Sterben im All

by Gunnar on 27. Februar 2013 · 26 comments

Drei Tragödien von gestern abend:

Ich fliege in einen Nebula, mit meinem Schmuckstück von einem Raumkreuzer, der “Prospero”. Ein Kampfschiff der Slug teilt uns per Funk mit, dass sie uns “abstoßend” finden und wir bitte aus diesem Quadranten verschwinden sollen. Ein Moment der Wut (“Abstoßend, wir? Den Schleimfressen zeigen wirs!”), eine Fehlentscheidung, der Kampf beginnt. Lasersalve auf Lasersalve schneidet in das Slugschiff, unsere Schilde halten, es ist nur eine Frage der Zeit, bis… ah, wieso haben wir so wenig Luft? Ist hier ein Leck? Verdammt, wenn doch im Nebula nicht die Hälfte der Systeme ausfiele. Officers Ryan und Goodman, reparie…

Knirschen, Zischen, Vakuum, Ende.

Wir folgen dem Notruf in die hinterste Ecke des Sektors, aber statt eines havarierten Engi-Scouts wartet zwischen den Asteroiden nur ein Pirat. Der gibt Widerworte, als ich ihm seine baldige Vernichtung ankündige und beamt 7 Mantis-Soldaten auf mein Schiff, die “Fluffy Bunny”. Die Insektoiden reißen meine Crew in Stücke, während der Pirat Rakete um Rakete abfeuert. In meiner Verzweiflung schieße ich eine Smartbombe auf mein eigenes Schiff, demoliere den Schildgenerator, schaffe es aber trotzdem nicht, mehr als zwei der Mantis-Mörder auszuschalten.

Krachen, Zischen, Vakuum, Ende.

Mein bis zur Unverwundbarkeit hochgerüsteter Föderationskreuzer “Killerwatt” fängt das Flaggschiff der Rebellenflotte auf dem Weg zu unserer Basis ab — und beginnt mit einem kombinierten Laser-/Raketenbeschuss, der erst die Waffen, dann die Schilde ausschaltet. Die Rebellen explodieren… aber durch eine unverschämte Wendung im Game-Design rekonfiguriert sich der Feind und erscheint noch mal auf der Karte. Wir greifen auf die gleiche Art noch mal an, aber diesmal beamt das Flaggschiff ein Enterkommando rüber, während es aus vier verschiedenen Waffen feuert und zwei selbstschießende Drohnen aussetzt.

Krachen, Zischen, Vakuum, Ende.

Damn you, FTL.

ftl_death

Update:

Frische Extra-Tragödie von eben. Der Rebellen-Scout greift an, wir sind überlegen. Wir schießen sie fast kampfunfähig, beamen dann an Bord, um den Schiff intakt zu übernehmen. Die Mannschaft des Feindes liefert uns einen heroischen Kampf, aber wir zerschlagen die Medizinstation und attackieren sie auf der Brücke. Da springt das feindliche Schiff einfach weg, mit unserem Enterkommando an Bord — wir hatten es in der Hitze des Gefechts versäumt, die Maschinen lahm zu legen.

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Markus Februar 27, 2013 um 09:51

Ein verdammt geiles Spiel, so simpel und doch so komplex. Ich glaub seit Freespace 2 hat mir das Erkunden des Alls nicht mehr soviel Spaß gemacht.

Und: I feel your pain, Gunnar. Wie oft wollte ich Good Guy spielen und Slavers bekämpfen oder Schiffen in Not helfen, nur um dabei hoffnungslos unterzugehen. Dieses Tod = Ende Prinzip macht FTL echt spannend, denn jede Entscheidung kann deine letzte sein.

Helden haben bei FTL leider selten eine Chance.

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Thomas Februar 27, 2013 um 10:09

Kühl berechnend und höhnisch grinsend öffne ich Luftschleusen des eigenen Schiffes und lasse nur Cockpit, Schildgenerator und Waffenraum kompromiert. Ein neues update der Schleusen verstärkt diese. Dann reise ich, das unbarmherzige Nichts an Bord, tief ins Territorium der Mantis. Elendig krepieren ihre Prisenmannschaften auf meinem Sonnendeck im harten Vakuum des Alls, während ich irres Gelächter an ihren Schlachtkreuzer übermittele. Was für ein Spiel !

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Gunnar Februar 27, 2013 um 10:13

Ah, coole Taktik. Muss ich mal ausprobieren.

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ingo Februar 27, 2013 um 11:19

den kampf in die krankenstation versuchen zu verlagern ist auch eine möglichkeit. oooder, immer wieder einen mann aus dem kampf rausholen, in die krankenstation, dort heilen und wieder zum kampfort zurück, der löst den anderen kämpfer ab und so weiter. dauert allerdings…

ingo Februar 27, 2013 um 11:36

wäre eine abwandlung davon nicht mal was für flaregames? das spiel eignet sich doch perfekt für tablets! übrigens auch spiele wie fussballmanager…. nun… ich schweife ab!

