Mai 2012

Reklame (*hust*)

by Gunnar on 31. Mai 2012 · 17 comments

Yay! Der Arbeitgeber des Herrn Kaliban hat seine ersten beiden Spiele herausgebracht.

BraveSmart —> iTunes —> Google Play

Ocean Tower —> iTunes —> Google Play

Wir würden uns über Downloads (die Spiele kosten nix) und freundliche Bewertungen freuen.

Am Rande, der Trailer zu Ocean Tower (produziert von Fabrikfilm) ist wirklich hübsch geworden:

Das Schnattern

by Gunnar on 29. Mai 2012 · 9 comments

Das Goldkind tm mag nicht schlafen.

Goldkind: Papaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Herr Kaliban: (kommt gelaufen)
Goldkind: Papaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!
Herr Kaliban: Ja doch, was ist denn?
Goldkind: Da hat was geraschelt.
Herr Kaliban: (lauscht) Ich höre nichts. Schlaf jetzt lieber.
Goldkind: Neulich hatte auch mal was geraschelt und dann ist die Mama gekommen und die hat auch nichts gehört und dann war da eine Schnake.
Herr Kaliban: (lauscht) Ich höre echt nichts. Schlaf jetzt lieber.
Goldkind: Eigentlich wars ein Schnattern. Von hinter der Kommode.
Herr Kaliban: (lauscht bei der Kommode)
Goldkind: Rück sie mal ab.
Herr Kaliban: (rückt die Kommode ab) Da ist nichts, schau, ich habe sogar mit der Taschenlampe geleuchtet.
Goldkind: Das schnattert bestimmt gleich wieder, wenn du draußen bist.
Herr Kaliban: Achwas.
Goldkind: Doch, das schnattert mit Absicht nur, wenn die Erwachsenen nicht dabei sind, damit die Kinder Angst kriegen (schluchzt).
Herr Kaliban: Hier, nimm die Taschenlampe, dann bist du bewaffnet und kannst leuchten, falls wieder was ist.

Ach, die Monster unter dem Bett, die waren schon zu meiner Zeit unsichtbar und immer dann lautlos, wenn die Eltern in der Nähe waren.

Sonntagslinks, Folge #137

by Gunnar on 27. Mai 2012 · 3 comments

Linkliste, sonntäglich. Außer manchmal. Aber meistens.

VIDEO und AUDIO

PARODIE: Der offizielle Trailer des Tetris-Films. ###

ANSPRACHE: Neil Gaiman hält eine schöne Rede vor einer Abschlussklasse. ###

KURZFILM: Vessel ist eine nette, knapp viertelstündige Scifi-Horror-Produktion. ###

VIDEO: Mit einem Synthi kann jeder Musik machen, sogar ein Affe. Oder? ###

SAMMLUNG: 10 irre Sprünge. Auf Skier, Bikes etc. ###

WERBUNG: From love to Bingo in 873 images ist eine Reklamefilmchen für Getty. Aber nett gemacht. Auch sehr gut: Der Mann der immer die Wahrheit sagt. ###

GRAFIKEN UND FOTOS

FOTO: Die Katze der Herrn Kaliban. ###

CARTOONS: Hübsche Stücke aus dem Werk von Herrn Grickle. Mit dem Hulk! ###

CARTOON: Wenn man eine Power-Point-Präsentation geben muss. ###

POLEMIK: Warum Diablo 3 schlechter ist als Diablo 1. Ein Vergleich. ###

MASHUP: Assassin’ Creed plus Zelda = ? ###

TEXTE

ARTIKEL: 10 Gründe, seinen Job zu kündigen. ###

ARTIKEL: Das grundlegende Problem von Facebook ist, dass es werbefinanziert ist, schreibt Michael Wolff. ###

ARTIKEL: Ein geheimer Pony-Level in Diablo 3? ###

ARTIKEL: Das Haus der Traurigen Bücher: eine Polemik gegen Buchhandelsketten. ###

INTERVIEW: Ein Gespräch mit David Cage, dem Macher von Heavy Rain. ###

BERICHT: Sebastian von Superlevel testet alle Spiele des Ludum Dare-Festivals. Sind ja auch nur 1402. ###

BLOGPOST: Ein Amerikaner schaut sich den Eurovision Song Contest an und berichtet. ###

SATIRE: Ein atheistischer Vater liefert sich ein E-Mail-Duell mit einer religiösen Lehrerin. ###

EIN KESSEL BUNTES

SITE: Katzen und Geld und Waffen. Bizarr. ###

SITE: Das Nounprojekt versucht, zu jedem Hauptwort ein Icon zu entwickeln. ###

LISTE: Die 25 gruseligsten Orte der Welt. ###

KICKSTARTER: Zwei interessante Kickstarter-Projekte: Fallout Nuka Break Season 2 Tropes vs Women in Videogames

Dies war die heutige Ausgabe der wöchentlichen Linkliste vom Herrn Kaliban, wie immer entstanden unter Mithilfe einiger freundlicher Linkeinsender (Christopher, Marc, Knut). Sachdienliche Link-Hinweise werden vom dankbaren Herrn Kaliban jederzeit per Kontaktformular entgegen genommen.

