Die Fenster im Turm

by Gunnar on 14. Mai 2012 · 1 comment

Abends, wenn die Schatten fallen und das Geschrei der Harpyien über der Ebene verstummt, steigt Herr Kaliban die enge Treppe zum Turmzimmer hinauf. Die Treppe, über 300 Jahre alt und zu ihrer Zeit ein technisches Wunder aus versteinertem schwarzem Holz, knarzt nicht unter seinen schweren Stiefeln, was ihn immer wieder erstaunt.

Im Turmzimmer nimmt Kaliban blind eine Kerze von der Kommode zur Rechten und entzündet sie mit seinem Atem. Der flackernde Schein erhellt ein Oktagon mit steinernem Boden, vier Fenster, in dunklen Farben mit arkanen Motiven bemalt, halten das Sonnenlicht zurück.

In der Mitte des Raums steht ein schwarzer Altar, ein gestaltloser Block, der sich nun, vom Kerzenlicht aus der Dunkelheit geschält, als eine Verschmelzung von Dutzenden Videospielkonsolen aus H1-Dimension entpuppt. (Die H1-Dimension ist jene, in der Hitler von den Alliierten besiegt wurde.) Auf dem Altar liegt eine staubige Starcraft-Packung, das 1998er Original. Ein dünner Funkenstrahl verbindet sie mit der Lücke im Wandregal, wo ihr eigentlicher Platz ist.

Kaliban geht zum Altar, nach seiner Gewohnheit die Ritzen zwischen den Steinplatten nicht berührend. Er nimmt die Packung und…

… hält sie vor das Fenster mit dem Starcraft-Motiv. Das Fenster beginnt zu strahlen.

Zurück in die reale Welt:

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