Die Zeit

by Gunnar on 6. Juli 2014 · 6 comments

Dialog mit dem Goldkind:

Ich: Nun mach, es ist schon spät. Wir müssen los.
Goldkind: Das liegt nicht an mir, das liegt an der Zeit.
Ich: Huh?
Goldkind: Ja, die Zeit ist immer so pünktlich. Die beeilt sich immer. Die will einfach nicht zu spät kommen.
Ich: …
Goldkind: Streberzeit!

Hm. Nun. Das mit der unangenehmen Pünktlichkeit der Zeit ist mir auch schon aufgefallen.

Coole Schuhe

by Gunnar on 2. Juli 2014 · 2 comments

Sehr kurze Goldkindgeschichte:

Eben, im Schuhladen.

“Papa, du solltest die Schuhe nicht kaufen.”
“Huh? Warum nicht?”
“Die sind zu cool für dich.”

Ah. Und das Kind ist erst sechs. In zwei Jahren geht sie nicht mehr mit mir auf die Straße, nehme ich an.

Helle Köpfe in der Werbung

by Gunnar on 30. Juni 2014 · 5 comments

Neulich, in der Werbeagentur:

Texter 1: Wir brauchen was mit “helles”, das Bier ist ja auch ein “Helles”.
Texter 2: Hmm. Heller Tag, dunkle Nacht, hellsichtig, hellhäutig, hell…
Texter 1: “All Hell breaks loose!” Mit so’nem Metaller und Pommesgabel und Bierflasche!
Texter 2: Das ist off-brand!
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Hmm. Hellebarde, helldenhaft, helle Köpfe…
Texter 1: Helles Köpfchen! Das isses. “Nicht nur für helle Köpfchen”! Nun? Mit ner dunkelhaarige Tussi. Ein Bier, nicht nur für Blondinen. Super, oder? Auch inklusiv und so.
Texter 2: Welchen Sinn ergibt das? Und “helles Köpfchen” heißt nicht “blond”, sondern “clever”. “Nicht nur für clevere Leute” steht dann auf dem Bierdeckel.
Texter 1: Spielverderber.
Texter 2: Ach, ist schon Zeit zum Mittagessen, komm, ich zeig’s mal dem Kunden.

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Patrick McGovern (1937-2014)

by Gunnar on 21. März 2014 · 7 comments

Weil mir die gestrige Nachricht vom Tod von Pat McGoverns (Gründers von IDG, meines langjährigen Arbeitgebers) wirklich nahe gegangen ist, möchte ich dazu ein paar Worte verlieren.

Viel wurde und wird gesagt, zu seinen Pionierleistungen, im Verlagswesen, in der Marktforschung, im Venture-Business, in China, all das. Die 350-Millionen-Dollar-Spende an das MIT nicht zu vergessen. Er war, das fasst ein TIME-Artikel gut zusammen, sowohl ein Träumer als auch ein rationaler Zahlenmensch. Er wusste stets alles über seine Unternehmungen, hat sich aber nie dazu hinreißen lassen, sich in Mikromanagement zu ergehen — und er hat, anders als viele seiner angestellten Manager, nie vergessen, dass guter Journalismus die Grundlage seines Imperiums war und ist.

Wir, seine Untergebenen, waren immer stolz auf ihn.

Was mich aber besonders beeindruckt hat, war seine Hingabe an die Mitarbeiter. Wenn Pat eingeflogen kam, dann war es ihm ein Anliegen, jedem Anwesenden die Hand zu schütteln. Für jeden hatte er ein Wort übrig, eine Ermunterung, etwas Persönliches. Vor den berühmten “Zehn-Jahres-Essen”, den pompösen Abendessen, die Pat regelmäßig mit Mitarbeitern unternahm, die länger als zehn Jahre bei IDG waren, lernte er stets für jeden Anwesenden einen Schnippsel auswendig, um sie darauf ansprechen zu können: “Gunnar, führst du noch dein Blog? Wie läuft es, letztes Jahr hast du ja so begeistert davon erzählt.”

Ich fand es immer enorm, dass ein Milliardär Mitte 70 sich das antut, all die Reisen zu den Dutzenden Auslandsniederlassungen, die Vorträge, die Abendessen, das Socializen mit den Mitarbeitern vom Chefredakteur bis zum Hausmeister, das Auswendiglernen. In den US-Niederlassungen kam er gar zum Jahresende immer vorbei, sprach mit jedem ein paar Worte und überreichte die Bonus-Schecks persönlich.

