerst die olle Konsole tot. Da liegt ja noch ein riesiger Katalog an ungespieltem Zeug vor. Zu dann sicherlich vollkommen akzeptablen Gebrauchtpreisen. So macht einen der Kapitalismus plötzlich zu einem Vintage-Liebhaber ;)

(*)Bauchgefühl, das Limit liegt wohl bei jedem etwas anders

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Hazamel April 25, 2012 um 08:24

Sehr schöner Text!

Bei mir ist es wie bei @m3adow: Wenn ich zocke, dann mittlerweile über Steam. Meiner Erfahrung nach neben den Konsolen eine der wenigen Plattformen wo das Spiel dann auch funktioniert (Nicht funktioniert hat bei mir nur was nicht, wenn da noch ein anderes DRM-System wie Windows Live dazwischengefunkt hat) und da sammeln sich dann auch mehr und mehr Deals für 5-10 € an.

Die ersten Vorboten des eingeschränkten Retail-Marktes hat man ja beim Catwoman-Content bei Batman schon gesehen. Wahrscheinlich läuft das dann in Zukunft auf der Konsole auch nicht anders, dass ich einen Code für das Spiel an meinen Account binden muss.
Um das Kind aber mal beim Name zu nennen: Hat nicht erst vor kurzem einer aus der Chefetage Second-Hand-Spieler als Diebe bezeichnet?

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Herr Kaschke April 25, 2012 um 09:01

Yes!

Ich kaufe und verkaufe wann ich will. Kauf ich es ist es meins und aus und passt das nicht mehr mache ich was anderes.

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godspeed April 25, 2012 um 09:07

Amen! Ich habe gestern zum ersten Mal in meiner Spielerkarriere ein Game (Risen 2) mangels Wiederverkaufs-Möglichkeit wieder abbestellt.

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Silencer April 25, 2012 um 09:18

Das kann ich mal direkt so unterschreiben. Ich verkaufe keine Spiele, meine Rechnung sieht er so aus: Einmal pro Monat einen Vollpreistitel, dazu ein bis zwei Gebrauchte. Und ich will nicht hören das ich irgendjemanden schädige – die Gebrauchten würde ich niemals neu kaufen. Und, ganz im Gegenteil: Manchmal führt mich ein gebrauchtes Game an seinen Nachfolger heran, den ich dann neu kaufe.

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Dirk D. April 25, 2012 um 09:23

Der Gebrauchtwagenmarkt tötet die gesamte Automobilindustrie. Ich finde, man sollte Autos nur noch Personengebunden kaufen dürfen. Wenn sich das Auto dann abgenutzt hat, sei es, weil es einfach scheiße designed war, oder weil es technisch überholt ist, stellt man es einfach in die Garage und kauft ein neues.

Liebe Spieleindustrie,
habt ihr euch mal durchgelesen, was ihr da für einen Bullshit schreibt? Wie wäre es, wenn ihr Spiele auf den Markt bringt, bei denen Langzeitbindung wieder Spaß macht, statt gezwungen ist.

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m3adow April 25, 2012 um 09:30

@Dirk D.

Den Vergleich hört man oft und er gefällt mir eigentlich ziemlich gut, weil er die Problematik gut beschreibt.

Wenn ich ein Auto kaufe, dann gehört es mir und ich kann damit machen, was ich will. Dafür bezahle ich schließlich den vollen Preis. Anders sieht es beim Leasing aus. Das Auto gehört mir nicht, ich habe gewissermaßen nur das “Nutzungsrecht”. Ähnliche Analogien kann man mit Hauskauf Miete stellen.

Wenn wir Verbraucher also vom Wiederverkauf absehen sollen, soll die Industrie wie schon oben von mir erwähnt entsprechende Preismodelle einführen. Eine Monatsgebühr fände ich persönlich nicht so toll, da man dann ja – ähnlich wie bei Monatsgebühren bei MMOs – möglichst viel spielt, um den Preis niedrig zu halten. Aber eine stark reduzierte Version eines Spiels ohne Möglichkeit des Wiederverkaufs wäre zumindest für mich bei vielen Titeln für attraktiv.

