Die schillernde Welt der (Online-)Reklame

by Gunnar on 17. Januar 2013 · 12 comments

Herr Kaliban verzweifelt an der Welt. Wie immer.

Ich schaue mir auf Facebook immer mal wieder Spiele an, schon aus beruflichem Interesse. Mein halber Bekanntenkreis kommt aus der Spielebranche und schaut sich ebenfalls Spiele an. Das führt logisch dazu, dass der Facebook-Algorithmus denkt, ich sei ein fantastisches Ziel für Spielewerbung.

Es ist natürlich ein Erste-Welt-Problem, sich über Werbung zu beklagen, aber die Games-Anzeigen sind nahezu durchgängig schauderhaft, schwachsinnig und schäbig.

Das sieht man sowas, beispielsweise:

Schlechte Sprache, schlimme Slogans — es gibt gar nicht genügend Adjektive mit S, um das zu beschreiben.

Der ganze Quatsch mit den A/B-Tests führt nur dazu, dass sich keiner mehr Gedanken macht, was man mit dem Werbemittel überhaupt aussagen will. Hier zum Beispiel werden gleich zwei hirnrissige Konzepte gegeneinander getestet — die obere und die untere Anzeige werben für dasselbe Spiel:

Wenn dann eines der beiden ein bisschen häufiger geklickt wird, sagen wir, das untere, dann denken die Helden, jetzt hätten sie’s aber getroffen und schicken massenhaft Leute über das Werbemittel auf das Spiel — und wundern sich dann, dass die Spieler, die Frieden und Liebe erwartet haben, nicht bleiben, wenn der Krieg losgeht. Und dann zucken sie mit den Schultern und sagen, huh, der Markt wird schwieriger und die Conversions sinken eben.

(Hier sind noch mehr. Achtung: Facebook-Link)

Ein besonderes Highlight ist mir aber erst kürzlich aufgefallen (und es kommt auch noch aus Deutschland):

Die Anzeige für Siedler Online nimmt explizit Bezug auf einen Konkurrenztitel, nämlich End of Nations von Trion. Das ist schon mal absurd, weil End of Nations noch in der geschlossenen Beta läuft, also noch gar nicht erschienen ist. Noch absurder ist es aber, dass die Reklame suggerieren will, EoN-Fans würden sich auch für Siedler Online interessieren. Vielleicht werfen wir mal einen schnellen Blick auf die, uh, grafische Gestaltung beider Titel…

End of Nations sieht so aus:

Und das hier ist Siedler Online:

Nun. I rest my case.

Ist bestimmt hammermäßig erfolgreich, die Werbung.

[UPDATE] Anmerkung von einem Industrie-Insider: “Gunnar, du weißt doch, wie das ist. Da sitzt diese Agentur in Israel, die macht Tausende A/B-Tests mit *irgendwelchen* Motiven. Und wo die meisten klicken, das wird hochgeranked. Du hast also möglicherweise einfach einen Testlauf beobachtet. Wenn das Motiv noch häufiger auftauchen würde, spräche das allerdings nicht für die Intelligenz der Klickenden.”

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