Nachschlag:

Kurze Werbung für das erste Spiel meines Arbeitgebers:

Hardcore Saturday

by Gunnar on 26. Mai 2012 · 5 comments

Meine alten Helden, Hot Water Music, haben eine neue “Scheibe” aufgenommen, wie wir früher sagten. Hat natürlich heute nicht mehr so viel Sinn, der Ausdruck.

Anspieltipps ist State of Grace…

… obwohl mir normalerweise die Songs besser gefalllen, die Chris Wollard singt, der eine nicht ganz so kratzige Stimme wie Chuck Ragan hat.

Und wie so oft, wenn ich Hot Water Music höre, muss ich abschweifen, springe von Album zu Album und dann von Band zu Band — HWM haben mir nämlich einen ganzen Kosmos an Bands eröffnet, die ich nach und nach kennen lernte, als Vorbands von HWM, als Partner auf Split Records, über Youtube-Videos von gemeinsamen Auftritten.

Glaube nicht, dass da jemand von den geschätzen Leser Interesse dran hat, aber wer mag, kann mir ja auf eine kurze Reise folgen.

Wir beginnen da, wo es beginnen muss: Leatherface – I want the Moon (1991). Ohne Frankie Stubbs und seine Jungs wären die nachfolgenden Bands nicht denkbar.

Als nächste in der Folge: gleich Hot Water Music selber, Post-Punk, aber klar erkennbaren Wurzeln. Wir spielen mal ein Stück von A Flight and A Crash (2001) an: Remedy.

Jetzt ein bisschen härter: Dillinger Four kommen wie Hot Water Music aus Florida und beziehen sich stark auf Leatherface: Let them eat Thomas Paine von der Versus God (2000).

Zeitsprung in die nahe Gegenwart: In der Zeit, als Chuck Ragan hauptsächlich Solo-Projekte verfolgte, spielten die drei restlichen HWMs mit Ersatz-Gitarrist als The Draft. New Eyes Open, schöner Song vom einzigen Album “In a Million Pieces (2009).

Keine Ahnung, ob Against Me! in diese Aufzählung passt (und ob die was mit HWM zu tun haben), für mich gehören sie irgendwie dazu. Obwohl sie mir ein bisschen zu glatt und seicht sind. Naja, hier ist New Wave vom gleichnamigen Album (2009).

So, und jetzt Gaslight Anthem, die, E-Gitarren hin, Tätowierungen her, überhaupt nicht mehr nach Punk klingen, eher nach Bruce Springsteen: Bring it on aus American Slang (2010).

Ach, ich könnte endlos weitermachen, aber wir machen lieber noch einen kleinen Schwenk für die Leser, die lieber Folk als Punk mögen. All die oben genannten Herren Musiker machen nicht nur Krach mit E-Gitarren, sondern auch liebliche Akustikklänge. Wer mehr auf sowas steht, hier ist als Startpunkt eine Playlist von mir. Klicken und laufen lassen, tut nicht weh, versprochen. Mit dem Skip-Button (neben “play”) kann man durch die Liste springen .

Hardcore Heroes, acoustic (LIST):

Alternativ kann man sich natürlich auch die ganz fette Sahnetorte geben und Ragan, Andriano, Fallon, Hause drei Stunden lang auf der Bühne zugucken: drüben, beim Rockpalast.

Herr Kaliban, angezogen

by Gunnar on 25. Mai 2012 · 5 comments

Der Herr Kaliban, man sieht’s auf dem Bild oben, hat sich ein T-Shirt gekauft, ein Longsleeve in grau. So weit, so uninteressant. Schnappt der Kerl jetzt endgültig über, fragen sich die ersten Leser an dieser Stelle und wenden entsetzt ihre Browser. Folgen demnächst Unterwäschebilder, ist das ein weiteres Anzeichen für das Absteigen in die Midlife-Crisis, was will der überhaupt von uns?

Nun, es ist kein ganz typisches Kleidungsstück. Man achte auf die Details:

Ist ein Stück Fan-Kleidung quasi, ein Deus-Ex-Shirt aus dem Deus Ex-Shop. Der Shop wird betrieben von der Firma Musterbrand, die den ehrenwerten Versuch unternimmt, Spiele-Merchandise auf eine neue Stufe zu heben, indem sie über das Logo-Shirt hinaus geht und Mode anbietet, wie sie auch im Spiel selber vorkommen könnte. Die sind schon eine Weile unterwegs, die Deus-Ex-Kollektion wurde Mitte 2011 vorgestellt, aber mir war’s dann wieder entfallen.