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iOSgaming April 25, 2012 um 14:58

“Der Gebrauchtwagenmarkt tötet die gesamte Automobilindustrie.”

Der Vergleich hinkt insofern (mal abgesehen davon, dass Autovergleiche immer hinken ;)), als dass dieser Satz ansatzweise tatsächlich wahr ist. Trotz aller Rekordzahlen von Audi, BMW & Co. Denn dem Kleinwagenbereich schadet er wirklich, zusätzlich zu den eh schon mickrigen Margen. Wer 50.000 Euro für ein Auto hat, kauft sich einen neuen Audi/Benz etc, oder zumindest einen Jahreswagen (dieses Geschäft die Hersteller nicht von ungefähr auch immer mehr an sich reißen).

Nicht jeder, der dagegen nur – sagen wir mal – 12.000 Euro hat, kauft sich davon aber einen neuen Hyundai i10. Oder VW Up!. Oder einen Smart etc. Viele gehen sich dafür lieber einen größeren Gebrauchten kaufen.

Und das ist der Autoindustrie natürlich genauso ein Dorn im Auge. Nur erstens kann sie deutlich schwerer als ein Spieleunternehmen was dagegen unternehmen, zweitens unternimmt sie tatsächlich das, was sie kann (Jahreswagengeschäft an sich reißen, gebrauchtwagen über Vertragshändler verkaufen etc.) und drittens steht beim Autoverkauf einer ohne Auto da. Und zu einem gewissen Anteil wird das eingenommene Geld wieder in einen Neuwagen gesteckt.

Der dritte Punkt gilt im Übrigen IMO genauso für die Spieleindustrie. Einer der vielen Punkte, bei der die gehobenen Managements der Publisher völlig versagen.

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Manu April 25, 2012 um 10:35

Ob ich es wiederverkaufen kann oder nicht, ist mir egal, wenn der Preis stimmt. Bei 70 EUR Spielen rechne ich im Kopf den Wiederverkaufswert bereits ein (“Ok, 70 neu, dann krieg ich später noch 20-30 dafür… ist mir das Spiel 50-40 EUR wert?”). Oder warte ich etwas und schlage dann bei 40 EUR in UK zu? Bei unter 30 EUR ist mir der Wiederverkaufswert völlig egal. 30-40 EUR wäre in meinen Augen ein angemessener Preis für ein neues Spiel, welches ich nicht wiederverkaufen kann.

Ich begrüße den reinen Online-Kanal, weil er für mich als Konsument einige Vorteile bietet. Aber dann muss der Preis auch stimmen, den ich bereit bin, für das Erlebnis auszugeben. Die Industrie könnte wie Apple und dem AppStore damit wahnsinnig punkten, wenn sie nicht die starke Einzelhandels-Lobby im Nacken hätte, die sie dazu “zwingt”, rein digitale Produkte für den gleichen Irrsinns-Preis der DVD zu verkaufen. Ist aber nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand traut, GameStop und Co zu verärgern. Jede Wette.

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Marc A Mo April 25, 2012 um 10:40

Stimme dem Voll zu! Ich habe zwar in meinem Leben nur wenige Spiele weiterverkauft, doch viele verliehen und verschenkt. Das ist mein gutes Recht und das soll auch so bleiben!
Seit dem Ubi-Launcher kaufe ich keine PC-Spiele mehr von Ubi, seit Origin keine mehr von EA. Die feste Battle.Net-Bindung lässt mich bei Blizzard 2x überlegen und jetzt wird langsam die Luft dünn bei den großen.
Seit Jahren beziehe ich Vollpreistitel nur noch als Magazinbeigabe oder als Gegenleistung direkt vom Entwickler, ansonsten kaufe ich fast nur noch Indi & Mobile, wie Gunnar.

Für 10€ könnte ich mit dem ganzen Mist ja leben, aber für 70? Nein danke!

Und zu guter Letzt: Hallo Silencer, wo man sich so überall über den Weg läuft… Grüße!

