Nun, der Steinbrück, was soll man sagen

by Gunnar on 7. Januar 2013 · 22 comments

Der geschätzte Herr Lumma, SPD-Mitglied zwar, aber sonst ganz brauchbar, machte sich heute auf seinem Blog Luft über die “Kampagne” gegen Peer Steinbrück. Ein Auszug:

Peer Steinbrück hat nach einer langen Karriere in der Politik seine Bekanntheit genutzt, um Geld zu verdienen, während er als Abgeordneter im Bundestag sitzt. Ja, und? Journalisten verdienen sich Geld mit dem Schreiben von Reden für andere Leute, mit der Moderation von Firmen-Events oder mit Fernsehwerbung. TV-Moderatoren haben oftmals ihre eigene Produktionsfirma und verdienen fröhlich am öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit. […]

Wenn ein Politiker, noch dazu von der SPD, die ja nicht mit Geld umgehen können, glaubt man dem Diktum von Otto Graf Lambsdorff, seine Bekanntheit nutzt, um mit dem Verkünden seiner Ansichten Geld zu verdienen, dann ist das verwerflichst und wird von dem Berufskommentatoren dieser Republik ungefähr auf eine Stufe mit dem Verkaufen des Erstgeborenen in die Sklaverei gestellt.

[…]

Man kann überall lesen, dass sich die Menschen in diesem Lande, da draußen, wie es immer so schön heisst, sich nach Typen sehnen, die unabhängig sind, die eine eigene Meinung vertreten, die nicht führungstreue Parteisoldaten sind. Allerdings erleben wir auch immer wieder, dass die unabhängigen Köpfe entweder irgendwann eingenordet werden und sich strikt der Parteilinie unterordnen, oder aus der aktiven Politik verabschieden. Peer Steinbrück beharrt auf seiner Beinfreiheit, was wiederum zu Kritik führt, denn eine derartige Unabhängigkeit wirkt irgendwie suspekt. Ja, was denn nun?

Ich will darauf gar nicht im Detail eingehen, man könnte einiges zu der Problematik sagen, dass der Vergleich zwischen Politikern und Moderatoren auf zwei Beinen hinkt oder dazu, dass es bei Steinbrück möglicherweise nicht um das Einebnen eines unbequemen Denkers geht, sondern vielleicht auch darum, einen Kandidaten für das wichtigste politische Amt auf seine moralische und fachliche Eignung zu untersuchen. Aber wurscht, mir geht’s um was anderes:

Ich bin da ganz einfach gestrickt. Ich möchte bei Politikern das Gefühl haben, dass sie nicht Wasser predigen und Wein trinken. Ich möchte, dass sie ein bisschen Demut empfinden, wenn sie ein gut dotiertes Amt vom Volk anvertraut bekommen. Ich möchte, dass sie nicht ausschließlich das eigene Ego oder den Wahlkampf im Auge haben, sondern sich bewusst sind, dass sie da sind, wo sie sind, um eine Funktion zu erfüllen.

Bei Peer Steinbrück* habe ich, sorry, dieses Gefühl nicht. Ich bin der altmodischen Meinung, dass man, wenn man Abgeordnetenbezüge bezieht, gefälligst zu den Sitzungen geht. Und dass der Abgeordneten-Job der Schwerpunkt des eigenen Berufslebens sein sollte. Und dass man sich nicht allzu weit vom Volk entfernen sollte, wenn man dessen Belange vertreten will. Ein Millioneneinkommen ist nicht verwerflich, hilft aber auch nicht, die Nöte der Leute zu verstehen, die Straßenbahn fahren. Wem es gefällt, als gut bezahlter Pausenclown auf Firmenveranstaltungen aufzutreten, der ist vielleicht nicht gut beraten, sich auf ein Amt einzulassen, bei dem es um mehr geht als den eigenen Ruhm, Geld und freundliches Schulterklopfen.

* Das geht mir nicht nur mit Steinbrück so, natürlich.

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