Herr Kaliban verzweifelt an der Welt. Wie immer.
Ich schaue mir auf Facebook immer mal wieder Spiele an, schon aus beruflichem Interesse. Mein halber Bekanntenkreis kommt aus der Spielebranche und schaut sich ebenfalls Spiele an. Das führt logisch dazu, dass der Facebook-Algorithmus denkt, ich sei ein fantastisches Ziel für Spielewerbung.
Es ist natürlich ein Erste-Welt-Problem, sich über Werbung zu beklagen, aber die Games-Anzeigen sind nahezu durchgängig schauderhaft, schwachsinnig und schäbig.
Das sieht man sowas, beispielsweise:


Schlechte Sprache, schlimme Slogans — es gibt gar nicht genügend Adjektive mit S, um das zu beschreiben.
Der ganze Quatsch mit den A/B-Tests führt nur dazu, dass sich keiner mehr Gedanken macht, was man mit dem Werbemittel überhaupt aussagen will. Hier zum Beispiel werden gleich zwei hirnrissige Konzepte gegeneinander getestet — die obere und die untere Anzeige werben für dasselbe Spiel:

Wenn dann eines der beiden ein bisschen häufiger geklickt wird, sagen wir, das untere, dann denken die Helden, jetzt hätten sie’s aber getroffen und schicken massenhaft Leute über das Werbemittel auf das Spiel — und wundern sich dann, dass die Spieler, die Frieden und Liebe erwartet haben, nicht bleiben, wenn der Krieg losgeht. Und dann zucken sie mit den Schultern und sagen, huh, der Markt wird schwieriger und die Conversions sinken eben.
(Hier sind noch mehr. Achtung: Facebook-Link)
Ein besonderes Highlight ist mir aber erst kürzlich aufgefallen (und es kommt auch noch aus Deutschland):

Die Anzeige für Siedler Online nimmt explizit Bezug auf einen Konkurrenztitel, nämlich End of Nations von Trion. Das ist schon mal absurd, weil End of Nations noch in der geschlossenen Beta läuft, also noch gar nicht erschienen ist. Noch absurder ist es aber, dass die Reklame suggerieren will, EoN-Fans würden sich auch für Siedler Online interessieren. Vielleicht werfen wir mal einen schnellen Blick auf die, uh, grafische Gestaltung beider Titel…
End of Nations sieht so aus:

Und das hier ist Siedler Online:
Nun. I rest my case.
Ist bestimmt hammermäßig erfolgreich, die Werbung.
[UPDATE] Anmerkung von einem Industrie-Insider: “Gunnar, du weißt doch, wie das ist. Da sitzt diese Agentur in Israel, die macht Tausende A/B-Tests mit *irgendwelchen* Motiven. Und wo die meisten klicken, das wird hochgeranked. Du hast also möglicherweise einfach einen Testlauf beobachtet. Wenn das Motiv noch häufiger auftauchen würde, spräche das allerdings nicht für die Intelligenz der Klickenden.”





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Jeder (deutsche) Praktikant könnte da bessere Texte reinsetzen. Da zahlt doch jemand Geld für die Werbung, wie kann das jemand verantworten?!
Finde die Werbung auch immer sehr furchtbar. Habe aber zugleich den schrecklichen Verdacht, dass das alles automatisiert ist und irgendwelche A/B Tests oder gar genetische Algorithmen im Hintergrund laufen und die miesesten Ads tatsächlich am meisten Durchsatz/Life Time Revenue erzielen.
Es ist beides Iso und es gibt bei beidem Rauch… Also ich finde, dass das qualitativ wichtige Merkmale sind, die man durchaus vergleichen kann
Naja ich denke hier wird wie Frank D. vermutet mit recht einfachen Mitteln “Keyword”-Marketing betrieben. Und im Onlinemarketing zählen nur Konvertierungen und nach wie vielen Monaten man das Geld wieder drin hat. Und wenn Spieler mit Interesse an “End of Nations” als Kunden mit hoher Zahlbereitschaft klassifiziert sind, dann ist es schon fast zwingend für das Marketing des Publishers, diesen Kunden entsprechende Free2Play-(Browser-)Titel anzubieten.
Am Ende zählt dort nur, was gut konvertiert. Und das sind leider in mehr Fällen als einem Lieb ist die plumpen, schlichten, wenig aufwendigen Maßnahmen. Das gilt dann für Werbebotschaften genauso wie für Landingpages – auch die sind durch A/B-Tests optimiert und dort stellt sich oftmals der “Registrieren”-Button in der hässlichsten Variante als am performantesten heraus.
Nicht schön, aber wahr.
Also die Siedler Online Geschichte finde ich tatsächlich merkwürdig. Ich dachte zuerst, das ist Suchmaschinenoptimierung, sodass beim Schlüsselwort “End of Nations” die Startseite von Siedler Online weit oben im Google Ranking auftauscht. Aber eigentlich sind Werbeanzeigen doch eh vom Google “Keyword crawler” ausgenommen. An Casual Spieler richtet sich das auch nicht, denn die kennen End of Nations nicht. Und Vielspieler wissen sofort, dass der Vergleich Quatsch ist.
Was soll das dann???!?
Menschliches Versagen?
Aber hallo! Und zwar multiples.
Also viel ernüchternder als die dämliche Werbung ist doch wohl der Fakt, dass es scheinbar genügend einsame Seelen da draußen gibt, die den Schund auch spielen.
*InGedankenAnDieZeitVorSocialUndBrowserGamesAbschweif”
Ich werd ja nicht über das Präzisionsgewehr mit dem Slogan “Amüsiere dich stundenlang!” und die so gut wie nackte Dame mit dem Slogan “Nichts für schwache Nerven.” fertig.
warum betonst du eigentlich zuletzt so oft das “erste welt problem” bzw. “first world problem”? kriegst du ernsthaft kritik von menschen, die dich für zu oberflächlich halten bzw. erwarten, dass du zweite- oder dritte welt probleme besprechen sollst?
Marjan:
Nein.
Aber natürlich werde ich nur deshalb nicht kritisiert, WEIL ich mich immer schon vorher entschuldige.
Clever, huh? Nur weil ich paranoid bin, heißt das nicht, dass sie nicht wirklich da draußen sind…
*Hust*
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