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Lars April 25, 2012 um 12:47

Hm, also ehrlich gesagt waren mir bisher generell Konsolen-Spiele unmittelbar nach Veröffentlichung mit 70 Ocken zu teuer. Weswegen ich bis auf ganz wenige Ausnahmen meine xBox meist erst nach einem Jahr mit dem Spiel gefüttert habe. Da man als Ü30-Jähriger mit Familie auch sonst genug zu tun hat, geht das. Das Ganze, ob Wiederverkauf oder nicht, ist doch eh alles eine Preisfrage – wie er sagt, kauft Gunnar ja auch Handy/Tablet-Games ohne die Möglichkeit, sie wiederverchecken zu können. Und dass er seine Kindle-eBooks nicht wieder verkaufen kann, scheint ihn auch nicht zu stören. Ich denke auf Dauer renkt sich das alles schon irgendwie ein – heute gibt es DRM-freie Musik für ein Euro das Lied, und kein normal verdienender Mensch wird allein schon aus Bequemlichkeit Bittorrent und Co. bemühen. Kommt Zeit, kommt Rat. Amen!

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Gunnar April 25, 2012 um 18:10

Am Ende wird’s der Markt regeln, das ist richtig.

Preispunkt und Einkaufserlebnis entscheiden am Ende, deswegen ist ja Steam auch so stark geworden.

Mich stört an der Debatte auch maßgeblich der Tonfall und die Ignoranz. Und die Tatsache, dass jemand in der 70-euro-Welt sich überhaupt anmaßen will, sein bezahltes Produkt künstlich einzuschränken.

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Sir Charles April 28, 2012 um 02:30

Eben.
Wenn die Spieleindustrie schlecht dran wäre, wäre der Tonfall auch anders. Es geht ihnen zu gut, und sie wollen halt noch mehr, also dämonisiert man Gebrauchtkäufer und versucht, das Streben nach Mehr zu rechtfertigen. Ginge es ihnen schlecht, würden sie eine Charme-Offensive am Second-Hand Markt starten.
Die Publisher haben es noch nicht verstanden, dass der Gebrauchtmarkt für die Refinanzierung bei den Erst- und Neukäufern dringend notwendig ist, so kann neues Geld in neue Käufe fließen. Wenn ich diese ganze Liquidität “abschneide”, wird der Kunde das nicht mit mehr Konsum, sondern mit weniger honorieren, denn er hat nicht unbegrenzt mehr zur Verfügung. Und ob ein überzeugter Gebrauchtkäufer dann sofort zum geläuterten Neukäufer wird, das bezweifle ich. Gebrauchtkäufer sind abwartende und sparsame/vorsichtige Menschen. Die Wahrscheinlichkeit für kompletten Konsumverzicht ist dann sehr hoch. Oder man treibt die Leute alle in die Retro-Ecke. Die vorigen Spielegenerationen boten auch eine tolle Bandbreite an Titeln, zum Teil ohne Technik-Schikanen, da gibt es viel nachzuholen.
Die Spieleindustrie könnte an ihrer eigenen Gier zugrunde gehen, denn Gier findet einfach kein Ende. Vielleicht wäre so ein heilsamer und reinigender Crash mal wieder fällig, um ein wenig mehr Respekt und Demut zu fördern.

Lencer Mai 2, 2012 um 05:35

Sir Charles, der Kommentar war ganz groß, da er durch und durch schlüssig ist. “Der Gebrauchtmarkt dient zur Refinanzierung neuer Käufe”. Das sollten sich die Verantwortlichen mal in Ihr Notizbuch schreiben.

daniel April 25, 2012 um 14:46

Klasse Artikel. Falls es so kommt und die Preise so bleiben, sterben Käufe bei Neuerscheinungen für mich auch. Auch Kulturtechnisch ist es ziemlich arm, wenn nur noch die AAA Titel als Platinum erscheinen und der Rest vergessen wird.

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Cryshoot April 25, 2012 um 16:41

Konsolen sind doch sowieso total sinnfrei. Gedrosselte Computer bei denen man a la Apple für alles bezahlen muss und quasi nichts ohne weitere Ausgaben mit ihnen anfangen kann. Ich hoffe sie sterben irgendwann aus und die Leute stellen sich endlich einen Barebone PC o.ä. unter den Fernsehen.