Gibt’s auch zu Resident Evil. Und auch einen Metal-Gear-Mantel davon habe ich schon mal in freier Wildbahn gesehen (will sagen am Chef von Musterbrand bei einer Party in München), aber das scheint ein Prototyp gewesen zu sein.

Das Shirt, das ich eigentlich hauptsächlich aus Neugier bestellt habe, ist jedenfalls ordentliche Ware, gut verarbeitet, sieht schmuck aus und war mit 30 Euro plus Versand auch nicht teurer als, sagen wir, ein Stück von Esprit.

Ritter gegen Drachen, Teil 2

by Gunnar on 23. Mai 2012 · 9 comments

Herr Kaliban erzählt dem Goldkindtm eine elaborate Geschichte, im Bett bei gedimmtem Licht. Der König erhält in seinem Thronsaal gerade Kunde, dass im Westen seines Reiches nicht alles zum Besten steht: ein Drache, groß, grüngeschuppt, mit Feueratem, treibt dort sein Unwesen. Frisst Schafe, verbrennt die Felder. Herr Kaliban spricht mit schauspielerischem Eifer, das Goldkind hat die Decke bis an die Nase hochgezogen und lauscht ergriffen.

Herr Kaliban: Und der König sagt: Bringt mir den besten Ritter, den wir haben. Wir brauchen einen Helden, der den Drachen besiegt.

Goldkind: Uh, Papa?

Herr Kaliban: Jetzt nicht. Also, da tritt ein Ritter in den Sa…

Goldkind: Papa, was ist denn das für ein doofer König?

Herr Kaliban: Was meinst Du?

Goldkind: Warum schickt er nicht 1000 Ritter? Und 1000 Piraten? Und 1000 Räuber?

Herr Kaliban: Uh. Ja. Nun.

Goldkind: Und 1000 gefährliche Hotzenplotze? Und 1000 Jäger mit Büchsen, die knallen?

Herr Kaliban: Nun…

Goldkind: Erzähl das so.

Herr Kaliban: Nun, der König ruft seinen Hauptmann und befiehlt, die Ritter marschbereit zu machen. Und er schickt Gesandte zu den Piraten, die auf einer Insel im Norden… (lange detailreiche Schilderung)

Herr Kaliban: … marschieren die Heere aus allen Richtungen auf. Der Drache aber erwacht auf seinem Berg und überlegt erstmal, ob er zum Frühstück gleich eine Kuh fressen soll oder ob ein Schaf nicht auch gut…

Goldkind: (schreit) Ha! Drache! Schau dich mal um! Na?

Herr Kaliban: (seufzt) … und er sieht im Norden die Piraten, im Osten die Ritter, die Westen die Räuber und die Hotzenplotze und im Süden die Jäger.

Goldkind: Ha! Da kann er nichts mehr machen. So viele gefährliche Leute! Siehst Du, Papa, man muss das nur richtig erzählen. Jetzt erzähl, wie sie ihn gefangen nehmen.

Herr Kaliban: (schildert die Gefangennahme des Drachen, die triumphale Rückreise zum König und den Jubel des Volkes)

Goldkind: Tolle Geschichte, Papa.

Das Goldkind begreift Geschichten als Wunschkonzert. Weh mir.

Noch ein paar Mal, dann gebe ich Seminare in “Interactive Storytelling”.

[Den ersten Teil von “Ritter gegen Drachen” gab’s hier.]

Ritter gegen Drachen

by Gunnar on 22. Mai 2012 · 12 comments

Herr Kaliban erzählt dem Goldkindtm eine elaborate Geschichte, im Bett bei gedimmtem Licht. Der fahrende Ritter Richard hat auf seiner Reise durch die entlegenen Dörfer des Königreichs schon einen Bären verhauen und eine Horde Räuber vertrieben, jeweils zur Freude der ansässigen Wohnbevölkerung. Nun aber geht es gegen einen Drachen, groß, grüngeschuppt, mit Feueratem. Herr Kaliban spricht mit schauspielerischem Eifer, das Goldkind hat die Decke bis an die Nase hochgezogen und lauscht ergriffen.

Herr Kaliban: Und der Drache erhebt sich in die Luft und öffnet das riesige Maul, groß wie ein Burgtor. Hitze dringt heraus, der Ritter duckt sich hinter seinen Schild.

Goldkind: Uh, Papa?

Herr Kaliban: Jetzt nicht. Also, der Drache schickt sich an, Flammen auf den…

Goldkind: Papa, warum kämpft der Ritter allein?

Herr Kaliban: Was meinst Du?