Habe nie wieder jemanden getroffen, der seine Rolle als Unternehmer mit solchem Ernst und solcher Konsequenz ausgefüllt hat, ohne dabei verbissen oder humorlos zu werden.

Er war ein großer Mann.

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Re: Volksabstimmung in der Schweiz

by Gunnar on 10. Februar 2014 · 23 comments

Hintergrund: Die Schweizer Bevölkerung hat die Initiative “Gegen Masseneinwanderung”, gesteuert von der rechtsliberalen SVP, in einer Volksabstimmung knapp angenommen. Die Initiative fordert eine Begrenzung des Zuzugs und eine Neuverhandlung der bilateralen Verträge mit der EU, in denen es um Personenfreizügigkeit geht.

Faktoid: Die drei Kantone mit den höchsten Ausländeranteilen (Genf, Waadt und Basel-Stadt) haben gegen die Zuzugsbegrenzung gestimmt; die drei Kantone (Uri, Nidwalden und Appelzell Innerrhoden) mit der niedrigsten ausländischen Wohnbevölkerung haben dafür gestimmt.

Ja, das ist eine tendenziöse Argumentation, sich da einfach was rauszugreifen, aber das Faktum ist schon auffällig. Deckt sich ja auch mit den Erfahrungen in Deutschland, wo die schlimmste Ausbrüche von Ausländerfeindlichkeit in Gegenden stattfinden, wo wenig oder keine Ausländer wohnen. Ausnahme: Gegenden, in denen Ausländer in der Mehrheit sind, da gibt es auch Reibereien.

Küchenpsychologisch würde ich das mal so verdeutlichen:

Nehmen wir an, du arbeitest in einer Firma in Deutschland mit Engländern und Deutschen, hauptsächlich Deutschen. In Meetings wird Deutsch gesprochen. Ist ein Engländer dabei, müssen die Deutschen alle auf Englisch wechseln.

Liegt der Engländer-Anteil unter 5 %, sind die meisten Meetings auf Deutsch. Meetings mit englischen Kollegen sind unbeliebt, weil man die Sprache wechseln muss. Man denkt, nun, die Herren Insulaner können jetzt aber auch mal deutsch lernen. Kann so schwer ja nicht sein.

Liegt der Engländer-Anteil bei 30%, gibt es fast keine Meetings ohne Engländer, alle sind gewöhnt, ständig Englisch zu reden, niemand stört sich daran. Internationales Flair entsteht, manchmal gibt es lustige Rivalitäten in der Betriebssportmannschaft oder bei abendlichen Kneipengang.

Liegt der Engländer-Anteil bei 60 %, spricht man die ganze Zeit Englisch und es beginnt einem aufzufallen, dass in der Kantine erstaunlich oft Plumpudding serviert wird, dabei ist doch Plumpudding bekanntlich ungenießbar. Und dass am Geburtstag der Queen keine Meetings stattfinden dürfen, das geht doch jetzt aber zu weit. Und was sollen überhaupt die Liverpool-Fahnen im Aufenthaltsraum. Wo sind wir denn hier?! Verdammte Inselaffen!

Eine Falschmeldung — und die Folgen?

by Gunnar on 15. Dezember 2013 · 9 comments

Die Sache ist im Grunde nicht aufschreibenswert, weil schon so oft passiert: Ein Bild-Mitarbeiter schreibt eine falsche Geschichte aus einem US-Portal ab (nicht merkend oder wissen wollend, dass die schon 8 Monate alt und längst dementiert ist); die atemlose deutsche Journaille von Focus bis Stern rennt der Bild nach und verbreitet die Falschmeldung weiter, jedesmal gefällig paraphrasiert. Dutzende Magazine und Zeitungen, renommierte Häuser, nirgendwo eine Sekunde Zeit für Recherche.

Schlimm, ja, aber das passiert ständig, Sack Reis in China also.

Was mich viel mehr interessiert: Wie ist denn das Selbstverständnis der Redaktionen, angefangen mit der Bild? Kriegt der Abschreiber Ärger, eine Standpauke, gar eine Abmahnung wegen Verletzung der journalistischen Sorgfaltspflicht? Wird so ein Fall aufgearbeitet, wird der zu einem Beispiel, mit dem man künftig Volontäre erschreckt?

Oder geht das im Rauschen des Alltags unter, wird das zu einem “kann ja mal passieren” oder “das versendet sich” und die härteste Strafe sind die Witzeleien der Kollegen sowie die hochgezogene Augenbraue des Ressortleiters?

Oder feiert man sich gar für die Klicks, klopft sich im Stillen auf die Schulter und denkt, nun, was soll man tun, im Krieg und an der News-Front ist doch wohl alles erlaubt?

