Ach, Bioshock Infinite

by Gunnar on 7. April 2013 · 28 comments

ending bioshock infinite

Ende, aus. Und hiermit verlassen wir Mindfuckhausen.

Erstaunlich, dass ein Spiel, das offenbar ein Popkulturkunstwerk sein will, dabei eine so in sich verwebte und mit sich verworrene Geschichte als Grundlage wählt, eine Geschichte sogar, die ohne Interpretationshilfe (oder wenigstens einen zweiten Spieldurchgang) kaum verstanden werden kann.

Erstaunlicher noch, dass ein Spiel, das so ambitioniert erzählt, sich gleichzeitig spielerisch so stumpfer Mechaniken bedient.

Aber nun. Alle Phasen, in denen man nicht kämpfen musste, waren schön und anregend und clever. Und das Ende, so irre es vielleicht ist, fängt einen Teil meines Ärgers über die verschwendete Lebenszeit wieder ein.

[Dies schrieb ich gestern und wollte es dabei belassen. Aber…]

…aber es ist doch erstaunlich, dass Spiele, die sich vom Einheitsbrei abheben wollen, es so gerne mit dem MINDFUCK probieren. Schlimmstes Beispiel für mich war Spec Ops: The Line, das mir offensichtlich meta-meta meine Gewaltanwendung reinreiben wollte (ah, the Horror, the Doppelbödigkeit) und mich unentwegt, aus den falschen Gründen, auf theoretisch befreundete Soldaten schießen ließ. Was nur dazu führte, dass ich mich mit dem Charakter nicht identifizieren konnte und das Spiel im ersten Drittel abgebrochen habe. Oder, natürlich, Bioshock 1, bei dem ich 60 Prozent des Spiels keinen Spaß hatte, weil es mich so ärgerte, dass der Charakter — ICH — so unlogisch handelte. Und dann kam das Spiel mit der Haha-es-ist-alles-anders-Keule um die Ecke und erklärt mir freudestrahlend, dass es mir um seiner eigenen Coolness willen den Spaß MIT ABSICHT vorenthalten hat. Argh.

Bioshock Infinite fällt auch so in diese Kategorie: Abgesehen von der nervigen Dauerballerei und der damit verbundenen Hektik, die so schlecht zur Schönheit der Welt passen will, hat mich die ständige absurde Unlogik am Versinken gehindert. Ich meine, hey, ständige Holzhammer-Hinweise auf Dinge, die man beim ersten Durchspielen nicht verstehen kann, ständige Kollisionen zwischen Narration und Mechanik (warum verstecken die Bürger von Columbia ihr Geld in Mülltonnen? Wer kauft die ganzen Vigors, die Fink produziert und an jeder Ecke in Automaten steckt?), und die ganze in sich nicht funktionierende Riss-Aufmacherei von Elizabeth. Das Ende versöhnt ein bisschen, klar, aber warum das Ganze? Warum nicht einfach ein straighte, schöne, schlaue Geschichte erzählen? Warum all die Wendungen, all das Doppelte, das Überschlaue? Nichts gegen erzählerische Ambition, aber ein Spiel konsumiert man nicht wie einen Film — man hat immer einen eigenen Blick als handelnde Person. Und zwischen dem Spieler und der Handlung steht die Mechanik. Wenn die Person, aus deren Augen man schaut, Dinge nicht hinterfragt und nicht schlüssig handelt, trägt es die Erzählung aus der Kurve, egal wie clever die Ebenen verschachtelt sind. Außerdem verteilen sich, jedenfalls bei mir, die 12 Stunden eines Spiels auf mindestens 7 Spieltage, zwischen denen möglicherweise jedes Mal 3 Tage Pause liegen. Ich zumindest, es mag meiner fragmentierten Freizeitgestaltung und meinem 43jährigen Hirn geschuldet sein, habe am Ende von den schlauen Anspielungen schon die meisten wieder vergessen, anders als in einem zweistündigen Film, beispielsweise. Oder einem Buch, wo man immer noch mal zurückblättert, wenn man sich in der Geschichte verfranzt hat.

Ach nun, aber was soll das Klagen, man muss ja froh sein, wenn in Mainstream-Spielen überhaupt mal was anderes als drittklassige Filmklischees angeboten werden.

Wer weiterlesen will, hier sind ein paar interessante Links zu Bioshock Infinite.

Deutsch:

### Ein Quantenmärchen (Videogametourism) ###
### Schlachtfest in der Wolkenstadt (SpOn) ###
### Keine Angst vor Intelligenz (GameStar) ###
### Das Ende von Bioshock Infinite – Der Versuch einer Erklärung (nein, ja, erledigt, los) ###

Englisch:

### Infinite Privilege (How Not To Suck At Game Design) ###
### Letters From Columbia: Breaking Down BioShock Infinite (Wired) ###
### BioShock Infinite Is Insanely, Ridiculously Violent. It’s A Real Shame. (Kotaku) ###
### The Problem With BioShock Infinite’s Combat (Kotaku) ###
### BioShock Infinite ending explained (Eurogamer) ###
### Let’s Talk About the Twists and Turns (Kotaku) ###
### Booker DeWitt and the Case of the Young White Lady Feels (Super Opinionated) ###
### The Vigor Of Oz: Bishock Infinite’s Wizardly Parallels (Rock Paper Shotgun) ###
### Thoughts on Bioshock Infinite (In the Games of Madness) ###

Und wer das Spiel mal anders erleben will, hier ist Infinite als Film, nur Erzählung und Wege, kein Kampf, kein Mülleimer durchsuchen:

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