Goldkind: Nun, er könnte doch einfach sein Handy rausnehmen und seine Ritterfreunde anrufen und die kommen dann und bringen auch alle ihre Schwerter, ihre Helme, ihre Rüstungen und ihre Pferde mit. Und wenn dann so 25 Ritter da sind, dann kann der Drache doch gar nichts mehr machen.

Herr Kaliban: Uh. Ja. Nun.

Goldkind: Erzähl das so.

Herr Kaliban: Also, der Ritter zieht sich hinter einen Stein zurück, holt sein iPhone heraus und ruft seine Freunde an, einen nach dem anderen. Sag mal, was ist, wenn der Drache auch seine Freunde anruft?

Goldkind: Papa, bitte. Nun frag nicht so einen Unsinn. Drachen haben keine Handys.

Herr Kaliban: Ah. Okay. Also, der Ritter beginnt zu telefonieren…

Diese moderne Technologie bringt schlimme Abkürzungen in die Fantasy-Geschichten, das hatte ich nicht bedacht. Wir müssen zur Science Fiction wechseln.

Gottseidank kennt sie Twitter und Facebook noch nicht, sonst hätte es der arme Drache möglicherweise mit einem Flashmob zu tun bekommen. Und Trollereien auf seiner Homepage. Und DDoS-Attacken.

Kaliban-Gespräche, Folge 3: Agitpop!

by Gunnar on 21. Mai 2012 · 9 comments

Herr Kaliban sprach mal vor Jahren mit dem Herrn Agitpop über Urheberrecht und Piraterie. Das war ein schönes Gespräch, die Herren nahmen sich denn auch vor, das bei Gelegenheit mal wieder zu tun. Nun, hey, kaum drei Jahre später ist es schon so weit. Das Thema diesmal: der FC Bayern. Das Sujet liegt seit Samstag ein bisschen in der Luft, außerdem ist der Herr Agitpop Fan und Mitglied des besagten Vereins.

Huh, Agitpop? WTF?
Herr Agitpop ist so eine Art “Internet-Freund” vom Herrn Kaliban. Obwohl er FC Bayern-Fan ist. Er twittert zu viel und hat ein sensationelles Blog, das er leider seit einem Jahr nicht mehr updatet, in dem aber noch viele schöne Texte zu finden sind. Der über Bioshock etwa. Oder den über Moral in Games oder der über Schäuble und die Vorratsdatenspeicherung.
Für Portal 2: Show me a Story gewann er den “Warmen Händedruck 2011″, eine Art Preis für Spielejournalismustexte.
Wer mal seine Stimme hören will, könnte das im Zockstoff-Podcast tun, wo er neulich mit Herrn Imre über das Ende von Mass Effect 3 redete.

Herr Kaliban: Also, um mal mit einer Sportreporterfrage einzusteigen: Herr Agitpop, wie fühlt man sich am Tag nach so einem Match?

Herr Agitpop: Kurze Antwort: Leer. Lange Antwort: Völlig leer. Antwort, die ich mir von Spielerseite immer erhoffe: Was ist denn das für ‘ne bescheuerte Frage, du Fliesenleger.

Von uns, die wir nicht Bayern-Fans sind, und daher wöchentlich mit Enttäuschungen und regelmäßig mit titellosen Jahren leben, von uns normalen Menschen also, wird ja immer gerne angenommen, dass Bayern-Fans zu großer Emotion gar nicht fähig sind.

Was natürlich absoluter Blödsinn ist, weil es eine Katastrophenrangfolge vorgibt. So als gäbe es eine Schwelle, die überschritten werden muss damit etwas emotional trifft.

Natürlich ist ein so verlorenes Champions-League-Finale nicht vergleichbar mit einem Abstieg. Aber ein versemmelter Test ist auch nicht vergleichbar mit einem abgebrannten Haus. Das macht die Sache aber in dem Moment nicht weniger schmerzhaft.

Und im Vergleich zu dem, was in Somalia passiert, hat keiner von uns das Recht sich zu beklagen.

Dazu kommt ja noch der Umstand, dass Erfolglosigkeit kein Ehrenabzeichen ist. Als wenn sich die Lauterer Fans beschweren würden, wenn Lautern plötzlich jedes zweite Jahr Meister würde.

Bei mir in der Timeline/Freundesliste/Sozialdings hat der Ton nach kurzer Fassungslosigkeit relativ schnell gegen die eigene Mannschaft gewendet. Da hat kurz nach dem Elfmeterschießen ein Die-Hard-Fan tatsächlich ein “Fuck you, Neuer” ausgestoßen. Sowas ist ein natürlich wahnsinnig subjektiver Ausschnitt aus der Realität, ach was, die Timeline ist ja nicht mal Realität, aber ich bin ja schnell mit Vorurteilen bei der Hand.