Gunnar Februar 27, 2013 um 11:44

Das FTL-Team untersucht derzeit die Möglichkeiten, das Spiel auf Tablets zu bringen.

Markus Februar 27, 2013 um 12:23

Gief Tablet Version, jetzt!!!!

s1ckn1ck Februar 27, 2013 um 10:31

wunderbares spiel, bekomme die musik kaum noch aus dem ohr.
empfehle für menschen über 35 “easy”, das ist hart genug.

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Peter Februar 27, 2013 um 10:43

Ein Teleporter auf Stufe 2 und ein gutes Boardingteam (1 Mantis, 1 Rockman oder 2 Mantis) sparen viel, viel Ärger. Schilde sind kein Problem und oft haben die Schiffe keine Medbay. Als Bonus braucht man ihn oft bei Textentscheidungen und es gibt mehr kostbaren Loot, wenn das andere Schiff intakt bleibt. Und für das Flagschiff ist er auch sehr nützlich, wegen der Besonderheiten des Layouts *zwinker* *zwinker*

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Gunnar Februar 27, 2013 um 10:52

Mit Teleporter habe ich noch nie gespielt, hatte oft Spiele, wo es kaum Gelegenheit gab, Crew anzuheuern.

Muss ich mal ausprobieren.

Ach, die Fülle der möglichen Taktiken.

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Peter Februar 27, 2013 um 11:15

Der erste Run wird mit absoluter Sicherheit das Boardingteam das Leben kosten ;). Gewusst, dass Drohnenschiffe keine Atmosphäre haben? Ich erst auch nicht…

ingo Februar 27, 2013 um 11:20

ganz wichtig: das team vom gegnerischen schiff beamen, bevor man es zerschiesst.

Jan Februar 27, 2013 um 10:46

Schöner Text über ein sensationell gutes Spiel. Ich könnte da auch so manche Tragödie beisteuern. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich fast immer, in freundlichen Galaxien so viele Koordinaten anzusteuern wie möglich. Der Gain ist in der Regel größer, als die Pain. ^^
Und um den Endgegner zu knacken, braucht es ziemlich viel Gain…

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Taluien Februar 27, 2013 um 12:01

Hachja, der Endkampf… so ein schweinemässig unfaires Miststück von einem Boss passt irgendwie sehr gut zu dem Spiel. Noch ein Tipp, nicht alle gegnerischen Crewmitglieder abmurksen in dem Bossfight. Das endet unschön. Aber ja, Teleporter helfen sehr, zumal man so diverse gegnerische Schiffstypen (also z.B. dieses Slug Schiff das einen separaten O2 Raum hat) schnell ausser Gefecht setzen kann, solange die eigenen Schilde halten/man gut ausweichen kann. Ohne Luft geht die gegnerische Crew ein und man selbst hat wunderbar viel Loot. Es ist gegen Ende immer wichtiger, die gegnerische Crew und nicht das Schiff zu vernichten, um genug Scrap für die Upgrades zu bekommen, die man dringend nötig hat.

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Markus Februar 27, 2013 um 12:27

Was ich in dem Zusammenhang übrigens auch empfehlen kann ist Legend of Fae. Eine meiner Meinung nach sehr gelungene Verknüpfung von Rollenspiel a la Final Fantasy mit dem allseits beliebten und bewährten Match 3 Prinzip. Sehr putzig, taktisch und schnell. Ideal für zwischendurch und auch hier hoffe ich auf eine Tablet Variante.

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Rook Februar 27, 2013 um 12:38

Einfach ein tolles Spiel. :) Aber bist du echt von _sieben_ Mantis geentert worden? Das ist selbst für FTL-Verhältnisse ungewöhnlich fies. ;)

Aber Kopf hoch, mit etwas Erfahrung (und liberalem Einsatz der Pause-Funktion) steigt die Erfolgsquote durchaus steil an, auch ohne dass man seine gefühlte Männlichkeit aufgibt, indem man auf Easy runtergeht. Tipps: Möglichst immer maximal viele Systeme pro Sektor anfliegen (außer wenn die Mühle kurz vorm Auseinanderbrechen steht), dafür sind Nebula sogar besonders gerne gesehen; immer schön auf die System-Symbole achten (die zeigen an, wenn was kaputt ist, wo Eindringlinge drauf einprügeln, wo’s brennt – auch wenn die Sensoren ausgefallen sind); im Kampf nicht immer alles sofort feuern lassen, sondern auf das Timing achten (wenn die gegnerischen Schilde kurz unten sind, entfalten Heavy Laser oder Beam-Waffen erst ihr volles Potenzial).

