Der Hobbit

by Gunnar on 17. Dezember 2012 · 11 comments

Ständig höre ich Leute sagen, Dings (wobei Dings für eine Person, eine Band, einen Film, eine Stadt, eine Sexualpraktik, eine Schokoladensorte oder sonstwas stehen kann) könne man nur lieben oder hassen, dazwischen gäbe es nichts. Dings sei polarisierend, Dings spalte, Dings zwinge unbedingt zu einer Position.

Keine Ahnung, ob’s an einsetzender Altersmilde liegt oder der vage beunruhigenden Entwicklung, dass ich mich mit zunehmendem Alter hauptsächlich für mich interessiere und andere Menschen eher als temporäre Störung der Matrix wahrnehme, jedenfalls gelingt es mir jedes Mal problemlos, Dings mittelsuper, mittelscheiße oder schlicht uninteressant zu finden.

Das sage ich dann auch zuweilen. Dann sind die Leute immer mindestens mittelbeleidigt. Dabei ist es ja, betrachtet man es im gleißenden Licht der Wahrheit, nicht wirklich mein Fehler, wenn die alle Leute mit haltlosen Generalisierungen um sich werfen.

Daher hier eine weitere Kampfansage:

Liebe Leute, der “Hobbit” von Jackson ist weder “EPIC EPIC EPIC”, wie jemand in meiner Facebook-Timeline schrieb, noch der der “Triumph”, zu dem ihn SpOn hochgejazzt hat. Aber er ist auch nicht die Katastrophe im BBC-Historiendrama-Look, den die enttäuschten Film-Nerds aus ihm machen. Der Streifen hat ein paar handfeste erzählerische und technische Probleme, klar, aber er hat auch Wucht und Epik und Witz genug, um ihn zu sehr guter Abendunterhaltung zu machen.

Und das ist doch schon mal was.

So, und können wir dann jetzt alle mit dem Hyperventilieren aufhören? Wir brauchen eine würdevolle Haltung, wenn am 21. die Welt untergeht.

P.S. Und an den 48fps-Look gewöhnt man sich, wirklich.

*

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Baruch Dezember 17, 2012 um 11:02

“Keine Ahnung, ob’s an einsetzender Altersmilde liegt oder der vage beunruhigenden Entwicklung, dass ich mich mit zunehmendem Alter hauptsächlich für mich interessiere und andere Menschen eher als temporäre Störung der Matrix wahrnehme, jedenfalls gelingt es mir jedes Mal problemlos, Dings mittelsuper, mittelscheiße oder schlicht uninteressant zu finden.”

Großartig! Neue alltagstaugliche Floskel gelernt.
Herr Kaliban, made my day!

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Thomas Dezember 17, 2012 um 11:17

Endlich sagt’s mal einer. Werd ihn mir morgen anschauen, mit dem ganzen 3D-HFR-Brimborium. Bisher habe ich alle Kritiken stets nach halber Durchsicht augenrollend weggeklickt. Manchmal glaube ich, die ganze Welt leidet unter einer bipolaren Störung oder so.

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Volker Dezember 17, 2012 um 12:37

Für waschechte Fanboys gibt es nunmal keine Grauzonen. Da gibt es nichts zwischen EPIC und FAIL.
Und auch mir sind, wie Herrn Kaliban, durchaus Leute bekannt, die nicht begreifen können, dass ich etwas sehr, sehr gut finde und trotzdem Schwächen am Produkt ausmachen und benennen kann.
Als alter Hermeneutiker bin ich mir ja bewusst, dass ich den Film überhaupt nicht unvoreingenommen schauen kann, deshalb hab ich mir auch schon einige Kritiken (positiv wie negativ) durchgelesen; für mich eher Anhaltspunkte, worauf man beim Schauen mal achten könnte. Aber letzten Endes können irgendwelche Kritiker vielleicht über technische Kriterien urteilen, aber nicht darüber, was mir gefällt und was nicht.
Naja, Freitag ist’s dann endlich soweit *hibbel* Dann weiß ich mehr.

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Matt Dezember 17, 2012 um 12:52

Ah, wunderbar auf den Punkt gebracht! Bin exakt deiner Meinung, Gunnar. Scheiße war der Film nicht. Großartig aber auch nicht. Mit der Meinung kriegt man dann statt 50% Verärgerung leider 100% Verärgerung von allen Seiten ab.

Bin immer noch hin- und hergerissen wegen der 48fps. Ja, am Ende hat sich eine Gewöhnung eingestellt. Manche Einstellungen sahen sogar richtig toll aus in 48fps. Aber der “Benny Hill-Effekt” war teilweise schockierend offensichtlich. Als Bilbo in einer Szene mit einem Ork ringt, hat tatsächlich nur noch Yakety Sax gefehlt (und ich bin mir sicher, eine solche Neuvertonung dürfte bald auf YouTube erscheinen).