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Lars April 26, 2012 um 08:36

glaube nicht, dass du das hoffst .. wenns mehr machen würden, kannst du dich ja nicht mehr “special” vorkommen und dann biste nicht mehr cool und so.

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facebook_daniel.moench April 25, 2012 um 17:03

Titel zum vollen Preis kaufe ich nicht. Gebrauchtspiele aber auch nicht. Illegal lade ich mir sowas aber auch schon lange nicht mehr, da hab ich eine Moral entwickelt, deren es vielen anderen leider immernoch fehlt.

Dies liegt vor allem daran, dass ich 1. Student bin und 2. eigentlich IMMER nur Angebote kaufe. Um genau zu sein: Extrem-Angebote.
Und da ist Steam + steamprices.com ein Segen. Wo bekommt man sonst Dead Space für 2,50€?

Dementsprechend kann ich sagen, dass die Spieleindustrie an mir nix verdient, ich aber auch keinen Gebrauchtmarkt betreibe und zum Schluss dafür nicht mal illegal handele.

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Erik April 25, 2012 um 19:07

Ohne Gebrauchtmarkt wird die wichtigste Käuferschicht weniger Geld für
neue Spiele haben. Weil die auch nicht mehr tauschen und verleihen können,
werden sich neue Marken viel schwerer etablieren können.
Es findet eine Marktkonzentration auf weniger Publisher und Marken statt und
es wird weniger aktive Spieler von AAA-Titeln geben.
Am Ende geht vielleicht die ganze Industrie den Bach runter – man stelle sich
nur einmal vor, die Masse spielt Weihnachten 2012 keinen neuen AAA-Titel, weil
das Geld fehlt. Stattdessen hockt die Masse vor einem kostenlosen Straßenfeger vom Kaliber
eines Minecraft oder Terraria und selbst die potentiellen Käufer von AAA-Titeln zocken mit
ihrem Freundeskreis lieber den kostenlosen Straßenfeger!
Schuld ist dann natürlich nicht die Gier und Unvernunft der Spieleindustrie, sondern
die bösen Spielekommunisten.

Übrigens:
Die BSG-Box hat sogar 25 DVDs!

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Michael Herzog (@senorkaffee) April 26, 2012 um 08:12

Meine Beobachtung ist, dass der Preis für die eigentliche Zielgruppe trotzdem stimmt. Wenn jemand Starcraft 2 kauft und Jahre nichts anderes spielt, die Unterhaltungsstunden also in die hunderte gehen, kann es 70€ mit DRM kosten. Das Jahresupdate der AAA-Shoter-Serien hat für mich nur eine mickrige 5-Stunden-Kampagne, für andere aber hunderte Stunden Multiplayerspaß. 70€ mit DRM gerechtfertigt.

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Lars April 26, 2012 um 08:35

ach, mal wieder ein weiterer standard blabla kommentar, dem die massen hinterherrennen (werden).
drm doof, gebrauchthandel ganz toll, früher war alles besser, heutige spiele sind seelenlos, ea ist böse, etc. blabla.

kleiner tipp.. wenn kinder komplette spiele für ca. 3 eur (für ne woche!) ausleihen können, dann läuft da was falsch und macht ganz sicher den spielemarkt kaputt. wer das nicht rafft, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

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ellenn April 26, 2012 um 19:38

Eine ganze Woche für 3 Euro ausleihen? Niemals! Welche Videothek ist so billig?

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laZee April 27, 2012 um 12:49

Mich stört immer diese “mieten”-Analogie. Für mich bedeutet mieten nicht “ich kanns nicht weiterverkaufen” sondern in erster Linie “ich muss regelmäßig Miete zahlen”. Als jemand, der nie Spiele weiterverkauft hat, klingt die “mieten”-Analogie dadurch immer total überzogen.

Ist es “Miete”, wenn ich einen einmaligen Betrag zahle und danach nie wieder was und ichs endlos nutzen kann? Sollte das nicht anders heißen?