Du folgst den falschen Leuten.

Mir scheint das immer ein Anzeichen für verwöhnte Fans zu sein: die schnelle Wut auf die Mannschaft bei Rückschlägen.

Ich folge ja auch so rund 20 bis 30 Bayern-Fans und bei mir war das ganz anders. Hadern. Ja. Und ein gewisser Frust, dass Robben schon wieder im entscheidenden Moment versagt. Das wir bei Standards so harmlos sind, dass wir 18 Ecken haben und nicht eine echte Chance daraus hervorgeht. Dass brutalstmöglicher Defensivfußball belohnt wird, als wäre das 2006 bei der WM noch nicht schlimm genug gewesen.

Aber da war eben auch sofort die Erkenntnis, dass es weitergehen muss. Weiter, immer weiter. Dass die nächste Saison kommt. Dass wir wieder dabei sind. Das war eher ein gegenseitiges Stützen und das Gefühl, dem Verein und einander noch enger verbunden zu sein. Weil man nach 1999 jetzt schon wieder so eine bittere Niederlage gemeinsam erlitten hat. Sowas schweißt zusammen.

Natürlich hat Bayern Erfolgsfans. Mehr als andere Vereine, weil eben mehr Titel geholt werden. Aber ich bin auch erstaunt, wer auf einmal seinen 10 Jahre eingestaubten Biene-Maja-Schal aus dem Schrank kramt. Oder bei der EM wieder im schwarz-weißen Trikot beim Public Viewing jubelt. Scheiß drauf. Die sollen mal machen, aber nach denen muss man sich nicht richten.

In meiner Timeline hat der harte Fankern nach gestern Abend eher ‘ne Menge Respekt für den Schalker Jungen bekommen. Der Mann hat immerhin mehr Eier gezeigt als der Teil unserer Jungs die sich fast unterm Rasen versteckt haben als man Elfmeterschützen suchte.

I second that. Die Tatsache, dass er geschossen (und auch noch getroffen hat), ist krass. Vielleicht das Bedürfnis, immer noch etwas mehr zu tun, um die Anerkennung der Bayern-Fans zu gewinnen. Vielleicht aber auch einfach Tapferkeit vor dem Feind.

Du sprichst ein “gegenseitiges Stützen” unter den Fans an. Das ist etwas, das zumindest ich aus meiner vorurteilsbeladenen Hannover 96-Sicht mit Bayern-Fans nicht sofort assoziiere. Meinst, es tut dem Verein und seinen Fans nicht auch ganz gut, mal wieder ein bisschen Tragik zu erleben?

Ich bin ja persönlich der Meinung, dass ein Barcelona 1999 gereicht hat. Da hätte ich auf ein München 2012 verzichten können. In der Vorwoche – gegen Dortmund – da war’s ‘ne verdiente Klatsche über die sich keiner beschweren konnte. Und vor zwei Jahren gegen Inter war’s auch verdient. Ich glaube nicht, dass Tragik ein pädagogisches Element ist. Vor allem weil’s doch – so wie bei jedem Verein – nur die wirklich hart trifft, die mit Herzblut dabei sind. Die Schönwetterfans fluchen über Neuer und streifen sich dann die schwarz-rot-goldene Blumenkette über und gehen auf die EM-Partys.

Aber – Phrasenschwein!- das gehört doch unabhängig von Verein zum Fußball. Das hätte ja auch Hannover im umbenannten UEFA-Cup passieren können. Das prägt halt und das bleibt im System. Ich sehe uns schon in 10 Jahren da sitzen und vom Krieg erzählen. Wie wir das Finale gesehen haben. Was wir gedacht haben. Das sind Bilder die sich einbrennen und Emotionen die so mächtig sind, das wir sie den Rest unseres Lebens nicht abschütteln werden. So wie vor drei Jahren Bayern-Fans über 1999 geredet haben wie andere Leute über den 11. September.

Ach, ich glaube, die Tragik, die unverdiente Niederlage, das knapp daneben, das ist die Wolle, aus der Veteranengeschichten gewebt werden. Unsere Heimniederlage gegen Atletico war so glatt, darüber musste man nicht reden. Das Spiel in Madrid hingegen, mit der Abwehrschlacht und dem Tor in der Nachspielzeit, das bleibt uns.

Aber wir dürfen ja auch verlieren, wir sind ja nicht Bayern.

Andere Sache: Woran liegt’s denn beim FCB in dieser Saison? Pech und Karma, zu dünner Kader, falscher Trainer?