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Thankmar Dezember 17, 2012 um 13:33

Das Fehlen der Grauzonen macht das Fraternisierungsblabla einfacher. Gemeinsam geil finden, gemeinsam lästern oder “diskutieren” aka “war Scheisse – gar nicht – dohoch”. Bei mir stelle ich fest, dass ich in Diskussionen aus Prinzip Minderheitsmeinungen vertrete, von denen ich gar nicht überzeugt bin, nur weil mir das ganze Gerede auf die Nerven geht, welches nicht Austausch von Positionen zum Zweck hat, sondern der Vergewisserung, dass man “auf der gleichen Seite” stehe. Echte Diskussionen, in denen es wirklich darum geht, die Position des Anderen nachzuvollziehen und anzuerkennen, ohne sie zu teilen und – und das ist wohl völlig unmöglich geworden: ohne dass persönlich zu nehmen bzw. auf die Person des anderen zu verschieben – erlebe ich fast gar nicht mehr.

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Tobi Dezember 17, 2012 um 15:53

“Keine Ahnung, ob’s an einsetzender Altersmilde liegt oder der vage beunruhigenden Entwicklung, dass ich mich mit zunehmendem Alter hauptsächlich für mich interessiere und andere Menschen eher als temporäre Störung der Matrix wahrnehme, jedenfalls gelingt es mir jedes Mal problemlos, Dings mittelsuper, mittelscheiße oder schlicht uninteressant zu finden.”

Ich bin 27 und sehe es genauso wie Du. Bloß leider ist es so schön bequem, sich in eine Extremposition zu begeben…

PS: Unerwartet fand ich HFR (48 fps) auch gut. Die Detailschärfe hat bei mir keinen künstlichen Eindruck hinterlassen, sondern die wunderschönen Bilder noch plastischer gemacht.

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playdude92 Dezember 17, 2012 um 15:56

Der Film war als Produktion meisterhaft gemacht. Teilweise umwerfend schön, mit ein paar tollen Szenen (wie der Gollum-Rätsel-Szene!).

Dazwischen war er gerne langatmig, was viele Leute direkt abstößt (mich nicht) und dem Abenteuer angemessen fröhlich.

Die Wharheit ist, dass das Ausgangsmaterial nur für eine bestimmte Größe und Qualität reicht. Das macht das abenteuer aber auch nicht weniger als gut, IMO.

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Bernd Dezember 18, 2012 um 07:15

Für einen Abenteuerfilm fand ich den Film ganz okay, fand ihn aber trotzdem nur schrottig weil ich mich auf etwas anderes eingestellt hatte.
Der Film war weit von der Qualität eines Herrn der Ringe entfernt.

-Bilbo sah immer so aus als ob er Schwimmflossen an hat.
-Oakenshield war für einen Zwerg ja schon glatt rasiert. Ebenso wie Merry und Pippin ähm ich meine Kili und Fili.
-Die zweite Hällfte des Filmes war es nur noch ein gerenne und gekämpfe.
-Die Szene mit den Trollen war auch sehr komisch. Wollte man zu diesem Zeitpunkt noch nicht das Oakenshield Bilbo vertraut?
-Radagast mit seinem Schlitten sah eher aus wie der Weihnachtsmann, fand den Trick mit der Verfolgungsjagd sehr schlecht umgesetzt.
-Bei der Hetzjagd in der Höhle von Jabba sah man so oft, daß die Figuren animiert waren.

Meiner Meinung nach hätte dem Film viel weniger Action gut getan, dann wäre er vielleicht auch nicht so lange geraten. Aber was soll die Filmfirma machen. Nachdem Harry potter angeschlossen ist benötigt man eben einen abderen Abendfüllenden Abenteuerfilm.

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Fred Dezember 20, 2012 um 01:33

Ich glaub da liegt halt bei vielen auch das problem erster güte begraben.
Der hobbit ist nu mal ein kinder abenteuer buch, wenn man dann episches herr der ringe film material erwartet wird man entäuscht.

Film ist spassig und gut, wenn man nicht verknöchert herr der ringe 4 sehen will.

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MrLuzifer Dezember 20, 2012 um 18:58

Hach, dem Herren Lott seine Blogposts muss man einfach mögen. Oder hassen. ;)

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kero Dezember 21, 2012 um 13:16

Ich beurteile Filme tatsächlich in einer 0-1 Skala. Entweder ein Film ist gut oder nicht. Das kann man bei den meisten Filmen auch problemlos anwenden. Verändert ein Film dein Leben und verschafft dir neue Sichten auf vorhandenes, dann bekommt der Film auch mal eine 1+. Aber wenn man ehrlich ist sind Filme doch grösstenteils egal und vertreiben einem das Warten ;-).

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