Jeden Morgen, wenn ich meine Tochter im Kindergarten abliefere, komme ich an der Klinik für Gesichtschirurgie und Dermatologie vorbei. Dort stehen immer Menschen vor der Tür, hastig an Zigaretten ziehend, von einem Bein auf andere tretend. Versehrte Menschen, mit Gesichtsverbänden, Ausschlag, Pflastern, wie die Opfer einer Seuche. Der Anblick ist ein bisschen bedrückend, aber wenn dann, zum Schichtwechsel, ein Geschwader junger, sportlicher Schwestern einrückt, mit gesunder Draußenbräune und einem fröhlichen “Morgen!” auf den geschminkten Lippen an den kranken Rauchenden vorbei joggt, dann…
…wird das Bild nachgerade deprimierend in seiner Tragikomik.
Oder auch nicht, vielleicht ist das nur die männertypische Aversion gegen Krankheit, Krankenhäuser und kranke Menschen, die da aus mir spricht. Angst vor der eigenen Sterblichkeit und so. Ich tendiere ja auch dazu, Arztbesuche aufzuschieben und Wehwehchen zwar laut zu beklagen, aber ansonsten zu ignorieren. Wir haben da im männlichen Zweig der Familie eine lange Tradition des Verschleppens harmloser Krankheiten, die dann durchs Ignorieren schlimmer werden. Krasseste Ausprägung: mein Urgroßvater, Wilhelm Lott, der am Blinddarm gestorben ist. Andererseits ist da auch das Gegenbeispiel meines Opas, der mit maßvollem Nikotin- und Alkoholkonsum 95 wurde. Und nie Medikamente genommen hat. Der Doktor verschrieb immer irgendwas, Oma holte es von der Apotheke, um es passiv-aggressiv auf die Kommode zu stellen, Opa schüttete das Zeug weg oder ließ es eintrocknen. Irgendwann kam der Arzt wieder, gratulierte zur guten Besserung und lobt die Wirkung des Medikaments. Opa nickte nur. Und konzentrierte sich aufs Überleben.
Ich hoffe mal, dass ich diese Zähigheit geerbt habe. Wir sprechen uns in 50 Jahren.


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http://www.dailymotion.com/video/x21acy_editors-smokers-outside-the-hospita_music
Als 27-jähriger und jetzt schon komplett desillusionierter Krankenhausarzt kann ich über solche “Assi”-Patienten nur noch müde mit den Schultern zucken. Es ist doch alles egal.
(Sorry, Dein Beitrag klang latent depressiv, da bin ich mal mit eingestiegen ;))
Mein Grandpa ist mit der selben Einstellung zwar “nur” 87 Jahre alt geworden, aber hege auch die Hoffnung das diese Langlebigkeit erblich ist. Mein Dad ist als starker Raucher bisher auch schon 77. Da darf man doch wohl noch hoffen!! ;-)
Ja, ein weites Feld. Krankheiten kriegen, nicht kriegen, ignorieren, herbeireden, überstehen oder daran zugrunde gehen. Solange unser Genom noch nicht komplett entschlüsselt ist, hilft wohl nur, aufs Glück zu vertrauen (und so gut es als Arztmeider geht, Vorsorge zu betreiben).
Eigentlich wolltest du doch nur über knackige Krankenschwestern schreiben, oder? ;)