Der Titel- und Siegeshunger wirkt arrogant. Aber das ist Teil des Deals. Wenn du Bayern-Fan bist, dann willst du jedes Spiel gewinnen. Ist auch eine Einstellung, die ich auf die Nationalmannschaft übertrage. Ist ja ganz toll, dass wir seit sechs Jahren weltweit beliebt sind weil wir sympathische Zweite und Dritte werden. Ich möchte mal wieder ‘nen Titel. Und wenn der dreckig erkämpft und erbolzt wird, dann eben so. In Schönheit sterben – wie’s der Verein gestern gemacht hat – macht auf Dauer auch nicht glücklich.

Diese Saison: Von allem ein bisschen. Wenn man mal neutral drauf guckt: Bayern sind Ligazweiter mit einer Leistung, mit der man in vielen anderen Jahren Meister geworden wäre. Aber die Dortmunder sind einfach eine überragende Mannschaft die letzten zwei Jahre, zumindest national, und das muss man neidlos anerkennen. Da hat Klopp eine Mannschaft geschnitzt die perfekt ineinander greift. In Ansätzen gibt’s das bei Bayern auch. Kroos, Badstuber, Alaba, Müller. Das sind ja Van-Gaal-Gewächse. Aber der wurde halt zu früh entlassen wegen “Erfolglosigkeit” und weil’s zuviele Alpha-Tierchen sind. Ist wie bei den meisten Vereinen: Der Fisch stinkt vom Kopf her und Hoeneß, Rummenigge und Konsorten sind Platzhirsche der alten Schule, die keine Götter neben sich zulassen. Das wird sich wohl ändern müssen.

Ansonsten: Robben versagt im entscheidenden Moment. Mario Gomez ist und bleibt ein Großchancentod und es war kein B-Team da, das überzeugt um zugleich auf drei Hochzeiten zu tanzen, wie das bei Barcelona oder Real geht. Andererseits: Der Preis den die dafür bezahlen, die völlige Überschuldung, ist es nicht wert. Da endet dann die Erwartungshaltung doch.

Vermutlich wär’s mit van Gaal noch auf andere Arten schief gegangen, aber mein Eindruck ist, dass das Trainerteam taktisch nicht voll auf der Höhe ist. Die Mannschaft ist ausrechenbar, vertraut auf individuelles Genie — und wenn der Gegner mal einen klaren Plan hat, dann ist die Heldentruppe plötzlich erstaunlich wirkungslos.

Nicht nur gegen Dortmund, auch Gladbach, Augsburg und Hannover, alles im weiteren Sinne “Trainer-Mannschaften” oder “System-Mannschaften” haben sich gegen Bayern gut geschlagen.

Da hast du Recht. Ein System mit dem wir starr gegen die Wand rennen. Hoher Ballbesitz, aber langsamer Aufbau, immer über die Flügel und ein Robben oder Ribéry werden dann gerne mal ganz aus dem Spiel genommen.

Die Fixierung auf Robbery ist das eine Problem. Schlimmer ist die Fixierung auf Gomez (den ich nicht für einen Chancentod halte) — wenn der abgeschirmt ist, fehlt zu viel. Hat man ja am Samstag gesehen.

Du hälst Gomez nicht für einen Chancentod? Der hätte diese Saison den Rekord von Müller (Gerd, nicht Thomas) einstellen können, wenn er sich nicht im Strafraum so verdribbeln würde oder einfach mal draufziehen würde, statt Bälle erst stoppen zu wollen. Der Mann hat mich diese Saison Nerven gekostet. Gefühlt braucht Gomez vier oder fünf Großchancen ehe er den Ball versenkt. Aber da hat man ja, wie der Stoiberede heute verkündet hat, jetzt eine neue Sturmgranate.

Claudio Pizarro…

Pizarro ist super für die zweite Mannschaft oder als Joker.

Das ist so, als wenn dir der eigene Verein am Tag danach nochmal mit Schmackes eine runterhaut.

Zurück zu Gomez:

Gomez schießt pro Spiel 3 Mal auf das Tor (3,1 Mal, um genau zu sein) und erzielt dabei fast immer einen Treffer. Das ist so schlecht nicht, andere Stürmer haben keine besseren Quoten. Und er spielt wirklich gut mit, zieht Verteidiger, schafft Räume, provoziert Fouls.

Das ist doch wieder so’n typisches Bayern-Fan-Ding, das man mit einem 30-Mio-Stürmer nicht zufrieden ist…

Ja, aber das sind objektive Statistiken! Bei der eigenen Mannschaft geht es nicht um Objektivität. Da sehe ich, wie Gomez schon wieder einen Ball vertändelt und denke mir bei jedem einzelnen Schuss, dass unsere Omma das auch noch hinbekommen hätte.

Nun gut, Lewandowski sieht eleganter aus dabei. Der Gomez sieht übrigens in vielen Situationen nur komisch aus, weil er so lange Beine hat. Im Spiel gegen Chelsea hat er sich sogar einen Fallrückzieher aufgelegt – der kann durchaus was am Ball.

