Ritter gegen Drachen

by Gunnar on 22. Mai 2012 · 12 comments

Herr Kaliban erzählt dem Goldkindtm eine elaborate Geschichte, im Bett bei gedimmtem Licht. Der fahrende Ritter Richard hat auf seiner Reise durch die entlegenen Dörfer des Königreichs schon einen Bären verhauen und eine Horde Räuber vertrieben, jeweils zur Freude der ansässigen Wohnbevölkerung. Nun aber geht es gegen einen Drachen, groß, grüngeschuppt, mit Feueratem. Herr Kaliban spricht mit schauspielerischem Eifer, das Goldkind hat die Decke bis an die Nase hochgezogen und lauscht ergriffen.

Herr Kaliban: Und der Drache erhebt sich in die Luft und öffnet das riesige Maul, groß wie ein Burgtor. Hitze dringt heraus, der Ritter duckt sich hinter seinen Schild.

Goldkind: Uh, Papa?

Herr Kaliban: Jetzt nicht. Also, der Drache schickt sich an, Flammen auf den…

Goldkind: Papa, warum kämpft der Ritter allein?

Herr Kaliban: Was meinst Du?

Goldkind: Nun, er könnte doch einfach sein Handy rausnehmen und seine Ritterfreunde anrufen und die kommen dann und bringen auch alle ihre Schwerter, ihre Helme, ihre Rüstungen und ihre Pferde mit. Und wenn dann so 25 Ritter da sind, dann kann der Drache doch gar nichts mehr machen.

Herr Kaliban: Uh. Ja. Nun.

Goldkind: Erzähl das so.

Herr Kaliban: Also, der Ritter zieht sich hinter einen Stein zurück, holt sein iPhone heraus und ruft seine Freunde an, einen nach dem anderen. Sag mal, was ist, wenn der Drache auch seine Freunde anruft?

Goldkind: Papa, bitte. Nun frag nicht so einen Unsinn. Drachen haben keine Handys.

Herr Kaliban: Ah. Okay. Also, der Ritter beginnt zu telefonieren…

Diese moderne Technologie bringt schlimme Abkürzungen in die Fantasy-Geschichten, das hatte ich nicht bedacht. Wir müssen zur Science Fiction wechseln.

Gottseidank kennt sie Twitter und Facebook noch nicht, sonst hätte es der arme Drache möglicherweise mit einem Flashmob zu tun bekommen. Und Trollereien auf seiner Homepage. Und DDoS-Attacken.

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