Ist eine ganz ernstgemeinte Frage, keine Polemik. Etwa mitlesende Kollegen von Qualitätsmedien mögen bitte antworten, gleich hier oder auch auf FB, wo ich dieselbe Frage auch gestellt habe.

(Aktueller Anlass: http://gutjahr.biz/2013/12/friends-reunion/)

The Fuck of Us

by Gunnar on 17. November 2013 · 45 comments

Habe eine neue PS3 (jaja, ihr habt alle schon die 4, zweimal, einmal zum Spielen, einmal zum Heizen, ist mir aber wurscht, ich habs nicht mit neuen Konsolen) und wollte da gleich mal einweihungshalber was Fettes spielen, sowas mit Grafik und CGI-Sequenzen und 95 Wertungspunkten und so. Habe mir daher The Last of Us geborgt und für den Anfang mal zwei Stunden Zeit genommen.

Und…

Tja, erstmal sagt die Konsole, dass das Spiel so mit meinem System nicht kompatibel ist und sie dringend ein Update essen muss, bevor an weitere Schritte zu denken wäre. WTF? Bin ich hier am PC? Obendrein habe ich die Konsole gar nicht im Internet, aber naja, nach mehrmaliger Falscheingabe des WPA-Passworts und mühsamer Navigation durch irritierende Seitwärts-Menüs ist das Ding im WLAN, lädt und kaut sein Update. Was hätte ich getan, wenn ich kein Internet hätte? Egal, Neustart, jetzt aber das Spiel!

Und…

Ach, nee, jetzt braucht das Spiel auch erstmal ein Update. Nee, is klar. Gleiches Recht für alle. Ja dann, hier ist mein Internet: hols dir, was du brauchst und vergiss nicht, der NSA Bescheid zu sagen. Laden, Neustart, jetzt aber das Spiel!

Und…

Nein, so einfach ist das nicht, das Gerät geht einfach nochmal durch die letzten Schritte, Update (dasselbe wie eben!), Neustart und so. Jetzt aber das Spiel!

Und…

Nein, so einfach ist das nicht, das Gerät geht einfach nochmal durch die letzten Schritte, Update (dasselbe wie eben!), Neustart und so. Jetzt aber das Spiel!

Und…

Oh, jetzt läuft es nicht. Einfach so, mit schwarzem Bildschirm und komischen Geräuschen. DVD geputzt, nochmal versucht. Im Kreis gelaufen, gebetet, Porzellan zerschlagen. Wie das Internet zu berichten weiß, ist das Nicht-Starten von The Last of Us ein weit verbreitetes Problem. WTF? Sinnvolle Lösungsansätze finden sich in den Foren nur wenige. Jemand rät, ein anderes Spiel zu starten, das nach ein paar Minuten abzubrechen und dann The Last of Us einzulegen. Klingt wie magisches Denken, aber nun, das kann ich eben machen, EIN anderes Spiel habe ich ja rumliegen, Uncharted 3. Dann spiel ich das rasch mal an, aber… oh. Uncharted hat natürlich auch Hunger und lädt jetzt erstmal ungefragt 533 MByte Update runter. 533 MB! Im Vordergrund, selbstverständlich. Argh.

Mittlerweile sind von meinen 120 Minuten hart freigeschaufelter Videospiel-Freizeit genau 94 um. Verbraucht für Updates, Neustarts, Webrecherche und guten altmodischen Ärger. Spielzeit: null. (Bis auf die 5 Minuten, die ich nebenbei auf’m iPad in die Pflege meiner Stadt bei Throne Wars investiert habe.)

Ich spiele dann noch eine halbe Stunde Uncharted, für The Last of Us habe ich keine Kraft mehr.

Da sag noch einer, Bedienbarkeit wäre ein spezifischer Vorteil von Konsolen gegenüber dem PC.

Hallo?

Liest das hier noch jemand? Falls ja, möchte ich gerne die Absenz von Sonntagslinklisten und Goldkindgeschichten erklären. Es ist, nun, weil ich soviel zu tun hatte. Ich habe nämlich nebenbei… ach, schaut selbst:

Und dann Klick: visi.bi

Was beim Essen wichtig ist

by Gunnar on 13. Juli 2013 · 16 comments

Es ist abends. Herr Kaliban, gerade in einer Phase von “Wie ernähre ich mich richtig”, liest das Internet quer. Schlimm ist das, alles widerspricht sich, zu jeder gesichterten Erkenntnis gibt’s eine Gegenmeinung. Er liest und liest und diskutiert nebenbei mit einem ernährungsbewussten Kollegen im Chat, da erwacht das Goldkindtm — und stellt die magisch passende Frage, direkt aus dem Traum heraus.