Außerdem profitiert ihr doch von unserem Bayern-Ding und bekommt preisgünstig Spitzenkräfte wie Schlaudraff und Haschemian. … … Okay, letzterer vielleicht nicht so sehr.

Nicht nur Hannover, die Liga ist voll von Leistungsträgern, die man bei Bayern nicht richtig einsetzen konnte oder wollte. Pizarro, beispielsweise. Podolski. Kroos. Kraft.

Mats Hummels.

Korrekt.

Und nächstes Jahr schießt uns Olic aus dem DFB-Pokal und Usami aus der Champions League.

Lass uns noch einmal zum Fan-Sein zurückkehren: Nervt das, das man immer des “Erfolgs-Fan”-Seins verdächtigt wird?

Oder kommt das gar nicht so oft vor, wie ich mir das vorstelle, der ich natürlich JEDEN Bayern-Fan automatisch für einen Event-Fan halte?

Doch, das kommt dauernd vor. Du wirst ja auch als Fußballfan von den anderen nicht ernst genommen, eben weil du Bayern-Fan und damit kein Fan bist. Was aber auch schizophren ist: Für Erfolge sollst du dich schämen, Misserfolge reiben dir die gleichen Leute dann mit Inbrunst unter die Nase.

Aber auch das definiert ja. Als Bayern-Fan leidest du eben unter anderen Problemen. Das willst du aber auch. Du willst ja den Neid und die Missgunst, weil du dann weißt, dass das Ding läuft. Diese ekelhaften Beileidsbekundungen, die braucht doch kein Mensch. Und immerhin kannst du dir sicher sein, dass du deutschlandweit Antipathien erntest. Damit muss man eben auch umgehen können. Aber wenn du als Fan von allen gemocht werden willst, dann musst du halt Freiburg supporten.

Oder Mainz.

Oder Mainz.

Trägst Du Farben? In der Öffentlichkeit, meine ich. Vor dem Fernseher zählt nicht.

Klar. Wobei ich in den letzten Jahren eher zum dezenten T-Shirt übergegangen bin. Aber mein Mehmet-Scholl-Shirt trage ich mit Stolz. Den Schal im Winter auch. Im Trikot bin ich inzwischen seltener unterwegs, weil’s doch in vielen Situationen unangemessen ist. Und den Bazi-Button der mit der Vereinsmitgliedschaft kam, habe ich auch noch nicht ans Revers geheftet. Aber ich stehe schon klar zu meinem Fansein und zum Verein.

Gut so. Nun, ich überlasse dich jetzt wieder deinem Schicksal und den Morissey-Platten, wünsche verständnisvolle Kollegen und generell eine gute Zeit. Wir sehen uns in der Liga und ich hoffe, unsere Heimspiele gegen euch gehen genau so aus wie in den letzten beiden Jahren.

Ich muss jetzt “Schau’n mer mal” sagen. Oder?

Ich hätte zum Ausklang noch einen Musikwunsch:

Da gibt’s in den Kommentaren – bei Youtube erschreckenderweise – einen gar nicht so dummen Satz: “In den Farben getrennt. In der Sache vereint.”

Ich glaube, das ist ein gutes Schlußwort.

Amen.

[Hinweis: In den ersten beiden Folgen der “Kaliban-Gespräche” redete Herr K. mit Petra Fröhlich, Spieleredakteurin Galore, und Falko Löffler, Schriftsteller und Spieletexter.]

Sonntagslinks #136

by Gunnar on 20. Mai 2012 · 1 comment

Linkliste, sonntäglich. Außer manchmal.

VIDEO und AUDIO

PODCAST: Zum Thema Kickstarter und was es dort für interessante Spiele mit Retro-Bezug gibt haben wir auf Stay Forever eine weitere Folge gemacht, schon vor ein paar Tagen. ###

SATIRE: Wenn Diablo ein Mädchen wäre… ###

KURZFILM: Videospiele und die Kunst des Insta-Kill. ###

SATIRE: Wenn es zu Transformers einen ehrlichen Trailer geben würde, sähe er so aus. ###

HISTORIE: Hübsches GameStar-Video von 2010 über vergessene PC-Spiel-Trendsetter. ###

VIDEO: Wie man eine Bierflasche mit einer Kettensäge aufmacht. ###

VIDEO: London aus der Luft. Sehr hübsch. ###

ANIMATION: Sehr cooles Zeitraffer-Video, das die Verschiebungen der Grenzen in Europa seit dem Jahr 1000 aufzeigt. ###

VIDEO: Jeden Tag sterben 100 Spezies aus. Welche ist die nächste? ###

VIDEO: Alan Rickman trinkt Tee. In Zeitlupe. ###

ANIMATION: Wie Google funktioniert. ###

KATZENCONTENT: Der möglicherweise niedlichste Videoschnippsel des Jahrzehnts. ###