Das EINZIGE was meine Steam-Spiele von Besitz unterscheidet, ist die Unmöglichkeit, es weiterzuverkaufen. Ist das die einzige Definition von Besitz?

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ellenn April 28, 2012 um 01:41

steam kann Dir die Spiele auch jederzeit wieder wegnehmen, indem sie den Dienst z.B. einstellt oder einfach Deinen account einfriert wenn es z.B. mal zu Zahlungschwierigkeiten bei EINEM einzigen Spiel kommt. Letzteres ist schon vorgekommen.

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Spiritogre April 27, 2012 um 13:12

Sehr schöner offener Brief! Den kann ich absolut und gänzlich so unterschreiben!

Meine Schmerzgrenze bei neuen Spielen liegt allerdings einen Tick niedriger, bei 50 Euro für PC und 60 Euro für Konsolentitel. Da ich keine Offlinespiele kaufe, die eine Onlineaktivierung benötigen und damit Steam, Origin, Ubi-Launcher und Co komplett ignoriere ist meine Spieleauswahl allerdings inzwischen leider stark eingeschränkt. Weiter eingeschränkt wird sie durch den DLC-Wahn. Ich möchte ein vollständiges Produkt. Was nützt mir ein DLC mit ein paar neuen Quests und was auch immer, wenn ich das Spiel schon vor Monaten ausgespielt habe? Dafür schmeiße ich es sicher nicht noch einmal an. Im Gegenteil, ich warte seit einigen Jahren immer auf eine Complete oder Game of the Year Edition. Einfach weil ich das volle Spielerlebnis haben will. Da das Spiel dann eh alt ist, warte ich dann auch gerne noch länger, bis auch die günstiger zu haben ist.

Wenn ich bedenke, dass ich früher auch mindestens ein bis zwei Spiele zum Vollpreis im Monat gekauft habe … liebe Industrie, ich möchte wirklich, wirklich gerne eure Spiele kaufen. Ihr lasst mich nur nicht! Wegen euch bin ich inzwischen bei einem, vielleicht zwei Vollpreisspielen im Jahr! Und nicht weil ich nicht könnte oder wollte. Ich will! Nur ihr macht mir kein akzeptables Angebot mehr!
Deswegen decke ich meinen Spielebedarf inzwischen zu über 90 Prozent aus Gebrauchtspielen, Budgettiteln oder Vollversionen von Zeitschriften.

Sorry, aber ihr habt selbst schuld!

Aber, so schlecht kann es euch ja nicht gehen, liebe Spieleindustrie, denn wer auch nur ein wenig von Martkwirtschaft versteht weiß, dass ihr immer und immer mehr verdient, denn ansonsten würdet ihr nicht auf mich und viele “Gesinnungsgenossen” meinerseits als Kunden verzichten mögen!
Und solange ihr in jedem Jahr neue Rekordumsätze einfährt, solange nehme ich euch eurer Gejammer sowieso nicht ab! Aber euer Markt könnte noch größer sein, wenn ihr endlich anfangen würdet eure Kunden als Freunde und nicht als Feinde zu sehen. Verzichtet auf DRM, verzichtet auf irrelevanten Onlinezwang, verzichtet auf alberne Mini-DLCs. Dann kriegt ihr mich und viele andere auch als Kunden wieder!

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Stephanovic Mai 11, 2012 um 11:08

In der Regel bekommt man für seine 70 € köstliche Unterhaltung und der Gebrauchtmarkt mach(t)e mir auch immer wieder Spaß. Scheinbar ist wirklich die Profitmaximierung der Antrieb der Industrie. Ich möchte aber auch nicht die digitale Distribution verteufeln. Sie hat, wie bereits oben schon erwähnt, bei einem guten Pricing auch ihren Reiz. Allerdings kosten auch in den virtuellen Märkten die Spiele um die 60-70 €, obwohl Kosten wegfallen. Ach, wenn ich mich an die gute, alte Eurobox erinnere….:-) aber jetzt schweife ich ab…

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