Der Crew Teleporter ist auch eines meiner Lieblingswerkzeuge, um an viel Scrap zu kommen. Dabei ergeben sich auch gerne mal hübsch dramatische Szenen. :D

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Gunnar Februar 27, 2013 um 12:55

Ja, 7! Ich konnte es auch nicht fassen — ein Viererteam und noch mal drei. Und ich hatte nur 3 Leute, war noch relativ am Anfang.

Und die erste Tragödie war meine Schuld, im Nebula war aus irgendwelchen Gründen die O2-Maschine ohne Energie. Und da ich im Kampf war — und nur auf Rumpf und Waffen geachtet habe, ist mir das erst aufgefallen, als wir deutlich unter 40 % waren. Und dann dachte ich es sei irgendwas kaputt, wir hätten ein Leck oder so. Und habe das Leck gesucht, bis zum Ende. Kühler Kopf ist was anderes, aber nun, PANIK!!!111 ist nun mal meine Basis-Emotion bei FTL.

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Inexistiem Februar 27, 2013 um 14:56

Neigen die Slugs nicht auch dazu, Schiffsysteme lahmzulegen, gerne auch die O2-Versorgung?
Wobei dies dann ja auch meistens im Text vorkommt.

Hatte ein ähnliches Erlebnis mit einer Station, wo dann auch locker 6-7 Enterer, davon die Hälfte Mantis, ins Schiff kamen. Wirklich viel kann man dann auch nicht mehr machen…

Holger Februar 27, 2013 um 13:50

Okay! Überzeugt! Ich habe mir jetzt auch mal die “Demo” gezogen und wenn es mich so packt wie ihr hier schildert, dann dürfen sich GOG und Subset Games über meine 10 Dollar freuen. Bin sehr gespannt.

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DerDreckigeSean Februar 27, 2013 um 15:19

Na? Ein bisschen von Yahtzee inspiriert, nicht?

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Gunnar Februar 27, 2013 um 16:05

Huh?

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Dragoon Februar 28, 2013 um 10:00

Durch das RPS Kickerstarter Katchup bin ich auf das Kickstarter Projekt Aurora Rising aufmerksam geworden. Es will das Gameplay von FTL mit RPG Elementen verbinden.

http://www.kickstarter.com/projects/kanefreeman/aurora-rising

Thema wechseln: Im meinen Winamp RSS Feed von Stay Forever ist gerade das hier aufgetaucht.
Stay Forever trifft Game One (Zwischenfolge)
Na wenn das mal nicht geil ist. :D
Ich bin übrigens nur deshalb auf den Plauschangriff aufmerksam geworden, weil ihr den in einem Stay Forever Podcast erwähnt habt, das nur sie mehr Abrufe haben unter den Game-Podcast auf iTunes als ihr.

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Tim März 3, 2013 um 22:05

Das einzig nervige ist der Glücksfaktor, der einem echt die Beine weghauen kann, einmal direkt vor einen Stern gesprungen, mit letzter Kraft den Gegner besiegt und trotzdem draufgegangen weil man die Brände nicht mehr unter Kontrolle kriegte :(

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Radioactive März 4, 2013 um 11:31

Genialer Link…vielen Dank… mannomann hat mich das Spiel eingesaugt :)

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bruno April 5, 2013 um 07:37

danke für diesen Text! Ich hätte sonst ein Spiel übersehen, dass mich seitdem immer wieder sehr beeindruckt hat!

Seit FTL beschäftigt mich auch eine ziemlich grundlegende Frage: dieses Spiel hat eigentlich keine Story. Grafik auch nicht. Abwechslung eigentlich auch nicht. Ist ja nur eine Raumschlacht nach der anderen.

Also warum habe ich dann nach ein paar Stunden Spielzeit mehr Geschichten zu erzählen, als nach 90 Stunden Skyrim?! Warum läuft in FTL mein Kopfkino auf Hochtouren? Warum fühle ich mich in anderen Spielen immer nur als Zuschauer?

Ich erinnere mich nur an wenige Beispiele aus den letzten 10 Jahren, in denen ich ähnliche “eigene” Geschichten in Spielen erlebt habe. Wie damals, als meine 500 osmanischen Speerträger und Bogenschützen fernab der Heimat über Jahre eine Provinz in Schottland verteidigt haben. Abgeschnitten. Auf einem kleinen Hügel. Im Regen. (Medieval)

Was ist die magische Zutat, aus der so ein Spiel besteht? Wird einfach zuviel in (heutige) Spiele reingepresst? Zuviel Grafik, zuviel Story?

Oder wäre FTL mit mehr Grafik und einer epischen, wendungsreichen Story noch viel besser?! Ich glaube nicht, aber ich kann mich natürlich irren…

Muss dabei immer an ein Leonard Cohen Zitat denken: “If I knew where the good songs come from, I’d go there more often…”

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