VIDEO: Oh, irgendwer hat einen Ausschnitt aus meinem Gespräch mit Sid Meier auf der GC 2006 gefilmt. Mann, wie jung ich da aussah. Ach, und wenn wir schon bei historischen Dokumenten sind: Hier schlug ich Michael G. öffentlich bei Fifa. ###

GRAFIKEN UND FOTOS

CARTOONS: Historische Karikaturen aus der Zeit des Kalten Krieges. ###

FOTOS: Blow Job heißt eine Fotoserie von Menschen, denen man volle Kanne Wind ins Gesicht bläst. ###

FOTOS: 15 Götter des Heavy Metal, damals und heute. ###

LOGOS: Marken mit gespaltenen Persönlichkeiten. ###

KUNST: Kunst ist… unsympathische Menschen in freundliches Rosa zu kleiden. ###

TEXTE

GLOSSE: Kein Auto, kein Handy, kein Computer — Martenstein über die Widerspenstigkeit der Welt. ###

GLOSSE: Leicht surrealer Text zum Vatertag. ###

REDDIT: Gespräch mit einem Malware-Coder. ###

BLOGPOST: Fick dich, H&M. Ein Rant über die aktuelle Werbekampagne. ###

BLOGPOST: Weiß, hetero, männlich: das ist der niedrigste Schwierigkeitsgrad für das real Leben. ###

BLOGPOST: Ist das Internet zu kompliziert? ###

TEXT: Alle Dialogzeilen von Rihanna aus dem Film Battleship. ###

EIN KESSEL BUNTES

GAME: Cartoon-Charaktere an ihren Augen erkennen. Im Dunkeln. ###

SITE: Sind wir auch alle vernünftig auf Zombieangriffe vorbereitet? ###

DING: Ein Kit um uralte, mechanische Schreibmaschinen in ein Eingabegerät für PC und iPad zu verwandeln. ###

SITE: Zidbits stellt und beantwortet allerlei Fragen, etwa warum Clowns gruselig oder Menschen kitzlig sind. ###

SITE: Hier sammelt jemand umgedrehte N. Auf Schildern und so. Bizarr. ###

Dies war die heutige Ausgabe der wöchentlichen Linkliste vom Herrn Kaliban, wie immer entstanden unter Mithilfe einiger freundlicher Linkeinsender (Marc, Knut, Julian). Sachdienliche Link-Hinweise werden vom dankbaren Herrn Kaliban jederzeit per Kontaktformular entgegen genommen.

Ausnahmsweise FCB

by Gunnar on 19. Mai 2012 · 7 comments

Liebe FCB-Fans,

wir geben es zu: Eben haben wir dem BVB auch noch das sechste und siebte Tor gewünscht, nur um Arjen Robben weinen und den Bratwurstbaron die Backen aufblasen zu sehen.

Heute jedoch, mit ängstlichem Blick auf die Uefa-Fünfjahreswertung und die Stimmung des Bayern-Blocks in der Nationalmannschaft, sind wir voll auf eurer Seite. Zumal Chelsea ja nun auch wirklich der unsympathischte Verein auf Gottes Erdboden ist.

Los also, feuert eure Millionäre an, damit sie Herrn Abramowitsch und seinen Millionären zeigen, wo der Hammer hängt. Wir würden sogar ein demütigendes 5:0 über die Engländer gutheißen. Auch wenn wir dann ein paar Monate lang eure unerträglich gute Laune ertragen müssen.

Alles Gute,

der Rest der Republik

P.S. Das heißt noch lange nicht, dass ihr jetzt alle eure Profilbildchen bei Facebook und Twitter und Gravatar und Google+ durch Bayern-Logos ersetzen sollt. Das nun nicht. Jede Toleranz hat Grenzen. Es ist doch auch eine Frage der Ästhetik. Denkt doch an die Kinder!

Drive Darling (Boy)

Mai 18, 2012

Schöne Musik zum Wochenende und zur Feier eines überbrückten Tages. Schöne Musik zum Wochenende und zur Feier eines überbrückten Tages.

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HOOLS! FEUERTEUFEL! ALLE IN DEN KNAST!

Mai 16, 2012

Weil ich mich gerade an ein paar Stellen im Internet darüber gezankt habe, schreibe ich meine unmaßgebliche Meinung zu diesem Thema auch hier noch mal rasch auf. Kurz zum Background: In Düsseldorf war ein Fußballspiel. Fans der Gästemannschaft reagierten auf den vorentscheidenden Gegentreffer mit dem Werfen von Knallkörpern und Bengalos in Richtung Eckfahne. Polizei zog […]

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