Goldkind: Papa, weißt du, was du kochen musst?

Herr Kaliban: (schaut mit großen Augen, erwartet jetzt die Lösung für alles, das Goldkind, Kindermund tut Wahrheit kund, wird die Lösung einfach aussprechen, jetzt) Uh?

Goldkind:
Na, wie heute: Essen ohne Sauce. Damit ich mein schönes neues Kleid nicht vollkleckern kann.

Ah, stimmt, DAS ist natürlich das Wichtigste beim Essen. Wie fehlgeleitet man manchmal ist, so als Erwachsener.

Liebe Xbox 360 ❤ (ein offener Brief)

by Gunnar on 20. Juni 2013 · 68 comments

Meine liebe 360,

Als ich neulich mit der Liebe meines Lebenstm sprach und ihr alles über deinen Nachfolger erzählte, das mit dem DRM und der Gebrauchtspielrestriktion, dem Online-Zwang, der ewig wachen Kamera (und den theoretischen Implikationen davon), dem ganzen Konzept als Wohnzimmer-Hub, den man per Stimme anschaltet, einer Konsole, die darauf gebaut ist, ständig im Netz, ständig am Strom zu sein, da…

… entfaltete beim Erzählen sehr deutlich das Bild einer Firma, die ein teures Entertainmentgerät entlang einer sehr eigenen, sehr amerikanischen Philosophie baut, einer Philosophie, in der Stromverbrauch keine Rolle spielt, in der Indie-Games keine Rolle spielen, in der Privatheit keine Rolle spielt, in der es überhaupt viel mehr um die Eroberung von Räumen, meinetwegen des oft zitierten Wohnzimmers, geht als um Games und die Gamer. Was besonders schade ist, da deine Erbauer mit dir, liebe 360, eigentlich den Eindruck erweckt hatten, für etwas anderes zu stehen – Xbox Live inklusive Arcade war ein Wunder der digitalen Welt, XNA war ein Startpunkt für viele angehende Spieleentwickler. (Und die Firma mit der “falschen Philosophie”, das war doch immer Sony, Vorreiter in Sachen DRM und sinnloser Konvergenz mit proprietären Formaten. Eine PS3, deine dunkle Schwester, habe ich daher nie gekauft, trotz Heavy Rain, Journey oder The Last of Us.)

Meine Frau hörte mit halbem Ohr zu und sagte am Ende meiner Tirade, äh, die kaufen wir aber nicht, oder? Ich will nicht so ein passiv-aggressives Ding im Wohnzimmer haben, das immerzu Strom verbraucht und auf das Einschaltkommando wartet wie ein Hund auf das Wort Gassi.

Nein, Schatz, die kaufen wir nicht.

Und dann: Warum machen die das eigentlich? Die 360 war doch toll.

(Hörst du, liebe 360, sie gibt es zu!)

Ich weiß auch nicht, warum die das machen.

Aber die möglicherweise dahinter stehende Haltung ist mir derart unsympathisch, dass Microsofts öffentliches Zurückrudern nichts ändert. Die Xbox One kommt mir nicht ins Haus, basta.

Aber du darfst natürlich bleiben, liebe 360, dein

Gunnar

P.S. Ach, und noch was. Keine Angst, liebe 360, das heißt noch lange nicht, dass ich eine PS4 kaufe.

Sonntagslinks

Juni 2, 2013

Linkliste, leider nicht mehr ganz sonntäglich sonntäglich. MUSIK: Ein Musikvideo komplett aus Filmzitaten. Ganz cool. ### RETRO-LET’S PLAY: Die Kollegen von Gametube widmen sich System Shock 2 und spielen es nochmal komplett durch. ### VIDEO: Vollmondsilhuetten. Wunderschön. ### VIDEO: Fitzcarraldo, nachgestellt mit Pappfiguren. ### LEGO: Los, nachbauen. Die Welt braucht mehr X-Wings. ### HUMOR: Beer […]

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Der Endgegner

Mai 28, 2013

Gunnar, du wirst als Endgegner in einem Computerspiel wiedergeboren. Wie sieht dieser Endgegner aus und welche Eigenschaften zeichnen ihn aus? Durch die Mühen der Ebene und die Schründe der Berge kommt der einsame Held zur Festung des KORREKTOR. Der Eingang ist nicht bewacht, aber passiv-aggressive Schilder in korrektem Deutsch hängen überall. “Sie wissen sicher, dass […]

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