Hier gibt’s was umsonst!

by Gunnar on 17. Juli 2012 · 18 comments

Herr Kaliban wundert sich über die Menschheit. Das ist ja nichts Neues.

Es gehört zu den Vorbereitungsritualen jeder auf einer Games-Messe ausstellenden Firma, sich in einem lebhaften Meeting zu überlegen, was man an Zeug mitnimmt, dass man am eigenen Stand in die Menge werfen kann. »Swag« heißt das im Branchensprech, also Swag wie Swag und nicht wie Swag. Man unterscheidet zwei Sorten: Endkunden-Swag und Journo-Swag. Das eine ist die Streuware, die von der Gamescom-Bühne verteilt wird, das andere sind die Sachen, die man den Journalisten in die Tüte tut, die er am Ende des Gesprächs kriegt. Endkunden bekommen Code-Kärtchen, Bändchen, Demo-DVDs, Aufkleber, aufblasbaren Schnickschnack, aber auch mal T-Shirts oder auch Gaming-Zubehör, wenn man einen Hardware-Sponsor hat. Journalisten bekommen Broschüren, T-Shirts, Handtücher, Games, Sponsorware und auch sonst nette Sachen. Manchmal auch nichts, der intermittierenden Verstärkung wegen (Achtung: Ironie).

Bei GameStar galt die Linie, wenn ich mich recht erinnere, hatte ich sie selber eingeführt, dass man als Redakteur das Zeug dankend mitnimmt und als Verlosungspreis zur Verfügung stellt. Das galt auch, dennoch gehe ich auch heute noch mit Codemasters-Handtuch schwimmen und schneide meine Pizza mit dem Pizza Connection-Pizzaschneider.

Offenbar hatte ich meine Schäfchen schon vor der Einführung der harten Linie im Trockenen. Ahem. Aber auch sonst war’s mir immer zu mühsam, irgendwo anzustehen oder durch sonstwelche Feuerreifen zu springen, um irgendwas zu bekommen, das ich mir vermutlich eh nicht selber gekauft hätte.

Naja, was mich jedenfalls immer erstaunt hat, wie weit Leute gehen, um was Kostenloses abzugreifen, egal wie geringwertig es ist. Gut bezahlte Journalisten fragen drei Mal nach einer weiteren Tüte “für die Kollegen” und einem Extra-Exemplar des Spiels für die Sammlung oder nehmen auf Events an lächerlichen Wettbewerben um Poster oder Figürchen teil; Mädchen ziehen sich auf der Bühne bis auf den BH aus, um ein T-Shirt für den Freund abzugreifen; Jungs schreien für die Chance auf einen Kugelschreiber zehn Mal “Frogster ist geil” oder sowas.

Klar geht’s da auch mal einfach um die schiere Stimmung und den Spaß an der Sache, wie auf dem Bild oben (aufgenommen von Uwe Miethe), das auf der GC in Leipzig Anno 2005 entstanden ist. Und natürlich nehmen Journalisten auch mal eine Tüte mit, um gegenüber dem Pressesprecher nicht unhöflich zu sein, aber grundsätzlich: Leute greifen gern ab.

Noch besser als meine kleine Erzählung illustriert das das folgende Video:

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